Anfang September 2022 wurden die langjährigen tsc-Dozierenden Irmgard und Dr. Horst Schaffenberger in den Ruhestand verabschiedet.

Irmgard und Dr. Horst Schaffenberger – Ermutiger von Generationen

tsc-Dozierende

Ermutiger von Generationen

Danke, Irmgard und Horst!

30 Jahre lang haben Irmgard und Horst Schaffenberger als Dozierende, aber vor allem als Ermutiger Generationen von Studentinnen und Studenten des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) auf ihrem persönlichen Lebensweg weitergebracht.

Ihre grosse Liebe zu Gott und zu den Menschen verbindet beide. Irmgard und Horst waren dabei mal als Tandem tätig, zum Beispiel als Hauseltern des Frauenwohnhauses, und mal einzeln, etwa Horst als Seminarleiter und Irmgard als Dozentin im tsc-Jahreskurs. Am 4. September 2022 bedankte sich die tsc-Community mit stehenden Ovationen bei beiden und verabschiedete sie in den Ruhestand.

Irmgard Schaffenberger, fröhliche Ermutigerin

Irmgard ist eine starke und fröhliche Ermutigerin. Sie sieht das Potential in den Menschen, die ihr anvertraut werden oder ihren Rat suchen. Und sie wünscht sich nichts lieber, als dass sich jeder und jede nach den von Gott geschenkten Begabungen entfalten kann. Eines ihrer Herzensthemen ist Spiritualität. Irmgard ist davon überzeugt, dass Theologie mehr sein sollte als Denkarbeit und die Menschen Hilfestellungen dafür benötigen. Deshalb interessiert sie sich dafür, biblische Inhalte kreativ zu vermitteln, etwa durch den Bibliolog oder das Bibliodrama. Irmgard hat stets dafür gearbeitet, dass die tsc-Community menschlich, ganzheitlich und in grosser geistlicher Freiheit lebte.

Danke, Irmgard!

So behalten Absolventinnen und Absolventen des tsc-Jahreskurses Irmgard in Erinnerung:

  • «In Gemeinschaft mit dir verändert sich die Atmosphäre. Deine warmherzige Art strahlt Ruhe und Geborgenheit aus.»
  • «Du bietest den Leuten Raum zum Auftanken!»
  • «Innerhalb deines fürsorglichen Handelns bist du dennoch keine ‹Duckmäuserin›, sondern dort wo du auftrittst, knistert die Luft!»
  • «Du gehst progressiv voran und wirkst voran. Du bist stets mit vollem Einsatz und mit deinem Herzen dabei!»
  • «Du betreibst ganzheitliche Theologie»
  • «Danke für all deine Investition für uns Studierende und Jahreskursler, danke für deine kreative und unkonventionelle Art! Du hast uns damit eine wertvolle und prägende Horizonterweiterung ermöglicht.»
Irmgard Schaffenberger, tsc-Dozentin im Ruhestand
Irmgard Schaffenberger unterrichtete bis 2022 als Dozentin im tsc-Jahreskurs.

Horst Schaffenberger, Theologe mit Leib und Seele

Horst hat ebenfalls viele Studentinnen und Studenten des tsc unterstützt, gefördert, freigesetzt und ermutigt. Ein regelrechter Vorkämpfer war Horst für die Frauen am tsc. In seiner Zeit als Seminarleiter ist das tsc-Kollegium mit vier Frauen bereichert worden. Er hat die Frauen gesehen, sie explizit genannt und ihnen Entfaltungsräume ermöglicht. Dies tat er immer wieder gegen Widerstände – ein bleibendes Lebenszeugnis.

Theologe ist Horst mit Leib und Seele. Das zeigte sich 2016, als er sich nach zehn Jahren Dienst als Seminarleiter nichts Schöneres vorstellen konnte als die Rückkehr in den Lehrsaal als Dozent für Praktische Theologie. Besonders viel Freude bereitet ihm dort die Vermittlung von Predigtpraxis, so dass er dieses Modul auch im Ruhestand unterrichten wird. Eine zweite Aufgabe, die Horst weiterhin für das tsc übernimmt, ist die Tätigkeit als 1. Vorsitzende des Fördervereins für das tsc in Deutschland. So profitiert das tsc vom grossem, persönlichen Netzwerk, das Horst in Deutschland aufgebaut hat.

Danke, liebe Irmgard und lieber Horst, für euren ausdauernden, leidenschaftlichen und treuen Dienst für die Menschen am Theologischen Seminar St. Chrischona. Gott segne euch.

Seit 2022 ist Dr. Horst Schaffenberger tsc-Dozent im Ruhestand. Er bleibt weiter tätig als 1. Vorsitzender des Fördervereins für das tsc und als Gastdozent für Predigtpraxis.
Seit 2022 ist Dr. Horst Schaffenberger tsc-Dozent im Ruhestand. Er bleibt weiter tätig als 1. Vorsitzender des Fördervereins für das tsc und als Gastdozent für Predigtpraxis.

Über das Theologische Seminar St. Chrischona:

  • Das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) ist eine nicht staatliche, evangelisch geprägte Ausbildungsinstitution, die vornehmlich durch Spenden und Studiengebühren getragen wird.
  • Das tsc legt besonderen Wert auf die Kommunikative Theologie und die tsc-Community. Auf dem Chrischona Berg werden seit 1840 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende für evangelische Gemeinden (Landes- und Freikirchen) beziehungsweise für interkulturelle, pädagogische und musikalische Aufgaben ausgebildet.
  • Die Bachelor-Studiengänge am tsc sind von der Middlesex University London validiert.

Interessiert?

  • Wie ist es, am Theologischen Seminar St. Chrischona zu studieren? Und wäre das etwas für dich? Herausfinden kannst du das bei unseren kostenlosen Schnuppertagen. Der nächste Termin: 21.–22.10.2022.
  • Infos zum tsc-Studienangebot in kompakter Form erhältst du bei unseren Schnupper-Webinaren. Dabei kannst du den Leiterinnen und Leitern der Bachelorstudiengänge und des tsc-Jahreskurses deine Fragen direkt stellen. Der nächste Termin: 27.09.2022, 18–19.30 Uhr.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Klausurtagung des tsc-Kollegiums am 15. Juni 2022 in Böckten.

