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13.03.2018 08:00 Alter: 98 days
Kategorie: tsc-Dozenten
Von: Markus Dörr

7 Fragen an Daniel Gleich

Der neue Dozent für Bibelwissenschaften am tsc stellt sich vor


Daniel Gleich, neuer tsc-Dozent für Neues Testament

Daniel Gleich empfindet es als Privileg, als neuer Dozent für Bibelwissenschaften mit Schwerpunkt Neues Testament am Theologischen Seminar St. Chrischona tätig sein zu können.

tsc: Lieber Daniel, ab 1. Januar 2019 wirst du die Nachfolge von Dr. Eckhard Hagedorn als Dozent für Bibelwissenschaften mit Schwerpunkt Neues Testament am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc) antreten. Was motiviert dich für diesen Dienst?
Daniel Gleich: Das Theologische Seminar St. Chrischona ist das älteste theologische Seminar seiner Art. Durch die Generationen hindurch stand das Studium der Bibel immer im Mittelpunkt der theologischen Ausbildung. Das Bewusstsein, in dieser Tradition zu stehen, habe ich bei vielen Dozenten des tsc in meiner eigenen Studienzeit eindrücklich erlebt. Dass ich nun selbst mit meiner Arbeit in diese Tradition eintreten darf, empfinde ich als grosses Privileg und enorme Motivation.

tsc: Weil du selbst am Theologischen Seminar St. Chrischona studiert hast, kennst du es sehr gut. Was ist das Besondere am tsc?
Daniel Gleich: Das tsc verbindet eine traditionsbewusste Identität und eine innovative Ausrichtung der Ausbildung im Blick auf die Möglichkeiten und Herausforderungen unserer Zeit. Das wird unter anderem daran deutlich, dass wir uns einerseits – wie bereits viele Generationen vor uns – in der Kirche St. Chrischona zu Andachten, Gebetszeiten und Gottesdiensten treffen. Andererseits unterrichten wir auf unserer Öffnet externen Link in neuem FensterE-Learning Plattform mit modernster Technologie auch Studenten, die hunderte von Kilometern entfernt leben.

tsc: Zu dieser E-Learning Plattform hast du als E-Dozent seit 2015 einiges beigetragen, etwa durch die Entwicklung der Module Exegese Evangelien, Exegese Paulus und Griechisch. Wie unterscheidet sich für dich als Dozent das Fernstudium vom Präsenzstudium und was musst du für das Präsenzstudium noch ausarbeiten?
Daniel Gleich: Wenn ich für Öffnet internen Link im aktuellen Fensterdas Fernstudium ein Lehrvideo erstelle und plötzlich ins Stocken komme, weil mir die eine oder andere Frage selbst noch nicht ganz klar ist, kann ich dort einfach den Pause-Knopf drücken und später nahtlos weitermachen. Ebenso kann ich auf Fragen der Studenten, die auf der Online-Plattform meist in schriftlicher Form eingehen, nach einer Bedenkzeit mit Verzögerung antworten. Im Präsenzstudium läuft dagegen alles unmittelbarer ab und dadurch zum Teil auch ohne grosse Vorbereitung. Hier werden Studenten wohl manchmal zu hören bekommen: «Das weiss ich nicht, aber ich versuche bis zur nächsten Stunde mehr darüber herauszufinden.»

tsc: Aktuell schreibst du an deiner Dissertation zum Thema «Paulinismen in der Apostelgeschichte? Ein Vergleich der Paulusreden in der Apostelgeschichte mit dem Corpus Paulinum». Was findest du an Paulus besonders spannend?
Daniel Gleich: Liest man die Evangelien durch, kann man den Eindruck bekommen, dass die Zöllner ganz demütige und tief gläubige Jünger Jesu sind, während die Pharisäer ganz hochmütige und hartherzige Gegner Jesu sind. In Paulus treffen wir dann aber einen der härtesten Pharisäer, der mit allem Eifer die Nachfolger Jesu zu zerstören versucht und sich dabei auch noch sicher ist, dass er ganz im Sinne der Offenbarung Gottes nach der Schrift handelt. Doch gerade dadurch wird Paulus zu einem bemerkenswerten Beispiel dafür, dass Gottes Gnade die härtesten Fälle knackt und auf wunderbare Art und Weise in seinen Dienst stellt, wie es Paulus auch selbst rückblickend beschreibt: «Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heisse, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.» (1. Korinther 15,9-10)

tsc: Dr. Eckhard Hagedorn hatte deine künftige Stelle fast 20 Jahre inne und hinterlässt grosse Fussstapfen. Wie gehst du damit um?
Daniel Gleich: Eckhard ist ein grosses Vorbild für mich. Seine Begeisterung für das gründliche Studium des Neuen Testaments hat mich während meiner Studienzeit auf Chrischona angesteckt und nicht mehr losgelassen. Seine «grossen Fussstapfen» hinterlässt er ja nicht auf irgendeinem Asphalt, sondern im Leben von Menschen – Menschen, die durch ihn geprägt wurden. Ich hoffe, dass diese wunderbare Prägung auch in meinem Unterricht sichtbar werden wird.

tsc: Du bist jünger als 35 Jahre, ein Altersabstand zu den älteren tsc-Studenten ist kaum vorhanden. Siehst du das als Chance oder als Herausforderung?
Daniel Gleich: Für manche Aspekte des Unterrichtens bin ich wahrscheinlich wirklich zu jung. Mir mangelt es an Lebenserfahrung, um aus einem Schatz über Jahrzehnte angesammelter Weisheit zu schöpfen. Da erleichtert es mir, dass ich Teil eines Kollegiums sein darf, wo auch kein älterer Student mit seinen Fragen zu kurz kommen muss.
Andererseits bin ich aufgrund meines Alters und meiner achtjährigen Tätigkeit im IT-Bereich direkt mit den Möglichkeiten und Hindernissen der Technologie vertraut, die mittlerweile unsere gesamte Lebenswelt beeinflusst. Hier möchte ich gerne für einen Weg zwischen sinnvollem Web-unterstütztem Lehren und Lernen auf der einen Seite und vertieftem Studieren und Reflektieren fern aller digitalen Unterbrechungen auf der anderen Seite werben.

tsc: Als tsc-Dozent wird es zu deinen Aufgaben gehören, an den geistlichen Angeboten und der Öffnet internen Link im aktuellen FensterCommunity auf dem Chrischona-Campus mitzuwirken. Was ist dir dabei wichtig?
Daniel Gleich: Der zentrale Vers, der meine Frau und mich im Studieren und Leben durchgängig beschäftigt, ist die begeisterte Feststellung der Emmaus-Jünger nach ihrer Begegnung mit dem auferstandenen Jesus: «Brannte nicht unser Herz in uns, wie er mit uns auf dem Weg redete, wie er uns die Schriften öffnete?» (Lukas 24,32) In diesem Vers treffen sich in gewisser Hinsicht drei Bereiche: Erstens das persönliche geistliche Wachstum, zweitens die Weg- und Lebensgemeinschaft und drittens das Studium der Schrift. Mir ist wichtig, dass diese drei Bereiche, so eng wie möglich zusammenkommen und bleiben.

tsc: Lieber Daniel, herzlichen Dank für deine Antworten und Gottes Segen für deinen Dienst als Dozent auf dem Chrischona-Campus.

Die Fragen stellte Markus Dörr, Mitarbeiter in der Kommunikation von Chrischona International.