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Warum Susanne Hagen den Studiengang Theologie & Musik aufgebaut hat

Fünf Fragen an Susanne Hagen

«Musik spricht ins Herz der Menschen.»

Susanne Hagen hat den Bachelorstudiengang Theologie & Musik am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc) mitaufgebaut und leitet ihn seither. Im Gespräch erklärt sie, was sie dazu motiviert hat.

tsc: Liebe Susi, wofür schlägt dein Herz?

Susanne Hagen: Zuerst für Gott. Ich bin dankbar, dass er mir die Musik gegeben hat als eine besondere Gabe, die ihn ehrt und Menschen dienen kann. Ich bin dankbar, dass ich am tsc jungen Menschen helfen kann, ihre Gaben zu entdecken und einzusetzen. Es begeistert mich, wenn unsere Studierenden in ihrer Identität in Christus gefestigt werden. Es ist ein grosses Privileg, an diesem Prozess beteiligt sein zu dürfen. Wenn dabei auch noch gute neue Musik entsteht oder gute neue Musiker und Theologen hervorgehen, dann freut mich das ganz besonders.

In Qualität investieren in Theologie und Musik

tsc: Du hast den Studiengang Theologie & Musik aufgebaut. Warum ist diese Kombination heute wichtig?

Susanne Hagen: Weil Musik grosse Bedeutung hat. Sie spricht auf ihre Weise ins Herz der Menschen. Dabei geht es nicht nur um Lobpreis, sondern um Musik im Allgemeinen. Ich habe erlebt, dass sich Menschen öffneten für geistliche Wahrheiten, weil meine Musik sie berührt hat. Abgesehen davon ist Musik ein unverzichtbarer Teil im kirchlichen Leben. Es lohnt sich, in Professionalität und Qualität zu investieren in Theologie und Musik.

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Susanne Hagen leitet den Bachelorstudiengang Theologie & Musik am tsc.

Sehnsucht nach dem Schönen, Wahren und Guten

tsc: Du hast einmal gesagt, du beschenkst Menschen gerne mit Schönheit. Worin besteht dieses Geschenk?

Susanne Hagen: Menschen haben eine tiefe Sehnsucht nach dem Schönen, dem Wahren und dem Guten. Diese drei Dinge gehören zusammen und finden ihre Erfüllung in Gott selbst. Wo Gott sich offenbart, kommt etwas zum Vorschein, das mit Schönheit und Wahrheit zu tun hat. Das äussert sich in einer Begegnung oder Ermutigung, im Erleben von Kunst und Musik, in Worten oder in Bildern, im Betrachten der Natur, auch im Schmecken und Riechen. Ich liebe es, Menschen mit sinnlichen Erlebnissen zu beschenken, die etwas erahnen lassen von unserem Schöpfer. Am meisten passiert das in meinem Leben aber durch Musik und Kunst.

Musik kommuniziert

tsc: Wie zeigt sich die kommunikative Theologie im Studiengang Theologie & Musik?

Susanne Hagen: Musik ist eine Sprache, sogar mit eigener Schrift, die auf ihre Weise kommuniziert mit den Musizierenden, den Zuhörenden und im Lobpreis mit Gott selbst. Da wir es mit einer Generation zu tun haben, die Gott vor allem in und durch Lobpreis erlebt, halte ich diese Form der kommunikativen Theologie für sehr bereichernd.

tsc: Bei welcher Musik fühlst du dich Gott besonders nah?

Susanne Hagen: Johannes Brahms 2. Klavierkonzert und sein deutsches Requiem.

tsc-Community-Abend: Im Gespräch mit Dr. Debora Sommer

Wie Debora Sommer ihre Berufung als Theologin entdeckte

tsc-Communityabend am 5. März 2020

Wie Debora Sommer ihre Berufung als Theologin entdeckte

Einblicke in ihre Lebensgeschichte gab Dr. Debora Sommer der Studiengemeinschaft am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc). Bei einem Community-Abend am 5. März 2020 nahm die Leiterin Fernstudium Theologie am tsc die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine spannende Reise. Sie berichtete, wie sie ihre Berufung als Theologin entdeckte und begann, mutig zu leben.

