Podiumsgespräch am Forum Kommunikative Theologie 2020 (1500x500px)

Wie Christen besser kommunizieren

Bericht

Erkenntnisse des Forums Kommunikative Theologie 2020

Kommunikative Theologie zu betreiben, hat sich das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) auf die Fahnen geschrieben. Konkret geschieht dies beim zweitägigen Forum Kommunikative Theologie. Mitte Januar 2020 fand es wieder auf dem Chrischona-Campus statt. Diesmal dachten rund 50 Teilnehmer über ein Schlüsselthema nach, um den christlichen Glauben zu verbreiten: die Kommunikation.

Wer sich wissenschaftlich mit Kommunikation beschäftigt, landet schnell bei Paul Watzlawicks: «Man kann nicht nicht kommunizieren.» Darin einig waren sich auch die Referenten des Forums Kommunikative Theologie: die Professoren Vinzenz Wyss (ZHAW) und Harald Seubert (STH Basel), die tsc-Dozierenden Rahel Bidlingmaier, Dr. Stefan Felber und Dr. Jean-Georges Gantenbein sowie die Sprachtherapeutin Damaris Tschirner.

Kommunikative Herausforderungen für Christen

Besonders Religionsgemeinschaften und Christen stehen in der heutigen Zeit vor zahlreichen Herausforderungen, wenn sie öffentlich kommunizieren wollen. Der Professor für Journalistik Vinzenz Wyss arbeitete dies anhand der Systemtheorie von Niklas Luhmann und von empirischen Untersuchungen heraus. So seien Religionsinhalte selten Hauptthema, wenn Medien über Religion berichten. BBesonders Freikirchen macht es zu schaffen, dass sie in der Öffentlichkeit als «eine andere Welt» wahrgenommen werden. Zudem gebe es einen «Negativismus-Frame», der Religionsgemeinschaften mit Gewalt, Kriminalität oder Terrorismus in Verbindung bringt.

Prof. Wyss: «Geschwätziger werden!»

Was also tun? Prof. Wyss gab den Tipp, als Religionsgemeinschaft selbst aktiv zu kommunizieren und den Medien Personen und Geschichten anzubieten. Chancenreich sei es, christliche Werte mit aktuellen Fragen zu koppeln. Zudem sei eine Sehnsucht nach Gemeinschaften spürbar. Dies seien jedoch «neue Gemeinschaften, die sich nur noch durch Kommunikation definieren», wie Prof. Wyss erklärte. Und weiter: «Religionsgemeinschaften müssen geschwätziger werden, aber ohne zu moralisieren. Dann besteht die Hoffnung, wieder mehr wahrgenommen zu werden.»

Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Wyss zeigte die Herausforderungen auf, die Christen bei ihrer Kommunikation in der Öffentlichkeit haben.
Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Wyss zeigte die Herausforderungen auf, die Christen bei ihrer Kommunikation in der Öffentlichkeit haben.

Prof. Seubert: «Auf der Schrift gegründet und gesprächsfähig sein!»

Einen philosophisch-theologischen Blick auf das Kommunizieren in der heutigen Zeit warf Prof. Seubert. Mit einer guten Portion Humor und einer grossen Übersicht auf die Philosophiegeschichte konnte er die Zuhörerinnen und Zuhörer fesseln. Prof. Seubert ordnete die neuen Kommunikationsmöglichkeiten des 21. Jahrhunderts als ähnliche Revolution wie den Buchdruck ein. «Kommunikation wird weltumspannend und allverfügbar. Zwischen menschlichen Beiträgern zu dieser Kommunikation und Bots ist nicht mehr ohne Weiteres zu unterscheiden», analysierte er. Kirche und Theologie müssten darauf Antworten finden, für die Prof. Seubert fünf Thesen vorstellte. Eine davon lautete: «Die grosse Aufgabe ist es, fest auf der Schrift gegründet zu bleiben – und zugleich gesprächsfähig zu sein.» Die Kommunikative Theologie schätzte er dabei als hilfreichen Denk-, Lese- und Überzeugungsweg ein.

