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07.04.2017 13:49 Alter: 51 days
Kategorie: Theologisches Seminar St. Chrischona
Von: Simon Baum

Vom Schatz des Dramas der Liturgie

Theologischer Studientag mit Professor Kevin Vanhoozer am tsc


Kevin Jon Vanhoozer, Professor für Systematische Theologie am 27. März 2017 am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc)

Die Liturgie ist für Professor Kevin Vanhoozer keine fromme Litanei, sondern steht im Zentrum des Handeln Gottes mit uns Menschen im Rahmen des «Theo-Dramas».

Theologiestudenten im Gespräch beim theologischen Studientag mit Kevin Jon Vanhoozer am 27. März 2017 am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc)

Angeregtes Gespräch von Theologiestudenten über den Schatz liturgischer Gottesdienstelemente.

Für den amerikanischen Theologieprofessor Kevin Vanhoozer ist klar: Die Geschichte der Taten Gottes ist ein Drama auf der Bühne der Weltgeschichte. An drei Studientagen Ende März 2017 erklärte er, welche Rolle die Christen darin spielen. Der dritte dieser Studientage fand am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc) statt. Dort diskutierten die Referenten über die Bedeutung der Liturgie für das «Theo-Drama».

Theologie, ein Drama?

Dr. Andreas Loos, tsc-Dozent und Mitorganisator des Studientags, machte gleich zu Beginn klar, von welchem Drama die Rede ist – nämlich dem aus der Theatersprache. Dort ist mit Drama eine bestimmte Handlung gemeint. Wer vom Drama der Theologie oder «Theo-Drama» spreche, meine also das Heilshandeln Gottes auf der Weltbühne. Hauptakteur im Drama sei Gott selbst. Die Christen seien Co-Akteure des Dramas. Sie leben in diesem Drama der Erlösung und führen es auf der Bühne der Welt auf, was eine Form von Opens external link in new windowKommunikativer Theologie darstelle.

Liturgie macht Christus präsent

Wie im Theater die Handlung im Zentrum steht, sieht Opens external link in new windowKevin Vanhoozer die Liturgie als Zentrum des christlichen Handelns. Sie sei die «theo-dramatische Aufführung Gottes» in der Kirche, dem «Theater für Gottes Evangelium». Neurologen sind sich einig: Was wir mit unserem Körper tun, formt unseren Geist. Vanhoozer erklärte analog dazu, dass christliches Handeln auch das christliche Denken präge. Liturgie mache Christus präsent und zeige, dass real ist, was wir glauben.

Am besten komme dies beim Abendmahl zur Geltung. Das Abendmahl sei eine Praxis, die Jüngerinnen und Jünger forme, die der neuen Wirklichkeit in Christus gleichgestaltet werden. Die Dimension der Liturgie im Gottesdienst geht also viel weiter, als viele denken. Die Liturgie ist keine fromme Litanei oder ein nicht mehr zeitgemässes Relikt der Kirchengeschichte, sondern beteiligend, feiernd und eingliedernd zugleich. Vanhoozer plädierte dafür, sich den Schatz der kirchlichen Liturgie neu bewusst zu machen. Sie forme uns über den Gottesdienst hinaus zu «Bürgern des Evangeliums».

Drama des liturgischen Gebets

Neben Kevin Vanhoozer sprachen am Studientag weitere Referenten. Professor David Plüss (Universität Bern) brachte die kraftvolle Dimension des liturgischen Gebets näher, zum Beispiel des Vater Unsers. Er verglich dieses bekannte Gebet mit einer spirituellen Quick-Soup – einfach, schnell zubereitet und nahrhaft. David Plüss erklärte, dass wir in den Erinnerungsraum Gottes eintreten, wenn wir beten. Wir würden uns daran erinnern, dass wir nicht uns selbst erhalten, sondern Gott uns erhält. Der Glaube lebe also auch vom Drama des liturgischen Gebets.

Anschliessend erörterte Assistenzprofessor Stefan Schweyer (STH Basel), wie der Gottesdienst unseren Alltag prägt. «Formen formen uns», sagte er. Dabei ist es nicht nur das Gesagte was formt, sondern auch das Handeln im Gottesdienst. Jede Liturgie wurde geformt, damit sie uns wiederum formt. Schweyer gab hierfür das Beispiel des Umgangs mit der Bibel im Gottesdienst: Wird die Bibel nach der Schriftlesung gleich weggelegt? Wird das Bibelwort sofort ausgelegt oder stehen gelassen? Das Ziel jedes Gottesdienstes sollte sein, Lust auf mehr zu machen. Statt Fertigmenüs zu servieren, sollten wir mutig sein, auch mal schwer Verdauliches aufzutischen. Etwas, das anregt, sich zu Hause noch mehr Gedanken darüber zu machen.

«Das Heilsdrama auf der Bühne dieser Welt leben»

Am Nachmittag des Studientags diskutierten die Teilnehmer in verschiedenen Gruppen weiter über den Umgang mit Bibel, Predigt, Gebet oder Segen im Gottesdienst. Die gewonnen Einblicke in das Drama der Liturgie begeisterten viele von ihnen, darunter Opens internal link in current windowDr. Andreas Loos: «Am faszinierendsten fand ich, dass Lehre und Leben, Theologie und Kirche, Dogmatik und Spiritualität wieder zusammenfinden könnten. Dann nämlich, wenn sie ihre Rollen in der Aufführung des Heilsdramas mit neuer Leidenschaft einnehmen und leben. Die Theologie herrscht nicht über die Gemeinde, sondern dient ihr, wenn sie die Kirche freisetzt, befähigt und instruiert, das Heilsdrama zu leben auf der Bühne dieser Welt.»