Dr. Jean-Georges Gantenbein unterrichtet Interkulturelle Theologie am tsc.

Jean-Georges Gantenbein und die Interkulturelle Theologie

tsc-Dozierende

«Ich will die Studierenden begeistern für das Reich Gottes!»

5 Fragen an Dr. Jean-Georges Gantenbein, tsc-Dozent für Interkulturelle Theologie

Dr. Jean-Georges Gantenbein unterrichtet Interkulturelle Theologie am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc). Der engagierte Dozent hat langjährige Erfahrung mit der Gemeindearbeit in Frankreich. Eines seiner Herzensthemen ist die Kontextualisierung des Evangeliums. Im Gespräch mit dem tsc verrät er mehr darüber und über seine Motivation für den Dienst als tsc-Dozent.

tsc: Jean-Georges, was ist dein Lieblingsort auf Chrischona?

Jean-Georges Gantenbein: Die Kirche, der Ursprungsort der Chrischona-Bewegung. Sie erinnert mich an den einfachen Start vor 181 Jahren. So ist es auch im Glaubensleben: Es beginnt mit fast nichts, aber dank Jesu Verheissung kann Grosses werden.

tsc: Was unterrichtest du in Interkultureller Theologie?

Jean-Georges Gantenbein: Früher hiess es Missionswissenschaft. Wie können wir Jesu Auftrag erfüllen, das Evangelium allen Völkern und Nationen weiterzugeben? Das Fach behandelt praktische, historische und kulturelle Aspekte. Für uns Europäer ist der kulturelle Aspekt gerade aktuell, denn «fremde Kulturen» kommen mehr und mehr zu uns – und wir müssen lernen, wie wir ihnen das Evangelium weitergeben können.

Dr. Jean-Georges Gantenbein unterrichtet Interkulturelle Theologie am tsc.
Dr. Jean-Georges Gantenbein unterrichtet Interkulturelle Theologie am tsc.

Traditionsabbruch des Christentums in Europa

tsc: Die Kontextualisierung des Evangeliums in Europa ist ein wichtiges Thema von dir. Deine Doktorarbeit handelt davon. Was ist damit gemeint?

Jean-Georges Gantenbein: Die Kontextualisierung ist eine Methode der Missionswissenschaft, bekannt seit den 1970ern. Angewandt wurde sie überall auf der Welt, nur nicht bei uns im Westen. Damals betraf Mission die Welt ausserhalb des christlichen Abendlandes. Das gilt heute nicht mehr. Wir müssen mit einem Traditionsabbruch des Christentums in Europa rechnen. Wir erleben tagtäglich, wie die jüdisch-christlichen Werte an Bedeutung verlieren. Es geht also darum, wie wir das Evangelium in einer postmodernen und nachchristlichen Zeit neu kommunizieren können. Denn viele Menschen um uns herum verstehen unsere Sprache und unsere christlichen Traditionen nicht mehr. Um diese Menschen heute mit dem Evangelium zu erreichen, brauchen wir auch eine neue Sprache und neue theologische Ressourcen, die wir natürlich in der Bibel suchen und finden.

Warum die Welt Jesus braucht

tsc: Wofür brennt dein Herz als Dozent am tsc?

Jean-Georges Gantenbein: Mir geht es immer auch darum, die Studentinnen und Studenten auf das vorzubereiten, was nach dem Studium kommt. Ich will sie begeistern für das Reich Gottes!

tsc: Wenn dir die Welt für ein paar Sekunden zuhören würde, was würdest du ihr sagen?

Jean-Georges Gantenbein: In der Welt hat es heute wenig Hoffnung für die Zukunft. Deshalb braucht die Welt das Alleinstellungsmerkmal des Christentums: die Hoffnung in Jesus Christus.

«Viele Menschen um uns herum verstehen unsere Sprache und unsere christlichen Traditionen nicht mehr. Um diese Menschen heute mit dem Evangelium zu erreichen, brauchen wir auch eine neue Sprache und neue theologische Ressourcen, die wir natürlich in der Bibel suchen und finden.»

Dr. Jean-Georges Gantenbein, tsc-Dozent für Interkulturelle Theologie

«Can the West Be Converted?» Dr. Gantenbeins Doktorarbeit ist 2021 auf Englisch erschienen.
«Can the West Be Converted?» Dr. Gantenbeins Doktorarbeit ist 2021 auf Englisch erschienen.