Frau und Theologin

Von einer Kultur geformt, in der das Bild der Frau klar geprägt war, war es herausfordernd und auch mutig, einen Ruf von Gott zu folgen, der dieser Prägung zu widersprechen schien. Von klein auf hatte Debora den Wunsch, ihr Leben ganz Gott zu widmen. Sie begann ihr Theologiestudium an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule (STH) Basel mit dem Wissen, dass sie vermutlich selbst nie predigen würde. Nach einer Begegnung mit einer Mitstudentin, die eine Berufung als Pfarrerin in der Landeskirche hatte, begann sie sich mehr und mehr mit der Rolle der Frau aus theologischer Sicht auseinanderzusetzen. Diesem Thema widmete sie besondere Aufmerksamkeit in ihrer Doktorarbeit über Juliane von Krüdener: «Eine baltisch-adlige Missionarin bewegt Europa». Debora Sommer wurde bewusst, dass es manchmal erforderlich ist, mit der Bibel zu ringen statt mit Menschen. Es ist eine Kunst, theologische Spannungen respektvoll aushalten zu können und den Menschen in Liebe zu begegnen.

Ergänzung statt Konkurrenz

Deboras Sommers Bericht wurde durch Beiträge ihres Ehemanns Rolf ergänzt. Der Coach und Pastor ist Absolvent des Theologischen Seminars St. Chrischona. Es war eindrücklich zu erleben, wie sich die Ehepartner als Team ergänzen und unterstützen. So wurden Deboras Worte praktisch erlebbar: «Oft kämpft man nur ums Recht haben, statt um die Bereitschaft Rücksicht zu nehmen und Liebe reifen zu lassen». Dies birgt die Kraft, Unterschiedlichkeit zuzulassen, ihr zuzuhören und Spannungen auszuhalten. Es ist die Dialogfähigkeit, die es ermöglicht, die Sicht anderer zu hören, zu sehen und auch erstmal stehen lassen zu können. «Es geht darum, die innere Stärke bei Gott zu suchen, um kritikfähig zu bleiben und eigene Motive immer wieder zu überprüfen», erklärte Debora Sommer.
Rolf Sommer ermutigte die Studiengemeinschaft mit den Worten: «Habt Mut, Schritte zu wagen – auch, wenn es eventuell enttäuschend endet. Habt keine Angst Fehler zu machen, die gehören dazu und aus denen kann man lernen – habt Mut, mutig zu sein!» Schlussendlich geht es doch vielmehr um die Ergänzung und nicht etwa um Konkurrenz. Denn in der Vielfalt liegt die Einheit und dies bringt immer wieder Spannungen mit sich.

«Grosses Privileg, solche Dozentinnen am tsc zu haben»

Bei den Studierenden kam der Vortragsabend gut an. Zum Beispiel bei Ladina Wettstein, Studentin im Bachelor-Studiengang Theologie & Pädagogik. Sie sagte: «Ich erachte es als grosses Privileg, Dozentinnen und Dozenten wie Debora Sommer am tsc zu haben. Aus ihren Lebensgeschichten und Erfahrungen ergibt sich ein grosser Mehrwert für uns als Gemeinschaft auf St. Chrischona, von dem wir enorm viel profitieren können. Dies motiviert mich, solche Anlässe und Abende zu organisieren, koordinieren und durchzuführen.»

Dr. Debora Sommer
Dr. Debora Sommer leitet das tsc-Fernstudium.
Claudius Buser, Stv. Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte

Claudius Buser und die «4M»

Vier Fragen an Claudius Buser

«Man muss Menschen mögen.»

