Chrischona-Campus mit Brüderhaus und Konferenzzentrum im März 2020 (1500x500px)

Corona-Tagebuch

Coronakrise auf Chrischona

Corona-Tagebuch des tsc

Seit dem 28. Februar 2020 ist die Coronakrise Teil des Alltags am Theologischen Seminar St. Chrischona. Das Corona-Tagebuch dokumentiert den Verlauf der Krise und die Massnahmen des tsc.

2. Videobotschaft von René Winkler während der Coronakrise: Was ist Gemeinschaft?

01.04.2020: Was ist Gemeinschaft?

René Winkler gibt am 1. April seine Gedanken zu Gemeinschaft per Videobotschaft weiter. Kritisch merkt er an: Zusammensein garantiert noch keine Gemeinschaft. Doch was dann? Jesus sagt: «Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.» (Matthäus 20,28) An dieser Grundhaltung können wir uns ausrichten.

01.04.2020: Wie die Corona-Krise meistern?

Dr. Benedikt Walker, Rektor tsc, empfiehlt der Studiengemeinschaft im Corona-Update, als Lernende unterwegs zu sein: «Wir sollten dazu bereit sein, unsere Erkenntnisse und Entscheidungen von gestern zu revidieren und uns weiterzuentwickeln. In der Krise gilt es, Bewährtes aufzugeben und Neues zu wagen.» Benedikts persönliches Motto in einer chaotischen Lebensphase lautet: «Jeden Tag einen (mutigen) Schritt nach vorne machen.»

31.03.2020: WLAN

Durch die Corona-Massnahmen werden Internet-Dienstleistungen, Cloud-Lösungen und Video-Telefonie massiv mehr genutzt. Diese Mehrnutzung führt dazu, dass das WLAN auf dem Chrischona-Campus stärker belastet ist. Die Folgen sind ein langsames Netz, Signalschwankungen und Verbindungsunterbrüche. Die Firma cross-serve, der ICT Dienstleister des Chrischona-Campus, fokussiert ihre Arbeit auf diese Probleme.
Sanierung der Brüderhaustür während der Coronakrise durch einen studentischen Mitarbeiter

31.03.2020: Chrischona-Campus AG führt Unterhaltsarbeiten durch

Die Chrischona-Campus AG beschäftigt 40 studentische Mitarbeitende. Sie werden in der Corona-Krise nicht entlassen, sondern erhalten Arbeitsaufträge für Unterhaltsarbeiten an den Gebäuden, Grundreinigung sowie Räumungs-, Entsorgungs- und Archivierungsarbeiten.

30.03.2020: Mobilmachung

Zwei Studenten des tsc erhalten einen Marschbefehl der Schweizer Armee. Sie müssen einrücken. Der Marschbefehl gilt bis zum 30. Juni 2020.

30.03.2020: Studentinnen bieten Hilfe an

Einige Studentinnen des tsc, die einen Beruf im Gesundheitswesen gelernt haben, bieten dem Kanton Basel-Stadt ihre Hilfe an.

26.03.2020: Corona-Fall ist genesen

Ein Bewohner des Chrischona-Campus wurde Mitte März positiv getestet auf das neue Coronavirus. Er erlebte in der Selbst-Quarantäne einen ausserordentlich milden Verlauf ohne Symptome. Das Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt erklärte ihn am 26. März als genesen.

28.03.2020: Selbst-Quarantäne in WGs endet

Aufgrund des bestätigten Corona-Falls hatten sich einigen studentische Wohngemeinschaften in Selbst-Quarantäne begeben. Nach 14 Tagen beendeten sie diese Quarantäne, weil niemand Symptome einer Erkrankung zeigte.
1. Videobotschaft von René Winkler während der Coronakrise: Was hält?

25.03.2020: René Winklers erste Videobotschaft

Mittwochs finden während der Semester die mittendrin-Gottesdienste statt. Wegen der Corona-Krise müssen sie ausfallen. René Winkler, Leiter Weiterbildung tsc, veröffentlicht stattdessen ermutigende Impulse per Video. In seinen ersten «Gedanken zur Woche» erinnert er an Philipper 4, wo Paulus aus dem Gefängnis schreibt: «Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus.»

27.03.2020: Mut machen per Videos

Studierende und Mitarbeitende drehen mit dem Handy kurze Videos, um sich gegenseitig Mut zu machen in der Krise. Sie teilen in diesen Videos auch ihre Gedanken zur Situation und geben Einblick in die geistliche Herausforderung der Corona-Krise.

23.03.2020: Kirche St. Chrischona bleibt offen

Täglich von 14 bis 16 Uhr sind Christen für Gespräche in der Kirche anzutreffen.

19.03.2020: ÖV-Angebot wird reduziert

Die SBB und die BVB reduzieren ihr Angebot und stellen ihre Fahrpläne um. In der Folge führt dies dazu, dass die S-Bahnlinie 6 nur mehr im Stundentakt verkehrt und nicht mehr in Riehen hält. Die Buslinie 32 fährt weiter im 15-Minuten-Takt von Riehen nach St. Chrischona.

E-Learning auf dem Chrischona-Campus (1500x1000px)

18.03.2020: E-Learning statt Präsenzstudium

Die Dozentinnen und Dozenten des tsc führen erstmals Unterricht per Videokonferenz durch. Innerhalb weniger Tage können die meisten Module auf E-Learning umgestellt werden. Das gelingt auch deshalb, weil das tsc bereits seit 2013 Erfahrungen mit dem Fernstudium gesammelt hat.

17.03.2020: Ausserordentliche Lage

Der Schweizer Bundesrat erklärt am Abend des 16. März die ausserordentliche Lage. Der Alltag wird massiv eingeschränkt. Am 17. März kommuniziert das tsc per Corona-Update, dass alle Lern-, Gebets- und Gemeinschaftsgruppen sowie alle Versammlungen verboten sind. Als Reaktion vernetzt sich die Studiengemeinschaft stärker virtuell, zum Beispiel über WhatsApp-Gruppen.

17.03.2020: Grenzkontrollen

Die Kontrollen an der Grenze zu Deutschland verschärfen sich. Einkaufstourismus ist nicht mehr möglich. Das belastet das Budget der Studierenden, die nun in der Schweiz einkaufen müssen. Die Grenzgänger unter den Mitarbeitenden dürfen aber weiter zur Arbeit kommen.

16.03.2020: Krisenstäbe tagen

Am Vormittag treffen sich die Krisenstäbe «Berg», «Studium» und «Chrischona-Campus AG» zum ersten Mal. Aufgrund der Entscheidungen des Schweizer Bundesrates beschliessen sie zahlreiche Massnahmen für den Chrishcona-Campus: Die theologische Ausbildung geht per E-Learning weiter. Alle Mitarbeitenden sollen vom Home Office aus arbeiten können. Etliche Veranstaltungen im März, April und Mai werden abgesagt, darunter der Seniorentag und das Chorkonzert.

13.03.2020: Schweizer Bundesrat verbietet Präsenzunterricht

Am Nachmittag verkündet der Schweizer Bundesrat weitere Massnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus. Weil der Präsenzunterricht nicht mehr stattfinden darf, informiert das tsc per Corona-Update, dass der Unterricht am 16. März ausfällt.

13.03.2020: tsc-Schnuppertage finden statt

17 Interessierte reisen auf den Chrischona-Campus, um an den Schnuppertagen teilzunehmen. Sie erleben den vorerst letzten Präsenzunterricht mit.

180 Jahre tsc: Gruss der Studiengemeinschaft (1500x1000px)

11.03.2020: 180 Jahre tsc

Die Studiengemeinschaft feiert mit einem Dankgottesdienst im familiären Rahmen 180 Jahre theologische Ausbildung auf  St. Chrischona. Eine Gruppe von tsc-Freunden im Pensionsalter hätte gerne mitgefeiert, sagt ihre Teilnahme wegen der Ausbreitung des Corona-Virus jedoch vorsichtshalber ab.

10.03.2020: Erster Quarantäne-Fall auf Chrischona

In der Familie eines tsc-Dozenten gibt es den ersten Corona-Fall. Der Dozent begibt sich mit seiner Familie in Selbst-Quarantäne und arbeitet weiter im Home Office.

05.03.2020: BAG aktualisiert und erweitert Verhaltensregeln

Die Studiengemeinschaft wird umgehend informiert, wie sie sich vor dem neuen Coronavirus schützen kann. Das tsc hebt die Anwesenheitspflicht für den Unterricht auf und verzichtet auf das Feiern des Abendmahls. Der mittendrin-Gottesdienst wird in das Konferenzzentrum verlegt, damit die Teilnehmenden genügend Abstand voneinander halten können.

28.02.2020: Erster positiv getesteter Coronafall im Kanton Basel-Stadt

Die Mitarbeitenden der Chrischona-Campus AG stellen Desinfektionsmittel in den Toiletten auf. Ausserdem hängen sie Anleitungen zum Händewaschen aus. Per neu eingerichtetem Corona-Update wird die Studiengemeinschaft über die ersten Schutzhinweise des Bundesamts für Gesundheit BAG informiert.

E-Learning auf dem Chrischona-Campus (1500x500px)

E-Learning statt Präsenzstudium

Wie das tsc auf die Coronakrise reagiert

E-Learning statt Präsenzstudium

Wegen des neuen Coronavirus hat der Schweizer Bundesrat den Präsenzunterricht an Schulen und Ausbildungsstätten verboten. Diese Massnahme gilt mindestens bis zum 19. April 2020 und betrifft auch das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc). Die theologische Ausbildung geht trotzdem weiter – per E-Learning über das Internet.