Was ist wichtig für den pastoralen Dienst?

Klausurtagung 2022 des tsc-Kollegiums

Was ist wichtig für den pastoralen Dienst?

Grundsätzliche Überlegungen zur theologischen Ausbildung für den pastoralen Dienst und gute Begegnungen standen auf dem Programm der diesjährigen Klausurtagung des tsc-Kollegiums. 15 Teilnehmende trafen sich am 15. Juni 2022 in der evangelischen Freikirche «gate44» in Böckten mit Steffen Kern, dem Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes. Ausserdem statte der tsc-Vorstand dem Kollegium einen Besuch ab.

Antrittsbesuch des Gnadauer Präses Steffen Kern

Wegen Corona fand die jährliche Klausurtagung diesmal nicht am Jahresanfang, sondern in der Jahresmitte statt. So war es möglich, das Treffen im Präsenzmodus durchzuführen. Steffen Kern stellte sich dem tsc-Kollegium als «Mensch des Wortes» vor, dem sowohl das Wort Gottes als auch die Kommunikation sehr am Herzen liegen. Er berichtete von Stationen seines Lebenslaufs, darunter der Dienst als Vorsitzender des Gemeinschaftsverbandes «Die Apis» und die langjährige Tätigkeit in landeskirchlichen Synoden. Seit 2021 amtiert Steffen Kern als Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, in dem auch das Theologische Seminar St. Chrischona Mitglied ist.

Überforderungsprofil für den pastoralen Dienst

Mit dem tsc-Kollegium teilte Steffen Kern einige Überlegungen zum pastoralen Dienst. Dessen Anforderungsprofil entwickle sich immer mehr zum «Überforderungsprofil» für Absolventinnen und Absolventen theologischer Hochschulen. Gründe dafür sieht der Gnadauer Präses unter anderem in der Akademisierung, Digitalisierung und Professionalisierung des Dienstes sowie in der Pluralisierung der Gemeindeformen. Gemeinden erwarten von Hauptamtlichen vielfältige Kompetenzen, die Bewerber nur schwer alle erfüllen könnten. Was also ist wirklich wichtig für den pastoralen Dienst? «Die Predigtkompetenz ist weiterhin wichtig», so Steffen Kern. Ausserdem erklärte er: «Wir brauchen vermehrt Menschen mit sozialpädagogischer Kompetenz, es braucht aber immer eine theologische Grundqualifikation.» Kombinierte Studiengänge wie Theologie & Pädagogik sowie Theologie & Musik am tsc seien da zukunftsweisend.

Gnadauer Präses Steffen Kern (links) im Gespräch mit tsc-Rektor Dr. Benedikt Walker
Gnadauer Präses Steffen Kern (links) im Gespräch mit tsc-Rektor Dr. Benedikt Walker

«Wir brauchen vermehrt Menschen mit sozialpädagogischer Kompetenz, es braucht aber immer eine theologische Grundqualifikation.»

Steffen Kern, Präses des Ev. Gnadauer Gemeinschaftsverbandes

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Klausurtagung des tsc-Kollegiums am 15. Juni 2022 in Böckten
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Klausurtagung des tsc-Kollegiums am 15. Juni 2022 in Böckten

Ganzheitliche theologische Ausbildung am tsc

Ebenfalls zukunftsweisend war der Workshop am Nachmittag. Das tsc-Kollegium beschäftigte sich mit einer neuen Version des Manifests des ICETE – einer international tätigen Community für evangelikale theologische Bildung. Das Manifest definiert mit einer missionarischen Grundhaltung und einem global gültigen Anspruch die Grundlagen, Kontexte, Prozesse, Bereiche und Institutionen theologischer Ausbildung. Das Kollegium sieht das tsc in den Zielformulierungen des Manifests, die eine ganzheitliche theologische Ausbildung fordern, grundsätzlich gut aufgestellt. Die Kommunikative Theologie und die tsc-Community tragen dazu bei, dass Studierende sich sowohl theologisch als auch persönlich weiterentwickeln. Am tsc erhalten sie eine theologische Ausbildung, die sie fit macht für die Praxis: den Dienst in christlichen Gemeinden, Werken oder Unternehmen.

Begegnung mit dem tsc-Vereinsvorstand

Die Klausurtagung endete mit einem weiteren Besuch. Fünf der sechs Vorstandsmitglieder des Vereins tsc stellten sich dem Kollegium persönlich vor. Sie erklärten die Hintergründe und Ziele ihres ehrenamtlichen Engagements für das Theologische Seminar St. Chrischona. Beim anschliessenden Abendessen lernten sich Vereinsvorstand und Kollegium noch besser kennen und tauschten sich aus. Eine Begegnung, die sich künftig auszahlen wird.

tsc-Klausurtagung 2022: Workshop
In einem Workshop diskutiert das tsc-Kollegium über die neue Version des Manifests des ICETE zur theologischen Ausbildung.

Das tsc dankt der evangelischen Freikirche «gate44» in Böckten herzlich für die Gastfreundschaft und die gute Bewirtung bei der Klausurtagung. Die Freikirche ist Partner im tsc-Netzwerk.

Neue tsc-Dozierende 2022: Dr. Michael Widmer, Kristina Imwalle, Paul Bruderer

Drei neue Dozierende für das tsc

tsc-Dozierende

Drei neue Dozierende für das tsc

Dr. Michael Widmer, Kristina Imwalle und Paul Bruderer unterrichten künftig am Theologischen Seminar St. Chrischona

Das Theologische Seminar St. Chrischona hat drei neue Dozierende berufen: Dr. Michael Widmer unterrichtet künftig Bibelwissenschaften, Kristina Imwalle wird die neue Dozentin für Praktische Theologie und Paul Bruderer der neue Dozent für Dogmatik.

tsc erhielt 60 Bewerbungen

Anfang Dezember 2021 hatte das tsc drei Dozentenstellen ausgeschrieben, um Abgänge zum Ende des Studienjahres 2021/22 zu ersetzen. Daraufhin sind 60 Bewerbungen beim tsc eingangen. «Sowohl quantitativ als auch qualitativ waren diese vielen Bewerbungen überraschend», freut sich Rektor Dr. Benedikt Walker. Die Findungskommission aus allen hauptamtlichen Dozierenden des tsc und zwei studentischen Vertretern entschied sich am Ende des Bewerbungsprozesses und nach Probeunterricht für Michael Widmer, Kristina Imwalle und Paul Bruderer.

