tsc-Chor: Sängerin Mirjam (1500x500px)

Frühlingskonzert mit dem tsc-Chor am 25. April 2020

25. April 2020, 20 Uhr

Chorkonzert zum 180-jährigen Jubiläum des tsc

Beim Frühlingskonzert 2020 feiert der Chor des Theologischen Seminars St. Chrischona 180 Jahre theologische Ausbildung am tsc. Seine 70 Sängerinnen und Sänger loben Gott, den Schöpfer, mit fröhlichen und schwungvollen Liedern und Gospels. Sie sind herzlich eingeladen, auf den Chrischona-Campus zu kommen. Der Eintritt ist frei.

Informationen zum Frühlingskonzert 2020

  • Wann? Samstag, 25. April 2020, ab 20.00 Uhr
  • Wo? Konferenzzentrum auf dem Chrischona-Campus
  • Anreise? Der Chrischona-Campus liegt oberhalb Bettingens bei Basel. Die Adresse lautet: Chrischonarain 200, 4126 Bettingen, Schweiz.
  • Parkplätze? Gäste des Theologischen Seminars St. Chrischona können die kostenlosen Besucherparkplätze nutzen. Auf St. Chrischona stehen genügend Parkplätze zur Verfügung.
  • Öffentliche Verkehrsmittel? Der kostenlose Rufbus Bettingen bringt Konzertbesucher von der Haltestelle «Bettingen, Dorf» zum Konferenzzentrum und im Anschluss an das Konzert wieder zurück. Falls der Rufbus nicht an der Haltestelle steht, müssen Sie ihn anrufen unter +41 (0)61 227 55 75. Ab Bettingen besteht Anschluss an die BVB-Buslinie 32.
  • Wer? Der tsc-Chor besteht aus Studierenden, Mitarbeitenden und Freunden des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc). Die musikalische Leitung hat Susanne Hagen, Studiengangsleiterin Theologie & Musik am tsc.
  • Kosten? Der Eintritt ist frei. Um Kollekte wird gebeten.
Semester-Eröffnungsgottesdienst Frühlingssemester 2020: Gemeinsames Abendmahl (1500x500px)

Abendmahl stärkt für das neue Semester

Foto: Claudius Buser (Bildmitte) beim Austeilen des Abendmahls.

Semester-Eröffnungsgottesdienst des Frühlingssemesters 2020

Abendmahl stärkt für das neue Semester

Sechs Wochen unterrichtsfreie Zeit bedeuten sechs Wochen ohne Abendmahlgottesdienst zum Wochenstart. Umso wertvoller erlebte die Studiengemeinschaft des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) die Rückkehr zu dieser Tradition am 3. Februar 2020. Mit dem gemeinsamen Abendmahl begann das Frühlingssemester.

Andacht über die Jahreslosung 2020

Im Abendmahl erinnern sich Christen an das Leben, den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus. Und im Abendmahl bildet sich die Gemeinschaft wieder neu. Gegenseitig wird das Brot gebrochen und der Segen Gottes zugesprochen. Es ist eine Ermutigung für den Glauben.
Das dies immer wieder nötig ist, führte der stellvertretende Rektor Claudius Buser in seiner Andacht über die Jahreslosung 2020 aus: «Ich glaube; hilf meinem Unglauben!» (Markus 9,24). Die Sehnsucht nach Glauben und die Realität des Zweifels könnten viele Christen nachvollziehen. Sie sei auch ein Grund, Theologie zu studieren. Damit Christen den Glauben besser verstehen und mehr davon weitergeben können, was sie von Gott erhalten haben.

Wohltuendes Wiedersehen

Es war für die 141-köpfige Studiengemeinschaft des tsc wohltuend, nach einer Zeit wieder zusammenzufinden, in der sie sich zerstreut hatte. Während die Abschlussklasse ihre Bachelorarbeiten in der Bibliothek schrieb, genossen weniger eingespannte Studierende ihre Skiferien. Wieder andere absolvierten Praktika oder bildeten sich weiter. Zum Beispiel im Workshop mit Matthias Jungermann von «Radieschenfieber». Er zeigte Theologie- und Pädagogikstudierenden, wie sie Klappmaulpuppen basteln und damit Geschichten erzählen können. Der Jahreskurs kehrte auch bereits Mitte Januar zurück auf den Chrischona-Campus. Auf dem Stundenplan der Jahreskursler standen verschiedene Seminare, zum Beispiel zu «Geld und Geist», zum prophetischen Gebet oder zur Geschichte von Erweckungsbewegungen.

Für 38 ist es das letzte Semester

Unmittelbar nach dem Eröffnungsgottesdienst strömten die Studierenden in die Lehrsäle für den ersten Unterricht des Semesters. Claudius Buser empfahl ihnen, frisch motiviert ans Werk zu gehen. «Ab an die Arbeit!», rief er ihnen zu.
Für die 29 Studierenden der Abschlussklasse 2020 und die 9 Jahreskursler hat das letzte Semester am tsc begonnen. Einige von ihnen haben bereits Stellen gefunden für die Zeit nach dem Studium, andere sind noch auf der Suche. Spannend wird sein, wohin es für den zweiten Abschlussjahrgang der Theologie- und Musikstudierenden geht. Nachdem 2019 die ersten drei ausgesendet worden sind, folgen 2020 die nächsten acht. Wer ihre Aussendung miterleben will, ist herzlich eingeladen zum tsc-Jahresfest am 28. Juni 2020.

Semester-Eröffnungsgottesdienst Frühlingssemester 2020: Claudius Buser bei der Andacht
Claudius Buser hält eine Andacht zur Jahreslosung 2020.
Klappmaulpuppen-Workshop 2020 am tsc mit Matthias Jungermann
Klappmaulpuppen zu basteln, macht ziemlich viel Spass – und ist pädagogisch lehrreich.
Podiumsgespräch am Forum Kommunikative Theologie 2020 (1500x500px)

Wie Christen besser kommunizieren

Bericht

Erkenntnisse des Forums Kommunikative Theologie 2020

Kommunikative Theologie zu betreiben, hat sich das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) auf die Fahnen geschrieben. Konkret geschieht dies beim zweitägigen Forum Kommunikative Theologie. Mitte Januar 2020 fand es wieder auf dem Chrischona-Campus statt. Diesmal dachten rund 50 Teilnehmer über ein Schlüsselthema nach, um den christlichen Glauben zu verbreiten: die Kommunikation.

Wer sich wissenschaftlich mit Kommunikation beschäftigt, landet schnell bei Paul Watzlawicks: «Man kann nicht nicht kommunizieren.» Darin einig waren sich auch die Referenten des Forums Kommunikative Theologie: die Professoren Vinzenz Wyss (ZHAW) und Harald Seubert (STH Basel), die tsc-Dozierenden Rahel Bidlingmaier, Dr. Stefan Felber und Dr. Jean-Georges Gantenbein sowie die Sprachtherapeutin Damaris Tschirner.

Kommunikative Herausforderungen für Christen

Besonders Religionsgemeinschaften und Christen stehen in der heutigen Zeit vor zahlreichen Herausforderungen, wenn sie öffentlich kommunizieren wollen. Der Professor für Journalistik Vinzenz Wyss arbeitete dies anhand der Systemtheorie von Niklas Luhmann und von empirischen Untersuchungen heraus. So seien Religionsinhalte selten Hauptthema, wenn Medien über Religion berichten. BBesonders Freikirchen macht es zu schaffen, dass sie in der Öffentlichkeit als «eine andere Welt» wahrgenommen werden. Zudem gebe es einen «Negativismus-Frame», der Religionsgemeinschaften mit Gewalt, Kriminalität oder Terrorismus in Verbindung bringt.

Prof. Wyss: «Geschwätziger werden!»

Was also tun? Prof. Wyss gab den Tipp, als Religionsgemeinschaft selbst aktiv zu kommunizieren und den Medien Personen und Geschichten anzubieten. Chancenreich sei es, christliche Werte mit aktuellen Fragen zu koppeln. Zudem sei eine Sehnsucht nach Gemeinschaften spürbar. Dies seien jedoch «neue Gemeinschaften, die sich nur noch durch Kommunikation definieren», wie Prof. Wyss erklärte. Und weiter: «Religionsgemeinschaften müssen geschwätziger werden, aber ohne zu moralisieren. Dann besteht die Hoffnung, wieder mehr wahrgenommen zu werden.»

Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Wyss zeigte die Herausforderungen auf, die Christen bei ihrer Kommunikation in der Öffentlichkeit haben.
Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Wyss zeigte die Herausforderungen auf, die Christen bei ihrer Kommunikation in der Öffentlichkeit haben.

Prof. Seubert: «Auf der Schrift gegründet und gesprächsfähig sein!»

Einen philosophisch-theologischen Blick auf das Kommunizieren in der heutigen Zeit warf Prof. Seubert. Mit einer guten Portion Humor und einer grossen Übersicht auf die Philosophiegeschichte konnte er die Zuhörerinnen und Zuhörer fesseln. Prof. Seubert ordnete die neuen Kommunikationsmöglichkeiten des 21. Jahrhunderts als ähnliche Revolution wie den Buchdruck ein. «Kommunikation wird weltumspannend und allverfügbar. Zwischen menschlichen Beiträgern zu dieser Kommunikation und Bots ist nicht mehr ohne Weiteres zu unterscheiden», analysierte er. Kirche und Theologie müssten darauf Antworten finden, für die Prof. Seubert fünf Thesen vorstellte. Eine davon lautete: «Die grosse Aufgabe ist es, fest auf der Schrift gegründet zu bleiben – und zugleich gesprächsfähig zu sein.» Die Kommunikative Theologie schätzte er dabei als hilfreichen Denk-, Lese- und Überzeugungsweg ein.

Prof. Dr. Harald Seubert artikulierte 5 Thesen zu den Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren theologischen Kommunizierens heute.
Prof. Dr. Harald Seubert artikulierte 5 Thesen zu den Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren theologischen Kommunizierens heute.

«Sprache hat Macht!»

Am zweiten Tag des Forums Kommunikative Theologie spannten Dozierende des tsc den inhaltlichen Faden weiter. Sie referierten darüber, wie sich Kommunikation gestalten lässt. Zunächst führte Dr. Stefan Felber (tsc-Dozent für Altes Testament) die Macht der Sprache vor Augen. Anhand von Ausschnitten des Films «Tolkien» zeigte er: Sprache lockt durch Schönheit, hat konservierenden Charakter und ist das Lebenselixier eines Volkes. «Sprache hat Macht. Christen und Nichtchristen haben ein Interesse an einer guten Sprache, an einer funktionierenden Kommunikation. Theologie und Kirche haben die höchste Motivation, sich um gute Kommunikation und Sprache zu bemühen», sagte Stefan Felber.

«Ein Wunder, wenn Kommunikation als gelungen erfahren wird»

Sprache und Bibelübersetzung sind Forschungsthemen von Stefan Felber. 2018 hat er dazu das Buch herausgegeben «Zwischen Babel und Jerusalem – Aspekte von Sprache und Übersetzung». Eine seiner dort zu Papier gebrachten Thesen fasste er am Forum Kommunikative Theologie so zusammen: «Es ist wirklich Gnade und Vorrecht, dass wir kommunizieren dürfen – ja es ist nach Babel immer ein Wunder, wenn Kommunkation als gelungen erfahren wird. Und der Pfingstbericht in Apg 2 zeigt: Am ehesten werden Menschen dort eins, wo sie sich unter die Grosstaten Gottes stellen und diese in ihren jeweiligen Sprachen vergegenwärtigen.»

Die Macht der Sprache führte Dr. Stefan Felber (Dozent am tsc für Altes Testament) vor Augen.
Die Macht der Sprache führte Dr. Stefan Felber (Dozent am tsc für Altes Testament) vor Augen.

Zu Augen Gottes werden

Kunsthistorisch interessant wurde es beim Vortrag von Dr. Jean-Georges Gantenbein (tsc-Dozent für Interkulturelle Theologie). Er erzählte den Krimi der Wiederentdeckung der «Kreuzigung» des Renaissance-Malers Agnolo Bronzini. Massgeblichen Anteil daran hatten zwei italienische Kunstexperten, sogenannte «Augen», die Kunstwerke überprüfen. Seine These: Auch Mitarbeitende im Reich Gottes sollten sich zu Augen seiner Herrschaft entwickeln.

Methoden mutig ausprobieren

Zum Schluss wurde es mit Rahel Bidlingmaier praktisch-methodisch. Die Studiengangsleiterin der Theologie & Pädagogik machte Mut, sich auf neue Methoden einzulassen. Methoden seien viel mehr als eine nette Spielerei. Es gelte jedoch, Dinge auszuprobieren und Methoden nicht vorschnell zu verdammen. «Methoden müssen erlernt und eingeübt werden – sowohl vom Sender als auch vom Empfänger», lehrte Rahel Bidlingmaier.

Viel Stoff zum Weiterdenken

Die Zuhörerinnen und Zuhörer des Forums Kommunikative Theologie setzten sich zusammen aus tsc-Dozierenden, Vertreterinnen und Vertretern von tsc-Netzwerkpartnern und interessierten Gästen. Ihnen allen hat das Forum viel Stoff zum Nach- und Weiterdenken gegeben. Es motivierte auch für konkrete nächste Schritte. Thomas Eberhardt, Pastor der Chrischona-Gemeinde Thun, will beim Thema Vergebung ansetzen: «Kirche kann beim Thema Vergebung punkten. Das müssen wir rüberbringen». Und sein Kollege Elias Vogel aus der Chrischona-Gemeinde Steckborn will Gemeindemitgliedern den Tipp geben, Werte zu benennen – ohne zu moralisieren. So kann Kommunikative Theologie in der Praxis aussehen.

Dr. Jean-Georges Gantenbein ist Dozent für Interkulturelle Theologie am tsc. Die These seines Vortrags: Christen sollten sich zu «Augen» Gottes entwickeln.
Dr. Jean-Georges Gantenbein ist Dozent für Interkulturelle Theologie am tsc. Die These seines Vortrags: Christen sollten sich zu «Augen» Gottes entwickeln.
Methoden nicht verdammen, sondern mutig ausprobieren, forderte Rahel Bidlingmaier (Studiengangsleiterin Theologie & Pädagogik am tsc).
Methoden nicht verdammen, sondern mutig ausprobieren, forderte Rahel Bidlingmaier (Studiengangsleiterin Theologie & Pädagogik am tsc).

Forum 2021

Das nächste Forum Kommunikative Theologie findet am 21. und 22. Januar 2021 auf dem Chrischona-Campus statt.

Communicatio-Magazin

Die Beiträge des Forums Kommunikative Theologie werden im Communicatio-Magazin verarbeitet. Sie können es kostenlos abonnieren.

Communicatio-Magazin 2/2019: Der gewalttätige Gott der Bibel (Kämpfer, 1500x500px)

4 Strategien zum Umgang mit dem gewalttätigen Gott der Bibel

Artikel aus dem Communicatio-Magazin 2/2019

4 Strategien zum Umgang mit einem anstössigen Gottesbild

Autor: Dr. Andreas Loos

Ungefähr 1000 Bibelstellen bringen Gott in direkte Verbindung mit brutaler Gewalt. Sein Zorn entbrennt, er bestraft mit Tod und Untergang, rächt sich. Die Theologie hat verschiedene Strategien entwickelt, diese Gewalttätigkeit zu erklären und einzordnen. Vier davon stellt Dr. Andreas Loos (Dozent für Systematische Theologie am tsc) genauer vor:

Die atheistische Kritik stösst uns auf ein echtes Problem

Manche Kritik am christlichen Glauben lässt sich entschärfen, indem man zugibt: «Ja, in der Geschichte der Christenheit geschah vieles, was nicht mit dem guten Willen Gottes übereinstimmt.» Und dann kann man einem Atheisten empfehlen, sich das Original des Glaubens anzuschauen, wie es in der Bibel bezeugt wird. Der Vorwurf, dass Gott gewalttätig ist und gewaltbereit macht, lässt sich so nicht entkräften. Denn er kommt daher, dass Atheisten die Bibel lesen, und zwar mindestens so aufmerksam und intensiv wie die Gläubigen. Etwa Kurt Flasch, wenn er den «Gott der Väter» näher betrachtet, der in 1. Samuel 15 – wie so oft – den Befehl erteilt, eine komplette Stadt und alle Menschen darin auszulöschen: «Ich kann diesen Gott nicht anerkennen … Dass niemand Kinder und Säuglinge töten darf, dessen bin ich mir sicherer als dass es die Stimme Gottes ist, die aus dem Mund des Schlächters Samuel Pogrome befiehlt» (Warum ich kein Christ bin, S. 158–159).