«Per E-Learning kann das tsc seinen Bildungsauftrag erfüllen»

Der Coronakrise begegnet das Theologische Seminar St. Chrischona mit der Umstellung auf E-Learning, also auf das Studieren per Internet. «Mit den Möglichkeiten des E-Learnings kann das tsc seinen Bildungsauftrag weiter erfüllen», sagt Dr. Dr. Beat Schweitzer. Der tsc-Studiengangsleiter hat den Bachelor-Studiengang Kommunikative Theologie in den letzten Jahren bereits vollständig per Fernstudium ermöglicht und sieht deshalb die Krise auch als Chance. «Jetzt zahlen sich unsere Investitionen ins Fernstudium aus», erklärt er.

Technik für E-Learning ist eingerichtet

Seit 2013 hat das tsc das Fernstudium Theologie und die Online-Kurse entwickelt, die auf der Lernplattform Moodle im Internet stattfinden. Mit dem Beginn des Studienjahres 2019/20 wurde die Nutzung von Moodle für alle Dozierenden und Studierenden verpflichtend gemacht. Programme wie «Teams» oder «PowerPoint» bieten gute Möglichkeiten, damit der Unterricht über Videokonferenzen oder aufgezeichnete Videos stattfinden kann. Die nötige Technik ist also vorhanden und eingerichtet.

tsc-Dozent Dr. Stefan Felber gibt Unterricht im Alten Testament per Videokonferenz.
tsc-Dozent Dr. Stefan Felber gibt Unterricht im Alten Testament per Videokonferenz.

tsc weiss, wie E-Learning funktioniert

Der zweite Pluspunkt des tsc ist das vorhandene Know-how. Beat Schweitzer und Dr. Debora Sommer, Leiterin Fernstudium Theologie, nutzen die Möglichkeiten des E-Learnings bereits seit Jahren. Sie können ihr Wissen und ihre Erfahrungswerte weitergeben an die Dozierenden, die kaum Erfahrungen mit E-Learning haben. Erste Schulungen zu «Moodle» und «Teams» haben schon stattgefunden.

Schnelle Erfolge, knifflige Herausforderungen

Die Dozentinnen und Dozenten des tsc sind nun herausgefordert, die Inhalte ihrer Studienmodule online zu vermitteln. Relativ schnell hinbekommen haben sie das Teilen von Dokumenten, die Vergabe von Aufgaben an Studierende oder den Unterricht via Videokonferenz. «Kniffliger wird es, wenn kreative Lernprozesse wie Rollenspiele ersetzt werden müssen. Hier sind wir gefordert, manches neu zu denken und weiterzuentwickeln», erklärt Beat Schweitzer. Auch Leistungsnachweise wie Prüfungspredigten oder Ausarbeitungen zu Projekten müssen überdacht werden, weil Gottesdienste und Versammlungen verboten sind.

Wie Gemeinschaft leben?

Die Wissensvermittlung am tsc geht also trotz Coronavirus weiter. Was die Studiengemeinschaft härter trifft, ist das Verbot aller Gottesdienste, Gebets-, Klein- und Lerngruppen. Das gemeinschaftliche Leben, welches das Studieren auf Chrischona besonders auszeichnet, ist nicht mehr wie gewohnt möglich. Die Studierenden haben darauf reagiert, indem sie sich zum Beispiel per WhatsApp und sozialen Netzwerken stärker vernetzen. Die Abstands- und Isolierungsregeln, die sie befolgen müssen, versuchen sie mit höherer virtueller Verbundenheit zu kompensieren. Dies kann durchaus gelingen, wie Debora Sommer weiss: «Die Erfahrungen aus dem Fernstudium der vergangenen Jahre bestätigen, dass theologische Tiefe und zwischenmenschliche Verbundenheit auch virtuell möglich sind.»

Spürbar ist ausserdem eine grosse Solidarität und Kreativität. Dem Rektor Benedikt Walker wurde beispielsweise über Teams ein Geburtstagsständchen gesungen. Und Gebetsgruppen sind ersetzt durch Gebetsspaziergänge mit Sicherheitsabstand. So ist die Chance gross, dass das tsc die Coronakrise meistert.

Wie funktioniert das Fernstudium Theologie am tsc?

  • Bachelor-Studiengang: Die Lerninhalte entsprechen dem dreijährigen Bachelor-Studiengang Kommunikative Theologie, der von der Middlesex University London validiert ist.
  • Interaktives Online-Studium: Die Lerninhalte und Lernprozesse finden auf Moodle statt, einer modernen Lernplattform im Internet.
  • Semesterstruktur: Zeitliche Vorgaben und Strukturen unterstützen die Studierenden in ihrem Studienalltag.
  • E-Dozierende: Die Studierenden sind nicht alleine unterwegs, sondern werden von E-Dozierenden begleitet und gefördert.
  • Teilzeit: Gut geeignet als nebenberufliches oder berufsbegleitendes Studium
180 Jahre tsc: Gruss der Studiengemeinschaft (1500x500px)

180 Jahre tsc

Foto: Die Studiengemeinschaft 2020 des Theologischen Seminars St. Chrischona bildet eine 180.

180 Jahre tsc

Studiengemeinschaft feierte Dankgottesdienst

Seit mehr als 180 Jahren werden Menschen auf St. Chrischona theologisch ausgebildet. Den 180. Geburtstag feierte die Studiengemeinschaft des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) am 11. März 2020 an dem Ort, an dem alles begann.

Gründung durch Spittler

Es war in der Sakristei der Kirche St. Chrischona, wo Christian Friedrich Spittler am 8. März 1840 mit seiner Pflegetochter Susette, dem ersten «Chrischona-Bruder» Joseph Mohr und dem Schreinermeister Epple niederkniete. Er weihte die alte, verfallene Kirche St. Chrischona neu für die Aufgabe der «Pilgermission St. Chrischona»: Handwerker im christlichen Glauben schulen und sie wieder aussenden in die Welt.

tsc ist zurückgekehrt zu seinen Wurzeln

180 Jahre später ist die Pilgermission, die eine reiche und vielfältige Segensgeschichte erlebt hat, wieder zurückgekehrt zu ihren Wurzeln. Seit 2019 heisst sie Theologisches Seminar St. Chrischona und fokussiert sich auf die theologische Ausbildung, die bereits über 6500 Absolventinnen und Absolventen hat. Deshalb war es auch passend, dass es die Studierenden und Dozierenden des tsc waren, die Chrischona mit einem gemeinsam gesungenen «Happy birthday» gratulierten.

Vorbild Spittler

Claudius Buser, stellvertretender Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte, erinnerte im Gottesdienst an die Anfänge unter Spittler. Dieser hatte mehrere Anläufe genommen, um die Pilgermission St. Chrischona gründen zu können. Erst beim vierten Versuch gelang es. Spittler mietete die Kirche St. Chrischona vom Kanton Basel-Stadt und begann dort, junge Handwerker im Glauben auszubilden. «Spittler war so dankbar, dass Gott ihm vergeben und ihn geheilt hat. Chrischona hat er gegründet, dass das Evangelium in die Welt getragen wird, die so viel Heilloses hat», berichtete Claudius Buser. Neben der Verkündigung des Glaubens lag Spittler die tätige Nächstenliebe am Herzen. So gründete er auch Hilfswerke für Waisen, Witwen oder Gehörlose. Für Claudius Buser ist Spittler deshalb ein Vorbild: «Die Gnade und die Barmherzigkeit sind die zwei Flügel, die uns auch heute bewegen sollten, etwas in der Welt zu verändern.»

Gottesdienst 180 Jahre tsc am 11.3.2020: Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte
Claudius Buser betrachtet Christian Friedrich Spittler als Vorbild für die heutige Zeit.
Logo 180 Jahre tsc
2020 feiert das Theologische Seminar St. Chrischona sein 180-jähriges Jubiläum.

Spuren Gottes im Alltag entdecken

Die Predigt des Dankgottesdienstes hielt Rektor Benedikt Walker. Er gab drei Tipps und erklärte eine praktische Übung, wie sich Spuren Gottes im Alltag entdecken lassen. Erstens gelte es anzuerkennen, dass Gott souverän ist und sich überall offenbaren kann. Zweitens sollten sich Menschen eingestehen, dass sie vergesslich sind und immer wieder schuldig werden. Drittens brauche es eine Versöhnung mit der eigenen Geschichte. Die praktische Übung, die der Rektor erklärte, funktioniert mit Bohnen als Erinnerungshilfen. Bei jeder Kleinigkeit, die man täglich erlebt, könnte man sich eine Bohne von der rechten in die linke Hosen- oder Jackentasche stecken. Abends erinnert man sich mit ihrer Hilfe an die Erlebnisse und dankt Gott dafür.

tsc-Chorkonzert «180 Jahre tsc» am 28. Juni

Dass das Theologische Seminar St. Chrischona auch nach 180 Jahren weiterhin Menschen ausbilden kann, ist ein grosser Grund zum Danken. Dies tat die Studiengemeinschaft mit dem Psalm 103 sowie Lobpreisliedern und Gebeten. Der Dank soll sich fortsetzen im weiteren Verlauf des Jubiläumsjahres. So wird beim tsc-Jahresfest am 28. Juni 2020 ab 15 Uhr ein Chorkonzert mit Liedern und Geschichten aus 180 Jahren tsc stattfinden. Alle tsc-Freunde sind dazu herzlich eingeladen.

Gottesdienst 180 Jahre tsc am 11.3.2020: Rektor Benedikt Walker
Rektor Benedikt Walker erklärt, wie man Spuren Gottes im Alltag entdecken kann.

Was geschah am 8. März 1840?

