Über Dr. Dr. Beat Schweitzer

Studiengangsleiter des Bachelor-Studiengangs Kommunikative Theologie und Dozent für Ethik am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc). Passionierter Brettspieler, Scherzkeks und Ökofreak.

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Was uns glücklich macht

Kolumne

Was uns glücklich macht

Autor: Dr. Dr. Beat Schweitzer

Zufriedenheit, Freude, Glück, Wohlbefinden: All diese Begriffe sind Ausdruck für ein Empfinden, nach dem sich Menschen sehnen. Doch weshalb können wir überhaupt so empfinden und welche Faktoren tragen dazu bei?

Glücksempfinden – nur eine körperliche Reaktion?

Wer möchte nicht glücklich sein und in seinem Leben Freude erfahren? Wenn wir uns diese Frage stellen, übersehen wir gerne, dass es gar nicht selbstverständlich ist, dass der Mensch überhaupt in der Lage ist, Freude oder Glück zu empfinden. Er verdankt dieses besondere Empfinden seiner Physiologie. Denn rein bio-chemisch gesehen, ist das Empfinden von Glück nichts weiter als eine körperliche Reaktion, die durch die Ausschüttung bestimmter Hormone ausgelöst wird. So führt der Erhalt einer guten Nachricht, eine angenehme Begegnung oder ein unerwarteter Gewinn in einem Spiel zur Ausschüttung des «Glückshormons» Dopamin. Wer sich sportlich betätigt, fördert die Ausschüttung von Endorphinen. Diese Hormone sorgen dafür, dass Menschen sich glücklich und zufrieden fühlen. Wer Schokolade isst, nimmt damit auch die Glückshormone Serotonin und Phenethylamin zu sich. Ob die Dosis auch ausreicht, um ein Glücksgefühl zu entfachen, ist zwar nicht bewiesen, würde aber die Befriedigung erklären, die wir beim Naschen verspüren.

Punktuelle und anhaltende Freude

Solche Beispiele erklären, wie sich punktuell das Empfinden von Glück oder Freude einstellen kann. Geht es um das Verständnis eines anhaltenden Empfindens, dann braucht es weitere Erklärungen. Der Mensch kann nicht dauernd joggen oder Schokolade essen, nur um ständig glücklich zu sein. Was führt zu einem anhaltenden Glücksgefühl, zu andauernder Zufriedenheit und Freude? Hier setzt die Glücksforschung an. Dieser Forschungszweig will wissen, unter welchen Bedingungen Menschen sich glücklich fühlen und welche Faktoren dazu beitragen.

Das United Nations Sustainable Development Solutions Network gibt regelmässig den «World Happiness Report» heraus. Darin wird die Lebenszufriedenheit in verschiedenen Ländern verglichen. Es werden folgende Faktoren bewertet: Einkommen, soziale Unterstützung, zu erwartende gesunde Lebensjahre, Vertrauen, Grosszügigkeit und die empfundene Freiheit in Lebensentscheidungen. In diesem Report fällt auf, dass die skandinavischen Länder immer in den Spitzenrängen vertreten sind, die Schweiz liegt im Report von 2019 auf Rang 6. Erklärt werden kann dies durch gute Versicherungen, ein sehr gutes Bildung- und Gesundheitssystem, relativ kurze Arbeitszeiten, ein zum Leben ausreichendes Gehalt, genügend Freizeit zur Entspannung, kaum Korruption, politische Transparenz, das Gefühl, dass die Regierung die Bedürfnisse der Bevölkerung aufnimmt und genügend Freiheit zur persönlichen Entwicklung.

Freunde und Beziehungen

Die Harvard Medical School hat in einer Langzeitstudie über 75 Jahre hinweg Faktoren des Glücklichseins untersucht. Das klare Resultat: glückliche Beziehungen und Freundschaften. Diese haben sogar körperliche Auswirkungen. Probanden mit besonders intensiven Beziehungen waren messbar glücklicher und körperlich fitter. Sie waren mit 80 Jahren weniger von nachlassender Gehirnfunktion betroffen und lebten länger. Die Studie lässt den Schluss zu: Wer lange und glücklich leben möchte, braucht Freunde und Beziehungen, um das Wohlbefinden von Geist und Körper zu fördern.

Die Glücksforschung zeigt, dass es empirisch nachweisbare Faktoren gibt, die langfristiges Glücklichsein und anhaltende Freude fördern. Gerade die Harvard-Studie sollte uns Christen aufhorchen lassen. Wenn zwischenmenschliche Kommunikation und Beziehungen die stärkste Triebfeder für das persönliche Glücklichsein sind, dann hätten wir als christliche Kirche ein attraktives Angebot: Freude und Erfüllung in der Kommunikation und den Beziehungen miteinander und darüber hinaus mit Gott.

Diese Kolumne ist zuerst im «Insist» erschienen, dem Hintergrundmagazin der Schweizerischen Evangelischen Allianz.
Weitere Informationen unter: www.insist.ch

Dr. Dr. Beat Schweitzer, Studiengangsleiter Bachelorstudiengang Kommunikative Theologie am tsc
Dr. Dr. Beat Schweitzer ist Studiengangsleiter Kommunikative Theologie und Dozent für Ethik am tsc.