Dieser Atheismus klingt völlig anders als «Der Gotteswahn», den Richard Dawkins den Christen in einer nicht gerade gewaltfreien Sprache vorwirft. Denn das nachdenkliche «Ich kann an diesen Gott nicht glauben» schlummert in den Herzen vieler Christen, wenn sie die Bibel einmal ungeschminkt und ungezähmt zu Wort kommen lassen. Ich finde, der Atheismus erweist dem Glauben an Gott einen guten Dienst. Er lässt es mir nicht durchgehen, dass ich die Gewaltstellen der Bibel lese, aber dann zur Seite lege. Im Gegenteil, er mutet mir unbequeme Fragen zu: War ich zu faul, mal ernsthaft die dunklen Seiten Gottes zu bedenken? Hatte ich Angst, den «guten Gott», den «lieben Gott» zu verlieren? Haben mich diese biblischen Texte kalt gelassen, weil ich selbst nie Opfer von Gewalt war?

Auch wenn es mir nicht in meinen Glaubenskram passt, ich nehme es mit Franz Buggle erst mal zur Kenntnis: «Die Bibel beinhaltet und propagiert an erschreckend zahlreichen Stellen und in ausgeprägter Weise eine Tendenz zu archaisch grausamer Gewalttätigkeit» (Denn sie wissen nicht, was sie glauben, S. 36). Der Theologe Raymund Schwager listet diese Gewalt so auf: An ca. 600 Stellen erzählt die Bibel, wie Völker, Könige oder einzelne Menschen sich grausam an anderen vergehen. Ungefähr 1000 Stellen bringen Gott in direkte Verbindung mit brutaler Gewalt: Sein Zorn entbrennt, er bestraft mit Tod und Untergang, rächt sich. An über 100 Stellen befiehlt Gott ausdrücklich, menschliches Leben zu vernichten (Brauchen wir einen Sündenbock?, S. 64–81). Und manchmal scheint es, als würde Gott sich selbst am vergossenen Blut berauschen: «Ich will meine Pfeile mit Blut trunken machen, und mein Schwert soll Fleisch fressen, mit Blut von Erschlagenen und Gefangenen» (5Mo 32,42).

Es wäre vermutlich wirkungsvoll, jetzt ein paar biblische Blutproben zu nehmen. Ich verzichte auf diese Effekthascherei. Stattdessen male ich eine Skizze mit den theologischen Lösungsversuchen, die mir gegenwärtig als die einflussreichsten erscheinen. Wichtig ist mir dabei Folgendes: Im wirklichen Leben überlappen sich diese Ansätze. Theologinnen und Theologen nehmen meistens Aspekte aus mehreren Strategien auf. Mit Kritik halte ich mich bewusst zurück, will aber kurz erläutern, wie jeder Weg zur Erfassung und Lösung des Problems beiträgt.

Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) für Systematische Theologie.
Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Systematische Theologie.

Der Theologe Raymund Schwager listet diese Gewalt so auf: An ca. 600 Stellen erzählt die Bibel, wie Völker, Könige oder einzelne Menschen sich grausam an anderen vergehen. Ungefähr 1000 Stellen bringen Gott in direkte Verbindung mit brutaler Gewalt: Sein Zorn entbrennt, er bestraft mit Tod und Untergang, rächt sich. An über 100 Stellen befiehlt Gott ausdrücklich, menschliches Leben zu vernichten

Strategie 1: Die Bibel reinigen und anpassen

Was, wenn die anstössigen Gewalttexte der Bibel eigentlich gar nicht Wort Gottes sind? Dann wäre das Problem erledigt. Eine bekannte Variante dieser Strategie präsentiert der Theologe Marcion (gestorben 160 n.Chr.). Ähnlich wie die Gnosis trennt er zwischen einem guten und vollkommenen Gott und einem Gott, der die Welt erschaffen hat und sie wild und unbarmherzig richtet. Die Gewaltstellen des Alten und Neuen Testaments stammen von diesem zweiten, fragwürdigen Gott und gehören nicht in die Bibel. So entwickelt Marcion seinen eigenen biblischen Kanon.

Eine andere Variante der Bereinigungsstrategie geht davon aus, dass manche oder sogar alle Gewalttexte der Bibel keine historischen Ereignisse berichten. Sie haben ihren Weg in die Bibel aus anderen Gründen gefunden. Diese Gründe lassen sich mit den Werkzeugen der historisch-kritischen Bibelauslegung herausfinden. Man untersucht das geschichtliche Umfeld der Texte, die weltbildlichen und religiösen Vorstellungen der Verfasser und Leser damals sowie die Bedingungen, unter denen die Texte entstanden und vor allem weitergewachsen sind. So lässt sich beispielweise rekonstruieren, wie das Volk Gottes seine eigene Geschichte erzählt hat. Um sich so seiner Identität als auserwähltes Volk Gottes zu vergewissern – etwa durch übertriebene Erzählungen von Gottes gewaltigen Siegen über die Feinde. In den Gewalttexten der Bibel spricht also nicht Gott. Sie sind Texte von Menschen, die in fragwürdiger Weise von Gott reden wie von einem sündigen, rachsüchtigen und gewalttätigen Menschen (anthropomorphe Redeweise).

Diese Herangehensweise hilft uns zu verstehen, wie Gewalt die Zeit und Umwelt des Alten Testament geprägt hat. Vertreter dieser Sichtweise haben erkannt, dass die Spannung zwischen dem Gott und Vater, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat, und dem gewalttätigen Gott des Alten Testaments für den Glauben zerreissend sein kann. Und sie nehmen ernst, wie grundsätzlich unsere heutigen, ethisch vernünftigen Grundintuitionen und Erkenntnisse abweichen von dem, was uns die Bibel über das brutale Verhalten Gottes und seines Volkes berichtet.

3 Vorteile der Strategie 1:

  • hilft verstehen, wie Gewalt die Zeit und Umwelt des Alten Testaments geprägt hat.
  • weiss, dass die Spannung zwischen dem Gott und Vater, der sich in Jesus offenbart hat, und dem gewalttätigen Gott des Alten Testaments für den Glauben zerreisend sein kann.
  • zeigt Diskrepanz auf zwischen heutigen Grundintuitionen und dem, was die Bibel über das brutale Verhalten Gottes und seines Volkes berichtet.

Strategie 2: Gottes gewalttätiges Handeln plausibilisieren

Hier nimmt man die ganze Bibel als inspiriertes Wort Gottes ernst. Mit den Mitteln einer historisch-theologischen Exegese versucht man nun herauszufinden, was die guten Gründe und Absichten sind, die Gottes gewalttätigem Handeln zugrunde liegen. Es geht nicht darum, das für gut zu erklären oder schön zu reden, was die Bibel an Gewalt berichtet. Es geht darum, den Glauben an Gott zu rechtfertigen, indem man sein gewalttätiges Handeln zum Beispiel als gerechtes Gericht oder begründete Vergeltung an den sündigen Völkern und ihren Göttern aufzeigt
(2Mo 12,12). Oder auch, indem man auf das grössere Gut verweist, das Gott mit seinem Handeln verfolgt (Bonisierungsstrategie). So bewahrt er sein Volk vor tödlichem Götzendienst und schuldhaftem Handeln durch die Vermischung mit anderen Völkern. Oder er verhindert durch sein gewaltiges Handeln noch mehr und brutalere Gewalt. Er erzieht und leitet sein Volk auf Wegen, die wir Menschen nicht immer nachvollziehen können (Jer 30,11).

Vertreter dieser Strategie ermöglichen tiefe Einblicke in das heilsgeschichtliche Handeln Gottes. Die Gewalt Gottes kommt als Handeln zum Heil seines Volkes und der Menschen zum Vorschein. Auf diese Weise wird die angebliche Kluft zwischen einem Gott des Alten und einem Gott des Neuen Testamentes überbrückt. Und aus Sicht der Opfer von Gewalt scheint mir der Gedanke unerlässlich, dass Gott sich den Gewalttätern entgegenstellt.