Drei Wanderer zogen an jenem 8. März in der Morgenfrühe von Basel hinaus, dem waldigen Chrischona-Hügel zu. Es waren dies der ehrwürdige Vater Spittler, damals in seinem 58. Lebensjahre stehend, dessen Pflegetochter und langjährige Gehilfin, Fräulein Susette Spittler, und der Schreinermeister Epple, ein treuer Freund und Bruder in dem Herrn. Ihr Weg führte sie eine Weile dem prächtigen Rheinstrom entlang bis in die Nähe der badischen Grenze. Dort, am Schweizerischen Zollhäuschen, bogen sie links ab und gingen quer über Feld, dann durch liebliches Rebengelände, unmerklich steigend, dem Wenkenhofe und dem von Hügeln und Wäldern malerisch umgebenen Dörflein Bettingen zu. Von da galt es immer mehr zu steigen, bis nach etwa halbstündigem Marsch die alte, halbzerfallene St. Chrischona-Kirche auf der Hochfläche des Berges erreicht war. Unsre Pilger hatten die herrliche Aussicht, die sich dem Wanderer von jener Höhe darbietet, schon oft genossen, und manches Gebet war dann aus ihrem Herzen aufgestiegen, dass der Herr, dem diese Stätte von altersher geweiht und dessen Nähe in der feierlichen Stille ihnen oft so spürbar gewesen war, sich hier wieder einen Ort des Segens bereiten wolle zum Lobe seiner Gnade.

Und nun hatte der Herr angefangen, diese Bitten zu erhören […] und heute waren sie heraufgekommen, um mit dem jüngst eingetretenen ersten Pilgermissionar, ‹Bruder› Mohr, das neu zu beginnende Werk dem Herrn zu übergeben und in seinem Namen die Hand an den Pflug zu legen.
Durch das öde Schiff der Kirche schritten sie hindurch in das ebenso verwüstete hohe, gotische Chor. Dort zeigte sich ihnen zur linken Hand eine Tür, welche in einen Raum führte, der ehemals als Sakristei gedient haben musste. Hier hatte Bruder Mohr schon den Schutt hinweggeräumt, hatte etwas Ordnung gemacht und war tags zuvor in diese niedere Klause eingezogen, nachdem er die ersten Wochen im Nachbarhäuschen Unterkunft gefunden hatte. Aber wie überwältigend drängte sich allen die Wahrnehmung auf von der grossen und vielen Arbeit, die es kosten musste, um aus dem völlig verwahrlosten Kirchlein wieder ein würdiges Gotteshaus und eine Pflanzstätte christlichen Lebens zu machen!
Noch ungleich schwerer aber mochte ihnen die geistliche Aufgabe erscheinen. Konnte der Versuch, junge Männer aus dem Handwerkerstande zu brauchbaren Evangelisten für das Volk herauszubilden, gelingen? Woher sollten die Leute kommen? Woher die Geldmittel? Sie hatten ja nichts, keinen Fonds, keinen Vorrat, keine Versprechungen, wenig Ermutigung von aussen. Ja, aber sie hatten ihren Gott. Sie hatten den von ihm geweckten Trieb, etwas zu tun zur Verbreitung seiner Erkenntnis in den Herzen des Volkes. Sie hatten sein Wort und seine Verheissungen. Und tief durchdrungen von ihrer grossen Bedürftigkeit und dem grossen Reichtum ihres Gottes knieten sie in jener Sakristei nieder und weihten aufs Neue das alte, so lange dem Verfall preisgegebene Gotteshaus samt dem Werke, das sie darin zu beginnen gedachten, dem Herrn, der sie zu seinen Knechten und Werkzeugen erwählt und erkauft hatte.

Schreiber dieses hat die Schilderung jener unvergesslichen Stunde von den Lippen derjenigen, die damals stillschweigend zugehört und mitgebetet hat und die, wie sie scherzhaft zu sagen pflegte, der Anstalt Kindsmagddienste hat tun dürfen. Der Herr hat seinen Dienern und Handlangern sein Wort bestätigt, und das Samenkorn, das in jenen Frühlingstagen des Jahres 1840 im Glauben und mit viel Gebet in die Erde gelegt wurde, das Samenkorn, das oft zu ersterben drohte und von dem manches tatsächlich sterben musste, hat dennoch Lebensfähigkeit gehabt und zu einem Baum werden dürfen, unter dessen Zweigen nun nach Jahrzehnten manche Vögelein sitzen und mit einstimmen in das nie veraltende Lied des königlichen Sängers: Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! Amen.

Dieser Text stammt aus der Chronik «Die Pilgermission St. Chrischona 1840 – 1940» von Friedrich Veiel, Seite 32–34.

tsc-Community-Abend: Im Gespräch mit Dr. Debora Sommer

Wie Debora Sommer ihre Berufung als Theologin entdeckte

tsc-Communityabend am 5. März 2020

Wie Debora Sommer ihre Berufung als Theologin entdeckte

Einblicke in ihre Lebensgeschichte gab Dr. Debora Sommer der Studiengemeinschaft am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc). Bei einem Community-Abend am 5. März 2020 nahm die Leiterin Fernstudium Theologie am tsc die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine spannende Reise. Sie berichtete, wie sie ihre Berufung als Theologin entdeckte und begann, mutig zu leben.

Frau und Theologin

Von einer Kultur geformt, in der das Bild der Frau klar geprägt war, war es herausfordernd und auch mutig, einen Ruf von Gott zu folgen, der dieser Prägung zu widersprechen schien. Von klein auf hatte Debora den Wunsch, ihr Leben ganz Gott zu widmen. Sie begann ihr Theologiestudium an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule (STH) Basel mit dem Wissen, dass sie vermutlich selbst nie predigen würde. Nach einer Begegnung mit einer Mitstudentin, die eine Berufung als Pfarrerin in der Landeskirche hatte, begann sie sich mehr und mehr mit der Rolle der Frau aus theologischer Sicht auseinanderzusetzen. Diesem Thema widmete sie besondere Aufmerksamkeit in ihrer Doktorarbeit über Juliane von Krüdener: «Eine baltisch-adlige Missionarin bewegt Europa». Debora Sommer wurde bewusst, dass es manchmal erforderlich ist, mit der Bibel zu ringen statt mit Menschen. Es ist eine Kunst, theologische Spannungen respektvoll aushalten zu können und den Menschen in Liebe zu begegnen.

Ergänzung statt Konkurrenz

Deboras Sommers Bericht wurde durch Beiträge ihres Ehemanns Rolf ergänzt. Der Coach und Pastor ist Absolvent des Theologischen Seminars St. Chrischona. Es war eindrücklich zu erleben, wie sich die Ehepartner als Team ergänzen und unterstützen. So wurden Deboras Worte praktisch erlebbar: «Oft kämpft man nur ums Recht haben, statt um die Bereitschaft Rücksicht zu nehmen und Liebe reifen zu lassen». Dies birgt die Kraft, Unterschiedlichkeit zuzulassen, ihr zuzuhören und Spannungen auszuhalten. Es ist die Dialogfähigkeit, die es ermöglicht, die Sicht anderer zu hören, zu sehen und auch erstmal stehen lassen zu können. «Es geht darum, die innere Stärke bei Gott zu suchen, um kritikfähig zu bleiben und eigene Motive immer wieder zu überprüfen», erklärte Debora Sommer.
Rolf Sommer ermutigte die Studiengemeinschaft mit den Worten: «Habt Mut, Schritte zu wagen – auch, wenn es eventuell enttäuschend endet. Habt keine Angst Fehler zu machen, die gehören dazu und aus denen kann man lernen – habt Mut, mutig zu sein!» Schlussendlich geht es doch vielmehr um die Ergänzung und nicht etwa um Konkurrenz. Denn in der Vielfalt liegt die Einheit und dies bringt immer wieder Spannungen mit sich.

«Grosses Privileg, solche Dozentinnen am tsc zu haben»

Bei den Studierenden kam der Vortragsabend gut an. Zum Beispiel bei Ladina Wettstein, Studentin im Bachelor-Studiengang Theologie & Pädagogik. Sie sagte: «Ich erachte es als grosses Privileg, Dozentinnen und Dozenten wie Debora Sommer am tsc zu haben. Aus ihren Lebensgeschichten und Erfahrungen ergibt sich ein grosser Mehrwert für uns als Gemeinschaft auf St. Chrischona, von dem wir enorm viel profitieren können. Dies motiviert mich, solche Anlässe und Abende zu organisieren, koordinieren und durchzuführen.»

Dr. Debora Sommer
Dr. Debora Sommer leitet das tsc-Fernstudium.
Claudius Buser, Stv. Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte

Claudius Buser und die «4M»

Vier Fragen an Claudius Buser

«Man muss Menschen mögen»

Hinter den «4M» verbirgt sich der Satz: «Man muss Menschen mögen». Claudius Buser, stellvertretender Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte, ist bekannt für diesen Ausspruch. Warum er ihn so schätzt, erklärt er im Gespräch. Ausserdem zeigt er auf, welchen Fussabdruck die theologische Ausbildung auf St. Chrischona in der Kirchengeschichte hinterlassen hat.

«Ich bin gerne mit Menschen unterwegs.»

tsc: Lieber Claudius, was sind deine Aufgaben als stellvertretender Rektor – was begeistert dich an deiner Tätigkeit?

Claudius Buser: Ich denke in vielen Bereichen des tsc mit, übernehme Aufgaben und vertrete den Rektor bei Veranstaltungen oder Diensten. Das ist interessant, herausfordernd und mit der Übernahme von Verantwortung verbunden. Ich bin gerne mit Menschen unterwegs. Das hilft mir und begeistert mich auch in diesem Bereich meiner Aufgaben. Dass wir als tsc nach 180 Jahren immer noch unterwegs sind und junge Menschen ausbilden dürfen, das ist doch unglaublich schön.

«Du bist Teil der Geschichte.»

tsc: Seit 2003 unterrichtest du Kirchengeschichte am tsc. Was lernen die Studierenden in deinem Unterricht?

