tsc-Eröffnungsgottesdienst des Frühlingssemesters 2021 (1500x500px)

Mit Bachkantate ins Frühlingssemester 2021

Semestereröffnungs-Gottesdienst am tsc

Mit Bachkantate ins Frühlingssemester 2021

Die Kantate «Barmherziges Herze der ewigen Liebe» (BWV 185) von Johann Sebastian Bach stand am Beginn des Frühlingssemesters 2021 am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc). Claudius Buser, tsc-Dozent für Kirchengeschichte, verlas ihren Text im Semestereröffnungs-Gottesdienst vor 50 Studierenden, Dozierenden und Mitarbeitenden.

«Das ist der Christen Kunst»

Die Jahreslosung 2021 aus Lukas 6,36 hatte Claudius Buser darauf gebracht. Sie lautet: «Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist». Die Bachkantate «Barmherziges Herze der ewigen Liebe» nimmt viele biblische Themen zur Barmherzigkeit auf. In der Form der barocken Dichtkunst heisst es beispielsweise: «Das ist der Christen Kunst: Nur Gott und sich erkennen, von wahrer Liebe brennen, nicht unzulässig richten, noch fremdes Tun vernichten, des Nächsten nicht vergessen, mit reichem Masse messen: Das macht bei Gott und Menschen Gunst, das ist der Christen Kunst.»

Claudius Buser wünschte der Studiengemeinschaft am tsc, dass sie diese Kunst der Christen im neuen Semester immer wieder einüben. Dazu werde es genug Gelegenheiten geben. «Corona wird uns noch einiges abringen. Dennoch: Lasst uns das neue Semester mit echtem Ernst und echter Vorfreude anpacken», so Claudius Buser.

Unterricht läuft über das Internet

Weiterhin prägen die Corona-Massnahmen das Studieren und Leben am tsc. Der Unterricht findet fast ausschliesslich über das Internet statt. Wegen der Verpflichtung zum Home Office sind Dozierende und Mitarbeitende zudem nur punktuell auf dem Chrischona Campus anzutreffen. Umso mehr schätzt es die Studiengemeinschaft, in regelmässigen Gottesdiensten mit bis zu 50 Personen zusammenkommen zu können. Auch wenn dabei Maskentragepflicht sowie Abstandsregeln gelten und der Gemeindegesang untersagt ist. Erleichtert wird die Einhaltung der Massnahmen aufgrund der räumlichen Grösse des Konferenzzentrums auf dem Chrischona Campus. Durch eine coronakonforme Sitzordnung ist das Einhalten der Regeln unproblematisch.

Mit Pinzette und Maske verteilt Claudius Buser die Oblaten während des Abendmahls beim Semester-Eröffnungsgottesdienst 2021.
Mit Pinzette und Maske verteilt Claudius Buser die Oblaten während des Abendmahls beim Semester-Eröffnungsgottesdienst 2021.

Konstruktiver Umgang mit Corona

Überhaupt herrscht am tsc eine Stimmung vor, die konstruktiv mit den Corona-Herausforderungen umgehen will. Rektor Benedikt Walker lobte diese Einstellung in seiner Info-Mail zum Start des Frühlingssemesters. Konkret nannte er die Idee der Einrichtung eines Online-Pausenraums in der Videotelefonie-Software «Teams», der dem sozialen Miteinander gut tue. Ausserdem erklärte er: «Die bisherigen Erfahrungen mit Corona lassen mich hoffen: Wir werden das Frühlingssemester nicht unter denselben Bedingungen beenden, wie wir es beginnen.»

Jahresfest als Livestream mit Publikum?

Das lässt auch die 23 Studentinnen und Studenten der Abschlussklasse 2021 hoffen. Sie werden nach dem erfolgreichen Abschluss ihres letzten Semesters beim Jahresfest am 27. Juni ausgesendet. Welche Corona-Massnahmen dann gelten, ist noch nicht klar. Das tsc plant verschiedene Varianten, darunter einen Livestream mit Publikum.

«Das ist der Christen Kunst:
Nur Gott und sich erkennen,
von wahrer Liebe brennen,
nicht unzulässig richten,
noch fremdes Tun vernichten,
des Nächsten nicht vergessen,
mit reichem Masse messen:
Das macht bei Gott und Menschen Gunst,
das ist der Christen Kunst.»

Aus der Kantate «Barmherziges Herze der ewigen Liebe» von Johann Sebastian Bach, 1715.

Interessiert?

  • Infos zum tsc-Studienangebot in kompakter Form erhältst du bei unseren Schnupper-Webinaren. Dabei kannst du den Studiengangsleitenden deine Fragen direkt stellen. Die nächsten Termine: 12.03. / 14.04. / 15.06.2021, jeweils von 18 bis 19.30 Uhr.
  • Wie ist es, am Theologischen Seminar St. Chrischona zu studieren? Und wäre das etwas für dich? Herausfinden kannst du das bei unseren Schnuppertagen – kostenlos und unverbindlich. Der nächste Termin: 12.–13.03.2021.

