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22.04.2018 10:00 Alter: 89 days
Kategorie: Theologisches Seminar St. Chrischona
Von: Ruben Cadonau

«Gibt es Gott?»

Was die tsc-Israelstudienreise 2018 einem Theologiestudenten aufzeigte


tsc-Israelstudienreise 2018: Ruben in Israel

Bei Ruben Cadonau, Theologiestudent am tsc, hat die Israelstudienreise im März 2018 grundsätzliche Fragen aufgeworfen und ihn einen Schritt näher zu Antworten gebracht.

tsc-Israelstudienreise 2018: Gruppenfoto auf dem Tempelberg

Gruppenfoto auf dem Tempelberg: Die Israelstudienreise hat Eindruck hinterlassen bei den tsc-Studenten.

Im März 2018 reiste eine Busladung Studenten des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) ins Heilige Land. Die Israelstudienreise wurde begleitet von Claudius Buser, Stellvertretender Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte, sowie von Rahel Bidlingmaier, Studiengangsleiterin Theologie & Pädagogik. Bei Ruben Cadonau, Theologiestudent am tsc, hat die Reise grundsätzliche Fragen aufgeworfen und ihn einen Schritt näher zu Antworten gebracht.

Nach 10 Tagen Israel gehen mir viele Dinge durch den Kopf, allen voran die Frage: «Gibt es Gott?» Die Frage scheint auf den ersten Blick deplatziert. Wie kann eine solche Frage, angesichts so vieler heiliger, geweihter und prophetisch aufgeladener Orte aufkommen, die wir besucht haben? – Karmel, Kapernaum, Jerusalem. Und trotzdem stellt sich mir diese Frage mit einer brennenden Notwendigkeit.

Israel – Land der Gegensätze

Es gibt wohl kaum ein Land so tiefer Gegensätze und so tiefer «Einigung». Nicht erst seit der Gründung Israels 1948 ist das Land «umkämpft». Schon seit Jahrhunderten kämpfen insbesondere in Jerusalem Juden, Christen und Muslime um die Vorherrschaft in der heiligen Stadt. Sie alle eint der Glaube an einen Gott, der in besonderer und untrennbarer Weise mit diesem Land verbunden ist. Speziell für den Berg Zion, dem Ort, an dem der Tempel Salomos stand und der Name Gottes über der Bundeslade thronte, interessieren sich die drei Weltreligionen.
Bei all dem Wirbel um diesen heiligen Ort, an dem einmal der Tempel Gottes stand, oder auch nicht stand – Muslime behaupten, dass es nie einen Tempel gegeben habe – scheint es mir plausibel, zu fragen: Für was das Ganze? Gibt es überhaupt einen Gott? Oder anders gefragt: Könnte es sein, dass es doch einen Gott gibt? Und wenn ja, wer ist Gott?

Ich habe noch in keinem Land, das ich bereist habe, erlebt, mich existenziell so infrage gestellt zu fühlen. Vielleicht muss man verrückt sein, um in der Geschichte des jüdischen Volkes einen Funken göttlichen Fügens und Segnens zu sehen – ich glaube es.

Man kann nun viel darüber diskutieren, wie es im Verhältnis zu anderen alten Völkern der Menschheitsgeschichte steht und zu den anderen Religionen – man könnte sogar mit dem christlichen und islamischen Ersetzungsanspruch den langatmigen Widerstand und das ausdauernde Widerstehen des jüdischen Volkes begründen. Kaum bestreitbar ist jedoch, dass wohl kein anderes Volk so ausdauernd und grausam verfolgt und unterdrückt wurde, wie die Juden und trotz dem alle Jahrtausende fast unverändert überdauert hat. Entweder glaubt man, der jüdische Überlebenswille sei stärker als der anderer Völker oder man glaubt an den Zufall oder an Gottes gnädiges Erbarmen zu seinem Volk.

«Majestät, die Juden!»

Schon als Friedrich der Grosse seinen Leibarzt Zimmermann aus Brugg im Aargau fragte: «Zimmermann, können Sie mir einen einzigen Beweis für die Existenz Gottes nennen?», antwortete dieser: «Majestät, die Juden!»  Er wollte mit dieser Antwort vermutlich ausdrücken, wie Karl Barth es so schön formuliert hat: «Wenn man schon nach einem Gottesbeweis fragen wollte, nach etwas Sichtbarem und Greifbarem, das niemand bestreiten kann, was vor den Augen aller Menschen sich abspielt, dann muss man sich an die Juden halten. Sie sind ganz schlicht bis auf diesen Tag da.»

Die Juden sind bis heute noch da, obwohl sie nie weit expandiert haben, geschweige die Absicht hegten, sich mehr einzuverleiben als ihnen von Gott in der Tora zugesagt. Sie haben nie ihre Kultur und ihren Glauben anderen Völkern diktiert, wie im Christentum und im Islam, und sie besassen nie ein Imperium. Sie warten seit eh und je auf den, der das Weltimperium errichten wird, der alle Völker und Nationen unter eine Stadt und unter eine Krone einen wird – den Messias. Ihre Hoffnung ist nie erloschen, ihr Glaube hat nie aufgehört, ihr Eifer für das Wort Gottes ist nie erkaltet.

Die Antwort auf die Frage nach Gott ist bei den Juden zu finden

Angesichts dieses lebendigen Volkes wird die Bibel neu mit Leben erfüllt. Mich haben also vor allem die Juden beeindruckt und nicht die Orte. Es ist diese Ethnie, die ein Zeugnis für die Welt ist; dieses Volk, das nach 2000 Jahren wieder den Schauplatz biblischer Geschichte bevölkert und das mit seinen ebenso alten Bräuchen und Traditionen. Gar nicht erst zu sprechen von der Wiederbelebung einer Jahrtausenden alten Sprache. Wer angesichts all dieser sagenhaften und legendarisch aufgeladenen Sichtungen, nicht mindestens, wie Abaelard einst, sagen kann: «Nicht wörtlich sollte man die Bibel nehmen – sondern ernst!», der war wohl noch nicht in Israel. Denn die Antwort auf die Frage nach Gott ist bis heute bei den Juden zu finden: Es war ein Jude, der das Gesetz empfing; ein Jude, der zur Vergebung der Sünden der ganzen Welt starb und ein Jude, der das Evangelium des Gottes Israels der Welt verkündigte. Das Land ist das Mahnmal einer Vergangenheit voller Verheissungen, Wunder und Machttaten Gottes. An welchem Ort also, könnte man besser lernen, Gott ernst zu nehmen, als in Israel? Theologisch gesprochen, wohl nur dort, «wo der Geist des HERRN ist».

Einen Bericht von der tsc-Israelstudienreise 2018 können Sie hier lesen: Öffnet externen Link in neuem Fenster«Extrem viel gelernt und erlebt»