Claudius Buser: «Du bist auch Teil der Geschichte. Denk nicht zu klein von deinem Platz darin, sondern lass Gottes Geist und Liebe Raum, sich in Dir und durch Dich zu entfalten.» Es ist unglaublich, was entsteht, wenn Gottes Liebe uns und unsere Geschichte durchdringt. Also setzen wir uns mit unserer eigenen Geschichte auseinander, und plötzlich werden wir Teil von etwas Grösserem, das 2000 Jahre zurückreicht. Wir erkennen dabei: Wir gehören dazu, das hat auch mit mir zu tun. Unsere Herkunft zu kennen hilft uns, die Gegenwart zu verstehen und für die Zukunft gewappnet zu sein.

Warum man Menschen mögen muss

tsc: «Man muss Menschen mögen» – von diesen «4M» erzählst du häufig in deinem Unterricht. Stimmt das?

Claudius Buser: Ja. Wir sollten im Reich Gottes ohne Liebe besser nichts anfassen, sonst machen wir die uns anvertrauten Menschen und die uns umgebende Schöpfung nur kaputt. Daher die «4M». Das geht aber nicht einfach so. Gott hat deshalb in unseren Alltag viele Übungsmöglichkeiten eingebaut. Eigentlich sollten wir bei so viel Training und einem so guten Coach alle schon Weltmeister in Sachen Liebe sein.

Claudius Buser über 180 Jahre tsc

tsc: Das tsc wird in diesem Jahr 180 Jahre – das ist jung angesichts 2000 Jahren Kirchengeschichte. Welchen Fussabdruck hat das tsc in der Kirchengeschichte hinterlassen?

Claudius Buser: Das tsc hat eigentlich keine Füsse, aber unsere Studierenden, unsere Mitarbeitenden und Dozierenden stehen mit beiden Beinen in dieser Welt. Und es ist atemberaubend, wo diese Füsse schon überall durchgezogen sind als Botschafter der Liebe Gottes in Verkündigung, Lehre und ganz praktischer, sozialer Arbeit. Wir finden Spuren bei uns in Europa und in der ganzen Welt: Über 13’000 Füsse (von mehr als 6500 Absolventinnen und Absolventen) waren und sind unterwegs auf unserem schönen Globus; zurzeit in mehr als 40 Ländern. Das ist doch wohl ein kräftiger Fussabdruck!

Claudius Buser, Stv. Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte
Claudius Buser ist stellvertretender Rektor und Dozent für Kirchengeschichte am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc).
Logo 180 Jahre tsc
2020 feiert das Theologische Seminar St. Chrischona sein 180-jähriges Jubiläum.
Semester-Eröffnungsgottesdienst Frühlingssemester 2020: Gemeinsames Abendmahl (1500x500px)

Abendmahl stärkt für das neue Semester

Foto: Claudius Buser (Bildmitte) beim Austeilen des Abendmahls.

Semester-Eröffnungsgottesdienst des Frühlingssemesters 2020

Abendmahl stärkt für das neue Semester

Sechs Wochen unterrichtsfreie Zeit bedeuten sechs Wochen ohne Abendmahlgottesdienst zum Wochenstart. Umso wertvoller erlebte die Studiengemeinschaft des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) die Rückkehr zu dieser Tradition am 3. Februar 2020. Mit dem gemeinsamen Abendmahl begann das Frühlingssemester.

Andacht über die Jahreslosung 2020

Im Abendmahl erinnern sich Christen an das Leben, den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus. Und im Abendmahl bildet sich die Gemeinschaft wieder neu. Gegenseitig wird das Brot gebrochen und der Segen Gottes zugesprochen. Es ist eine Ermutigung für den Glauben.
Das dies immer wieder nötig ist, führte der stellvertretende Rektor Claudius Buser in seiner Andacht über die Jahreslosung 2020 aus: «Ich glaube; hilf meinem Unglauben!» (Markus 9,24). Die Sehnsucht nach Glauben und die Realität des Zweifels könnten viele Christen nachvollziehen. Sie sei auch ein Grund, Theologie zu studieren. Damit Christen den Glauben besser verstehen und mehr davon weitergeben können, was sie von Gott erhalten haben.

Wohltuendes Wiedersehen

Es war für die 144-köpfige Studiengemeinschaft des tsc wohltuend, nach einer Zeit wieder zusammenzufinden, in der sie sich zerstreut hatte. Während die Abschlussklasse ihre Bachelorarbeiten in der Bibliothek schrieb, genossen weniger eingespannte Studierende ihre Skiferien. Wieder andere absolvierten Praktika oder bildeten sich weiter. Zum Beispiel im Workshop mit Matthias Jungermann von «Radieschenfieber». Er zeigte Theologie- und Pädagogikstudierenden, wie sie Klappmaulpuppen basteln und damit Geschichten erzählen können. Der Jahreskurs kehrte auch bereits Mitte Januar zurück auf den Chrischona-Campus. Auf dem Stundenplan der Jahreskursler standen verschiedene Seminare, zum Beispiel zu «Geld und Geist», zum prophetischen Gebet oder zur Geschichte von Erweckungsbewegungen.

Für 38 ist es das letzte Semester

Unmittelbar nach dem Eröffnungsgottesdienst strömten die Studierenden in die Lehrsäle für den ersten Unterricht des Semesters. Claudius Buser empfahl ihnen, frisch motiviert ans Werk zu gehen. «Ab an die Arbeit!», rief er ihnen zu.
Für die 28 Studierenden der Abschlussklasse 2020 und die 10 Jahreskursler hat das letzte Semester am tsc begonnen. Einige von ihnen haben bereits Stellen gefunden für die Zeit nach dem Studium, andere sind noch auf der Suche. Spannend wird sein, wohin es für den zweiten Abschlussjahrgang der Theologie- und Musikstudierenden geht. Nachdem 2019 die ersten drei ausgesendet worden sind, folgen 2020 die nächsten acht. Wer ihre Aussendung miterleben will, ist herzlich eingeladen zum tsc-Jahresfest am 28. Juni 2020.

Semester-Eröffnungsgottesdienst Frühlingssemester 2020: Claudius Buser bei der Andacht
Claudius Buser hält eine Andacht zur Jahreslosung 2020.
Klappmaulpuppen-Workshop 2020 am tsc mit Matthias Jungermann
Klappmaulpuppen zu basteln, macht ziemlich viel Spass – und ist pädagogisch lehrreich.
Podiumsgespräch am Forum Kommunikative Theologie 2020 (1500x500px)

Wie Christen besser kommunizieren

Bericht

Erkenntnisse des Forums Kommunikative Theologie 2020

Kommunikative Theologie zu betreiben, hat sich das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) auf die Fahnen geschrieben. Konkret geschieht dies beim zweitägigen Forum Kommunikative Theologie. Mitte Januar 2020 fand es wieder auf dem Chrischona-Campus statt. Diesmal dachten rund 50 Teilnehmer über ein Schlüsselthema nach, um den christlichen Glauben zu verbreiten: die Kommunikation.

Wer sich wissenschaftlich mit Kommunikation beschäftigt, landet schnell bei Paul Watzlawicks: «Man kann nicht nicht kommunizieren.» Darin einig waren sich auch die Referenten des Forums Kommunikative Theologie: die Professoren Vinzenz Wyss (ZHAW) und Harald Seubert (STH Basel), die tsc-Dozierenden Rahel Bidlingmaier, Dr. Stefan Felber und Dr. Jean-Georges Gantenbein sowie die Sprachtherapeutin Damaris Tschirner.

Kommunikative Herausforderungen für Christen

Besonders Religionsgemeinschaften und Christen stehen in der heutigen Zeit vor zahlreichen Herausforderungen, wenn sie öffentlich kommunizieren wollen. Der Professor für Journalistik Vinzenz Wyss arbeitete dies anhand der Systemtheorie von Niklas Luhmann und von empirischen Untersuchungen heraus. So seien Religionsinhalte selten Hauptthema, wenn Medien über Religion berichten. BBesonders Freikirchen macht es zu schaffen, dass sie in der Öffentlichkeit als «eine andere Welt» wahrgenommen werden. Zudem gebe es einen «Negativismus-Frame», der Religionsgemeinschaften mit Gewalt, Kriminalität oder Terrorismus in Verbindung bringt.

Prof. Wyss: «Geschwätziger werden!»

Was also tun? Prof. Wyss gab den Tipp, als Religionsgemeinschaft selbst aktiv zu kommunizieren und den Medien Personen und Geschichten anzubieten. Chancenreich sei es, christliche Werte mit aktuellen Fragen zu koppeln. Zudem sei eine Sehnsucht nach Gemeinschaften spürbar. Dies seien jedoch «neue Gemeinschaften, die sich nur noch durch Kommunikation definieren», wie Prof. Wyss erklärte. Und weiter: «Religionsgemeinschaften müssen geschwätziger werden, aber ohne zu moralisieren. Dann besteht die Hoffnung, wieder mehr wahrgenommen zu werden.»

Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Wyss zeigte die Herausforderungen auf, die Christen bei ihrer Kommunikation in der Öffentlichkeit haben.
Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Wyss zeigte die Herausforderungen auf, die Christen bei ihrer Kommunikation in der Öffentlichkeit haben.

Prof. Seubert: «Auf der Schrift gegründet und gesprächsfähig sein!»

Einen philosophisch-theologischen Blick auf das Kommunizieren in der heutigen Zeit warf Prof. Seubert. Mit einer guten Portion Humor und einer grossen Übersicht auf die Philosophiegeschichte konnte er die Zuhörerinnen und Zuhörer fesseln. Prof. Seubert ordnete die neuen Kommunikationsmöglichkeiten des 21. Jahrhunderts als ähnliche Revolution wie den Buchdruck ein. «Kommunikation wird weltumspannend und allverfügbar. Zwischen menschlichen Beiträgern zu dieser Kommunikation und Bots ist nicht mehr ohne Weiteres zu unterscheiden», analysierte er. Kirche und Theologie müssten darauf Antworten finden, für die Prof. Seubert fünf Thesen vorstellte. Eine davon lautete: «Die grosse Aufgabe ist es, fest auf der Schrift gegründet zu bleiben – und zugleich gesprächsfähig zu sein.» Die Kommunikative Theologie schätzte er dabei als hilfreichen Denk-, Lese- und Überzeugungsweg ein.