3 Vorteile der Strategie 2:

  • ermöglicht tiefe Einblicke in das heilsgeschichtliche Handeln Gottes.
  • überbrückt die angebliche Kluft zwischen einem Gott des Alten Testaments und einem Gott des Neuen Testaments.
  • macht klar, dass Gott sich den Gewalttätern entgegenstellt.

Interesse am Communicatio-Magazin?

Communicatio heisst das Magazin des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc). Es widmet sich den vielfältigen Themen einer «Kommunikativen Theologie», wie sie am tsc gepflegt und erarbeitet wird. Das Communicatio-Magazin erscheint zweimal pro Jahr. Sie können es kostenlos abonnieren per Post oder per E-Mail.

Communicatio-Magazin 2019/2: Der gewalttätige Gott der Bibel (212x300px)

Strategie 3: Gottes Heilshandeln dynamisch verstehen

Auch hier weigert man sich, die gewalttätigen Darstellungen Gottes mit Hilfe eines vorgefassten Gottesbildes für unbiblisch zu erklären. Man liest sie als echtes Zeugnis davon, wie Gott sein Volk (und alle Menschen) vor innerer und äusserer Grausamkeit und Zerstörung schützen wollte. Dabei erkennt man einen Strategiewechsel in Gottes heilsgeschichtlichem Handeln. Auf den Wegen des Alten Bundes vermochte Gott die Menschen nicht zu erlösen, dieser Weg ist gescheitert. Deshalb verheisst und stiftet Gott einen Neuen Bund. In Jesus Christus zeigt sich ein dynamischer und beweglicher Gott, der sein Verhalten gegenüber uns Menschen ändert. Nur so kann er uns weiter treu bleiben und lieben. Er überwindet die sündige Spirale des Bösen und der Gewalt nicht, indem er in Zorn, Rache und Gericht zurückschlägt, sondern indem er sich selbst schlagen lässt (siehe Hempelmann: Gott ohne Gewalt, S. 88–117).

Vertreter dieses Ansatzes machen deutlich: Gott ist im Neuen Testament kein anderer als im Alten Testament, aber er handelt und verhält sich anders. Die atheistische Kritik läuft hier weitgehend ins Leere angesichts eines Gottes, der selbst Opfer von Gewalt wird, um Gewalt zu beenden. Die Torheit und Schwachheit des Kreuzes Christi (1Kor 1,18–25) leuchtet hell auf, sodass der heute immer noch weitverbreitete Mythos von der erlösenden Gewalt entlarvt wird.

3 Vorteile der Strategie 3:

  • macht deutlich, dass Gott im Neuen Testament kein anderer ist als im Alten Testament, sich aber anders verhält.
  • lässt die atheistische Kritik ins Leere laufen, weil Gott selbst Opfer von Gewalt wird, um Gewalt zu beenden.
  • entlarvt den Mythos von der erlösenden Gewalt.

Strategie 4: Die gewalttätigen Porträts Gottes durch das Kreuz Christi verstehen

Die Grundüberzeugung dieses Lösungsversuchs lautet: Die ganze Bibel ist von Gott durch seinen Geist gehaucht und hat ein Zentrum: der menschgewordene Sohn Gottes, Jesus Christus. Wer Gott ist und wie er sich gegenüber uns verhält, das hat er selbst definiert im Kreuzes­tod seines Sohnes: Gott ist Liebe, die sich sogar für die Feinde hingibt. Bereits die Schriften des Alten Testaments handeln von Christus (Joh 5,36; Lk 24,27). Daher, so die Argumentation, muss man das, was dort von Gottes gewalttätigem Handeln berichtet wird, lesen und verstehen durch die Christusbrille der gekreuzigten und gewaltlosen Liebe Gottes. Mit dieser Strategie versucht man, die kreuzesgemässe Gestalt des Handelns Gottes im Alten Testament zu enthüllen. Etwa dort, wo Gott sich zurückzieht, der Gewalt freien Lauf lässt, bis sie sich selbst verzehrt. Das cruciforme Verhalten Gottes zeigt sich auch darin, dass er jene Gottesbilder, die ihn als gewalttätig porträtieren, nicht aus der Bibel entfernt hat. So tief neigt er sich in Liebe zu den Menschen, dass er ihre entstellten Gottesbilder aushält und in Jesus Christus durchkreuzt.

Vertreter dieses Ansatzes verharmlosen die gläubigen und atheistischen Zweifel an Gott nicht. Sie helfen der bibellesenden Christenheit inmitten der unterschiedlichen und sich reibenden Gottesbilder, die uns die Bibel zumutet. Und sie suchen die Lösung, indem sie der Bibel zu ihrer Mitte hin folgen – zu Jesus Christus. Zunächst ist das wie eine heilsame Flucht zum gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes – typisch für den christlichen Glauben. Aber aus dieser Flucht wird eine biblische Erneuerung des Gottesbildes, die vergessene und vernachlässigte Seiten Gottes beleuchtet.

3 Vorteile der Strategie 4:

  • verharmlost nicht die Zweifel an Gott.
  • folgt der Bibel zu ihrer Mitte hin: zu Jesus Christus.
  • versucht die Spannung der unterschiedlichen Gottesbilder aufzulösen.

Literaturangaben

  • Franz Buggle: Denn sie wissen nicht, was sie glauben. Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann. Eine Streitschrift, Aschaffenburg 2012.
  • Kurt Flasch: Warum ich kein Christ bin. Bericht und Argumentation, München 2013.
  • Heinzpeter Hempelmann: Gott ohne Gewalt! Warum Toleranz und Wahrheit für den christlichen Glauben zusammengehören, Gießen 2009.
  • Raymund Schwager: Brauchen wir einen Sündenbock? Gewalt und Erlösung in den biblischen Schriften, München 1986.
Restaurant Waldrain auf St. Chrischona (1500x500px)

Restaurant Waldrain: Wiedereröffnung geplant

Restaurant Waldrain seit 17.12.2018 geschlossen

Restaurant Waldrain wird frühestens 2021 wiedereröffnet

Das Restaurant Waldrain auf St. Chrischona ist zurzeit geschlossen, weil das langjährige Pächterehepaar Ende 2018 in den Ruhestand gegangen ist. Eine Wiedereröffnung ist frühestens 2021 geplant. Bevor ein neuer Pächter das Waldrain weiter betreiben kann, braucht es Investitionen und ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept.

Dank an Balliets

Im Waldrain wurden Besucher von St. Chrischona seit 1914 verpflegt – erst in der Kaffeehalle, später im Restaurant. Daniel Balliet übernahm das Restaurant Waldrain 1983 als Betriebsleiter. Mit Unterbrechungen war er mehr als 25 Jahre im Waldrain tätig, zuletzt als Pächter mit dem Konzept Selbstbedienungsrestaurant.
Eigentümer des Restaurant Waldrain ist der Verein «Theologisches Seminar St. Chrischona (tsc)» (früher: Chrischona International). Dessen ehemaliger Geschäftsführer Roland Krähenbühl dankte dem Pächterehepaar für ihren Dienst: «Daniel und Doris Balliet sind die Gastfreundschaft in Person. Für ihre Gäste kochen sie nicht nur fein, sondern nehmen sich auch die Zeit für ein Gespräch. So konnten sie viele Stammgäste für das Waldrain gewinnen.»

Restaurant Waldrain auf St. Chrischona (1024x683px)
Das Restaurant Waldrain auf St. Chrischona ist seit dem 17.12.2018 geschlossen. Eine Neueröffnung ist frühestens 2021 geplant.

Hoher Investitionsbedarf

Dass es vorerst keinen Pächterwechsel gibt, liegt an dem hohen Investitionsbedarf, den das über hundert Jahre alte Gebäude hat. Spätestens jetzt müssen bauliche Veränderungen umgesetzt werden. Ausserdem braucht es ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept für den Weiterbetrieb des Restaurant Waldrains. Die Konkurrenzsituation im Dreiländereck ist gross und St. Chrischona ist als Ausflugsziel vor allem bei schönem Wetter und am Wochenende beliebt, nicht aber an regnerischen Tagen oder Werktagen.