Prof. Dr. Harald Seubert artikulierte 5 Thesen zu den Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren theologischen Kommunizierens heute.
Prof. Dr. Harald Seubert artikulierte 5 Thesen zu den Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren theologischen Kommunizierens heute.

«Sprache hat Macht!»

Am zweiten Tag des Forums Kommunikative Theologie spannten Dozierende des tsc den inhaltlichen Faden weiter. Sie referierten darüber, wie sich Kommunikation gestalten lässt. Zunächst führte Dr. Stefan Felber (tsc-Dozent für Altes Testament) die Macht der Sprache vor Augen. Anhand von Ausschnitten des Films «Tolkien» zeigte er: Sprache lockt durch Schönheit, hat konservierenden Charakter und ist das Lebenselixier eines Volkes. «Sprache hat Macht. Christen und Nichtchristen haben ein Interesse an einer guten Sprache, an einer funktionierenden Kommunikation. Theologie und Kirche haben die höchste Motivation, sich um gute Kommunikation und Sprache zu bemühen», sagte Stefan Felber.

«Ein Wunder, wenn Kommunikation als gelungen erfahren wird»

Sprache und Bibelübersetzung sind Forschungsthemen von Stefan Felber. 2018 hat er dazu das Buch herausgegeben «Zwischen Babel und Jerusalem – Aspekte von Sprache und Übersetzung». Eine seiner dort zu Papier gebrachten Thesen fasste er am Forum Kommunikative Theologie so zusammen: «Es ist wirklich Gnade und Vorrecht, dass wir kommunizieren dürfen – ja es ist nach Babel immer ein Wunder, wenn Kommunkation als gelungen erfahren wird. Und der Pfingstbericht in Apg 2 zeigt: Am ehesten werden Menschen dort eins, wo sie sich unter die Grosstaten Gottes stellen und diese in ihren jeweiligen Sprachen vergegenwärtigen.»

Die Macht der Sprache führte Dr. Stefan Felber (Dozent am tsc für Altes Testament) vor Augen.
Die Macht der Sprache führte Dr. Stefan Felber (Dozent am tsc für Altes Testament) vor Augen.

Zu Augen Gottes werden

Kunsthistorisch interessant wurde es beim Vortrag von Dr. Jean-Georges Gantenbein (tsc-Dozent für Interkulturelle Theologie). Er erzählte den Krimi der Wiederentdeckung der «Kreuzigung» des Renaissance-Malers Agnolo Bronzini. Massgeblichen Anteil daran hatten zwei italienische Kunstexperten, sogenannte «Augen», die Kunstwerke überprüfen. Seine These: Auch Mitarbeitende im Reich Gottes sollten sich zu Augen seiner Herrschaft entwickeln.

Methoden mutig ausprobieren

Zum Schluss wurde es mit Rahel Bidlingmaier praktisch-methodisch. Die Studiengangsleiterin der Theologie & Pädagogik machte Mut, sich auf neue Methoden einzulassen. Methoden seien viel mehr als eine nette Spielerei. Es gelte jedoch, Dinge auszuprobieren und Methoden nicht vorschnell zu verdammen. «Methoden müssen erlernt und eingeübt werden – sowohl vom Sender als auch vom Empfänger», lehrte Rahel Bidlingmaier.

Viel Stoff zum Weiterdenken

Die Zuhörerinnen und Zuhörer des Forums Kommunikative Theologie setzten sich zusammen aus tsc-Dozierenden, Vertreterinnen und Vertretern von tsc-Netzwerkpartnern und interessierten Gästen. Ihnen allen hat das Forum viel Stoff zum Nach- und Weiterdenken gegeben. Es motivierte auch für konkrete nächste Schritte. Thomas Eberhardt, Pastor der Chrischona-Gemeinde Thun, will beim Thema Vergebung ansetzen: «Kirche kann beim Thema Vergebung punkten. Das müssen wir rüberbringen». Und sein Kollege Elias Vogel aus der Chrischona-Gemeinde Steckborn will Gemeindemitgliedern den Tipp geben, Werte zu benennen – ohne zu moralisieren. So kann Kommunikative Theologie in der Praxis aussehen.