Hinter den «4M» verbirgt sich der Satz: «Man muss Menschen mögen». Claudius Buser, stellvertretender Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte, ist bekannt für diesen Ausspruch. Warum er ihn so schätzt, erklärt er im Gespräch. Ausserdem zeigt er auf, welchen Fussabdruck die theologische Ausbildung auf St. Chrischona in der Kirchengeschichte hinterlassen hat.

«Ich bin gerne mit Menschen unterwegs.»

tsc: Lieber Claudius, was sind deine Aufgaben als stellvertretender Rektor – was begeistert dich an deiner Tätigkeit?

Claudius Buser: Ich denke in vielen Bereichen des tsc mit, übernehme Aufgaben und vertrete den Rektor bei Veranstaltungen oder Diensten. Das ist interessant, herausfordernd und mit der Übernahme von Verantwortung verbunden. Ich bin gerne mit Menschen unterwegs. Das hilft mir und begeistert mich auch in diesem Bereich meiner Aufgaben. Dass wir als tsc nach 180 Jahren immer noch unterwegs sind und junge Menschen ausbilden dürfen, das ist doch unglaublich schön.

«Du bist Teil der Geschichte.»

tsc: Seit 2003 unterrichtest du Kirchengeschichte am tsc. Was lernen die Studierenden in deinem Unterricht?

Claudius Buser: «Du bist auch Teil der Geschichte. Denk nicht zu klein von deinem Platz darin, sondern lass Gottes Geist und Liebe Raum, sich in Dir und durch Dich zu entfalten.» Es ist unglaublich, was entsteht, wenn Gottes Liebe uns und unsere Geschichte durchdringt. Also setzen wir uns mit unserer eigenen Geschichte auseinander, und plötzlich werden wir Teil von etwas Grösserem, das 2000 Jahre zurückreicht. Wir erkennen dabei: Wir gehören dazu, das hat auch mit mir zu tun. Unsere Herkunft zu kennen hilft uns, die Gegenwart zu verstehen und für die Zukunft gewappnet zu sein.

Warum man Menschen mögen muss

tsc: «Man muss Menschen mögen» – von diesen «4M» erzählst du häufig in deinem Unterricht. Stimmt das?

Claudius Buser: Ja. Wir sollten im Reich Gottes ohne Liebe besser nichts anfassen, sonst machen wir die uns anvertrauten Menschen und die uns umgebende Schöpfung nur kaputt. Daher die «4M». Das geht aber nicht einfach so. Gott hat deshalb in unseren Alltag viele Übungsmöglichkeiten eingebaut. Eigentlich sollten wir bei so viel Training und einem so guten Coach alle schon Weltmeister in Sachen Liebe sein.

Claudius Buser über 180 Jahre tsc

tsc: Das tsc wird in diesem Jahr 180 Jahre – das ist jung angesichts 2000 Jahren Kirchengeschichte. Welchen Fussabdruck hat das tsc in der Kirchengeschichte hinterlassen?

Claudius Buser: Das tsc hat eigentlich keine Füsse, aber unsere Studierenden, unsere Mitarbeitenden und Dozierenden stehen mit beiden Beinen in dieser Welt. Und es ist atemberaubend, wo diese Füsse schon überall durchgezogen sind als Botschafter der Liebe Gottes in Verkündigung, Lehre und ganz praktischer, sozialer Arbeit. Wir finden Spuren bei uns in Europa und in der ganzen Welt: Über 13’000 Füsse (von mehr als 6500 Absolventinnen und Absolventen) waren und sind unterwegs auf unserem schönen Globus; zurzeit in mehr als 40 Ländern. Das ist doch wohl ein kräftiger Fussabdruck!

Claudius Buser, Stv. Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte
Claudius Buser ist stellvertretender Rektor und Dozent für Kirchengeschichte am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc).
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2020 feiert das Theologische Seminar St. Chrischona sein 180-jähriges Jubiläum.