Neue Strukturen auf St. Chrischona

Das Restaurant Waldrain bildet mit dem Theologischem Seminar, dem Konferenzzentrum, der Kirche und weiteren Gebäuden auf St. Chrischona den Chrischona-Campus. Zum 1. Januar 2019 sind neue Strukturen in Kraft getreten. Der Verein Theologisches Seminar St. Chrischona (tsc) ist Eigentümer der Liegenschaften, konzentriert sich aber auf die theologische Bildungsarbeit. Die neue Chrischona-Campus AG, die zu 100 Prozent dem Verein tsc gehört, kümmert sich um den Betrieb der Liegenschaften.

Wiedereröffnung frühestens 2021

Einige Gespräche mit den Behörden sowie mit Gastronomieexperten und Architekten zur Zukunft des Waldrains wurden bereits geführt. Eine Projektgruppe der Chrischona-Campus AG erarbeitet zurzeit ein wirtschaftlich tragfähiges und innovatives Gastronomiekonzept. Ziel ist es, das Restaurant wieder zu eröffnen. Dies ist frühestens 2021 geplant.

Sie haben Fragen zur Schliessung des Restaurant Waldrain?
Bitte wenden Sie sich an:

Chrischona-Campus AG
Chrischonarain 200
4126 Bettingen
Schweiz
waldrain@chrischona-campus.ch

Abschlussgottesdienst Herbstsemester 2019/20: Jahresrückblick von Claudius Buser (1500x500px)

tsc-Jahresrückblick 2019

Jahresrückblick 2019

von Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte am tsc

Eine Tradition zum Jahresende am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc) ist der humorvolle Jahresrückblick von Claudius Buser, dem Dozenten für Kirchengeschichte. Auch 2019 fasst er Ereignisse anekdotenhaft zusammen, die entweder kirchengeschichtlich oder für das tsc eine Bedeutung haben.

Wie die Reformation in der Schweiz begann

Evangelion Sant Matthes, das erst Kapitel: «Das ist das Buoch von der Geburt Jesu Christi. Das ist ein Sonn Davids, des Sons Abrahas. Abraha hat geboren den Jsaac. Jsaac hat geboren den Jaacob. Jaacob hat geboren den Juda unnd seine Brueder.» So trat Zwingli am 1. Januar 1519 auf die Kanzel des Grossmünsters in Zürich. Die Bibel in alemannischem Dialekt, später in der alemannischen Kanzleisprache und eben nicht wie bei Luther in sächsischer Kanzleisprache. Damit hat am 1. Januar 1519 – vor 500 Jahren – an Zwinglis 35. Geburtstag die Reformation in der Schweiz begonnen. Natürlich hatte er die Froschauerbibel von 1531 noch nicht in der Hand, sondern eine eigene Übersetzung erstellt Mithilfe des von Erasmus in Basel herausgegebenen Neuen Testaments von 1516. Aber das war ein Anfang und 12 Jahre später – noch etwas vor Luther – hatten die Zürcher die ganze Bibel, eben gedruckt von Froschauer, dessen Druckerei und Verlag heute Orell Füssli heisst und dieses Jahr auch auf 500 Jahre zurückschauen kann.

Auch Chrischona reformiert

Zwingli hat nach 1500 Jahren eine Reformation eingeleitet. Ein Satz von ihm, ist vielen heute noch in den Ohren: «Tut um Gottes Willen etwas Tapferes!» So dachte Chrischona International: Wir tun das, wir reformieren tapfer, aber schon nach 179 Jahren. Dieses Jahr geht in die Chrischona-Geschichte ein. Wir haben es wieder getan, wir haben Chrischona wieder neu erfunden. Schon Spittler hat die Dinge vorangetrieben, Rappard hat umgebaut, ausgebaut, neue Zweige hinzugefügt. Jeweils unter dem Motto von Altdirektor Schmid: Bewährtes erhalten und Neues wagen. Jetzt haben wir uns entschieden, die Dinge nochmals anders anzugehen. Seit dem 1. Januar 2019 sind wir wieder ganz der Bildung zugewandt, sind ein Verein und neu auch eine AG. Neue Kräfte in Verwaltungsrat und Vorstand helfen voran. Wir ringen und arbeiten Richtung Zukunft im Wissen um eine reiche Vergangenheit, die uns auch hilft bei den Entscheidungen. Wir sind aber auch ein Netzwerk, zu dem schon einige Dutzend Gemeinden und Werke gehören.

Nun aber Monat für Monat, etwas aus der weiten Welt, und etwas aus unserer Welt.

Auf humorvolle Art und Weise blickt Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte am tsc, auf die Ereignisse des Jahres 2019 zurück.
Auf humorvolle Art und Weise blickt Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte am tsc, auf die Ereignisse des Jahres 2019 zurück.

Januar 2019

Auf Chrischona liegt Schnee, die Studenten haben sich verkrochen und schreiben ihre Ausarbeitungen, die Dozenten und Interessierte sassen Mitte Monat zusammen und aktivierten ihre Hirnrinden im Theologischen Forum und danach an ihrer Retraite. Bevor sie sich auch verkriechen und versuchen zu korrigieren, was ihnen geboten wurde. Alle sind froh, wenn Ausarbeitungen und Korrekturen in trockenen Tüchern sind und der Unterricht wiederbeginnt.

Februar 2019

Noch andere haben sich zurückgezogen und hart gearbeitet: 21 Schreiberinnen und Schreiber von Bachelorarbeiten. Anfangs Februar geben sie ihre Arbeiten ab und wieder sind die Dozenten gefragt. Es hat sich gelohnt, die drei besten können ihre Arbeit an der Graduierungsfeier Ende August vorstellen (Mira Stubbig, Tabea Reichenbach und Nadine Bär).

März 2019

An diversen Sonntagen im März schwärmen wir aus in verschiedene Gemeinden – vor allem zu solchen, die schon Netzwerkpartner sind. Oder die es werden wollen – und bringen Infos und Grüsse vom tsc vorbei. Wichtige Kontakte, damit man uns hier oben nicht nur nicht vergisst, sondern junge Menschen auch zu uns kommen, dazu helfen auch die Schnuppertage für Interessierte.
Höhepunkt im März ist für viele von uns das Upgrade in Willingen (Deutschland). Unsere Musiker und viele andere Studentinnen und Studenten als unentbehrliche Helfer (darunter der Papst) aber auch einige Dozentinnen und Dozenten haben sich richtig ins Zeug gelegt und das tsc den über 3’000 Delegierten aus hunderten von Gemeinden und Werken so richtig gut in Erinnerung gerufen. Es ist eine grossartige Erfahrung gewesen. Am tsc Stand gab es den besten Kaffee auf dem Gelände und gute Gespräche. Und tsc-Student Tobias Greub war der Chef der katholischen Kirche: «Hier in der katholischen Kirche bin ich momentan der Chef – nichts gegen den Papst – aber hier habe ich die Leitung!»

April 2019

Wir demonstrieren wieder, letztes Jahr habe ich 50 Jahre 68iger thematisiert, die gingen für ihre Anliegen auf die Strasse. Doch 2019 gingen die Leute auch echt oft auf die Strasse: für politische Rechte z. B. in Hongkong, im Sudan, für eine gerechtere Verteilung des Wohlstandes (in Frankreich die Gelbwesten, in Chile die halbe Bevölkerung, u. a.), für das Klima (was letzten Sommer klein begann, hat dieses Jahr viel Raum eingenommen: «Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut.» Einige Christen laufen aus Überzeugung mit, weil unser Lebensstil unserem schönen Planeten tatsächlich arg zusetzt, der uns doch von Gott anvertraut ist, andere haben andere Probleme.
Uns hier auf dem Berg hat der Studienalltag wieder bis vor Ostern. Dann gibt es Osterferien und wir erinnern uns an Jesu Sterben und feiern seine Auferstehung.