Broschüre zu 180 Jahre tsc

Broschüre erschienen

180 Jahre tsc - was uns prägt und bewegt

Am 8. März 2020 ist das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) 180 Jahre alt geworden. Welche Themen und Ereignisse haben das tsc bewegt, geprägt und vorangebracht? Was hat sich in die DNA des tsc eingeprägt und wirkt heute noch weiter? Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte und stellvertretender Rektor des tsc, hat sich diesen Fragen gewidmet. Entstanden ist eine Broschüre, die den Bogen vom Gestern zum Heute spannt.

Good News

Ein Student sitzt auf der Mauer bei der Kirche St. Chrischona. Sein T-Shirt trägt die Aufschrift «Good News». Auf dem Titelbild der Broschüre spiegelt sich so der Gründungsgedanke von 1840, der noch heute tief verwurzelt ist am tsc: «Junge Handwerker ausbilden, damit sie das Evangelium in Wort und Schrift verständlich unter den Menschen vorleben und verbreiten können». Studieren kann man am tsc nach wie vor auch ohne Abitur oder Matura. Auch Handwerker sind unter den Studierenden von heute.

Von den Anfängen bis heute

Claudius Buser beschreibt im ersten Teil wichtige Etappen aus der Geschichte des tsc. Wie die Bildungsinstitution auf St. Chrischona im Umfeld eines pietistisch praktischen Christentums entstand. Wie sie sich Ende des 19. Jahrhunderts zum ersten Prediger- und Missionsseminar im deutschsprachigen Europa entwickelte. Wie St. Chrischona zu einem Vorreiter in Sachen «Theologische Bildung für alle» wurde. Wie sich das tsc im Chrischona-Verband unter dem Motto «Bewährtes erhalten, Neues wagen» im 20. Jahrhundert weiterentwickelte. Wie sich die Arbeit auf Chrischona heute im 21. Jahrhundert «zurück zu den Wurzeln» orientiert und fokussiert: Menschen für die Mitarbeit im Reich Gottes auszubilden.

Über 6600 Männer und Frauen haben seit 1840 auf St. Chrischona studiert. Ein paar Absolventinnen und Absolventen kommen in der Broschüre zu Wort. Sie erzählen, wie das tsc sie geprägt hat und wie sie die DNA des tsc beschreiben.

Das Evangelium verständlich und leidenschaftlich kommunizieren

Die Geschichte des tsc ist durchdrungen vom Wunsch, das Evangelium verständlich und leidenschaftlich zu kommunizieren. Doch was umfasst Kommunikation eigentlich alles, wie ist sie in der Theologie zu denken, wie umfassend kann man darüber reden? Solche Fragen führten dazu, das theologische Arbeiten am tsc unter den Begriff der Kommunikativen Theologie zu stellen. Gott spricht uns Menschen an und befähigt uns zur Antwort. Kommunikative Theologie staunt über diese Möglichkeit, lernt Gottes Reden in der biblischen Botschaft kennen, versucht zu antworten und anderen zeitgemäss von dieser Botschaft zu erzählen.

Das Profil des Theologischen Seminars St. Chrischona – gewachsen in 180 Jahren

Im zweiten Teil der Broschüre benennt Claudius Buser Schwerpunkte, die aus der Geschichte erwachsen heute dem tsc sein Profil geben:

  • Die Liebe Gottes treibt uns – wir glauben an die verändernde Kraft des Evangeliums.
  • Aus der Schrift leben – wir trauen der Bibel und bleiben mit ihr unterwegs.
  • Hoffnungsorientiertes Arbeiten – es kommt besser, als wir es je zu träumen wagen.
  • Freisetzen aller Kräfte und Gaben – in Gottes Reich arbeiten Frau und Mann, Alt und Jung gemeinsam.
  • Impulsgeber für andere – wir dienen allen Christen und geben Impulse des Handelns Gottes gerne weiter.
  • Wir sind nicht allein unterwegs – wir arbeiten zusammen und bilden andere aus.
  • Heil, Heilung und Heiligung gehören zusammen – wir setzen uns für eine ganzheitliche Spiritualität ein.

Autor der Broschüre:
Claudius Buser

Claudius Buser, Stv. Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte
Claudius Buser ist stellvertretender Rektor und Dozent für Kirchengeschichte am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc).

Video zum Thema:
Claudius Buser blickt auf 180 Jahre tsc: Was prägt bis heute?