Benedikt Walker ist sehr zufrieden mit den Neubesetzungen: «Mit Michael Widmer, Kristina Imwalle und Paul Bruderer hat das tsc drei neue Dozierende berufen, die unser Dozentenkollegium sehr gut ergänzen und unsere Kommunikative Theologie in den nächsten Jahren weiterentwickeln werden. Sie werden unsere Ausrichtung in der theologischen Mitte stärken und die tsc-Community bereichern.»

«Mit Michael Widmer, Kristina Imwalle und Paul Bruderer hat das tsc drei neue Dozierende berufen, die unser Dozentenkollegium sehr gut ergänzen und unsere Kommunikative Theologie in den nächsten Jahren weiterentwickeln werden. Sie werden unsere Ausrichtung in der theologischen Mitte stärken und die tsc-Community bereichern.»

Dr. Benedikt Walker,
Rektor tsc

Dr. Michael Widmer – Bibelwissenschaftler mit interkulturellem Hintergrund

Michael Widmer (51) ist erfahrener Dozent und Bibelwissenschaftler mit interkulturellem Hintergrund und grosser Praxiskompetenz. Diese hat er sich durch seinen langjährigen Dienst als OMF-Missionar in Japan erworben. Am dortigen Hokkaido Bible Institute unterrichtet er seit 2007 Altes Testament, Biblische Theologie und Spiritualität. «Es ist mir ein grosses Anliegen, Nachwuchs auszubilden für Gemeinden und Mission, der in der Bibel verwurzelt, aber auch am Puls der Zeit, kommunikativ und reflektiert ist», erklärt Michael Widmer. Seine theologische Ausbildung hat er Ende der 1990er Jahre an der London School of Theology absolviert. Anschliessend promovierte er an der University of Durham über Mose, Gott und die Dynamik des Fürbittegebets. Michael Widmer kennt das tsc gut. Er gesteht: «Seit vielen Jahren begleitet mich der stille Traum, einmal am tsc Altes Testament unterrichten zu können.»

Dr. Michael Widmer unterrichtet ab dem Studienjahr 2022/23 Bibelwissenschaften am tsc.

Dr. Michael Widmer

«Seit vielen Jahren begleitet mich der stille Traum, einmal am tsc Altes Testament unterrichten zu können.»

Dr. Michael Widmer,
tsc-Dozent für Bibelwissenschaften

Kristina Imwalle – junge, kommunikativ starke, praktische Theologin

Mit der Berufung der 34-jährigen Kristina Imwalle investiert das Theologische Seminar St. Chrischona in die nächste Generation von Theologinnen und Theologen. Sie stammt aus Deutschland und promoviert neben ihrer künftigen Dozententätigkeit weiterhin als Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Praktischen Theologie zum Thema Bibliolog. 2018 hat sie ihr Studium zur Diplom-Theologin mit der Note sehr gut an der Universität Kiel abgeschlossen. Als ihr Herzensanliegen nennt Kristina Imwalle, «den Glauben so zu kommunizieren, dass er ankommt». Dies gelingt ihr beispielsweise in Radioandachten für den Norddeutschen Rundfunk. Mit der Kommunikativen Theologie des tsc kann sie sich gut identifizieren und freut sich darauf, sie gemeinsam mit den anderen Dozierenden weiterzuentwickeln.

Kristina Imwalle ist ab dem Studienjahr 2022/23 als tsc-Dozentin für Praktische Theologie tätig.

Kristina Imwalle

«Den Glauben so zu kommunizieren, dass er ankommt, ist mein Herzensanliegen.»

Kristina Imwalle,
tsc-Dozentin für Praktische Theologie

Paul Bruderer – pointierter Apologet und erfahrener Pastor

Der dritte neue tsc-Dozent ist Paul Bruderer (49). Er unterrichtet künftig Dogmatik neben seiner Haupttätigkeit als leitender Pastor der Chrischona Frauenfeld. Bekannt geworden ist Paul Bruderer in den letzten Jahren durch seinen Blog DanielOption.ch, auf dem er pointiert, tiefschürfend und häufig apologetisch zu Fragen der Ethik und Dogmatik Stellung bezieht. Er tut dies, weil er eine «Veränderung der theologischen Grosswetterlage» feststellt und die heutigen Christen in ihrem Glauben stärken will. «Den tsc-Studierenden möchte ich eine gesunde evangelikal-theologische Mitte verständlich vermitteln, die sich jenseits von weltfremdem Fundamentalismus und kompromittiertem Liberalismus positioniert», erklärt Paul Bruderer.

Die neuen ersetzen die abgehenden Dozierenden nicht eins zu eins. Die detaillierte Modulverteilung für das Studienjahr 2022/23 erfolgt bis zum Ende des Studienjahres 2021/22. Einzelne Module von abgehenden Dozierenden werden auch von bisherigen Dozierenden übernommen.

Paul Bruderer unterrichtet ab dem Studienjahr 2022/23 Dogmatik am tsc.

Paul Bruderer

«Den tsc-Studierenden möchte ich eine gesunde evangelikal-theologische Mitte verständlich vermitteln, die sich jenseits von weltfremdem Fundamentalismus und kompromittiertem Liberalismus positioniert»

Paul Bruderer,
tsc-Dozent für Dogmatik

Über das Theologische Seminar St. Chrischona:

  • Das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) ist eine nicht staatliche, evangelisch geprägte Ausbildungsinstitution, die vornehmlich durch Spenden und Studiengebühren getragen wird.
  • Das tsc legt besonderen Wert auf die Kommunikative Theologie und die tsc-Community. Auf dem Chrischona Berg werden seit 1840 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende für evangelische Gemeinden (Landes- und Freikirchen) beziehungsweise für interkulturelle, pädagogische und musikalische Aufgaben ausgebildet.
  • Die Bachelor-Studiengänge am tsc sind von der Middlesex University London validiert.
Dr. Jean-Georges Gantenbein unterrichtet Interkulturelle Theologie am tsc.