Mai 2019

Jetzt müsst ihr gut hinhören! Am 2. Mai vor 500 Jahren starb das Universalgenie Leonardo da Vinci. Schon im zarten Alter von 18 Jahren soll er beim gemeinsamen Malen mit seinem Meister des Bildes «die Taufe Christi» in Florenz einen Engel so schön auf das Bild gemalt haben, dass sein Meister danach den Pinsel hinlegte und sagte: «Dein Talent ist so viel grösser als meins, ich male nicht mehr.»
Aber und jetzt kommt es: Diesen Tag hat unser neuer Geschäftsführer ausgewählt, um hier bei uns seine Arbeitsstelle anzutreten. Zsolt Kubecksa macht das alles auch so gut, hoffentlich legt aber niemand den Pinsel ab.
Der Mai ist voll hier oben: der Unterricht brummt, die Senioren erobern für einen Tag den Berg, der Chor singt, wobei ein Stepptänzer ihm fast die Show stiehlt.
Zum Ende des Frühlingssemesters 2019 am 24. Mai im Abschlussgottesdienst verabschieden wir Eckhard Hagedorn in den Ruhestand. 20 Jahre hat er hier unterrichtet und manchem Studenten die Bibel lieb gemacht, die er selbst als «Fette Beute» bezeichnet in seinem Buch «Fette Beute – warum die Bibel so dick ist». Gleichzeitig hat Daniel Gleich seinen Doktor abgeschlossen (Bravo) und als sein Nachfolger die Feuertaufe des ersten Semesters hier am tsc mit Erfolg bestanden.

Juni 2019

CREA 2019 – so viele junge Leute, Gott ruft sich eine neue Generation zusammen – Studentinnen und Studenten der Zukunft. Beten wir für die neue Studiengemeinschaft 2020.

tsc-Jahresfest am 23. Juni: 37 Absolventen sagen tschüss und 500 Menschen aus Familien und Freunden sind dabei. Dabei sind auch die ersten Absolventen aus unserem Bachelor-Studiengang Theologie & Musik. Wir sind begeistert und freuen uns mit. Ferner wurden auch unsere ersten Eben-Ezer-Musikvideos vorgestellt, die zwei Eigenproduktionen von zwei Studentinnen zeigen – wieder gehen Lieder aus von Chrischona, wie schon früher.

Juli 2019

1979 kam der erste Walkman auf den Markt. 40 Jahre Musikhören unterwegs.
Wir machen damit Ferien.

August 2019

Wir nehmen den Pinsel wieder in die Hand und im fernen Korsika kam vor 250 (1769) Jahren einer der grössten, umstrittensten, schurkigsten und genialsten Egomanen auf die Welt: Napoleon.
Die Graduierungsfeier findet erstmals gerade zu Beginn des neuen Studienjahres statt. Neu ist auch das Format, stellen doch erstmals drei Absolventinnen ihre Bachelorarbeit vor.
Danach beginnen die geistlichen Einführungstage, an denen uns Heiner Schubert von Don Camillo aus Montmirail mit seinen zeichnenden Predigten in den Bann zog und wir auch interaktiv mit hineingenommen wurden in die Thematik: Christus in dir, Christus in mir. 33 neue Studis sind angetreten, dazu kommen über 20, die an Fernstudenten oder Modulstudenten oder Gaststudenten mitmachen.

September 2019

Wir freuen uns, dass der Studienbetrieb wieder so richtig los geht mit vielen, jungen motivierten Menschen. Insgesamt studieren etwas mehr als 140 Menschen hier.
Diesen Herbst feiern zwei Schweizer Institutionen ihren 100tsten Geburtstag: VFG (Freikirchenverband Schweiz) und EVP (Evangelische Volkspartei).

Bei uns gab es Mitgliederversammlung des Ev. Gnadauer Gemeinschaftsverbandes auf St. Chrischona – irgendwie haben unsere Studenten denen so Eindruck gemacht beim Upgrade, dass sie ihre Delegiertenversammlung im Herbst gerade bei uns abhielten. Und wieder waren sie begeistert – nun hoffen wir auf die ersten 50 Ersties aus Deutschland nächsten Sommer!

Oktober 2019

Ruhm und Gold – 1000 Jahre Basler Münster: das ganze Jahr über Feierlichkeiten und eine Ausstellung, die noch bis am 19. Januar 2020 läuft. Genau am 11. Oktober 1019 wurde von Heinrich II das Basler Münster geweiht. Beachtliche Teile der damals gemachten kostbaren Schenkungen sind heute noch vorhanden und eben im Museum zu sehen.
175 Jahre Nietzsche Geburtstag Eigentlich sollte der Pastorensohn Friedrich Nietzsche Theologe werden. Doch er entschied sich für die Philosophie. Ohne vorherige Habilitation berief ihn die Universität Basel zum Professor Nietzsche, der unter anderem seinen Glauben durch die Lektüre von David Friedrichs Leben Jesu und durch Ludwig Feuerbachs wahres Christentum verloren hatte, war 10 Jahre in Basel Professor und Lehrer.
«Gott ist […] eine Undelicatesse gegen uns Denker –, im Grunde sogar bloß ein faustgrobes Verbot an uns: Ihr sollt nicht denken!»
1889 schreibt Nietzsche aus Turin nach Basel an Jacob Burckhardt: «Lieber Herr Professor, zuletzt wäre ich sehr viel lieber Basler Professor als Gott; aber ich habe es nicht gewagt, meinen Privat-Egoismus so weit zu treiben, um seinetwegen die Schaffung der Welt zu unterlassen. Sie sehen, man muss Opfer bringen, wie und wo man lebt.»
Wir haben im Januar am Theologischen Forum auch einen Atheisten zu Worte kommen lassen. Wir möchten zuhören und verstehen, aber nicht so enden, Gott sei Dank, lebt Gott, auch wenn ihn Nietzsche und vor und nach ihm viele – auch unter Schmerzen und Entsetzen – totgesagt hat.
Wir singen lieber dem, der uns geliebt hat, Liebeslieder und öffnen im Oktober wieder die Bühne in der Eben-Ezer-Halle.

November 2019

Vor 500 Jahren zog Cortés in die sagenumwobene Hauptstadt der Azteken ein – es war der Startschuss zur Globalisierung
Vor 150 Jahren, am 17. November 1869, wird ein 3500 Jahre alter Traum Wirklichkeit. Mit dem Suezkanal wird die bedeutendste von Menschen geschaffene Wasserstrasse eröffnet.

Und wir, wir studieren bis die Hirnhaut platzt, bis der Computer streikt, bis der Morgen graut. Viel wird gelernt, diskutiert, erkannt, neu entdeckt.

Dezember 2019

Reinhard Bonnke stirbt, der Mähdrescher Gottes ist tot. Das heisst: im Himmel und sieht nun die Früchte seiner Arbeit. Er war bei einigen umstritten, aber das Evangelium hat er vielen gebracht.

Uns am tsc stecken nun noch die Prüfungen in den Knochen, aber das Semester ist vorbei und was bleiben soll, das haben viele von euch uns im absolut wunderbaren Adventskonzert 2019 mit dem tsc-Chor zugesungen.

Von kleinen und grossen Schritten

1969 – also vor 50 Jahren – sagte Armstrong: «Ein kleiner Schritt für mich, aber ein grosser Schritt für die Menschheit», und stieg die letzte Stufe von der Mondlandefähre auf den Mond. Fast die ganze Welt schaute dabei zu. Erst 50 Jahre ist das her, dass wir Menschen ein bisschen von der Erde los kamen… sozusagen einen kleinen Sprung ins All taten, Ausserirdische wurden.
Vor über 2000 Jahren hat auch einer einen kleinen Schritt gemacht auf die Erde, hinein in einen Stall, kaum jemand nahm Notiz, doch der ganze Himmel schaute zu. Ganz klein fing es an, aber es war ein grosser Schritt für die Menschheit. Ja, der grosse Schritt auf die Menschheit zu, den wir so nötig hatten und haben und auch ein ganz grosser für den Grössten: Gott wurde klein, kam zu uns, damit wir wieder unsere wahre Grösse entdecken können – Kinder Gottes dürfen wir – durch sein Leben und Sterben – in seiner Gegenwart sein.

Ein Chor aus Dozierenden und Mitarbeitenden singt der Studiengemeinschaft das Weihnachtslied: «O komm, O komm, du Morgenstern».

Gelöste Stimmung zum Semesterschluss

Foto: Dozierende und Mitarbeitende des tsc singen das Weihnachtslied «O komm, O komm, du Morgenstern».