Prof. Dr. Harald Seubert artikulierte 5 Thesen zu den Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren theologischen Kommunizierens heute.
Prof. Dr. Harald Seubert artikulierte 5 Thesen zu den Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren theologischen Kommunizierens heute.

«Sprache hat Macht!»

Am zweiten Tag des Forums Kommunikative Theologie spannten Dozierende des tsc den inhaltlichen Faden weiter. Sie referierten darüber, wie sich Kommunikation gestalten lässt. Zunächst führte Dr. Stefan Felber (tsc-Dozent für Altes Testament) die Macht der Sprache vor Augen. Anhand von Ausschnitten des Films «Tolkien» zeigte er: Sprache lockt durch Schönheit, hat konservierenden Charakter und ist das Lebenselixier eines Volkes. «Sprache hat Macht. Christen und Nichtchristen haben ein Interesse an einer guten Sprache, an einer funktionierenden Kommunikation. Theologie und Kirche haben die höchste Motivation, sich um gute Kommunikation und Sprache zu bemühen», sagte Stefan Felber.

«Ein Wunder, wenn Kommunikation als gelungen erfahren wird»

Sprache und Bibelübersetzung sind Forschungsthemen von Stefan Felber. 2018 hat er dazu das Buch herausgegeben «Zwischen Babel und Jerusalem – Aspekte von Sprache und Übersetzung». Eine seiner dort zu Papier gebrachten Thesen fasste er am Forum Kommunikative Theologie so zusammen: «Es ist wirklich Gnade und Vorrecht, dass wir kommunizieren dürfen – ja es ist nach Babel immer ein Wunder, wenn Kommunkation als gelungen erfahren wird. Und der Pfingstbericht in Apg 2 zeigt: Am ehesten werden Menschen dort eins, wo sie sich unter die Grosstaten Gottes stellen und diese in ihren jeweiligen Sprachen vergegenwärtigen.»

Die Macht der Sprache führte Dr. Stefan Felber (Dozent am tsc für Altes Testament) vor Augen.
Die Macht der Sprache führte Dr. Stefan Felber (Dozent am tsc für Altes Testament) vor Augen.

Zu Augen Gottes werden

Kunsthistorisch interessant wurde es beim Vortrag von Dr. Jean-Georges Gantenbein (tsc-Dozent für Interkulturelle Theologie). Er erzählte den Krimi der Wiederentdeckung der «Kreuzigung» des Renaissance-Malers Agnolo Bronzini. Massgeblichen Anteil daran hatten zwei italienische Kunstexperten, sogenannte «Augen», die Kunstwerke überprüfen. Seine These: Auch Mitarbeitende im Reich Gottes sollten sich zu Augen seiner Herrschaft entwickeln.

Methoden mutig ausprobieren

Zum Schluss wurde es mit Rahel Bidlingmaier praktisch-methodisch. Die Studiengangsleiterin der Theologie & Pädagogik machte Mut, sich auf neue Methoden einzulassen. Methoden seien viel mehr als eine nette Spielerei. Es gelte jedoch, Dinge auszuprobieren und Methoden nicht vorschnell zu verdammen. «Methoden müssen erlernt und eingeübt werden – sowohl vom Sender als auch vom Empfänger», lehrte Rahel Bidlingmaier.

Viel Stoff zum Weiterdenken

Die Zuhörerinnen und Zuhörer des Forums Kommunikative Theologie setzten sich zusammen aus tsc-Dozierenden, Vertreterinnen und Vertretern von tsc-Netzwerkpartnern und interessierten Gästen. Ihnen allen hat das Forum viel Stoff zum Nach- und Weiterdenken gegeben. Es motivierte auch für konkrete nächste Schritte. Thomas Eberhardt, Pastor der Chrischona-Gemeinde Thun, will beim Thema Vergebung ansetzen: «Kirche kann beim Thema Vergebung punkten. Das müssen wir rüberbringen». Und sein Kollege Elias Vogel aus der Chrischona-Gemeinde Steckborn will Gemeindemitgliedern den Tipp geben, Werte zu benennen – ohne zu moralisieren. So kann Kommunikative Theologie in der Praxis aussehen.

Dr. Jean-Georges Gantenbein ist Dozent für Interkulturelle Theologie am tsc. Die These seines Vortrags: Christen sollten sich zu «Augen» Gottes entwickeln.
Dr. Jean-Georges Gantenbein ist Dozent für Interkulturelle Theologie am tsc. Die These seines Vortrags: Christen sollten sich zu «Augen» Gottes entwickeln.
Methoden nicht verdammen, sondern mutig ausprobieren, forderte Rahel Bidlingmaier (Studiengangsleiterin Theologie & Pädagogik am tsc).
Methoden nicht verdammen, sondern mutig ausprobieren, forderte Rahel Bidlingmaier (Studiengangsleiterin Theologie & Pädagogik am tsc).

Forum 2021

Das nächste Forum Kommunikative Theologie findet am 21. und 22. Januar 2021 auf dem Chrischona-Campus statt.

Communicatio-Magazin

Die Beiträge des Forums Kommunikative Theologie werden im Communicatio-Magazin verarbeitet. Sie können es kostenlos abonnieren.

Communicatio-Magazin 2/2019: Der gewalttätige Gott der Bibel (Kämpfer, 1500x500px)

4 Strategien zum Umgang mit dem gewalttätigen Gott der Bibel

Artikel aus dem Communicatio-Magazin 2/2019

4 Strategien zum Umgang mit einem anstössigen Gottesbild

Autor: Dr. Andreas Loos

Ungefähr 1000 Bibelstellen bringen Gott in direkte Verbindung mit brutaler Gewalt. Sein Zorn entbrennt, er bestraft mit Tod und Untergang, rächt sich. Die Theologie hat verschiedene Strategien entwickelt, diese Gewalttätigkeit zu erklären und einzordnen. Vier davon stellt Dr. Andreas Loos (Dozent für Systematische Theologie am tsc) genauer vor:

Die atheistische Kritik stösst uns auf ein echtes Problem

Manche Kritik am christlichen Glauben lässt sich entschärfen, indem man zugibt: «Ja, in der Geschichte der Christenheit geschah vieles, was nicht mit dem guten Willen Gottes übereinstimmt.» Und dann kann man einem Atheisten empfehlen, sich das Original des Glaubens anzuschauen, wie es in der Bibel bezeugt wird. Der Vorwurf, dass Gott gewalttätig ist und gewaltbereit macht, lässt sich so nicht entkräften. Denn er kommt daher, dass Atheisten die Bibel lesen, und zwar mindestens so aufmerksam und intensiv wie die Gläubigen. Etwa Kurt Flasch, wenn er den «Gott der Väter» näher betrachtet, der in 1. Samuel 15 – wie so oft – den Befehl erteilt, eine komplette Stadt und alle Menschen darin auszulöschen: «Ich kann diesen Gott nicht anerkennen … Dass niemand Kinder und Säuglinge töten darf, dessen bin ich mir sicherer als dass es die Stimme Gottes ist, die aus dem Mund des Schlächters Samuel Pogrome befiehlt» (Warum ich kein Christ bin, S. 158–159).

Dieser Atheismus klingt völlig anders als «Der Gotteswahn», den Richard Dawkins den Christen in einer nicht gerade gewaltfreien Sprache vorwirft. Denn das nachdenkliche «Ich kann an diesen Gott nicht glauben» schlummert in den Herzen vieler Christen, wenn sie die Bibel einmal ungeschminkt und ungezähmt zu Wort kommen lassen. Ich finde, der Atheismus erweist dem Glauben an Gott einen guten Dienst. Er lässt es mir nicht durchgehen, dass ich die Gewaltstellen der Bibel lese, aber dann zur Seite lege. Im Gegenteil, er mutet mir unbequeme Fragen zu: War ich zu faul, mal ernsthaft die dunklen Seiten Gottes zu bedenken? Hatte ich Angst, den «guten Gott», den «lieben Gott» zu verlieren? Haben mich diese biblischen Texte kalt gelassen, weil ich selbst nie Opfer von Gewalt war?

Auch wenn es mir nicht in meinen Glaubenskram passt, ich nehme es mit Franz Buggle erst mal zur Kenntnis: «Die Bibel beinhaltet und propagiert an erschreckend zahlreichen Stellen und in ausgeprägter Weise eine Tendenz zu archaisch grausamer Gewalttätigkeit» (Denn sie wissen nicht, was sie glauben, S. 36). Der Theologe Raymund Schwager listet diese Gewalt so auf: An ca. 600 Stellen erzählt die Bibel, wie Völker, Könige oder einzelne Menschen sich grausam an anderen vergehen. Ungefähr 1000 Stellen bringen Gott in direkte Verbindung mit brutaler Gewalt: Sein Zorn entbrennt, er bestraft mit Tod und Untergang, rächt sich. An über 100 Stellen befiehlt Gott ausdrücklich, menschliches Leben zu vernichten (Brauchen wir einen Sündenbock?, S. 64–81). Und manchmal scheint es, als würde Gott sich selbst am vergossenen Blut berauschen: «Ich will meine Pfeile mit Blut trunken machen, und mein Schwert soll Fleisch fressen, mit Blut von Erschlagenen und Gefangenen» (5Mo 32,42).

Es wäre vermutlich wirkungsvoll, jetzt ein paar biblische Blutproben zu nehmen. Ich verzichte auf diese Effekthascherei. Stattdessen male ich eine Skizze mit den theologischen Lösungsversuchen, die mir gegenwärtig als die einflussreichsten erscheinen. Wichtig ist mir dabei Folgendes: Im wirklichen Leben überlappen sich diese Ansätze. Theologinnen und Theologen nehmen meistens Aspekte aus mehreren Strategien auf. Mit Kritik halte ich mich bewusst zurück, will aber kurz erläutern, wie jeder Weg zur Erfassung und Lösung des Problems beiträgt.

Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) für Systematische Theologie.
Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Systematische Theologie.

Der Theologe Raymund Schwager listet diese Gewalt so auf: An ca. 600 Stellen erzählt die Bibel, wie Völker, Könige oder einzelne Menschen sich grausam an anderen vergehen. Ungefähr 1000 Stellen bringen Gott in direkte Verbindung mit brutaler Gewalt: Sein Zorn entbrennt, er bestraft mit Tod und Untergang, rächt sich. An über 100 Stellen befiehlt Gott ausdrücklich, menschliches Leben zu vernichten

Strategie 1: Die Bibel reinigen und anpassen

Was, wenn die anstössigen Gewalttexte der Bibel eigentlich gar nicht Wort Gottes sind? Dann wäre das Problem erledigt. Eine bekannte Variante dieser Strategie präsentiert der Theologe Marcion (gestorben 160 n.Chr.). Ähnlich wie die Gnosis trennt er zwischen einem guten und vollkommenen Gott und einem Gott, der die Welt erschaffen hat und sie wild und unbarmherzig richtet. Die Gewaltstellen des Alten und Neuen Testaments stammen von diesem zweiten, fragwürdigen Gott und gehören nicht in die Bibel. So entwickelt Marcion seinen eigenen biblischen Kanon.

Eine andere Variante der Bereinigungsstrategie geht davon aus, dass manche oder sogar alle Gewalttexte der Bibel keine historischen Ereignisse berichten. Sie haben ihren Weg in die Bibel aus anderen Gründen gefunden. Diese Gründe lassen sich mit den Werkzeugen der historisch-kritischen Bibelauslegung herausfinden. Man untersucht das geschichtliche Umfeld der Texte, die weltbildlichen und religiösen Vorstellungen der Verfasser und Leser damals sowie die Bedingungen, unter denen die Texte entstanden und vor allem weitergewachsen sind. So lässt sich beispielweise rekonstruieren, wie das Volk Gottes seine eigene Geschichte erzählt hat. Um sich so seiner Identität als auserwähltes Volk Gottes zu vergewissern – etwa durch übertriebene Erzählungen von Gottes gewaltigen Siegen über die Feinde. In den Gewalttexten der Bibel spricht also nicht Gott. Sie sind Texte von Menschen, die in fragwürdiger Weise von Gott reden wie von einem sündigen, rachsüchtigen und gewalttätigen Menschen (anthropomorphe Redeweise).

Diese Herangehensweise hilft uns zu verstehen, wie Gewalt die Zeit und Umwelt des Alten Testament geprägt hat. Vertreter dieser Sichtweise haben erkannt, dass die Spannung zwischen dem Gott und Vater, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat, und dem gewalttätigen Gott des Alten Testaments für den Glauben zerreissend sein kann. Und sie nehmen ernst, wie grundsätzlich unsere heutigen, ethisch vernünftigen Grundintuitionen und Erkenntnisse abweichen von dem, was uns die Bibel über das brutale Verhalten Gottes und seines Volkes berichtet.

3 Vorteile der Strategie 1:

  • hilft verstehen, wie Gewalt die Zeit und Umwelt des Alten Testaments geprägt hat.
  • weiss, dass die Spannung zwischen dem Gott und Vater, der sich in Jesus offenbart hat, und dem gewalttätigen Gott des Alten Testaments für den Glauben zerreisend sein kann.
  • zeigt Diskrepanz auf zwischen heutigen Grundintuitionen und dem, was die Bibel über das brutale Verhalten Gottes und seines Volkes berichtet.

Strategie 2: Gottes gewalttätiges Handeln plausibilisieren

Hier nimmt man die ganze Bibel als inspiriertes Wort Gottes ernst. Mit den Mitteln einer historisch-theologischen Exegese versucht man nun herauszufinden, was die guten Gründe und Absichten sind, die Gottes gewalttätigem Handeln zugrunde liegen. Es geht nicht darum, das für gut zu erklären oder schön zu reden, was die Bibel an Gewalt berichtet. Es geht darum, den Glauben an Gott zu rechtfertigen, indem man sein gewalttätiges Handeln zum Beispiel als gerechtes Gericht oder begründete Vergeltung an den sündigen Völkern und ihren Göttern aufzeigt
(2Mo 12,12). Oder auch, indem man auf das grössere Gut verweist, das Gott mit seinem Handeln verfolgt (Bonisierungsstrategie). So bewahrt er sein Volk vor tödlichem Götzendienst und schuldhaftem Handeln durch die Vermischung mit anderen Völkern. Oder er verhindert durch sein gewaltiges Handeln noch mehr und brutalere Gewalt. Er erzieht und leitet sein Volk auf Wegen, die wir Menschen nicht immer nachvollziehen können (Jer 30,11).

Vertreter dieser Strategie ermöglichen tiefe Einblicke in das heilsgeschichtliche Handeln Gottes. Die Gewalt Gottes kommt als Handeln zum Heil seines Volkes und der Menschen zum Vorschein. Auf diese Weise wird die angebliche Kluft zwischen einem Gott des Alten und einem Gott des Neuen Testamentes überbrückt. Und aus Sicht der Opfer von Gewalt scheint mir der Gedanke unerlässlich, dass Gott sich den Gewalttätern entgegenstellt.

3 Vorteile der Strategie 2:

  • ermöglicht tiefe Einblicke in das heilsgeschichtliche Handeln Gottes.
  • überbrückt die angebliche Kluft zwischen einem Gott des Alten Testaments und einem Gott des Neuen Testaments.
  • macht klar, dass Gott sich den Gewalttätern entgegenstellt.

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Communicatio heisst das Magazin des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc). Es widmet sich den vielfältigen Themen einer «Kommunikativen Theologie», wie sie am tsc gepflegt und erarbeitet wird. Das Communicatio-Magazin erscheint zweimal pro Jahr. Sie können es kostenlos abonnieren per Post oder per E-Mail.

Communicatio-Magazin 2019/2: Der gewalttätige Gott der Bibel (212x300px)

Strategie 3: Gottes Heilshandeln dynamisch verstehen

Auch hier weigert man sich, die gewalttätigen Darstellungen Gottes mit Hilfe eines vorgefassten Gottesbildes für unbiblisch zu erklären. Man liest sie als echtes Zeugnis davon, wie Gott sein Volk (und alle Menschen) vor innerer und äusserer Grausamkeit und Zerstörung schützen wollte. Dabei erkennt man einen Strategiewechsel in Gottes heilsgeschichtlichem Handeln. Auf den Wegen des Alten Bundes vermochte Gott die Menschen nicht zu erlösen, dieser Weg ist gescheitert. Deshalb verheisst und stiftet Gott einen Neuen Bund. In Jesus Christus zeigt sich ein dynamischer und beweglicher Gott, der sein Verhalten gegenüber uns Menschen ändert. Nur so kann er uns weiter treu bleiben und lieben. Er überwindet die sündige Spirale des Bösen und der Gewalt nicht, indem er in Zorn, Rache und Gericht zurückschlägt, sondern indem er sich selbst schlagen lässt (siehe Hempelmann: Gott ohne Gewalt, S. 88–117).

Vertreter dieses Ansatzes machen deutlich: Gott ist im Neuen Testament kein anderer als im Alten Testament, aber er handelt und verhält sich anders. Die atheistische Kritik läuft hier weitgehend ins Leere angesichts eines Gottes, der selbst Opfer von Gewalt wird, um Gewalt zu beenden. Die Torheit und Schwachheit des Kreuzes Christi (1Kor 1,18–25) leuchtet hell auf, sodass der heute immer noch weitverbreitete Mythos von der erlösenden Gewalt entlarvt wird.

3 Vorteile der Strategie 3:

  • macht deutlich, dass Gott im Neuen Testament kein anderer ist als im Alten Testament, sich aber anders verhält.
  • lässt die atheistische Kritik ins Leere laufen, weil Gott selbst Opfer von Gewalt wird, um Gewalt zu beenden.
  • entlarvt den Mythos von der erlösenden Gewalt.

Strategie 4: Die gewalttätigen Porträts Gottes durch das Kreuz Christi verstehen

Die Grundüberzeugung dieses Lösungsversuchs lautet: Die ganze Bibel ist von Gott durch seinen Geist gehaucht und hat ein Zentrum: der menschgewordene Sohn Gottes, Jesus Christus. Wer Gott ist und wie er sich gegenüber uns verhält, das hat er selbst definiert im Kreuzes­tod seines Sohnes: Gott ist Liebe, die sich sogar für die Feinde hingibt. Bereits die Schriften des Alten Testaments handeln von Christus (Joh 5,36; Lk 24,27). Daher, so die Argumentation, muss man das, was dort von Gottes gewalttätigem Handeln berichtet wird, lesen und verstehen durch die Christusbrille der gekreuzigten und gewaltlosen Liebe Gottes. Mit dieser Strategie versucht man, die kreuzesgemässe Gestalt des Handelns Gottes im Alten Testament zu enthüllen. Etwa dort, wo Gott sich zurückzieht, der Gewalt freien Lauf lässt, bis sie sich selbst verzehrt. Das cruciforme Verhalten Gottes zeigt sich auch darin, dass er jene Gottesbilder, die ihn als gewalttätig porträtieren, nicht aus der Bibel entfernt hat. So tief neigt er sich in Liebe zu den Menschen, dass er ihre entstellten Gottesbilder aushält und in Jesus Christus durchkreuzt.