Jean-Georges Gantenbein und die Interkulturelle Theologie

tsc-Dozierende

«Ich will die Studierenden begeistern für das Reich Gottes!»

5 Fragen an Dr. Jean-Georges Gantenbein, tsc-Dozent für Interkulturelle Theologie

Dr. Jean-Georges Gantenbein unterrichtet Interkulturelle Theologie am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc). Der engagierte Dozent hat langjährige Erfahrung mit der Gemeindearbeit in Frankreich. Eines seiner Herzensthemen ist die Kontextualisierung des Evangeliums. Im Gespräch mit dem tsc verrät er mehr darüber und über seine Motivation für den Dienst als tsc-Dozent.

tsc: Jean-Georges, was ist dein Lieblingsort auf Chrischona?

Jean-Georges Gantenbein: Die Kirche, der Ursprungsort der Chrischona-Bewegung. Sie erinnert mich an den einfachen Start vor 181 Jahren. So ist es auch im Glaubensleben: Es beginnt mit fast nichts, aber dank Jesu Verheissung kann Grosses werden.

tsc: Was unterrichtest du in Interkultureller Theologie?

Jean-Georges Gantenbein: Früher hiess es Missionswissenschaft. Wie können wir Jesu Auftrag erfüllen, das Evangelium allen Völkern und Nationen weiterzugeben? Das Fach behandelt praktische, historische und kulturelle Aspekte. Für uns Europäer ist der kulturelle Aspekt gerade aktuell, denn «fremde Kulturen» kommen mehr und mehr zu uns – und wir müssen lernen, wie wir ihnen das Evangelium weitergeben können.

Dr. Jean-Georges Gantenbein unterrichtet Interkulturelle Theologie am tsc.
Dr. Jean-Georges Gantenbein unterrichtet Interkulturelle Theologie am tsc.

Traditionsabbruch des Christentums in Europa

tsc: Die Kontextualisierung des Evangeliums in Europa ist ein wichtiges Thema von dir. Deine Doktorarbeit handelt davon. Was ist damit gemeint?

Jean-Georges Gantenbein: Die Kontextualisierung ist eine Methode der Missionswissenschaft, bekannt seit den 1970ern. Angewandt wurde sie überall auf der Welt, nur nicht bei uns im Westen. Damals betraf Mission die Welt ausserhalb des christlichen Abendlandes. Das gilt heute nicht mehr. Wir müssen mit einem Traditionsabbruch des Christentums in Europa rechnen. Wir erleben tagtäglich, wie die jüdisch-christlichen Werte an Bedeutung verlieren. Es geht also darum, wie wir das Evangelium in einer postmodernen und nachchristlichen Zeit neu kommunizieren können. Denn viele Menschen um uns herum verstehen unsere Sprache und unsere christlichen Traditionen nicht mehr. Um diese Menschen heute mit dem Evangelium zu erreichen, brauchen wir auch eine neue Sprache und neue theologische Ressourcen, die wir natürlich in der Bibel suchen und finden.

Warum die Welt Jesus braucht

tsc: Wofür brennt dein Herz als Dozent am tsc?

Jean-Georges Gantenbein: Mir geht es immer auch darum, die Studentinnen und Studenten auf das vorzubereiten, was nach dem Studium kommt. Ich will sie begeistern für das Reich Gottes!

tsc: Wenn dir die Welt für ein paar Sekunden zuhören würde, was würdest du ihr sagen?

Jean-Georges Gantenbein: In der Welt hat es heute wenig Hoffnung für die Zukunft. Deshalb braucht die Welt das Alleinstellungsmerkmal des Christentums: die Hoffnung in Jesus Christus.

«Viele Menschen um uns herum verstehen unsere Sprache und unsere christlichen Traditionen nicht mehr. Um diese Menschen heute mit dem Evangelium zu erreichen, brauchen wir auch eine neue Sprache und neue theologische Ressourcen, die wir natürlich in der Bibel suchen und finden.»

Dr. Jean-Georges Gantenbein, tsc-Dozent für Interkulturelle Theologie

«Can the West Be Converted?» Dr. Gantenbeins Doktorarbeit ist 2021 auf Englisch erschienen.
«Can the West Be Converted?» Dr. Gantenbeins Doktorarbeit ist 2021 auf Englisch erschienen.
tsc-Dozierende: Personelle Veränderungen im Dozentenkollegium 2022 (1500x500px)

Personelle Veränderungen im tsc-Dozentenkollegium 2022

tsc-Dozierende

Grössere personelle Veränderungen im tsc-Dozentenkollegium 2022

Das Theologische Seminar St. Chrischona steht vor grösseren personellen Veränderungen im Dozentenkollegium. Im Sommer 2022 werden vier langjährige Dozierende ihren Dienst am tsc beenden: Dr. Horst und Irmgard Schaffenberger werden pensioniert, Dr. Stefan Felber und Dr. Andreas Loos wechseln die Stelle.

«Weiterziehen hinterlässt Lücken»

Dr. Benedikt Walker, der Rektor des tsc, dankt den vier Dozierenden für ihren langjährigen Dienst am tsc: «Irmgard, Horst, Stefan und Andreas haben unzählige Studentinnen und Studenten geprägt. Ihr Weiterziehen hinterlässt Lücken. Das tsc wünscht ihnen Gottes Segen für ihren nächsten Lebensabschnitt.»

Dr. Horst und Irmgard Schaffenberger sind seit fast 30 Jahren am tsc. Horst Schaffenberger war von 2006 bis 2016 Seminarleiter, davor und danach unterrichtete er Fächer der Praktischen Theologie. Er ist jetzt und auch weiter im Ruhestand tätig als 1. Vorsitzender des neuen Fördervereins für das tsc in Deutschland. Irmgard Schaffenberger engagiert sich seit vielen Jahren im Team des tsc-Jahreskurses. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jahreskurse unterrichtet sie in den Fächern Homiletik und Spiritualität. Sie ist auch gefragt als Mentorin und Praxisbegleiterin.

