Wir hören zu und lehren und lernen miteinander.
April 20, 2026
Der Leitsatz kurz erklärt
Wir hören zu und lehren und lernen miteinander, weil wir in der Kommunikativen Theologie Ja sagen wollen zum Abenteuer des Zuhörens und der Horizonterweiterung. Es kann uns nichts Besseres passieren, als dass Studierende und Dozierende einen Lebenstil des Zuhörens und Lernens anstreben und verwirklichen. Wir wollen für Gott ganz Ohr sein. Und wir wollen sorgfältig hinhören, was die Menschen unserer Zeit bewegt. Damit wir in unserem Lehren und Lernen zu Wegbereitern der Zukunft werden.
Video zum Leitsatz
Die Haltung, die der fünfte Leitsatz umfasst, schafft die Grundlage für den theologischen Diskurs. Im Gespräch mit Desirée Kratzat (TSC-Absolventin 2020) erklären Rahel Bidlingmaier (TSC-Dozentin für Pädagogik) und Claudius Buser (TSC-Dozent für Kirchengeschichte), wie sie auf Gott hören wollen und auf das, was die Menschen unserer Zeit bewegt.
Jesus ist unser aller Lehrer
Für Gott ganz Ohr zu sein, ist die Grundberufung der Theologie und der Gemeinde. Wir haben es mit dem Gott zu tun, der vielfältig geredet und dessen Reden in Jesus Christus unüberbietbar seinen Höhepunkt erreicht hat. Deshalb möchten wir am Theologischen Seminar St. Chrischona Hörgemeinschaft, Studiengemeinschaft und Nachfolgegemeinschaft sein. Jesus ist dabei unser aller Lehrer. Die Bindung an ihn befreit uns zu einer weit gefächerten Aufmerksamkeit.
Wir sagen Ja zum Abenteuer des Zuhörens
Es gefällt uns gar nicht, dass das Wort «Redseligkeit» in aller Munde ist, «Hörseligkeit» aber nicht mal im Wörterbuch steht. Mit der Kommunikativen Theologie arbeiten wir daran, dass das anders wird. Wichtig ist uns eine Gesprächskultur, in der einer für den anderen hörenswert ist. Wir möchten Ja sagen zum Abenteuer des Zuhörens und der Horizonterweiterung und uns nicht nur für das interessieren, was uns sowieso schon interessiert. Deshalb möchten wir in allen unseren Studiengängen Lernen als Lebenstil und Existenzform ausprägen.
Definition unserer Lernkultur
Wir sind gemeinsam Teil einer jahrtausendealten Lerngemeinschaft. Dass die Bibel Lese- und Lebensbuch in einem ist, gibt unserer Kommunikation eine orientierende Mitte und eine grosse Weite. Wir fragen nach Wegweisendem, wo immer wir es finden können, und setzen im Studium aktuelle Erkenntnisse der Didaktik um. Im Übrigen sind wir ganz unbescheiden der Meinung, dass in der jüdischen und der christlichen Lernkultur noch viele ungehobene Schätze auf ihre (Wieder-)Entdecker warten.
Gelingende Kommunikation ist bedroht
Gelingende Kommunikation ist von vielen Seiten her bedroht – auch von unserer Seite. Öfter als uns lieb ist, sind wir eher Teil des Problems als der Lösung. Wir möchten sprachsensibel sein, entpuppen uns aber als Sprachgrobiane. Wir wollen heraus aus den Modewörtern und Klischees, aber immer noch prägen schiefe Alternativen unser Denken. Wir möchten so reden, dass es andere fördert, und ertappen uns beim Nachplappern von Floskeln.
Wir profitieren voneinander und machen uns gegenseitig fit
Doch wir sind bereit, uns hinterfragen und korrigieren zu lassen – und werden dadurch fähig, Verantwortung zu übernehmen. Dabei verteilt sich Lehren und Lernen nicht schematisch auf Lehrpersonen als Lehrende und Studierende als Lernende. Wir profitieren von denen, die uns voraus sind in Kenntnissen, Erfahrungen und Fähigkeiten und machen uns gegenseitig fit.
Bemühen um ein faires Miteinander
Unsere Dozentinnen und Dozenten sind sehr verschieden, was Temperament, kirchliche Prägung, Erfahrungen und Überzeugungen angeht. Wir erwarten von ihnen mehr, als sich nur um ein faires Miteinander zu bemühen. Es kann uns nichts Besseres passieren, als dass sie selbst einen Lebensstil des Zuhörens und Lernens anstreben und verwirklichen. Auch in Konflikten gilt: Ich höre zu, gehe davon aus, dass es der andere wahrscheinlich nicht weniger gut meint als ich und bleibe lernoffen.
Ein Lebensstil des Zuhörens und Lernens
Unser Lehren und Lernen zielt nicht auf Besitzstandswahrung in einer Gesellschaft, die sich weitgehend vom christlichen Glauben verabschiedet hat. Wir möchten miteinander unterscheiden lernen, was für Kirche als Minderheit zukunftsfähig ist und was nicht. Das gehört zu unserer Würde (und ist nicht nur Bürde). In unserem Lehren und Lernen verstehen wir uns als Wegbereiter der Zukunft. Deshalb hören wir auch sorgfältig hin, was die Menschen unserer Zeit bewegt.
Autoren
Rahel Bidlingmaier leitet den Studiengang Theologie + Pädagogik am TSC.
Eckhard Hagedorn war von 1999-2019 Dozent für Neues Testament am TSC.
Rahel Bidlingmaier leitet den Studiengang Theologie + Pädagogik am TSC.
Eckhard Hagedorn war von 1999-2019 Dozent für Neues Testament am TSC.
Was ist Kommunikative Theologie?
Kommunikative Theologie bildet die Grundlage aller Studiengänge am TSC – nicht nur des gleichnamigen theologischen Bachelor-Studiengangs. Kurz auf den Punkt gebracht funktioniert sie so: Wir hören zu. Wir lernen von- und miteinander. Wir wollen verstehen und verstanden werden. Wir sind so frei und reden von Jesus Christus. Wir leben unsere Beziehung zu Gott.
Die 7 Leitsätze der Kommunikativen Theologie
- Wir sind so frei und sprechen über das Evangelium Jesu Christi.
- Wir akzeptieren die Kirche und die Gesellschaft so, wie sie heute sind, und beteiligen uns an der Diskussion über Gott und das Leben.
- Wir stehen in Verbindung mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist und tun, was Gott schon immer getan hat: kommunizieren.
- Wir lesen und studieren die Bibel als Gottes Buch der Kommunikation, suchen nach biblischer Wahrheit und gewinnen so Überzeugungen.
- Wir hören zu, lehren und lernen gemeinsam.
- Wir verlassen uns auf Gottes Wirken und tun alles, was wir können. Wir tun alles, was wir können, und verlassen uns auf Gottes Wirken.
- Wir machen Fortschritte in der Theologie – gemeinsam mit Ihnen.