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04.12.2017 14:36 Alter: 12 days
Kategorie: Theologisches Seminar St. Chrischona
Von: Dr. Jochen Eber

Wo liegt eigentlich Spittler begraben?

Zum 150. Todestag: Über die letzte Ruhestätte des Chrischona-Gründers


Christian Friedrich Spittler (1782-1867), Chrischona-Gründer

Christian Friedrich Spittler ist am 8. Dezember 1867 gestorben. Er gründete einige christliche Werke, darunter die Pilgermission St. Chrischona (heute: Chrischona International und Theologisches Seminar St. Chrischona).

Eingang zum Kannenfeldpark, Spittlers letzter Ruhestätte (Foto: binning.ch)

Spittlers letzte Ruhestätte ist der Kannenfeld-Friedhof in Basel. Heute ist der Friedhof aufgelöst, an seiner Stelle befindet sich der Kannenfeldpark. (Foto: binning.ch)

Dr. Jochen Eber, Pfarrer der Ev. Margarethengemeinde Höllstein

Hat recherchiert, wo Spittler begraben liegt: Pfr. Dr. Jochen Eber.

Christian Friedrich Spittler, der Gründer der Pilgermission St. Chrischona (heute: Chrischona International und Theologisches Seminar St. Chrischona), starb vor 150 Jahren am 8. Dezember 1867 im Alter von 85 Jahren. Doch wo liegt er eigentlich begraben?

Seinem Freund Carl Mez, Komiteemitglied der Pilgermission und Fabrikant aus Freiburg, sagte Spittler kurz vor dem Tode: «Ich darf es spüren, der Heiland ist bei mir; auch ist er meine Hoffnung allein.» Am 11. desselben Monats wurde er in Basel beerdigt. Hier hatte er 66 Jahre lang gewirkt. Da seine letzte Ruhestätte heute weitgehend unbekannt ist und in den Biographien nicht erwähnt wird, soll hiermit auf sie aufmerksam gemacht werden.

Beisetzung auf dem Spalen-Gottesacker

Öffnet externen Link in neuem FensterSpittler wurde auf dem Spalen-Gottesacker beigesetzt. Dieser Friedhof befand sich nördlich vom Spalentor, einer der Sehenswürdigkeiten Basels, das einen Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung bildete. Seine letzte Ruhestätte fand Spittler im Familiengrab von Christian Gottlieb Blumhardt, dem 1838 verstorbenen Direktor («Inspektor») der Basler Mission. Spittlers Frau Susanna (1787–1844), geborene Götz, war schon 1844 in diesem Grab bestattet worden. Nach Spittlers Beerdigung im Jahr 1867 wurde schon im darauffolgenden Jahr der kleine Friedhof wegen Überfüllung geschlossen.

Umbettung auf den Kannenfeld-Friedhof

Die Stadt Basel wuchs in dieser Zeit sehr stark, allein zwischen 1870 und 1880 um 17'000 Einwohner. Deshalb wurde das alte Friedhofsgelände für städtische Zwecke gebraucht; den Nachkommen der Bestatteten wurde die Umbettung der Leichname empfohlen. Für das Grab Blumhardt–Spittler beantragten dies Spittlers jüngere Mitarbeiter in seinem Verlag Ludwig Kober und Jakob Ludwig Jaeger sowie der Basler Missionsinspektor Theodor Oehler. Am 9. März 1893 wurden die Überreste der Verstorbenen auf den 1868 eröffneten Kannenfeld-Friedhof gebracht und dort beigesetzt. Dieser Friedhof befindet sich einige hundert Meter nordwestlich vom Spalentor. Der Spalen-Gottesacker wurde in den botanischen Garten der Universität umgewandelt, auf dem sich ebenfalls die seit 1893 errichteten Gebäude der Universitätsbibliothek befinden.

Gottesacker im Kannenfeld mit Spittlers letzter Ruhestätte (Bildquelle: Staatsarchiv Basel-Stadt)Letzte Ruhestätte: Kannenfeldpark

Auch der Kannenfeld-Friedhof wurde für die Bedürfnisse der schnell wachsenden Grossstadt zu klein. Ende 1931 beantragten Anwohner seine Umwandlung in einen Park. Endgültig aufgehoben wurde der Friedhof aber erst 1952. Im heutigen Kannenfeldpark gibt es keine Grabdenkmäler mehr, und auch sonst lässt sich kein Grabstein Spittlers mehr nachweisen. Anscheinend nahm die Basler Mission die Grabsteine zurück und deponierte sie bei der Scheune, an deren Stelle heute die Cafeteria steht. Im Lauf der Jahre waren die Grabsteine unlesbar geworden.

Vier biblische Wächter

Den Ort von Spittlers letzter Ruhestätte kann man aber noch immer leicht auffinden. Wenn man die Basler Tram Nr. 3 an der Haltestelle Strassburgerallee verlässt, befindet man sich in der Burgfelderstrasse beim Haupteingang des ehemaligen Kannenfeld-Friedhofs. Den Eingang des ehemaligen Friedhofs schmücken noch heute vier biblische Gestalten. Sie stehen auf hohen Sockeln, die mit Bibelversen zum Thema Tod und Leben geschmückt sind. Aufgrund der Bibelverse kann man vermuten, dass es sich bei den Personen um Mose, Daniel, Jesus und Paulus handelt: «Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir weise werden» (Mose, Psalm 90); «viele, so unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, etliche zum ewigen Leben, etliche zur ewigen Schmach und Schande» (Daniel 12); «Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat das ewige Leben» (Jesus, Johannes 3); «Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum» (Paulus, 1. Kor. 15).

Hinter dem Eingang zum ehemaligen Friedhof zweigt ein Weg nach rechts ab. Einige Schritte weiter stehen auf der Innenseite des Wegbogens drei Birken. Etwa dort, wo die ersten beiden gepflanzt wurden, fand Spittler seine letzte Ruhe. Er starb in der Hoffnung auf Christus; in dieser Hoffnung wird er auferstehen.

Verwendet wurden die Akten des Staatsarchivs Basel-Stadt: Sterberegister St. Leonhard, Bauakten, Akten des Gottesackers Kannenfeld.