Dr. Andreas Loos wechselt zur reformierten Kirche

Eine neue Herausforderung wagt Dr. Andreas Loos, der seit 2002 Systematische Theologie am tsc unterrichtet. Dies tut er nur noch bis zum Ende des Studienjahres 2021/22. Ab 2022 wird er als Theologe in der evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz tätig sein. Seine künftige Tätigkeit umfasst die Entwicklung von Angeboten für die theologische Bildung für Erwachsene bei «Fokus Theologie» und das Bloggen und Podcasten zu Glaubensthemen bei RefLab. Vom tsc verabschiedet sich Andreas Loos so: «Nach zwanzig Jahren beglückender Arbeit fällt mir das nicht leicht. Das, was ich heute als Mensch und Theologe bin, wurde ich zu einem bedeutenden Teil durch das tsc und seine Menschen. Zugleich fühle ich mich gezogen in etwas Neues mit anderen Menschen und neuen Möglichkeiten.»

Dr. Stefan Felber leitet künftig den Gemeindehilfsbund

Schon länger klar ist der Stellenwechsel von Dr. Stefan Felber. Nach 22 Jahren als tsc-Dozent für Altes Testament wird er ab Sommer 2022 die Aufgabe als Leiter des Gemeindehilfsbundes in Deutschland übernehmen. Er folgt dort auf den jetzigen Leiter Pfr. Dr. Joachim Cochlovius, der in den Ruhestand tritt. Diese Entscheidung fiel bereits im Juni 2020.

Seit 2022 ist Dr. Horst Schaffenberger tsc-Dozent im Ruhestand. Er bleibt weiter tätig als 1. Vorsitzender des Fördervereins für das tsc und als Gastdozent für Predigtpraxis.
Seit 2022 ist Dr. Horst Schaffenberger tsc-Dozent im Ruhestand. Er bleibt weiter tätig als 1. Vorsitzender des Fördervereins für das tsc und als Gastdozent für Predigtpraxis.
Irmgard Schaffenberger, tsc-Dozentin im Ruhestand
Irmgard Schaffenberger unterrichtete bis 2022 als Dozentin im tsc-Jahreskurs.
Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) für Systematische Theologie.
Dr. Andreas Loos ist bis Sommer 2022 Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Systematische Theologie.
Pfr. Dr. Stefan Felber, tsc-Dozent für Altes Testament (Portraitfoto, 3zu4)
Pfr. Dr. Stefan Felber ist bis Sommer 2022 Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Altes Testament.

Über das Theologische Seminar St. Chrischona:

  • Das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) ist eine nicht staatliche, evangelisch geprägte Ausbildungsinstitution, die vornehmlich durch Spenden und Studiengebühren getragen wird.
  • Das tsc legt besonderen Wert auf die Kommunikative Theologie und die tsc-Community mit aktuell rund 130 Studierenden. Auf dem Chrischona Berg werden seit 1840 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende für evangelische Gemeinden (Landes- und Freikirchen) beziehungsweise für interkulturelle, pädagogische und musikalische Aufgaben ausgebildet.
  • Die Bachelor-Studiengänge am tsc sind von der Middlesex University London validiert.
Ethische Überlegungen zur Covid-19-Impfung (1500x500px)

Impfen oder nicht?

Ethische Überlegungen zu einer Corona-Impfung

Impfen oder nicht?

Autor: Dr. Dr. Beat Schweitzer

Die Impfungen gegen das Corona-Virus haben weltweit begonnen. Doch soll man sich eigentlich impfen lassen? Und ist das nicht gefährlich? Dr. Dr. Beat Schweitzer hat diese Fragen durchdacht. Der promovierte Molekularbiologe und Theologe ist Dozent für Ethik am Theologischen Seminar St. Chrischona. Er kommt nach einer Güterabwägung zum Schluss: Er lässt sich impfen.

Beat Schweitzer hat seine ethischen Überlegungen bewusst kurz gehalten und allgemein verständlich formuliert. Es handelt sich nicht um ein ethisches Gutachten, sondern um eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte und Argumente. Aufgrund dieser Konzeption beantwortet er auch nicht alle Fragen, die mit diesem Thema in Verbindung stehen. Die ethischen Überlegungen sollen eine erste Hilfestellung sein für eine eigenverantwortliche Entscheidung im Umgang mit der Corona-Impfung.

Erster Corona-Impfstoff ist zugelassen, was nun?

Seit beinahe einem Jahr hält uns das Corona-Virus auf Trab und fordert uns als Individuum und als Gesellschaft heraus. Der Wunsch nach einer Rückkehr zu normalen Verhältnissen wächst mit jedem Tag. Diese Hoffnung hat vor kurzem Nahrung erhalten. Mitte Dezember 2020 hat Swissmedic einen ersten Impfstoff gegen das Corona-Virus in der Schweiz zugelassen (siehe: www.swissmedic.ch) und weitere Impfstoffe befinden sich in Prüfung. Die Schweiz ist deshalb in einer komfortablen Lage, denn eine Impfung ist möglich. Damit stellt sich die Frage: «Impfen oder nicht?». Die verantwortlichen Behörden erhoffen sich von dieser Impfung einerseits einen Schutz des Individuums (insbesondere der Risikopersonen) und damit verbunden eine Entlastung der Gesundheitseinrichtungen. Andererseits soll eine Impfung dazu beitragen, dass das Virus weniger bis gar nicht mehr verbreitet wird (Unterbrechung der Infektionswege), was dem Schutz der gesamten Bevölkerung zu Gute käme.

Darf das Allgemeinwohl fordern, dass individuelle Rechte eingeschränkt werden?