Bericht

Gottesdienst zum Ende des Herbstsemesters 2019/20

Eine fröhliche, gelöste Stimmung herrschte beim Abschlussgottesdienst des Herbstsemesters am 18. Dezember 2019 am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc). Die Studiengemeinschaft feierte in der Kirche St. Chrischona das Ende der Prüfungszeit und den Beginn der Weihnachtsferien.

Erleichterung nach der Prüfungszeit

Der Abschlussgottesdienst fand direkt im Anschluss an die letzten Prüfungen statt. Viele Studierende waren erleichtert, dass nach der Lern- und Prüfungsphase der grösste Stress vorbei ist. So sangen sie die Lobpreis- und Weihnachtslieder besonders kraftvoll und fröhlich mit.

Am offenen Mikrofon erzählten einige, was sie im zurückliegenden Semester mit Gott erlebtt hatten. Sie berichteten von Glaubensschritten und Gebetserhörungen, etwa Heilung von Schmerzen oder Krankheit. Einzelne Studierende bedankten sich für konkrete Hilfe durch die Studiengemeinschaft, beispielsweise Pannenhilfe bei einem platten Reifen.

Ereignisreicher Jahresrückblick 2019

Eine Tradition zum Jahresende ist der humorvolle Jahresrückblick von Claudius Buser, dem Dozenten für Kirchengeschichte. Auch 2019 fasste er Ereignisse anekdotenhaft zusammen, die entweder kirchengeschichtlich oder für das tsc eine Bedeutung haben. Er erwähnte das 1000-jährige Bestehen des Basler Münsters sowie das 500-jährige Jubiläum des Beginns der Tätigkeit des Reformators Huldrych Zwingli als Leutpriester am Grossmünster Zürich. In der tsc-Geschichte notierte der Kirchengeschichtler zum 1. Januar 2019 einen Neubeginn. Seitdem ist das Theologische Seminar St. Chrischona ein rechtlich eigenständiger Verein. «Chrischona hat es wieder getan, wir haben uns neu erfunden. Haben Bewährtes erhalten und Neues gewagt», erläuterte Claudius Buser.

tsc verabschiedet Manuel Schmid und Stefan Schweyer

Eine weitere Notiz für die tsc-Chronik ist die Verabschiedung von zwei Dozenten. Dr. Manuel Schmid beendet mit dem Herbstsemester seine mehrjährige Lehrtätigkeit am tsc. Studiengangsleiter Dr. Dr. Beat Schweitzer lobte dessen leidenschaftlichen Einsatz im Modul «Kommunikation des Evangeliums» und die akribische Unterrichtsvorbereitung.
Als Gastdozent im Studiengang Theologie & Musik war Prof. Dr. Stefan Schweyer (STH Basel) seit 2017 am tsc tätig. Bereits vorher hatte er wichtige Impulse zur Einführung dieses Studiengangs gegeben, wofür ihm Studiengangsleiterin Susanne Hagen herzlich dankte.

Unterrichtsfrei heisst nicht arbeitsfrei

Die Weihnachtspause geht für die meisten Studierenden, Dozierenden und Mitarbeitenden direkt nach dem Abschlussgottesdienst los. Sie dauert bis zum 3. Februar 2020, wenn der Unterricht im Frühlingssemester beginnt. Die unterrichtsfreie Zeit ist für die meisten jedoch keine arbeitsfreie Zeit. Besonders diejenigen, die ihre Bachelorarbeit schreiben müssen, haben zu tun.
Bevor sich die Studiengemeinschaft in viele kleine und grössere Orte in Deutschland, Österreich und die Schweiz verstreute, ermutigte sie Dr. Benedikt Walker, sich auf die Weihnachtszeit einzulassen. «Ich brauche Weihnachten», erklärte der Rektor des tsc. «Weihnachtszeit ist die Zeit, in der Gott uns seine Liebe zeigt.»

Abschlussgottesdienst Herbstsemester 2019/20: Verabschiedung von Manuel Schmid und Stefan Schweyer als Dozenten
Beat Schweitzer und Susanne Hagen verabschieden Manuel Schmid und Stefan Schweyer als Dozenten am tsc (von links).
Auf humorvolle Art und Weise blickt Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte am tsc, auf die Ereignisse des Jahres 2019 zurück.
Auf humorvolle Art und Weise blickt Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte am tsc, auf die Ereignisse des Jahres 2019 zurück.

Jahresrückblick 2019 lesen

Claudius Busers Jahresrückblick ist in einem separaten Blogbeitrag auf der tsc-Internetseite veröffentlichen.

Communicatio-Magazin 2019/2 (1500x500px)

Der gewalttätige Gott der Bibel

Communicatio-Magazin 2/2019

Der gewalttätige Gott der Bibel

Noch ein Grund, (nicht) an Gott zu glauben?

Auch Atheisten lesen die Bibel – und stossen auf Stellen, die von einem gewalttätigen Gott berichten. Kann, ja darf man an einen solchen Gott glauben? Die neueste Ausgabe des Communicatio-Magazins des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) zeigt Antworten der Theologie auf.

Dr. Andreas Loos (Dozent für Systematische Theologie am tsc) stellt zunächst vier verschiedene Lösungsmöglichkeiten vor. Es sind Strategien, welche die Theologie für den christlichen Glauben bereithält, um die Gewalttätigkeit Gottes in der Bibel zu bearbeiten und gläubig zu verarbeiten. Ein Ansatz wäre, die Bibel zu reinigen. Dies hat beispielsweise der frühchristliche Theologe Marcion versucht, indem er zwischen einem guten und einem wilden, unbarmherzigen Gott unterschied. Die Gewaltstellen schrieb er letzterem zu.

Worin sich die Communicatio-Autoren einig sind

In den weiteren Aufsätzen des Communicatio-Magazins entfalten Dr. Stefan Felber (Dozent für Altes Testament am tsc) und Dr. Manuel Schmid (Dozent am tsc 2012–2019) ihre Antworten auf den gewalttätigen Gott der Bibel. Sie sind sich darin einig, dass diese Berichte in die Bibel gehören. Sie seien Wort Gottes, das er uns zumute. Ansonsten fallen ihre Antworten ziemlich unterschiedlich aus.

Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) für Systematische Theologie.
Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Systematische Theologie.

Warum Gott Gewalt übt

So versucht Stefan Felber das gewalttätige Handeln Gottes plausibel zu erklären. An ausgewählten Beispielen zeigt er, was die Gründe und Absichten sind, die Gottes Handeln zugrunde liegen. Er kommt zum Schluss: «Wir sollten die Fülle und Breite des biblischen Gotteszeugnis beider Testamente in Gnade und Gericht wahrnehmen.»

Betrachtung durch die Brille des Kreuzes

Einen grundsätzlich anderen Ansatz wählt Manuel Schmid. Er setzt sich mit dem Bibelverständnis des amerikanischen Theologen Gregory Boyd auseinander. Der betrachtet alles durch die Brille des Kreuzestodes und der Auferstehung von Jesus Christus. Gewaltberichte, wie etwa die Sintflut oder die ägyptischen Plagen, haben aus seiner Sicht einen tieferen Sinn. Nämlich zu betonen, wie gross das Opfer gewesen sei, das Jesus Christus am Kreuz gebracht habe. Manuel Schmid schreibt: «Der Gott, der in Jesus Christus sein gewaltfreies Wesen offenbart, demonstrierte in seinem Gewaltverzicht die überragende Kraft seiner Liebe.»

Communicatio-Magazin zeigt Spannungen und Chancen auf

In der neuesten Ausgabe des Communicatio-Magazins gibt das Theologische Seminar St. Chrischona nicht die eine Antwort auf die Frage nach dem gewalttätigen Gott der Bibel. Viel mehr zeigt es Spannungen und Chancen auf, welche die Antworten der Theologie dazu aufwerfen. So ist es ein gutes Beispiel für die Kommunikative Theologie, die im Gespräch mit Gott und der Gesellschaft bleibt.

Pfr. Dr. Stefan Felber, tsc-Dozent für Altes Testament (Portraitfoto, 3zu4)
Pfr. Dr. Stefan Felber ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Altes Testament.
Dr. Manuel Schmid
Dr. Manuel Schmid unterrichtete von 2012 bis 2019 Kommunikation des Evangeliums am Theologischen Seminar St. Chrischona.

Interesse am Communicatio-Magazin?