Dr. Jean-Georges Gantenbein ist Dozent für Interkulturelle Theologie am tsc. Die These seines Vortrags: Christen sollten sich zu «Augen» Gottes entwickeln.
Dr. Jean-Georges Gantenbein ist Dozent für Interkulturelle Theologie am tsc. Die These seines Vortrags: Christen sollten sich zu «Augen» Gottes entwickeln.
Methoden nicht verdammen, sondern mutig ausprobieren, forderte Rahel Bidlingmaier (Studiengangsleiterin Theologie & Pädagogik am tsc).
Methoden nicht verdammen, sondern mutig ausprobieren, forderte Rahel Bidlingmaier (Studiengangsleiterin Theologie & Pädagogik am tsc).

Forum 2021

Das nächste Forum Kommunikative Theologie findet am 21. und 22. Januar 2021 auf dem Chrischona-Campus statt.

Communicatio-Magazin

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Communicatio-Magazin 2/2019: Der gewalttätige Gott der Bibel (Kämpfer, 1500x500px)

4 Strategien zum Umgang mit dem gewalttätigen Gott der Bibel

Artikel aus dem Communicatio-Magazin 2/2019

4 Strategien zum Umgang mit einem anstössigen Gottesbild

Autor: Dr. Andreas Loos

Ungefähr 1000 Bibelstellen bringen Gott in direkte Verbindung mit brutaler Gewalt. Sein Zorn entbrennt, er bestraft mit Tod und Untergang, rächt sich. Die Theologie hat verschiedene Strategien entwickelt, diese Gewalttätigkeit zu erklären und einzordnen. Vier davon stellt Dr. Andreas Loos (Dozent für Systematische Theologie am tsc) genauer vor:

Die atheistische Kritik stösst uns auf ein echtes Problem

Manche Kritik am christlichen Glauben lässt sich entschärfen, indem man zugibt: «Ja, in der Geschichte der Christenheit geschah vieles, was nicht mit dem guten Willen Gottes übereinstimmt.» Und dann kann man einem Atheisten empfehlen, sich das Original des Glaubens anzuschauen, wie es in der Bibel bezeugt wird. Der Vorwurf, dass Gott gewalttätig ist und gewaltbereit macht, lässt sich so nicht entkräften. Denn er kommt daher, dass Atheisten die Bibel lesen, und zwar mindestens so aufmerksam und intensiv wie die Gläubigen. Etwa Kurt Flasch, wenn er den «Gott der Väter» näher betrachtet, der in 1. Samuel 15 – wie so oft – den Befehl erteilt, eine komplette Stadt und alle Menschen darin auszulöschen: «Ich kann diesen Gott nicht anerkennen … Dass niemand Kinder und Säuglinge töten darf, dessen bin ich mir sicherer als dass es die Stimme Gottes ist, die aus dem Mund des Schlächters Samuel Pogrome befiehlt» (Warum ich kein Christ bin, S. 158–159).

Dieser Atheismus klingt völlig anders als «Der Gotteswahn», den Richard Dawkins den Christen in einer nicht gerade gewaltfreien Sprache vorwirft. Denn das nachdenkliche «Ich kann an diesen Gott nicht glauben» schlummert in den Herzen vieler Christen, wenn sie die Bibel einmal ungeschminkt und ungezähmt zu Wort kommen lassen. Ich finde, der Atheismus erweist dem Glauben an Gott einen guten Dienst. Er lässt es mir nicht durchgehen, dass ich die Gewaltstellen der Bibel lese, aber dann zur Seite lege. Im Gegenteil, er mutet mir unbequeme Fragen zu: War ich zu faul, mal ernsthaft die dunklen Seiten Gottes zu bedenken? Hatte ich Angst, den «guten Gott», den «lieben Gott» zu verlieren? Haben mich diese biblischen Texte kalt gelassen, weil ich selbst nie Opfer von Gewalt war?