Eine solche Impfung wäre eine präventive und keine therapeutische Massnahme. Denn ein gesunder Mensch lässt sich durch die Impfung einem gewissen Risiko aussetzen, um sich selbst und andere zu schützen. Ist dieses Risiko gerechtfertigt? Wir betreten hier ein Spannungsfeld zwischen Individual- und Sozialethik: Darf das Allgemeinwohl (z. B. Herdenimmunität, Gemeinschaftsschutz, Solidarität, Entlastung des Gesundheitswesens) fordern, dass individuelle Rechte (z. B. Recht auf Selbstbestimmung, Recht auf Unversehrtheit) eingeschränkt werden? Meines Erachtens hängt die Beantwortung dieser Frage von den Auswirkungen einer Impfung auf die geimpfte Person ab und ist eine Güterabwägung. Im Fall einer Impfung gegen Masern oder gegen Kinderlähmung fällt diese Abwägung heute klar zu Gunsten einer Impfung aus. Die beschriebenen Nebenwirkungen stehen statistisch in keinem Verhältnis zu den Folgen eines schweren Verlaufes von z. B. Masern (siehe: www.rki.de). Obwohl in der Schweiz rechtlich keine Impfpflicht besteht, fühlen wir uns im Fall von Masern dennoch moralisch verpflichtet, uns bzw. unsere Kinder dagegen impfen zu lassen.

Dr. Dr. Beat Schweitzer, Studiengangsleiter Bachelorstudiengang Kommunikative Theologie am tsc
Dr. Dr. Beat Schweitzer ist Studiengangsleiter Kommunikative Theologie und Dozent für Ethik am tsc.

Schwierige Güterabwägung wegen Unklarheiten

Bei der Corona-Impfung ist eine solche Güterabwägung schwieriger. Der aktuell zugelassene Impfstoff gehört zu der neuartigen mRNA-Impfstoffen. Langjährige Erfahrungswerte durch vergleichbare klinische Anwendungen beim Menschen liegen nicht vor. Positiv ins Gewicht fällt, dass ca. neun von zehn geimpften Personen vor den Folgen einer Erkrankung geschützt sind. Die Testprotokolle zeigen, dass typische Impfnebenwirkungen (z. B. Fieber, Kopfweh, Muskelschmerz) auftreten, aber wieder abklingen. Bei vereinzelten Testpersonen traten allergische Reaktionen oder eine vorübergehende Lähmung des Geschichtsnervs auf. (Quelle: https://www.fda.gov/media/144245/download, S. 38, Ob diese Nebenwirkungen mit der Impfung zusammenhängen, ist unklar).

Langzeitfolgen der Impfungen sind bisher nicht bekannt, was aufgrund der noch kurzen Testphase auch zu erwarten ist. Allerdings sind in vielen Ländern die Impfungen schon angelaufen und voll im Gange. In Deutschland ist das Paul-Ehrlich-Institut für die Überwachung der Sicherheit von Impfstoffen und Arzneimitteln zuständig. Dieses Institut sammelt und analysiert die zunehmende Datenmenge rund um die Corona-Impfung und gibt in regelmässigen Abständen Sicherheitsberichte heraus.

Verändert der Impfstoff meine DNA?

Bedenken an einer Corona-Impfung könnten auch am neuartigen mRNA-Impfstoff liegen. Im Unterschied zu bisherigen Impfstoffen wird hier das Immunsystem-aktivierende Antigen nicht in Form eines Proteinstückes, sondern als «Bauplan» in Form von mRNA zur Verfügung gestellt. Diese mRNA wird von körpereigenen Zellen aufgenommen und löst dann in diesen Zellen die Produktion des Antigens aus. Nach kurzer Zeit wird diese mRNA dann abgebaut. Manche befürchten, dass diese eingeschleuste mRNA die eigene DNA verändert. Dazu müsste jedoch die einzelsträngige mRNA zuerst in eine doppelsträngige DNA umgebaut werden. Dafür ist ein bestimmtes Enzym nötig (Reverse Transkriptase), das der Mensch jedoch nicht besitzt. Aus diesem Grund ist davon auszugehen, dass die eingeschleuste mRNA nicht in die eigene DNA eingebaut wird – was auch mit der von einer menschlichen Zelle ständig selbst-produzierten mRNA nicht geschieht.

«Manche befürchten, dass diese eingeschleuste mRNA die eigene DNA verändert. Dazu müsste jedoch die einzelsträngige mRNA zuerst in eine doppelsträngige DNA umgebaut werden. Dafür ist ein bestimmtes Enzym nötig (Reverse Transkriptase), das der Mensch jedoch nicht besitzt.»

Was ist mRNA?
Eine mRNA (englisch: messenger RNA), auch Boten-RNA genannt, ist eine einzelsträngige Ribonukleinsäure (RNA), die als Transkript eines zu einem Gen gehörenden Teilabschnitts der Desoxyribonukleinsäure (DNA) die genetische Information für den Aufbau eines Proteins in einer Zelle enthält. Mit einer mRNA wird also die Bauanleitung für ein bestimmtes Protein zellulär verfügbar.

Corona-Erkrankung kann lange nachwirken

Auf der anderen Seite der Güterabwägung sind die Auswirkungen einer Covid19-Erkrankung zu bedenken. Im schlimmsten Fall kann die Krankheit zum Tod führen. Wer die Krankheit übersteht, muss mit Nachwirkungen rechnen. Neben Müdigkeit und Geschmacksstörungen gibt es Berichte über Folgen wie z. B. Herzprobleme, Beeinträchtigungen der Lungenfunktion, Gehirnbeeinträchtigungen und ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen. (Quelle: Studie von Adam Hampshire et al.)  Wie lange solche Nachwirkungen anhalten und welche noch dazu kommen, wird die Zeit zeigen.

Die Waage neigt sich zu Gunsten der Impfung

Auf beiden Seiten der «Waage» liegen in dieser Güterabwägung offene Fragen, insbesondere nach den möglichen Langzeitfolgen einer Impfung oder einer Erkrankung. Vieles wissen wir aber bereits jetzt. Vergleicht man die bisher bekannten Nebenwirkungen und die bekannten Berichte zu möglichen Folgen einer Erkrankung, dann neigt sich die Waage zu Gunsten einer Impfung. Wenn dann noch mitbedacht wird, dass eine Impfung eine Entlastung des Gesundheitswesens bedeutet und im besten Fall auch andere Menschen vor einer Ansteckung schützt, dann ist das Urteil umso deutlicher. In der Summe empfiehlt sich deshalb meines Erachtens eine Impfung gegen das Corona-Virus.

