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18.10.2018 15:23 Alter: 31 days
Kategorie: Theologisches Seminar St. Chrischona
Von: Manuela Herzog, livenet.ch

«Jesus im Herzen, Opa in den Knochen»

Bericht vom Genogramm-Seminar mit tsc-Dozentin Irmgard Schaffenberger


tsc-Dozentin Irmgard Schaffenberger beim Genogramm-Seminar 2018

Ein Genogramm der eigenen Familie kann eine wertvolle Ressource sein, um geistlich emotional zu reifen.

Irmgard Schaffenberger erklärt die Symbole, um Beziehungen im Genogramm darzustellen

Beziehungen in der eigenen Familie sichtbar zu machen, ist ein wichtiger Bestandteil des Genogramms.

Am 13. Oktober 2018 lud das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) dazu ein, seiner Herkunftsfamilie und persönlichen Prägungen auf die Spur zu kommen. Das «Genogramm-Seminar» leitete die tsc-Dozentin Irmgard Schaffenberger.

Gleich zu Beginn stellte Irmgard Schaffenberger, Ehefrau von tsc-Dozent Horst Schaffenberger, klar: «Unser Name hier ist Programm. Wir sind keine Drückeberger, wir sind Schaffenbergers!» Und bald wussten alle 16 Teilnehmenden: Auch sie würden heute zum Schaffenberger, denn es wartete eine Menge Arbeit. Jeder hatte von seiner Familie ein ausführliches Genogramm zu erstellen. Das ist eine Art Stammbaum mit Symbolen und persönlichen Vermerken zu den Personen, idealerweise über drei Generationen.

Ressourcen erkennen

«Verschiedene Blickwinkel auf die eigene Herkunft eröffnen einen neuen Handlungsfreiraum im privaten, geistlichen und beruflichen Bereich», war im Programm zum Seminar zu lesen. «Viele von uns haben Jesus im Herzen, aber den Opa noch immer in den Knochen», startete die gelernte Pflegefachfrau und Theologin. Es sei jedoch sehr wichtig, dass man nicht bei den Schwierigkeiten in seiner Familie verharre, sondern im ganzen Gefüge auch das Gute, die Ressourcen erkenne, betonte Irmgard Schaffenberger: «Wenn wir uns bewusst machen, welche Talente, Qualitäten und Fähigkeiten unsere Vorfahren entwickelt haben, können diese auch für unser Leben leichter verfügbar sein.»

Von Anfang an gewollt und geliebt

Als «sicheren Boden» für das Leben jedes einzelnen Familienmitglieds legte die gebürtige Deutsche das liebevolle Planen und Wirken von Gott als unseren Schöpfer. Dazu zitierte sie die Verse 10 bis 11 aus dem Öffnet externen Link in neuem Fenster22. Psalm: «Du hast mich sicher aus dem Mutterleib geholt und mich gelehrt, dir zu vertrauen, als ich noch ein kleines Kind war. Seit meiner Geburt bist du mein einziger Halt und mein Gott seit Beginn meines Lebens.» In diesem Psalm offenbare sich Gott als Hebamme, der an unserer Geburt massgeblich beteiligt gewesen sei. «Wir sind von Gott ins Leben hineingeliebt. Er wollte, dass es dich und mich gibt, genauso wie wir sind. Bevor andere da waren, war er da», unterstrich Irmgard Schaffenberger.

Sensibles Gefüge

Am linken Rand des A3-Blatts galt es, eine Zeitleiste einzuzeichnen. Dadurch wurde vor allem Teilnehmenden deutscher Herkunft vor Augen geführt, dass ihre Eltern/Grosseltern beide Weltkriege miterlebt hatten. «So etwas geht nicht spurlos an einem Menschen vorbei. Krieg, politische Unruhen und wirtschaftliche Not rauben einer Familie die Stabilität. Auch gesellschaftliche Strömungen beeinflussen das Familiensystem – vor allem das Rollenverständnis Mann – Frau», präzisierte Schaffenberger. Im Gruppenaustausch bestätigte sich dies. Etlichen weiblichen Personen der zweiten, vor allem aber der dritten Generation war die Berufswahl verwehrt geblieben. «Glücklicherweise gab es immer 'AusreisserInnen' die ihre eigenen Träume und Wege verfolgt haben», ergänzte Schaffenberger.

Die Macht der Worte

Prägend für das persönliche Leben seien auch die Worte und Leitsprüche einer Familie. Elternworte würden zeigen, wie gedacht, geredet und geglaubt wurde: «Der Klügere gibt nach!», «Nicht lafern, sondern liefern!», «Der liebe Gott sieht alles!», «Was denken denn die Leute?». Öffnet internen Link im aktuellen FensterIrmgard Schaffenberger erzählte aus ihren Kinderjahren und von einer Verwandten, die sich an ihrem Pfeifen gestört habe: «Mädchen, die pfeifen und Hühnern, die krähen, soll man beizeiten die Hälse umdrehen», hätte sie damals zu hören bekommen. «Als ich 50 wurde, habe ich mit einigen solcher Lebenslügen aufgeräumt und sie beerdigt», erklärte Schaffenberger. Sie empfahl, eigene Familienworte und Lebensmottos zu reflektieren und wo nötig damit abzuschliessen.

Josef als Paradebeispiel

Am Ende streifte sie das Leben der biblischen Figur Josef, der aus Eifersucht von seinen Brüdern verkauft wurde. Sein Leben sei ein Paradebeispiel für das Thema. Trotz der vielen Krisen habe er immer wieder Gottes Eingreifen erlebt und am Ende zu seinen Brüdern sagen können: «Ihr wolltet mir Böses tun, aber Gott hat Gutes daraus entstehen lassen. Durch meine hohe Stellung konnte ich vielen Menschen das Leben retten.» (Öffnet externen Link in neuem Fenster1. Mose 50,20).

Auf das Thema Genogramm bezogen, schlussfolgerte Irmgard Schaffenberger: «Gott blitzt in jeder Familiengeschichte immer irgendwie durch, mischt sich wohlwollend und freundlich ein. Sobald er mit ins Spiel kommt, wendet sich etwas, ganz gleich, ob die Menschen an ihn glauben oder nicht. Und er möchte durch uns den Anderen Gutes tun.»
(Dieser Text ist am 18. Oktober 2018 auf Öffnet externen Link in neuem Fensterlivenet.ch veröffentlicht worden)

Das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) plant, das Genogramm-Seminar im Jahr 2019 zum zweiten Mal zu veranstalten. Weitere Informationen folgen auf der tsc-Internetseite.