Auch wenn es mir nicht in meinen Glaubenskram passt, ich nehme es mit Franz Buggle erst mal zur Kenntnis: «Die Bibel beinhaltet und propagiert an erschreckend zahlreichen Stellen und in ausgeprägter Weise eine Tendenz zu archaisch grausamer Gewalttätigkeit» (Denn sie wissen nicht, was sie glauben, S. 36). Der Theologe Raymund Schwager listet diese Gewalt so auf: An ca. 600 Stellen erzählt die Bibel, wie Völker, Könige oder einzelne Menschen sich grausam an anderen vergehen. Ungefähr 1000 Stellen bringen Gott in direkte Verbindung mit brutaler Gewalt: Sein Zorn entbrennt, er bestraft mit Tod und Untergang, rächt sich. An über 100 Stellen befiehlt Gott ausdrücklich, menschliches Leben zu vernichten (Brauchen wir einen Sündenbock?, S. 64–81). Und manchmal scheint es, als würde Gott sich selbst am vergossenen Blut berauschen: «Ich will meine Pfeile mit Blut trunken machen, und mein Schwert soll Fleisch fressen, mit Blut von Erschlagenen und Gefangenen» (5Mo 32,42).

Es wäre vermutlich wirkungsvoll, jetzt ein paar biblische Blutproben zu nehmen. Ich verzichte auf diese Effekthascherei. Stattdessen male ich eine Skizze mit den theologischen Lösungsversuchen, die mir gegenwärtig als die einflussreichsten erscheinen. Wichtig ist mir dabei Folgendes: Im wirklichen Leben überlappen sich diese Ansätze. Theologinnen und Theologen nehmen meistens Aspekte aus mehreren Strategien auf. Mit Kritik halte ich mich bewusst zurück, will aber kurz erläutern, wie jeder Weg zur Erfassung und Lösung des Problems beiträgt.

Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) für Systematische Theologie.
Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Systematische Theologie.

Der Theologe Raymund Schwager listet diese Gewalt so auf: An ca. 600 Stellen erzählt die Bibel, wie Völker, Könige oder einzelne Menschen sich grausam an anderen vergehen. Ungefähr 1000 Stellen bringen Gott in direkte Verbindung mit brutaler Gewalt: Sein Zorn entbrennt, er bestraft mit Tod und Untergang, rächt sich. An über 100 Stellen befiehlt Gott ausdrücklich, menschliches Leben zu vernichten

Strategie 1: Die Bibel reinigen und anpassen

Was, wenn die anstössigen Gewalttexte der Bibel eigentlich gar nicht Wort Gottes sind? Dann wäre das Problem erledigt. Eine bekannte Variante dieser Strategie präsentiert der Theologe Marcion (gestorben 160 n.Chr.). Ähnlich wie die Gnosis trennt er zwischen einem guten und vollkommenen Gott und einem Gott, der die Welt erschaffen hat und sie wild und unbarmherzig richtet. Die Gewaltstellen des Alten und Neuen Testaments stammen von diesem zweiten, fragwürdigen Gott und gehören nicht in die Bibel. So entwickelt Marcion seinen eigenen biblischen Kanon.

Eine andere Variante der Bereinigungsstrategie geht davon aus, dass manche oder sogar alle Gewalttexte der Bibel keine historischen Ereignisse berichten. Sie haben ihren Weg in die Bibel aus anderen Gründen gefunden. Diese Gründe lassen sich mit den Werkzeugen der historisch-kritischen Bibelauslegung herausfinden. Man untersucht das geschichtliche Umfeld der Texte, die weltbildlichen und religiösen Vorstellungen der Verfasser und Leser damals sowie die Bedingungen, unter denen die Texte entstanden und vor allem weitergewachsen sind. So lässt sich beispielweise rekonstruieren, wie das Volk Gottes seine eigene Geschichte erzählt hat. Um sich so seiner Identität als auserwähltes Volk Gottes zu vergewissern – etwa durch übertriebene Erzählungen von Gottes gewaltigen Siegen über die Feinde. In den Gewalttexten der Bibel spricht also nicht Gott. Sie sind Texte von Menschen, die in fragwürdiger Weise von Gott reden wie von einem sündigen, rachsüchtigen und gewalttätigen Menschen (anthropomorphe Redeweise).