«Vergleicht man die möglichen Nebenwirkungen und die möglichen Folgen einer Erkrankung, dann neigt sich die Waage deutlich zu Gunsten einer Impfung.»

Die ethischen Überlegungen von Dr. Dr. Beat Schweitzer und der Rat von christlichen Ärztinnen und Ärzten haben den Schweizer Freikirchenverband zu einer Impfempfehlung veranlasst. Mehr dazu auf: www.livenet.ch.

Susanne Hagen, Studiengangsleiterin Theologie & Musik am tsc (1500x500px)

Warum Susanne Hagen den Studiengang Theologie & Musik aufgebaut hat

Fünf Fragen an Susanne Hagen

«Musik spricht ins Herz der Menschen.»

Susanne Hagen hat den Bachelorstudiengang Theologie & Musik am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc) mitaufgebaut und leitet ihn seither. Im Gespräch erklärt sie, was sie dazu motiviert hat.

tsc: Liebe Susi, wofür schlägt dein Herz?

Susanne Hagen: Zuerst für Gott. Ich bin dankbar, dass er mir die Musik gegeben hat als eine besondere Gabe, die ihn ehrt und Menschen dienen kann. Ich bin dankbar, dass ich am tsc jungen Menschen helfen kann, ihre Gaben zu entdecken und einzusetzen. Es begeistert mich, wenn unsere Studierenden in ihrer Identität in Christus gefestigt werden. Es ist ein grosses Privileg, an diesem Prozess beteiligt sein zu dürfen. Wenn dabei auch noch gute neue Musik entsteht oder gute neue Musiker und Theologen hervorgehen, dann freut mich das ganz besonders.

In Qualität investieren in Theologie und Musik

tsc: Du hast den Studiengang Theologie & Musik aufgebaut. Warum ist diese Kombination heute wichtig?

Susanne Hagen: Weil Musik grosse Bedeutung hat. Sie spricht auf ihre Weise ins Herz der Menschen. Dabei geht es nicht nur um Lobpreis, sondern um Musik im Allgemeinen. Ich habe erlebt, dass sich Menschen öffneten für geistliche Wahrheiten, weil meine Musik sie berührt hat. Abgesehen davon ist Musik ein unverzichtbarer Teil im kirchlichen Leben. Es lohnt sich, in Professionalität und Qualität zu investieren in Theologie und Musik.

Susanne Hagen, Studiengangsleiterin Theologie & Musik am tsc (768x1024px)
Susanne Hagen leitet den Bachelorstudiengang Theologie & Musik am tsc.

Sehnsucht nach dem Schönen, Wahren und Guten

tsc: Du hast einmal gesagt, du beschenkst Menschen gerne mit Schönheit. Worin besteht dieses Geschenk?

Susanne Hagen: Menschen haben eine tiefe Sehnsucht nach dem Schönen, dem Wahren und dem Guten. Diese drei Dinge gehören zusammen und finden ihre Erfüllung in Gott selbst. Wo Gott sich offenbart, kommt etwas zum Vorschein, das mit Schönheit und Wahrheit zu tun hat. Das äussert sich in einer Begegnung oder Ermutigung, im Erleben von Kunst und Musik, in Worten oder in Bildern, im Betrachten der Natur, auch im Schmecken und Riechen. Ich liebe es, Menschen mit sinnlichen Erlebnissen zu beschenken, die etwas erahnen lassen von unserem Schöpfer. Am meisten passiert das in meinem Leben aber durch Musik und Kunst.

Musik kommuniziert

tsc: Wie zeigt sich die kommunikative Theologie im Studiengang Theologie & Musik?

Susanne Hagen: Musik ist eine Sprache, sogar mit eigener Schrift, die auf ihre Weise kommuniziert mit den Musizierenden, den Zuhörenden und im Lobpreis mit Gott selbst. Da wir es mit einer Generation zu tun haben, die Gott vor allem in und durch Lobpreis erlebt, halte ich diese Form der kommunikativen Theologie für sehr bereichernd.

tsc: Bei welcher Musik fühlst du dich Gott besonders nah?

Susanne Hagen: Johannes Brahms 2. Klavierkonzert und sein deutsches Requiem.

tsc-Community-Abend: Im Gespräch mit Dr. Debora Sommer

Wie Debora Sommer ihre Berufung als Theologin entdeckte

tsc-Communityabend am 5. März 2020

Wie Debora Sommer ihre Berufung als Theologin entdeckte

Einblicke in ihre Lebensgeschichte gab Dr. Debora Sommer der Studiengemeinschaft am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc). Bei einem Community-Abend am 5. März 2020 nahm die Leiterin Fernstudium Theologie am tsc die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine spannende Reise. Sie berichtete, wie sie ihre Berufung als Theologin entdeckte und begann, mutig zu leben.

Frau und Theologin

Von einer Kultur geformt, in der das Bild der Frau klar geprägt war, war es herausfordernd und auch mutig, einen Ruf von Gott zu folgen, der dieser Prägung zu widersprechen schien. Von klein auf hatte Debora den Wunsch, ihr Leben ganz Gott zu widmen. Sie begann ihr Theologiestudium an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule (STH) Basel mit dem Wissen, dass sie vermutlich selbst nie predigen würde. Nach einer Begegnung mit einer Mitstudentin, die eine Berufung als Pfarrerin in der Landeskirche hatte, begann sie sich mehr und mehr mit der Rolle der Frau aus theologischer Sicht auseinanderzusetzen. Diesem Thema widmete sie besondere Aufmerksamkeit in ihrer Doktorarbeit über Juliane von Krüdener: «Eine baltisch-adlige Missionarin bewegt Europa». Debora Sommer wurde bewusst, dass es manchmal erforderlich ist, mit der Bibel zu ringen statt mit Menschen. Es ist eine Kunst, theologische Spannungen respektvoll aushalten zu können und den Menschen in Liebe zu begegnen.