Zahlen zum Start des Frühlingssemesters 2021

  • Gesamtzahl: 140 Studierende und Gasthörende
  • Abschlussklasse 2021: 23 Studentinnen und Studenten
Claudius Buser blickt im Online-Semesterabschlussgottesdienst am 16.12.2020 zurück auf das Corona-Jahr 2020 (1297x432px)

tsc-Jahresrückblick 2020

Ereignisse der Zeitgeschichte, Anekdoten vom tsc

Jahresrückblick 2020

Autor: Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte am tsc

Am Ende des Corona-Jahres 2020 fälllt auch der traditionelle tsc-Jahresrückblick von Claudius Buser ernster und nachdenklicher aus als üblich. Trotzdem bleibt er zuversichtlich und erzählt von vielem, was gelungen ist.

Im fernen Morgenland…

Nein, nicht dort, wo der Stern von den Magiern gesichtet wurde, der sie zum neuen König weisen soll, sondern im noch viel ferneren Morgenland, weit weg von der Zivilisation Europas, machten sich Magier nicht auf den Weg, sondern an die Arbeit. Sie wollten eine neue Krone basteln, nicht einfach für den neuen König, nein, sondern für alle Menschen.

Noch wollten sie die Krone den Menschen nicht zeigen, da geschah es: Die Krone machte sich selbständig auf den Weg zu den Menschen dieser Erde. Und was viele nicht glauben wollten oder konnten, wurde wahr: Diese Krone für alle veränderte das Miteinander der Menschen auf der ganzen Welt in einer Art und Weise, wie sich das die Menschen zu Beginn des Jahres 2020 nicht in ihren kühnsten oder wirrsten Träumen hätten vorstellen können, auch wir am tsc nicht.

Englands Abdockmanöver von Europa

Auf der europäischen Insel der Briten, Sachsen, Angeln und anderen keltischen und germanischen Stämmen wurde es den Menschen zu viel. Sie zogen sich definitiv von Europa zurück. Die Sterne Europas verblassten über der Insel, doch die Krone aus dem fernen Morgenland fand den Weg auch zu ihnen. Seit dem 31. Januar ist England wieder eine Insel. Das Abdockmanöver vom Festland dauert aber noch an bis zum heutigen Tag.

180 Jahre tsc

Im Herzen Europas und eigentlich auch im Herzen der Schweiz, hoch über der Stadt Basel, feierte in diesem Jahr eine interkulturelle Gruppe von Studentinnen, Studenten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das 180. Wiegenfest der Pilgermission St. Chrischona, dem heutigen Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc).

Auch uns erreichte die Kunde der Krone für alle: Wir fingen an die Hände zu waschen und den Mund zu bedecken, Distanz zu wahren und Türklinken zu meiden, ins Homeoffice zu gehen und die digitale Welt zu nutzen wie nie zuvor, denn diese Krone wollten wir nicht auf dem Berg der Heiligen (ich meine natürlich: der Heiligen St. Chrischona). Doch sie kam, wie sie zu allen kam; glücklicherweise ohne grossen Schaden anzurichten.

180 Jahre tsc haben wir trotzdem gefeiert – wenigstens ein bisschen – mit wunderschönen digitalen Liedern von unserem Chor, mit einer Broschüre, die alle lesen sollten, und mit vielen kleineren Dingen erinnerten wir uns immer wieder an dieses Wiegenfest: 180 Jahre sind wir schon unterwegs und das ist ein Grund zur Dankbarkeit. Wir fühlen uns gekrönt mit viel Gnade und Barmherzigkeit (und nicht mit «made in China»).

Claudius Buser, Stv. Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte
Claudius Buser ist stellvertretender Rektor und Dozent für Kirchengeschichte am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc).

«Wir können Corona!»

Leider zwang uns dieses ausserordentliche Jahr mit seinem in der Geschichte so noch nie da gewesenen Lockdown nach dem 16. März (inkl. Grenzschliessungen) schon auch zu massiven Einschränkungen: Der Unterricht konnte nicht mehr im Lehrsaal, sondern nur noch über das Internet durchgeführt werden. Gäste blieben aus, Konferenzen wurden abgesagt oder online durchgeführt. Das tsc-Standteam musste sich neu erfinden und viele Feste blieben ungefeiert.

Doch wurden auch viele neue Wege entdeckt und kreative Ideen entwickelt. Konnten wir die Schnuppertage im März gerade noch vor Ort durchführen, mussten wir danach umstellen auf Schnupper-Webinare für am Studium Interessierte. Formate, wie die Videoserie «tsc aktuell» mit Infos an alle Freunde des tsc, Videobotschaften und Gottesdienste gingen erstmals online. Die einmalige Aktion der Studentinnen und Studenten, an alle tsc-Freunde über 80 Jahre eine Karte zu schreiben, wurde umgesetzt; auch Gebetsvormittage und andere Anlässe wurden trotzdem in anderen Formen durchgeführt. Die Liste ist nicht vollständig, aber doch schon eindrücklich lang. Wir können Corona!