Communicatio heisst das Magazin des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc). Es widmet sich den vielfältigen Themen einer «Kommunikativen Theologie», wie sie am tsc gepflegt und erarbeitet wird. Das Communicatio-Magazin erscheint zweimal pro Jahr. Sie können es kostenlos abonnieren per Post oder per E-Mail.

Communicatio-Magazin 2019/2: Der gewalttätige Gott der Bibel (212x300px)
Sängerinnen des tsc-Chor beim Adventskonzert 2019 (1500x500px) (Foto: Knut Burmeister, ALLTAG)

Ein Geschenk, mitsingen zu dürfen

Wie eine Sängerin die Adventskonzerte 2019 des tsc-Chor erlebte

Ein Geschenk, mitsingen zu dürfen

Am 1. Adventswochenende 2019 gab der Chor des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) zwei Konzerte mit weihnachtlichen Liedern und Gospels. Am 30. November vor mehr als 500 Zuhörern im Konferenzzentrum auf St. Chrischona und am 1. Dezember vor rund 300 Zuhörern in der Basler Pauluskirche. Sängerin Desirée Kratzat erlebte die Konzerte als etwas Kostbares. Desirée berichtet:

Grosse musikalische Bandbreite

Weniger als drei Monate liegen zwischen dem Beginn des Studienjahres im September und den Chorkonzerten im Advent. Auch in diesem Jahr brachte es unsere Chorleiterin Susanne Hagen fertig, allen 80 Sängerinnen und Sängern 16 Lieder einzustudieren, die eine grosse musikalische Bandbreite umfassen: von klassischen Chorsätzen (Ola Gjeilo, Johann Sebastian Bach) bis hin zu modernen Hymnen (Casting Crowns, Whitney Houston). Passend zur Adventszeit, die zu 24 Tagen Besinnung einlädt, sangen wir als tsc-Chor die Gospelversion des bekannten Hallelujahs, das Händel in nur 24 Tagen schrieb. So waren unsere Zuhörer einmal mehr begeistert von der musikalischen Weihnachtsbotschaft und der stimmlichen Vielfalt unseres Klangkörpers.

Etwas Grösseres entsteht

In dem Moment, wenn alle Stimmen der Sängerinnen und Sänger zusammenkommen, entsteht etwas, das grösser ist als der Einzelne allein. Egal, ob die Stimmen laut oder leise, sicher oder unsicher sind. Das hat mich als eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin besonders geprägt und mich ermutigt, in meine Stimme zu investieren. Ich erlebe im tsc-Chor eine gegenseitige Wertschätzung und eine Freude, gemeinsam etwas so Grosses und Besonderes wie die Adventskonzerte auf die Beine stellen zu dürfen.

Adventskonzert des tsc-Chors am 30.11.2019: Chor vom Technikpult (Foto: Knut Burmeister, ALLTAG)
Mit stimmungsvollen Liedern bereitete der tsc-Chor rund 450 Zuhörerinnen und Zuhörern einen guten Start in die Adventszeit. (Foto: Knut Burmeister, ALLTAG)

tsc-Chor lockt zahlreiche Besucher an

Beim Adventskonzert auf Chrischona begrüssten uns die Besucher klatschend, während wir auf die Bühne liefen, um unsere Plätze einzunehmen. Als ich inmitten unseres Chores stand, wurde mir bewusst, dass der gesamte Saal gefüllt war und somit über 500 Personen gekommen waren. Und auch am nächsten Tag, als wir in der majestätisch wirkenden Pauluskirche standen, war dies ein Moment reiner Freude. Choräle wie «Ubi Caritas» in einem so herrlichen Gebäude singen zu dürfen, ist etwas Atemberaubendes. Besonders angesichts einer Akustik, die den Gesang noch einmal ganz neu erlebbar werden lässt. Bereits beim zweiten Lied begannen die Bässe und Tenöre einheitlich und bereiteten uns Altistinnen und Soprane den Einstieg gekonnt vor. So sangen wir voller Freude «Good news» von Negro Spiritual & Don Newby. Begleitet wurden wir dabei von unserer grossartigen Band aus professionellen Musikern und Musikdozenten des tsc. Darunter der Bassist Sigi Bohnert, der Geiger Andreas Wäldele und der Saxophonist Bene Müller.

Klangvoller und guter Start in die Adventszeit

Das Stück «Bethlehemian Rhapsody», ein Cover des Klassikers von Queen, liess die Soprane gekonnt in die Höhen gelangen. Genauso hatten die restlichen Stimmregister ihre Momente, welche die Gesamtheit unserer aller Stimmen besonders wertvoll wiedergab. Ich erlebte diese beiden Adventskonzerte als etwas Kostbares und als einen guten Start in diese besonnene Adventszeit, in der die Hektik meist näher ist als die Ruhe. Es war ein Geschenk, mitsingen zu dürfen und zu erleben, wie Menschen durch unsere Musik an diesen Abenden tief berührt und beschenkt nach Hause gehen konnten.

Mit der Kollekte beim Adventskonzert am 30.11.2019 unterstütze der tsc-Chor die Hilfsaktion «Weihnachten im Schuhkarten».

Adventskonzert des tsc-Chors am 30.11.2019: Sängerin Desirée inmitten des Chors (Foto: Knut Burmeister, ALLTAG)
Desirée Kratzat (Bildmitte) freut sich, dass sie im Chor mitsingen darf. (Foto: Knut Burmeister, ALLTAG)

In dem Moment, wenn alle Stimmen der Sängerinnen und Sänger zusammenkommen, entsteht etwas, das grösser ist als der Einzelne allein.

Über den tsc-Chor

Im tsc-Chor singen rund 80 Personen mit. Darunter sind Studierende, Mitarbeitende und Freunde des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc). Geleitet wird der Chor von Susanne Hagen, Studiengangsleiterin Theologie & Musik. Der Chor gibt im Frühsommer und in der Adventszeit jeweils zwei Konzerte.

Das nächste Chorkonzert findet statt am Samstag, den 25. April 2020, im Konferenzzentrum auf dem Chrischona-Campus.

Fotos: Knut Burmeister, ALLTAG

Eben-Ezer-Sessions am 18.10.2019: Melina (1500x500px) (Foto: Knut Burmeister, ALLTAG)

Eben-Ezer-Sessions: tsc-Bands on stage

Veranstaltungsrückblick

Impressionen der Eben-Ezer-Sessions vom 18. Oktober 2019

Die Bands des Studiengangs Theologie & Musik des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) trugen am 18. Oktober 2019 selbst geschriebene und gecoverte Lieder in der Eben-Ezer-Halle auf dem Chrischona-Campus vor. Im Rahmen dieser «Eben-Ezer-Sessions» zu hören waren zudem Poetry-Slammer und weitere Musiker.

Popsongs, Worshiplieder, Schlager

Der öffentliche Auftritt erfolgte rund sechs Wochen nach der Neuzusammenstellung der Bands zum Beginn des Studienjahres. Neben Studierenden der Theologie & Musik setzen sie sich auch aus Jahreskurslern mit dem Schwerpunkt Worship und aus Mitarbeitenden des tsc zusammen. Viele der rund 100 Zuschauer staunten darüber, welche Vielfalt an Liedern sich die Studierenden in dieser kurzen Zeit erarbeitet hatten. Jede Band trug zwei oder drei Lieder aus verschiedenen Musikgenres vor, darunter Worshipsongs, aber auch Pop- und Rockmusik oder Schlager. Die Schulung in verschiedenen musikalischen Genres gehört zu einer professionellen musikalischen Ausbildung. Deshalb ist der Studiengang Theologie & Musik entsprechend konzipiert.

Auch die anderen Studiengänge des tsc waren bei den Eben-Ezer-Sessions vertreten: So gab Theologiestudent Lukas Knierim einen Poetry-Slam zum Besten. Weitere Studierenden sorgten für eine stimmungsvolle Dekoration oder einen reibungslosen Barbetrieb mit Bierausschank und Hot Dogs.

Die «Eben-Ezer-Sessions» finden zweimal pro Studienjahr in der Eben-Ezer-Halle statt. Der Eintritt ist kostenlos. Nächster Termin ist Dienstag, der 12. Mai 2020.

Fotos: Knut Burmeister, ALLTAG