Ergänzung statt Konkurrenz

Deboras Sommers Bericht wurde durch Beiträge ihres Ehemanns Rolf ergänzt. Der Coach und Pastor ist Absolvent des Theologischen Seminars St. Chrischona. Es war eindrücklich zu erleben, wie sich die Ehepartner als Team ergänzen und unterstützen. So wurden Deboras Worte praktisch erlebbar: «Oft kämpft man nur ums Recht haben, statt um die Bereitschaft Rücksicht zu nehmen und Liebe reifen zu lassen». Dies birgt die Kraft, Unterschiedlichkeit zuzulassen, ihr zuzuhören und Spannungen auszuhalten. Es ist die Dialogfähigkeit, die es ermöglicht, die Sicht anderer zu hören, zu sehen und auch erstmal stehen lassen zu können. «Es geht darum, die innere Stärke bei Gott zu suchen, um kritikfähig zu bleiben und eigene Motive immer wieder zu überprüfen», erklärte Debora Sommer.
Rolf Sommer ermutigte die Studiengemeinschaft mit den Worten: «Habt Mut, Schritte zu wagen – auch, wenn es eventuell enttäuschend endet. Habt keine Angst Fehler zu machen, die gehören dazu und aus denen kann man lernen – habt Mut, mutig zu sein!» Schlussendlich geht es doch vielmehr um die Ergänzung und nicht etwa um Konkurrenz. Denn in der Vielfalt liegt die Einheit und dies bringt immer wieder Spannungen mit sich.

«Grosses Privileg, solche Dozentinnen am tsc zu haben»

Bei den Studierenden kam der Vortragsabend gut an. Zum Beispiel bei Ladina Wettstein, Studentin im Bachelor-Studiengang Theologie & Pädagogik. Sie sagte: «Ich erachte es als grosses Privileg, Dozentinnen und Dozenten wie Debora Sommer am tsc zu haben. Aus ihren Lebensgeschichten und Erfahrungen ergibt sich ein grosser Mehrwert für uns als Gemeinschaft auf St. Chrischona, von dem wir enorm viel profitieren können. Dies motiviert mich, solche Anlässe und Abende zu organisieren, koordinieren und durchzuführen.»

Dr. Debora Sommer ist E-Dozentin im Fernstudium Theologie des tsc.
Dr. Debora Sommer ist E-Dozentin im Fernstudium Theologie des tsc.
Claudius Buser, Stv. Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte

Claudius Buser und die «4M»

4 Fragen an Claudius Buser

«Man muss Menschen mögen.»

Hinter den «4M» verbirgt sich der Satz: «Man muss Menschen mögen». Claudius Buser, stellvertretender Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte, ist bekannt für diesen Ausspruch. Warum er ihn so schätzt, erklärt er im Gespräch. Ausserdem zeigt er auf, welchen Fussabdruck die theologische Ausbildung auf St. Chrischona in der Kirchengeschichte hinterlassen hat.

«Ich bin gerne mit Menschen unterwegs.»

tsc: Lieber Claudius, was sind deine Aufgaben als stellvertretender Rektor – was begeistert dich an deiner Tätigkeit?

Claudius Buser: Ich denke in vielen Bereichen des tsc mit, übernehme Aufgaben und vertrete den Rektor bei Veranstaltungen oder Diensten. Das ist interessant, herausfordernd und mit der Übernahme von Verantwortung verbunden. Ich bin gerne mit Menschen unterwegs. Das hilft mir und begeistert mich auch in diesem Bereich meiner Aufgaben. Dass wir als tsc nach 180 Jahren immer noch unterwegs sind und junge Menschen ausbilden dürfen, das ist doch unglaublich schön.

«Du bist Teil der Geschichte.»

tsc: Seit 2003 unterrichtest du Kirchengeschichte am tsc. Was lernen die Studierenden in deinem Unterricht?

Claudius Buser: «Du bist auch Teil der Geschichte. Denk nicht zu klein von deinem Platz darin, sondern lass Gottes Geist und Liebe Raum, sich in Dir und durch Dich zu entfalten.» Es ist unglaublich, was entsteht, wenn Gottes Liebe uns und unsere Geschichte durchdringt. Also setzen wir uns mit unserer eigenen Geschichte auseinander, und plötzlich werden wir Teil von etwas Grösserem, das 2000 Jahre zurückreicht. Wir erkennen dabei: Wir gehören dazu, das hat auch mit mir zu tun. Unsere Herkunft zu kennen hilft uns, die Gegenwart zu verstehen und für die Zukunft gewappnet zu sein.

Warum man Menschen mögen muss

tsc: «Man muss Menschen mögen» – von diesen «4M» erzählst du häufig in deinem Unterricht. Stimmt das?

Claudius Buser: Ja. Wir sollten im Reich Gottes ohne Liebe besser nichts anfassen, sonst machen wir die uns anvertrauten Menschen und die uns umgebende Schöpfung nur kaputt. Daher die «4M». Das geht aber nicht einfach so. Gott hat deshalb in unseren Alltag viele Übungsmöglichkeiten eingebaut. Eigentlich sollten wir bei so viel Training und einem so guten Coach alle schon Weltmeister in Sachen Liebe sein.

Claudius Buser über 180 Jahre tsc

tsc: Das tsc wird in diesem Jahr 180 Jahre – das ist jung angesichts 2000 Jahren Kirchengeschichte. Welchen Fussabdruck hat das tsc in der Kirchengeschichte hinterlassen?

Claudius Buser: Das tsc hat eigentlich keine Füsse, aber unsere Studierenden, unsere Mitarbeitenden und Dozierenden stehen mit beiden Beinen in dieser Welt. Und es ist atemberaubend, wo diese Füsse schon überall durchgezogen sind als Botschafter der Liebe Gottes in Verkündigung, Lehre und ganz praktischer, sozialer Arbeit. Wir finden Spuren bei uns in Europa und in der ganzen Welt: Über 13’000 Füsse (von mehr als 6500 Absolventinnen und Absolventen) waren und sind unterwegs auf unserem schönen Globus; zurzeit in mehr als 40 Ländern. Das ist doch wohl ein kräftiger Fussabdruck!

Claudius Buser, Stv. Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte
Claudius Buser ist stellvertretender Rektor und Dozent für Kirchengeschichte am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc).
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2020 feiert das Theologische Seminar St. Chrischona sein 180-jähriges Jubiläum.