«Werdet zu Aposteln der Begegnung!»
August 28, 2026
Der TSC-Rektor Dr. Benedikt Walker würdigte die Leistung der Absolventinnen und Absolventen und erinnerte daran, dass das Christentum der theologischen Bildung einen hohen Stellenwert beimisst. Das Studium solle dazu befähigen, sich intensiv mit Gottes Wort auseinanderzusetzen und eigenständige Urteile zu bilden.
Wahrhaftige Begegnung in einer polarisierten Welt
Weil die Bachelorstudiengänge des TSC noch bis 2027 von der Middlesex University London validiert sind, gratulierte erneut deren Professor Johann Siebers den Absolventinnen und Absolventen. In einer Zeit, in der Wahrheit oft politisch instrumentalisiert werde, brauche die Gesellschaft Menschen, die zur Begegnung fähig seien. Theologie erschöpfe sich nicht in richtigen Antworten, sondern werde dort glaubwürdig, wo Menschen einander wirklich begegnen. «Ihr werdet nicht als Kulturkrieger ausgesandt, sondern als Apostel der Begegnung», gab er den Absolventinnen und Absolventen mit auf den Weg. «Hört zu und sprecht die Wahrheit, so dass der andere Mensch nicht verschwindet. Das ist wahrhaftige Begegnung.»
Zwei besonders gute Bachelorarbeiten
Inhaltlicher Höhepunkt der Graduierungsfeier war die Vorstellung von zwei besonders guten Bachelorarbeiten: Der Theologieabsolvent Joshua Zoutendijk ging anhand einer Analyse von 1. Johannes 1,5-10 der Frage nach, wie Christen mit Sünde umgehen können. Weder der resignierende Umgang («Ich bin eben Sünder») noch das Streben nach Perfektionismus («Wenn ich in der perfekten Beziehung zu Jesus lebe, bin ich frei») seien der richtige Weg. Wer stattdessen im Licht Gottes lebt, erkennt die eigene Fehlbarkeit umso deutlicher – und entdeckt zugleich die Tiefe von Gottes Liebe und Vergebung.
Die zweite präsentierte Bachelorarbeit fragte, ob Lobpreis gesungenes Gebet sei. Diese scheinbar einfache Fragestellung untersuchte Florian Polifke detailliert. Der Absolvent der Theologie + Musik arbeitet bereits als Gebetsmissionar im Gebetshaus Augsburg. Er definierte den Lobpreis im biblisch-theologischen Sinn und als Musikgenre sowie das Gebet. Die Erkenntnis: Mehrheitlich kann Lobpreis als gesungenes Gebet bezeichnet werden, aber nicht immer. Mit seiner Bachelorarbeit regte Florian Polifke Christen dazu an, bewusster darüber nachzudenken, was sie genau meinen, wenn sie von Lobpreis sprechen.
Dankbarkeit für gemeinsame Jahre
Im Anschluss wurden die Absolventinnen und Absolventen einzeln aufgerufen und erhielten ihre Abschlussurkunden. Den Schlusspunkt setzte der Absolvent Johannes Binder. Er dankte der Studiengemeinschaft für Freundschaften, gemeinsame Lernzeiten, Gespräche und den geteilten Glauben. Besonders würdigte er die Nahbarkeit und das Vertrauen der Dozierenden.
Für die Absolventinnen und Absolventen beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Die Graduierungsfeier machte deutlich: Das TSC verabschiedet nicht nur gut ausgebildete Theologinnen und Theologen, sondern Menschen, die gelernt haben, anderen mit Wahrheit, Liebe und echter Begegnung zu dienen.
Über das TSC
Das Theologische Seminar St. Chrischona (TSC) ist eine nicht staatliche, evangelische Bildungsinstitution, die vornehmlich durch Spenden und Studiengebühren getragen wird. Das TSC legt besonderen Wert auf die Kommunikative Theologie und die TSC-Community mit aktuell rund 140 Studierenden. Auf dem Chrischona Berg werden seit 186 Jahren haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende für evangelische Gemeinden (Landes- und Freikirchen) beziehungsweise für interkulturelle, pädagogische und musikalische Aufgaben ausgebildet. Seit 2025 entwickelt das TSC in einem Joint Venture mit dem IGW neue Bildungsangebote.