Diese Herangehensweise hilft uns zu verstehen, wie Gewalt die Zeit und Umwelt des Alten Testament geprägt hat. Vertreter dieser Sichtweise haben erkannt, dass die Spannung zwischen dem Gott und Vater, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat, und dem gewalttätigen Gott des Alten Testaments für den Glauben zerreissend sein kann. Und sie nehmen ernst, wie grundsätzlich unsere heutigen, ethisch vernünftigen Grundintuitionen und Erkenntnisse abweichen von dem, was uns die Bibel über das brutale Verhalten Gottes und seines Volkes berichtet.

3 Vorteile der Strategie 1:

  • hilft verstehen, wie Gewalt die Zeit und Umwelt des Alten Testaments geprägt hat.
  • weiss, dass die Spannung zwischen dem Gott und Vater, der sich in Jesus offenbart hat, und dem gewalttätigen Gott des Alten Testaments für den Glauben zerreisend sein kann.
  • zeigt Diskrepanz auf zwischen heutigen Grundintuitionen und dem, was die Bibel über das brutale Verhalten Gottes und seines Volkes berichtet.

Strategie 2: Gottes gewalttätiges Handeln plausibilisieren

Hier nimmt man die ganze Bibel als inspiriertes Wort Gottes ernst. Mit den Mitteln einer historisch-theologischen Exegese versucht man nun herauszufinden, was die guten Gründe und Absichten sind, die Gottes gewalttätigem Handeln zugrunde liegen. Es geht nicht darum, das für gut zu erklären oder schön zu reden, was die Bibel an Gewalt berichtet. Es geht darum, den Glauben an Gott zu rechtfertigen, indem man sein gewalttätiges Handeln zum Beispiel als gerechtes Gericht oder begründete Vergeltung an den sündigen Völkern und ihren Göttern aufzeigt
(2Mo 12,12). Oder auch, indem man auf das grössere Gut verweist, das Gott mit seinem Handeln verfolgt (Bonisierungsstrategie). So bewahrt er sein Volk vor tödlichem Götzendienst und schuldhaftem Handeln durch die Vermischung mit anderen Völkern. Oder er verhindert durch sein gewaltiges Handeln noch mehr und brutalere Gewalt. Er erzieht und leitet sein Volk auf Wegen, die wir Menschen nicht immer nachvollziehen können (Jer 30,11).

Vertreter dieser Strategie ermöglichen tiefe Einblicke in das heilsgeschichtliche Handeln Gottes. Die Gewalt Gottes kommt als Handeln zum Heil seines Volkes und der Menschen zum Vorschein. Auf diese Weise wird die angebliche Kluft zwischen einem Gott des Alten und einem Gott des Neuen Testamentes überbrückt. Und aus Sicht der Opfer von Gewalt scheint mir der Gedanke unerlässlich, dass Gott sich den Gewalttätern entgegenstellt.

3 Vorteile der Strategie 2:

  • ermöglicht tiefe Einblicke in das heilsgeschichtliche Handeln Gottes.
  • überbrückt die angebliche Kluft zwischen einem Gott des Alten Testaments und einem Gott des Neuen Testaments.
  • macht klar, dass Gott sich den Gewalttätern entgegenstellt.

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Communicatio heisst das Magazin des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc). Es widmet sich den vielfältigen Themen einer «Kommunikativen Theologie», wie sie am tsc gepflegt und erarbeitet wird. Das Communicatio-Magazin erscheint zweimal pro Jahr. Sie können es kostenlos abonnieren per Post oder per E-Mail.

Communicatio-Magazin 2019/2: Der gewalttätige Gott der Bibel (212x300px)

Strategie 3: Gottes Heilshandeln dynamisch verstehen

Auch hier weigert man sich, die gewalttätigen Darstellungen Gottes mit Hilfe eines vorgefassten Gottesbildes für unbiblisch zu erklären. Man liest sie als echtes Zeugnis davon, wie Gott sein Volk (und alle Menschen) vor innerer und äusserer Grausamkeit und Zerstörung schützen wollte. Dabei erkennt man einen Strategiewechsel in Gottes heilsgeschichtlichem Handeln. Auf den Wegen des Alten Bundes vermochte Gott die Menschen nicht zu erlösen, dieser Weg ist gescheitert. Deshalb verheisst und stiftet Gott einen Neuen Bund. In Jesus Christus zeigt sich ein dynamischer und beweglicher Gott, der sein Verhalten gegenüber uns Menschen ändert. Nur so kann er uns weiter treu bleiben und lieben. Er überwindet die sündige Spirale des Bösen und der Gewalt nicht, indem er in Zorn, Rache und Gericht zurückschlägt, sondern indem er sich selbst schlagen lässt (siehe Hempelmann: Gott ohne Gewalt, S. 88–117).