Vertreter dieses Ansatzes verharmlosen die gläubigen und atheistischen Zweifel an Gott nicht. Sie helfen der bibellesenden Christenheit inmitten der unterschiedlichen und sich reibenden Gottesbilder, die uns die Bibel zumutet. Und sie suchen die Lösung, indem sie der Bibel zu ihrer Mitte hin folgen – zu Jesus Christus. Zunächst ist das wie eine heilsame Flucht zum gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes – typisch für den christlichen Glauben. Aber aus dieser Flucht wird eine biblische Erneuerung des Gottesbildes, die vergessene und vernachlässigte Seiten Gottes beleuchtet.

3 Vorteile der Strategie 4:

  • verharmlost nicht die Zweifel an Gott.
  • folgt der Bibel zu ihrer Mitte hin: zu Jesus Christus.
  • versucht die Spannung der unterschiedlichen Gottesbilder aufzulösen.

Literaturangaben

  • Franz Buggle: Denn sie wissen nicht, was sie glauben. Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann. Eine Streitschrift, Aschaffenburg 2012.
  • Kurt Flasch: Warum ich kein Christ bin. Bericht und Argumentation, München 2013.
  • Heinzpeter Hempelmann: Gott ohne Gewalt! Warum Toleranz und Wahrheit für den christlichen Glauben zusammengehören, Gießen 2009.
  • Raymund Schwager: Brauchen wir einen Sündenbock? Gewalt und Erlösung in den biblischen Schriften, München 1986.
Restaurant Waldrain auf St. Chrischona (1500x500px)

Restaurant Waldrain: Wiedereröffnung geplant

Restaurant Waldrain seit 17.12.2018 geschlossen

Restaurant Waldrain wird frühestens 2021 wiedereröffnet

Das Restaurant Waldrain auf St. Chrischona ist zurzeit geschlossen, weil das langjährige Pächterehepaar Ende 2018 in den Ruhestand gegangen ist. Eine Wiedereröffnung ist frühestens 2021 geplant. Bevor ein neuer Pächter das Waldrain weiter betreiben kann, braucht es Investitionen und ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept.

Dank an Balliets

Im Waldrain wurden Besucher von St. Chrischona seit 1914 verpflegt – erst in der Kaffeehalle, später im Restaurant. Daniel Balliet übernahm das Restaurant Waldrain 1983 als Betriebsleiter. Mit Unterbrechungen war er mehr als 25 Jahre im Waldrain tätig, zuletzt als Pächter mit dem Konzept Selbstbedienungsrestaurant.
Eigentümer des Restaurant Waldrain ist der Verein «Theologisches Seminar St. Chrischona (tsc)» (früher: Chrischona International). Dessen ehemaliger Geschäftsführer Roland Krähenbühl dankte dem Pächterehepaar für ihren Dienst: «Daniel und Doris Balliet sind die Gastfreundschaft in Person. Für ihre Gäste kochen sie nicht nur fein, sondern nehmen sich auch die Zeit für ein Gespräch. So konnten sie viele Stammgäste für das Waldrain gewinnen.»

Restaurant Waldrain auf St. Chrischona (1024x683px)
Das Restaurant Waldrain auf St. Chrischona ist seit dem 17.12.2018 geschlossen. Eine Neueröffnung ist frühestens 2021 geplant.

Hoher Investitionsbedarf

Dass es vorerst keinen Pächterwechsel gibt, liegt an dem hohen Investitionsbedarf, den das über hundert Jahre alte Gebäude hat. Spätestens jetzt müssen bauliche Veränderungen umgesetzt werden. Ausserdem braucht es ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept für den Weiterbetrieb des Restaurant Waldrains. Die Konkurrenzsituation im Dreiländereck ist gross und St. Chrischona ist als Ausflugsziel vor allem bei schönem Wetter und am Wochenende beliebt, nicht aber an regnerischen Tagen oder Werktagen.

Neue Strukturen auf St. Chrischona

Das Restaurant Waldrain bildet mit dem Theologischem Seminar, dem Konferenzzentrum, der Kirche und weiteren Gebäuden auf St. Chrischona den Chrischona-Campus. Zum 1. Januar 2019 sind neue Strukturen in Kraft getreten. Der Verein Theologisches Seminar St. Chrischona (tsc) ist Eigentümer der Liegenschaften, konzentriert sich aber auf die theologische Bildungsarbeit. Die neue Chrischona-Campus AG, die zu 100 Prozent dem Verein tsc gehört, kümmert sich um den Betrieb der Liegenschaften.

Wiedereröffnung frühestens 2021

Einige Gespräche mit den Behörden sowie mit Gastronomieexperten und Architekten zur Zukunft des Waldrains wurden bereits geführt. Eine Projektgruppe der Chrischona-Campus AG erarbeitet zurzeit ein wirtschaftlich tragfähiges und innovatives Gastronomiekonzept. Ziel ist es, das Restaurant wieder zu eröffnen. Dies ist frühestens 2021 geplant.

Sie haben Fragen zur Schliessung des Restaurant Waldrain?
Bitte wenden Sie sich an:

Chrischona-Campus AG
Chrischonarain 200
4126 Bettingen
Schweiz
waldrain@chrischona-campus.ch

Abschlussgottesdienst Herbstsemester 2019/20: Jahresrückblick von Claudius Buser (1500x500px)

tsc-Jahresrückblick 2019

Jahresrückblick 2019

von Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte am tsc

Eine Tradition zum Jahresende am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc) ist der humorvolle Jahresrückblick von Claudius Buser, dem Dozenten für Kirchengeschichte. Auch 2019 fasst er Ereignisse anekdotenhaft zusammen, die entweder kirchengeschichtlich oder für das tsc eine Bedeutung haben.

Wie die Reformation in der Schweiz begann

Evangelion Sant Matthes, das erst Kapitel: «Das ist das Buoch von der Geburt Jesu Christi. Das ist ein Sonn Davids, des Sons Abrahas. Abraha hat geboren den Jsaac. Jsaac hat geboren den Jaacob. Jaacob hat geboren den Juda unnd seine Brueder.» So trat Zwingli am 1. Januar 1519 auf die Kanzel des Grossmünsters in Zürich. Die Bibel in alemannischem Dialekt, später in der alemannischen Kanzleisprache und eben nicht wie bei Luther in sächsischer Kanzleisprache. Damit hat am 1. Januar 1519 – vor 500 Jahren – an Zwinglis 35. Geburtstag die Reformation in der Schweiz begonnen. Natürlich hatte er die Froschauerbibel von 1531 noch nicht in der Hand, sondern eine eigene Übersetzung erstellt Mithilfe des von Erasmus in Basel herausgegebenen Neuen Testaments von 1516. Aber das war ein Anfang und 12 Jahre später – noch etwas vor Luther – hatten die Zürcher die ganze Bibel, eben gedruckt von Froschauer, dessen Druckerei und Verlag heute Orell Füssli heisst und dieses Jahr auch auf 500 Jahre zurückschauen kann.

Auch Chrischona reformiert

Zwingli hat nach 1500 Jahren eine Reformation eingeleitet. Ein Satz von ihm, ist vielen heute noch in den Ohren: «Tut um Gottes Willen etwas Tapferes!» So dachte Chrischona International: Wir tun das, wir reformieren tapfer, aber schon nach 179 Jahren. Dieses Jahr geht in die Chrischona-Geschichte ein. Wir haben es wieder getan, wir haben Chrischona wieder neu erfunden. Schon Spittler hat die Dinge vorangetrieben, Rappard hat umgebaut, ausgebaut, neue Zweige hinzugefügt. Jeweils unter dem Motto von Altdirektor Schmid: Bewährtes erhalten und Neues wagen. Jetzt haben wir uns entschieden, die Dinge nochmals anders anzugehen. Seit dem 1. Januar 2019 sind wir wieder ganz der Bildung zugewandt, sind ein Verein und neu auch eine AG. Neue Kräfte in Verwaltungsrat und Vorstand helfen voran. Wir ringen und arbeiten Richtung Zukunft im Wissen um eine reiche Vergangenheit, die uns auch hilft bei den Entscheidungen. Wir sind aber auch ein Netzwerk, zu dem schon einige Dutzend Gemeinden und Werke gehören.

Nun aber Monat für Monat, etwas aus der weiten Welt, und etwas aus unserer Welt.

Auf humorvolle Art und Weise blickt Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte am tsc, auf die Ereignisse des Jahres 2019 zurück.
Auf humorvolle Art und Weise blickt Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte am tsc, auf die Ereignisse des Jahres 2019 zurück.

Januar 2019

Auf Chrischona liegt Schnee, die Studenten haben sich verkrochen und schreiben ihre Ausarbeitungen, die Dozenten und Interessierte sassen Mitte Monat zusammen und aktivierten ihre Hirnrinden im Theologischen Forum und danach an ihrer Retraite. Bevor sie sich auch verkriechen und versuchen zu korrigieren, was ihnen geboten wurde. Alle sind froh, wenn Ausarbeitungen und Korrekturen in trockenen Tüchern sind und der Unterricht wiederbeginnt.

Februar 2019

Noch andere haben sich zurückgezogen und hart gearbeitet: 21 Schreiberinnen und Schreiber von Bachelorarbeiten. Anfangs Februar geben sie ihre Arbeiten ab und wieder sind die Dozenten gefragt. Es hat sich gelohnt, die drei besten können ihre Arbeit an der Graduierungsfeier Ende August vorstellen (Mira Stubbig, Tabea Reichenbach und Nadine Bär).

