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Wenn Zeitgeist und Heiliger Geist miteinander spielen

Zeit – Geist – Spiel: Dr. Andreas Loos und Kirstine Fratz (1500x500px)
Zeitgeistseminar mit Dr. Andreas Loos und Kirstine Fratz am tsc

Wenn Zeitgeist und Heiliger Geist miteinander spielen

Autor: Simon Baum, tsc-Student und Jugendpastor

Be-Geistert! Besser könnte man das Gefühl der rund 50 Teilnehmer des «Zeit–Geist–Spiels» des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) Mitte Oktober 2019 auf dem Chrischona-Campus kaum beschreiben. «Nicht werten, sondern staunen!» – dazu haben Dr. Andreas Loos (Theologe und Dozent des tsc) und Kirstine Fratz (Zeitgeistforscherin) zu Beginn des Seminars aufgefordert. Das Ziel wurde übertroffen: Aus Staunen wurde Begeisterung.

Kooperieren Heiliger Geist und Zeitgeist?

Das Image des Zeitgeistes ist nicht unbedingt das Beste – je nachdem, wo man hinhört in Gesellschaft und Kirche. Heiliger Geist gegen Zeitgeist, das ist bekannt. Deswegen stellten Kirstine Fratz und Andreas Loos die ungewöhnliche Frage in den Mittelpunkt: Kooperieren die beiden Geister nicht auch spielerisch miteinander?

Provokativ meinte der Theologe: «Wir dürfen dem Heiligen Geist nicht verbieten zu wehen, wo er will.» Und er fragte weiter: «Kann es sein, dass nicht der Zeitgeist die Menschen verführt, sondern wir den Zeitgeist?» Damit gemeint ist, wenn Menschen dem Zeitgeist Übernatürliches – ja Göttliches zuschreiben – das er gar nicht im Stande ist, zu halten. Der Zeitgeist, so Kirstine Fratz, sei ein temporäres Versprechen für ein gelungenes Leben. Die Frage stellt sich also: Wie kann ein guter Umgang mit dem Zeitgeist aussehen?

Das Seufzen des Zeitgeistes

Die Hamburger Zeitgeistforscherin Kirstine Fratz ist überzeugt: «Der Zeitgeist hat uns viel mehr im Griff, als wir denken. Er durchdringt alle unsere Lebensbereiche.» Zudem sei er nicht etwas, das wir rein kognitiv erfassen. Oft würden wir ihn erstmal nur fühlen können. Was sich nach einem gelungenen Leben anfühlt, definiere der Zeitgeist immer wieder neu.

Kann dieser Geist aber wirklich etwas mit dem Heiligen Geist zu tun haben? Um diese Frage zu beantworten, müssten wir einen neuen Umgang mit dem Zeitgeist erlernen. Dafür sei es wichtig, so Fratz, nicht zu werten, sondern alles vorerst als blosse Information zu betrachten, was wir über den Zeitgeist entdecken. «Was hat das zu bedeuten?» sei die Schlüsselfrage. Die Antwort auf diese Frage verrate uns etwas über die Ursehnsüchte des Menschen.

Die Zeitgeistforscherin merkte an, dass der Zeitgeist ein ruhiger und feinfühliger Geist sei, der sich zurückzöge, wo es ihm zu laut werde. Stattdessen wehe er an verborgenen Orten, wo er über die ungestillten Sehnsüchte der Menschen flüstere – ja sogar seufze.

Der Theologe Dr. Andreas Loos und die Zeitgeistforscherin Kirstine Fratz denken darüber nach, wie Heiliger Geist und Zeitgeist miteinander klar kommen.
Der Theologe Dr. Andreas Loos und die Zeitgeistforscherin Kirstine Fratz denken darüber nach, wie Heiliger Geist und Zeitgeist miteinander klar kommen.
Das Zeitgeistseminar liefert den Teilnehmern viel Diskussionsstoff.
Das Zeitgeistseminar liefert den Teilnehmern viel Diskussionsstoff.

Geheiligtes Zeit-Geist-Spiel

«Der Kreislauf von Mangel, Begehren und Erfüllen ist eine wundervolle Gabe des Heiligen Geistes. Der Zeitgeist spielt damit und der Heilige Geist mutet uns dieses Spiel zu, damit es zu einem Spiel des Lebens wird.» Mit dieser herausfordernden These erklärte Andreas Loos das Zeit–Geist–Spiel. Wie aber kann dieses Spiel gelingen? Bei Betrachtung des Wirkens von Zeitgeist und Heiligem Geist falle auf, dass diese gar nicht so unterschiedlich agieren. Beide würden an verfestigten und zwanghaften Strukturen des Systems rütteln, die Leben hindern statt zu fördern. Sie zögen sich zurück, wo man sie verfügbar machen bzw. kontrollieren will.

Und: Sie tauchen dort auf, wo es niemand erwarten würde. Kirstine Fratz nannte die Heirat von Justin Bieber als Beispiel. Auf die Frage der Presse, weshalb Bieber sich in seinen jungen Jahren nicht noch etwas «austoben» möchte, antwortete der: «Ich habe eine Verantwortung gegenüber den Gefühlen meiner Frau.»

«Mich hat die Offenheit fasziniert!»

Am Ende des zweitägigen Seminars überwog das Staunen und die Begeisterung. Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten von neuen Zugängen zum Heiligen Geist bis hin zu Durchbrüchen von langjährigen seelischen Gefangenschaften. Stellvertretend für viele Seminarteilnehmer ist das Fazit von Pfarrer Markus Burkhart: «Mich hat die Offenheit fasziniert, sich den Zeitgeistphänomenen zu stellen. Also nicht gleich zu werten, sondern erstmal zu fragen: Was hat das zu bedeuten?»

Und die Referentin Kirstine Fratz erklärte: «Ich habe so vieles gelernt dieses Wochenende. Durch die tiefgehenden Einsichtigen über den Heiligen Geist habe ich den Geist im Zeitgeist ganz neu entdeckt.» Bei so viel Begeisterung ist klar: Das Zeit-Geist-Spiel ist noch lange nicht fertig – es hat gerade erst begonnen.

«Heiliger Geist trifft Zeitgeist»

Interview mit Kirstine Fratz und Andreas Loos

In einem ausführlichen Interview auf dem Blog der tsc-Internetseite erklären Kirstine Fratz und Andreas Loos ihre Thesen genauer. Sie beantworten unter anderem diese Fragen: Wie kommt man auf die Idee, dass Zeitgeist und Heiliger Geist etwas miteinander zu tun haben könnten? Worin unterscheiden sie sich? Und was verbindet sie?

Die Referate des «Zeit–Geist–Spiels» wurden mitgeschnitten. Wann und in welcher Form diese Mitschnitte veröffentlicht werden, steht noch nicht fest. Falls Sie darüber weiter informiert werden möchten, schreiben Sie bitte eine formlose E-Mail mit dem Betreff «Zeitgeistseminar» an: kommunikation@tsc.education.

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