Vertreter dieses Ansatzes machen deutlich: Gott ist im Neuen Testament kein anderer als im Alten Testament, aber er handelt und verhält sich anders. Die atheistische Kritik läuft hier weitgehend ins Leere angesichts eines Gottes, der selbst Opfer von Gewalt wird, um Gewalt zu beenden. Die Torheit und Schwachheit des Kreuzes Christi (1Kor 1,18–25) leuchtet hell auf, sodass der heute immer noch weitverbreitete Mythos von der erlösenden Gewalt entlarvt wird.

3 Vorteile der Strategie 3:

  • macht deutlich, dass Gott im Neuen Testament kein anderer ist als im Alten Testament, sich aber anders verhält.
  • lässt die atheistische Kritik ins Leere laufen, weil Gott selbst Opfer von Gewalt wird, um Gewalt zu beenden.
  • entlarvt den Mythos von der erlösenden Gewalt.

Strategie 4: Die gewalttätigen Porträts Gottes durch das Kreuz Christi verstehen

Die Grundüberzeugung dieses Lösungsversuchs lautet: Die ganze Bibel ist von Gott durch seinen Geist gehaucht und hat ein Zentrum: der menschgewordene Sohn Gottes, Jesus Christus. Wer Gott ist und wie er sich gegenüber uns verhält, das hat er selbst definiert im Kreuzes­tod seines Sohnes: Gott ist Liebe, die sich sogar für die Feinde hingibt. Bereits die Schriften des Alten Testaments handeln von Christus (Joh 5,36; Lk 24,27). Daher, so die Argumentation, muss man das, was dort von Gottes gewalttätigem Handeln berichtet wird, lesen und verstehen durch die Christusbrille der gekreuzigten und gewaltlosen Liebe Gottes. Mit dieser Strategie versucht man, die kreuzesgemässe Gestalt des Handelns Gottes im Alten Testament zu enthüllen. Etwa dort, wo Gott sich zurückzieht, der Gewalt freien Lauf lässt, bis sie sich selbst verzehrt. Das cruciforme Verhalten Gottes zeigt sich auch darin, dass er jene Gottesbilder, die ihn als gewalttätig porträtieren, nicht aus der Bibel entfernt hat. So tief neigt er sich in Liebe zu den Menschen, dass er ihre entstellten Gottesbilder aushält und in Jesus Christus durchkreuzt.

Vertreter dieses Ansatzes verharmlosen die gläubigen und atheistischen Zweifel an Gott nicht. Sie helfen der bibellesenden Christenheit inmitten der unterschiedlichen und sich reibenden Gottesbilder, die uns die Bibel zumutet. Und sie suchen die Lösung, indem sie der Bibel zu ihrer Mitte hin folgen – zu Jesus Christus. Zunächst ist das wie eine heilsame Flucht zum gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes – typisch für den christlichen Glauben. Aber aus dieser Flucht wird eine biblische Erneuerung des Gottesbildes, die vergessene und vernachlässigte Seiten Gottes beleuchtet.

3 Vorteile der Strategie 4:

  • verharmlost nicht die Zweifel an Gott.
  • folgt der Bibel zu ihrer Mitte hin: zu Jesus Christus.
  • versucht die Spannung der unterschiedlichen Gottesbilder aufzulösen.