Und mitten im Coronajahr liessen wir es uns nicht nehmen, auf dem Chrischona Campus den Begegnungsort «Relaunch» einzuweihen und – damit beide ehemaligen Speisesäle im Brüderhaus so richtig gut aussehen – vor wenigen Tagen ganz still unser neues Coffeehouse «Foodnote» zu eröffnen, in dem es wirklich, aber nun wirklich guten Kaffee gibt.

«Der Unterricht konnte nicht mehr im Lehrsaal, sondern nur noch über das Internet durchgeführt werden. Gäste blieben aus, Konferenzen wurden abgesagt oder online durchgeführt. Das tsc-Standteam musste sich neu erfinden und viele Feste blieben ungefeiert.»

Abenteuer Online-Unterricht

Das muss hier nun einfach gesagt werden: So viele haben sich, angetrieben durch die Nachrichten aus dem fernen Morgenland und der neuen Situation mit dieser Krone, so richtig ins Zeug gelegt: Abläufe wurden neu durchdacht und weiterentwickelt, Dozentinnen und Dozenten geschult, damit sie mit der neuen Situation zurechtkommen. Wieder andere sind eingesprungen und haben Dinge gemacht, die sie zuvor noch nie gemacht haben oder haben sich als Ersatz angeboten, wo es Ausfälle gab. Ja, viele haben einfach die Ärmel hochgekrempelt und sich investiert und angepackt. Danke für all diese Zusatzinvestitionen in Krisenstäben, Schulungen, neuen digitalen Formaten und neuen Lehr- und Lernmethoden, etc.

Danke euch allen, liebe Studentinnen und Studenten, geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe alle, die ihr euch auf das Abenteuer Online-Unterricht einfach eingelassen habt. Danke.

Freude über kurze Rückkehr zur Normalität

Dankbar sind wir, dass trotz allem, die gesamte Abschlussklasse abschliessen durfte am Ende des vergangenen Studienjahres und wir am tsc zu Beginn des neuen Studienjahres eine grossartige Truppe von 33 neuen Studentinnen und Studenten und 27 Gasthörerinnen und Gasthörern begrüssen durften.

Wir freuten uns im September, dass der Studienbetrieb wieder so richtig – und zwar normal – los ging mit all den vielen jungen motivierten Menschen. Sogar die Seminarreise nach Rust und Freiburg konnten wir noch durchführen. Ja, lange sah es recht gut aus und wir freuten uns an einem etwas anderen, aber doch normaleren «Normal».

Corona kam zurück

Und dann kam Corona zurück. Die tsc-Netzwerk-Konferenz war glücklicherweise schon länger auf Online-Tagung getrimmt und wurde so auch mit Erfolg durchgeführt. In der Woche danach wurde alles wieder anders, Corona kam mit solcher Wucht zurück, dass es uns erneut in die digitale Welt zwang.

Wir freuen uns auf das Jahr 2021, wenn die Dinge hoffentlich «normaler» funktionieren, respektive das neue Normal, uns dann auch wieder geläufig und selbstverständlich wird.

«So viele haben sich so richtig ins Zeug gelegt: Abläufe wurden neu durchdacht und weiterentwickelt, Dozentinnen und Dozenten geschult, damit sie mit der neuen Situation zurechtkommen. Danke an alle, die ihr euch auf das Abenteuer Online-Unterricht einfach eingelassen habt.»

Mehr Grund zur Hoffnung als zur Resignation

Aber noch stehen festliche Tage bevor. Auf unseren Tischen sehen wir täglich den Adventskranz, dieser Kranz zeigt an: Wir warten auf den König, der mit Recht die Krone trägt und jedem die Krone des Lebens anbietet, der den Menschen auf Erden Frieden bringt und festliche Freude.

Dieser König und seine Krone machen nicht Angst, sondern froh. Wer von ihm gekrönt ist, hat immer mehr Grund zur Hoffnung als zur Resignation, denn er krönt uns mit seiner vergebenden Liebe und seiner unverdienten Zuwendung und für immer und ewig mit der Krone des ewigen Lebens.

Daher getrost und zuversichtlich: Fröhliche Weihnachten 2020, ja: Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

Und bleibt gesund.

«Wer vom König Jesus gekrönt ist, hat immer mehr Grund zur Hoffnung als zur Resignation, denn er krönt uns mit seiner vergebenden Liebe und seiner unverdienten Zuwendung und für immer und ewig mit der Krone des ewigen Lebens.»

Claudius Buser hat diesen Jahresrückblick im Semesterabschlussgottesdienst am 16.12.2020 vorgetragen. Der Gottesdienst fand wegen der Corona-Massnahmen online statt.