März 2019

An diversen Sonntagen im März schwärmen wir aus in verschiedene Gemeinden – vor allem zu solchen, die schon Netzwerkpartner sind. Oder die es werden wollen – und bringen Infos und Grüsse vom tsc vorbei. Wichtige Kontakte, damit man uns hier oben nicht nur nicht vergisst, sondern junge Menschen auch zu uns kommen, dazu helfen auch die Schnuppertage für Interessierte.
Höhepunkt im März ist für viele von uns das Upgrade in Willingen (Deutschland). Unsere Musiker und viele andere Studentinnen und Studenten als unentbehrliche Helfer (darunter der Papst) aber auch einige Dozentinnen und Dozenten haben sich richtig ins Zeug gelegt und das tsc den über 3’000 Delegierten aus hunderten von Gemeinden und Werken so richtig gut in Erinnerung gerufen. Es ist eine grossartige Erfahrung gewesen. Am tsc Stand gab es den besten Kaffee auf dem Gelände und gute Gespräche. Und tsc-Student Tobias Greub war der Chef der katholischen Kirche: «Hier in der katholischen Kirche bin ich momentan der Chef – nichts gegen den Papst – aber hier habe ich die Leitung!»

April 2019

Wir demonstrieren wieder, letztes Jahr habe ich 50 Jahre 68iger thematisiert, die gingen für ihre Anliegen auf die Strasse. Doch 2019 gingen die Leute auch echt oft auf die Strasse: für politische Rechte z. B. in Hongkong, im Sudan, für eine gerechtere Verteilung des Wohlstandes (in Frankreich die Gelbwesten, in Chile die halbe Bevölkerung, u. a.), für das Klima (was letzten Sommer klein begann, hat dieses Jahr viel Raum eingenommen: «Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut.» Einige Christen laufen aus Überzeugung mit, weil unser Lebensstil unserem schönen Planeten tatsächlich arg zusetzt, der uns doch von Gott anvertraut ist, andere haben andere Probleme.
Uns hier auf dem Berg hat der Studienalltag wieder bis vor Ostern. Dann gibt es Osterferien und wir erinnern uns an Jesu Sterben und feiern seine Auferstehung.

Mai 2019

Jetzt müsst ihr gut hinhören! Am 2. Mai vor 500 Jahren starb das Universalgenie Leonardo da Vinci. Schon im zarten Alter von 18 Jahren soll er beim gemeinsamen Malen mit seinem Meister des Bildes «die Taufe Christi» in Florenz einen Engel so schön auf das Bild gemalt haben, dass sein Meister danach den Pinsel hinlegte und sagte: «Dein Talent ist so viel grösser als meins, ich male nicht mehr.»
Aber und jetzt kommt es: Diesen Tag hat unser neuer Geschäftsführer ausgewählt, um hier bei uns seine Arbeitsstelle anzutreten. Zsolt Kubecksa macht das alles auch so gut, hoffentlich legt aber niemand den Pinsel ab.
Der Mai ist voll hier oben: der Unterricht brummt, die Senioren erobern für einen Tag den Berg, der Chor singt, wobei ein Stepptänzer ihm fast die Show stiehlt.
Zum Ende des Frühlingssemesters 2019 am 24. Mai im Abschlussgottesdienst verabschieden wir Eckhard Hagedorn in den Ruhestand. 20 Jahre hat er hier unterrichtet und manchem Studenten die Bibel lieb gemacht, die er selbst als «Fette Beute» bezeichnet in seinem Buch «Fette Beute – warum die Bibel so dick ist». Gleichzeitig hat Daniel Gleich seinen Doktor abgeschlossen (Bravo) und als sein Nachfolger die Feuertaufe des ersten Semesters hier am tsc mit Erfolg bestanden.

Juni 2019

CREA 2019 – so viele junge Leute, Gott ruft sich eine neue Generation zusammen – Studentinnen und Studenten der Zukunft. Beten wir für die neue Studiengemeinschaft 2020.

tsc-Jahresfest am 23. Juni: 37 Absolventen sagen tschüss und 500 Menschen aus Familien und Freunden sind dabei. Dabei sind auch die ersten Absolventen aus unserem Bachelor-Studiengang Theologie & Musik. Wir sind begeistert und freuen uns mit. Ferner wurden auch unsere ersten Eben-Ezer-Musikvideos vorgestellt, die zwei Eigenproduktionen von zwei Studentinnen zeigen – wieder gehen Lieder aus von Chrischona, wie schon früher.

Juli 2019

1979 kam der erste Walkman auf den Markt. 40 Jahre Musikhören unterwegs.
Wir machen damit Ferien.

August 2019

Wir nehmen den Pinsel wieder in die Hand und im fernen Korsika kam vor 250 (1769) Jahren einer der grössten, umstrittensten, schurkigsten und genialsten Egomanen auf die Welt: Napoleon.
Die Graduierungsfeier findet erstmals gerade zu Beginn des neuen Studienjahres statt. Neu ist auch das Format, stellen doch erstmals drei Absolventinnen ihre Bachelorarbeit vor.
Danach beginnen die geistlichen Einführungstage, an denen uns Heiner Schubert von Don Camillo aus Montmirail mit seinen zeichnenden Predigten in den Bann zog und wir auch interaktiv mit hineingenommen wurden in die Thematik: Christus in dir, Christus in mir. 33 neue Studis sind angetreten, dazu kommen über 20, die an Fernstudenten oder Modulstudenten oder Gaststudenten mitmachen.

September 2019

Wir freuen uns, dass der Studienbetrieb wieder so richtig los geht mit vielen, jungen motivierten Menschen. Insgesamt studieren etwas mehr als 140 Menschen hier.
Diesen Herbst feiern zwei Schweizer Institutionen ihren 100tsten Geburtstag: VFG (Freikirchenverband Schweiz) und EVP (Evangelische Volkspartei).

Bei uns gab es Mitgliederversammlung des Ev. Gnadauer Gemeinschaftsverbandes auf St. Chrischona – irgendwie haben unsere Studenten denen so Eindruck gemacht beim Upgrade, dass sie ihre Delegiertenversammlung im Herbst gerade bei uns abhielten. Und wieder waren sie begeistert – nun hoffen wir auf die ersten 50 Ersties aus Deutschland nächsten Sommer!

Oktober 2019

Ruhm und Gold – 1000 Jahre Basler Münster: das ganze Jahr über Feierlichkeiten und eine Ausstellung, die noch bis am 19. Januar 2020 läuft. Genau am 11. Oktober 1019 wurde von Heinrich II das Basler Münster geweiht. Beachtliche Teile der damals gemachten kostbaren Schenkungen sind heute noch vorhanden und eben im Museum zu sehen.
175 Jahre Nietzsche Geburtstag Eigentlich sollte der Pastorensohn Friedrich Nietzsche Theologe werden. Doch er entschied sich für die Philosophie. Ohne vorherige Habilitation berief ihn die Universität Basel zum Professor Nietzsche, der unter anderem seinen Glauben durch die Lektüre von David Friedrichs Leben Jesu und durch Ludwig Feuerbachs wahres Christentum verloren hatte, war 10 Jahre in Basel Professor und Lehrer.
«Gott ist […] eine Undelicatesse gegen uns Denker –, im Grunde sogar bloß ein faustgrobes Verbot an uns: Ihr sollt nicht denken!»
1889 schreibt Nietzsche aus Turin nach Basel an Jacob Burckhardt: «Lieber Herr Professor, zuletzt wäre ich sehr viel lieber Basler Professor als Gott; aber ich habe es nicht gewagt, meinen Privat-Egoismus so weit zu treiben, um seinetwegen die Schaffung der Welt zu unterlassen. Sie sehen, man muss Opfer bringen, wie und wo man lebt.»
Wir haben im Januar am Theologischen Forum auch einen Atheisten zu Worte kommen lassen. Wir möchten zuhören und verstehen, aber nicht so enden, Gott sei Dank, lebt Gott, auch wenn ihn Nietzsche und vor und nach ihm viele – auch unter Schmerzen und Entsetzen – totgesagt hat.
Wir singen lieber dem, der uns geliebt hat, Liebeslieder und öffnen im Oktober wieder die Bühne in der Eben-Ezer-Halle.

November 2019

Vor 500 Jahren zog Cortés in die sagenumwobene Hauptstadt der Azteken ein – es war der Startschuss zur Globalisierung
Vor 150 Jahren, am 17. November 1869, wird ein 3500 Jahre alter Traum Wirklichkeit. Mit dem Suezkanal wird die bedeutendste von Menschen geschaffene Wasserstrasse eröffnet.

Und wir, wir studieren bis die Hirnhaut platzt, bis der Computer streikt, bis der Morgen graut. Viel wird gelernt, diskutiert, erkannt, neu entdeckt.

Dezember 2019

Reinhard Bonnke stirbt, der Mähdrescher Gottes ist tot. Das heisst: im Himmel und sieht nun die Früchte seiner Arbeit. Er war bei einigen umstritten, aber das Evangelium hat er vielen gebracht.

Uns am tsc stecken nun noch die Prüfungen in den Knochen, aber das Semester ist vorbei und was bleiben soll, das haben viele von euch uns im absolut wunderbaren Adventskonzert 2019 mit dem tsc-Chor zugesungen.

Von kleinen und grossen Schritten

1969 – also vor 50 Jahren – sagte Armstrong: «Ein kleiner Schritt für mich, aber ein grosser Schritt für die Menschheit», und stieg die letzte Stufe von der Mondlandefähre auf den Mond. Fast die ganze Welt schaute dabei zu. Erst 50 Jahre ist das her, dass wir Menschen ein bisschen von der Erde los kamen… sozusagen einen kleinen Sprung ins All taten, Ausserirdische wurden.
Vor über 2000 Jahren hat auch einer einen kleinen Schritt gemacht auf die Erde, hinein in einen Stall, kaum jemand nahm Notiz, doch der ganze Himmel schaute zu. Ganz klein fing es an, aber es war ein grosser Schritt für die Menschheit. Ja, der grosse Schritt auf die Menschheit zu, den wir so nötig hatten und haben und auch ein ganz grosser für den Grössten: Gott wurde klein, kam zu uns, damit wir wieder unsere wahre Grösse entdecken können – Kinder Gottes dürfen wir – durch sein Leben und Sterben – in seiner Gegenwart sein.