Literaturangaben

  • Franz Buggle: Denn sie wissen nicht, was sie glauben. Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann. Eine Streitschrift, Aschaffenburg 2012.
  • Kurt Flasch: Warum ich kein Christ bin. Bericht und Argumentation, München 2013.
  • Heinzpeter Hempelmann: Gott ohne Gewalt! Warum Toleranz und Wahrheit für den christlichen Glauben zusammengehören, Gießen 2009.
  • Raymund Schwager: Brauchen wir einen Sündenbock? Gewalt und Erlösung in den biblischen Schriften, München 1986.
Restaurant Waldrain auf St. Chrischona (1500x500px)

Restaurant Waldrain: Wiedereröffnung geplant

Restaurant Waldrain seit 17.12.2018 geschlossen

Restaurant Waldrain wird frühestens 2021 wiedereröffnet

Das Restaurant Waldrain auf St. Chrischona ist zurzeit geschlossen, weil das langjährige Pächterehepaar Ende 2018 in den Ruhestand gegangen ist. Eine Wiedereröffnung ist frühestens 2021 geplant. Bevor ein neuer Pächter das Waldrain weiter betreiben kann, braucht es Investitionen und ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept.

Dank an Balliets

Im Waldrain wurden Besucher von St. Chrischona seit 1914 verpflegt – erst in der Kaffeehalle, später im Restaurant. Daniel Balliet übernahm das Restaurant Waldrain 1983 als Betriebsleiter. Mit Unterbrechungen war er mehr als 25 Jahre im Waldrain tätig, zuletzt als Pächter mit dem Konzept Selbstbedienungsrestaurant.
Eigentümer des Restaurant Waldrain ist der Verein «Theologisches Seminar St. Chrischona (tsc)» (früher: Chrischona International). Dessen ehemaliger Geschäftsführer Roland Krähenbühl dankte dem Pächterehepaar für ihren Dienst: «Daniel und Doris Balliet sind die Gastfreundschaft in Person. Für ihre Gäste kochen sie nicht nur fein, sondern nehmen sich auch die Zeit für ein Gespräch. So konnten sie viele Stammgäste für das Waldrain gewinnen.»

Restaurant Waldrain auf St. Chrischona (1024x683px)
Das Restaurant Waldrain auf St. Chrischona ist seit dem 17.12.2018 geschlossen. Eine Neueröffnung ist frühestens 2021 geplant.

Hoher Investitionsbedarf

Dass es vorerst keinen Pächterwechsel gibt, liegt an dem hohen Investitionsbedarf, den das über hundert Jahre alte Gebäude hat. Spätestens jetzt müssen bauliche Veränderungen umgesetzt werden. Ausserdem braucht es ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept für den Weiterbetrieb des Restaurant Waldrains. Die Konkurrenzsituation im Dreiländereck ist gross und St. Chrischona ist als Ausflugsziel vor allem bei schönem Wetter und am Wochenende beliebt, nicht aber an regnerischen Tagen oder Werktagen.

Neue Strukturen auf St. Chrischona

Das Restaurant Waldrain bildet mit dem Theologischem Seminar, dem Konferenzzentrum, der Kirche und weiteren Gebäuden auf St. Chrischona den Chrischona-Campus. Zum 1. Januar 2019 sind neue Strukturen in Kraft getreten. Der Verein Theologisches Seminar St. Chrischona (tsc) ist Eigentümer der Liegenschaften, konzentriert sich aber auf die theologische Bildungsarbeit. Die neue Chrischona-Campus AG, die zu 100 Prozent dem Verein tsc gehört, kümmert sich um den Betrieb der Liegenschaften.

Wiedereröffnung frühestens 2021

Einige Gespräche mit den Behörden sowie mit Gastronomieexperten und Architekten zur Zukunft des Waldrains wurden bereits geführt. Eine Projektgruppe der Chrischona-Campus AG erarbeitet zurzeit ein wirtschaftlich tragfähiges und innovatives Gastronomiekonzept. Ziel ist es, das Restaurant wieder zu eröffnen. Dies ist frühestens 2021 geplant.

Sie haben Fragen zur Schliessung des Restaurant Waldrain?
Bitte wenden Sie sich an:

Chrischona-Campus AG
Chrischonarain 200
4126 Bettingen
Schweiz
waldrain@chrischona-campus.ch