Podiumsgespräch am Forum Kommunikative Theologie 2020 (1500x500px)

Wie Christen besser kommunizieren

Bericht

Erkenntnisse des Forums Kommunikative Theologie 2020

Kommunikative Theologie zu betreiben, hat sich das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) auf die Fahnen geschrieben. Konkret geschieht dies beim zweitägigen Forum Kommunikative Theologie. Mitte Januar 2020 fand es wieder auf dem Chrischona-Campus statt. Diesmal dachten rund 50 Teilnehmer über ein Schlüsselthema nach, um den christlichen Glauben zu verbreiten: die Kommunikation.

Wer sich wissenschaftlich mit Kommunikation beschäftigt, landet schnell bei Paul Watzlawicks: «Man kann nicht nicht kommunizieren.» Darin einig waren sich auch die Referenten des Forums Kommunikative Theologie: die Professoren Vinzenz Wyss (ZHAW) und Harald Seubert (STH Basel), die tsc-Dozierenden Rahel Bidlingmaier, Dr. Stefan Felber und Dr. Jean-Georges Gantenbein sowie die Sprachtherapeutin Damaris Tschirner.

Kommunikative Herausforderungen für Christen

Besonders Religionsgemeinschaften und Christen stehen in der heutigen Zeit vor zahlreichen Herausforderungen, wenn sie öffentlich kommunizieren wollen. Der Professor für Journalistik Vinzenz Wyss arbeitete dies anhand der Systemtheorie von Niklas Luhmann und von empirischen Untersuchungen heraus. So seien Religionsinhalte selten Hauptthema, wenn Medien über Religion berichten. BBesonders Freikirchen macht es zu schaffen, dass sie in der Öffentlichkeit als «eine andere Welt» wahrgenommen werden. Zudem gebe es einen «Negativismus-Frame», der Religionsgemeinschaften mit Gewalt, Kriminalität oder Terrorismus in Verbindung bringt.

Prof. Wyss: «Geschwätziger werden!»

Was also tun? Prof. Wyss gab den Tipp, als Religionsgemeinschaft selbst aktiv zu kommunizieren und den Medien Personen und Geschichten anzubieten. Chancenreich sei es, christliche Werte mit aktuellen Fragen zu koppeln. Zudem sei eine Sehnsucht nach Gemeinschaften spürbar. Dies seien jedoch «neue Gemeinschaften, die sich nur noch durch Kommunikation definieren», wie Prof. Wyss erklärte. Und weiter: «Religionsgemeinschaften müssen geschwätziger werden, aber ohne zu moralisieren. Dann besteht die Hoffnung, wieder mehr wahrgenommen zu werden.»

Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Wyss zeigte die Herausforderungen auf, die Christen bei ihrer Kommunikation in der Öffentlichkeit haben.
Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Wyss zeigte die Herausforderungen auf, die Christen bei ihrer Kommunikation in der Öffentlichkeit haben.

Prof. Seubert: «Auf der Schrift gegründet und gesprächsfähig sein!»

Einen philosophisch-theologischen Blick auf das Kommunizieren in der heutigen Zeit warf Prof. Seubert. Mit einer guten Portion Humor und einer grossen Übersicht auf die Philosophiegeschichte konnte er die Zuhörerinnen und Zuhörer fesseln. Prof. Seubert ordnete die neuen Kommunikationsmöglichkeiten des 21. Jahrhunderts als ähnliche Revolution wie den Buchdruck ein. «Kommunikation wird weltumspannend und allverfügbar. Zwischen menschlichen Beiträgern zu dieser Kommunikation und Bots ist nicht mehr ohne Weiteres zu unterscheiden», analysierte er. Kirche und Theologie müssten darauf Antworten finden, für die Prof. Seubert fünf Thesen vorstellte. Eine davon lautete: «Die grosse Aufgabe ist es, fest auf der Schrift gegründet zu bleiben – und zugleich gesprächsfähig zu sein.» Die Kommunikative Theologie schätzte er dabei als hilfreichen Denk-, Lese- und Überzeugungsweg ein.

Prof. Dr. Harald Seubert artikulierte 5 Thesen zu den Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren theologischen Kommunizierens heute.
Prof. Dr. Harald Seubert artikulierte 5 Thesen zu den Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren theologischen Kommunizierens heute.

«Sprache hat Macht!»

Am zweiten Tag des Forums Kommunikative Theologie spannten Dozierende des tsc den inhaltlichen Faden weiter. Sie referierten darüber, wie sich Kommunikation gestalten lässt. Zunächst führte Dr. Stefan Felber (tsc-Dozent für Altes Testament) die Macht der Sprache vor Augen. Anhand von Ausschnitten des Films «Tolkien» zeigte er: Sprache lockt durch Schönheit, hat konservierenden Charakter und ist das Lebenselixier eines Volkes. «Sprache hat Macht. Christen und Nichtchristen haben ein Interesse an einer guten Sprache, an einer funktionierenden Kommunikation. Theologie und Kirche haben die höchste Motivation, sich um gute Kommunikation und Sprache zu bemühen», sagte Stefan Felber.

«Ein Wunder, wenn Kommunikation als gelungen erfahren wird»

Sprache und Bibelübersetzung sind Forschungsthemen von Stefan Felber. 2018 hat er dazu das Buch herausgegeben «Zwischen Babel und Jerusalem – Aspekte von Sprache und Übersetzung». Eine seiner dort zu Papier gebrachten Thesen fasste er am Forum Kommunikative Theologie so zusammen: «Es ist wirklich Gnade und Vorrecht, dass wir kommunizieren dürfen – ja es ist nach Babel immer ein Wunder, wenn Kommunkation als gelungen erfahren wird. Und der Pfingstbericht in Apg 2 zeigt: Am ehesten werden Menschen dort eins, wo sie sich unter die Grosstaten Gottes stellen und diese in ihren jeweiligen Sprachen vergegenwärtigen.»

Die Macht der Sprache führte Dr. Stefan Felber (Dozent am tsc für Altes Testament) vor Augen.
Die Macht der Sprache führte Dr. Stefan Felber (Dozent am tsc für Altes Testament) vor Augen.

Zu Augen Gottes werden

Kunsthistorisch interessant wurde es beim Vortrag von Dr. Jean-Georges Gantenbein (tsc-Dozent für Interkulturelle Theologie). Er erzählte den Krimi der Wiederentdeckung der «Kreuzigung» des Renaissance-Malers Agnolo Bronzini. Massgeblichen Anteil daran hatten zwei italienische Kunstexperten, sogenannte «Augen», die Kunstwerke überprüfen. Seine These: Auch Mitarbeitende im Reich Gottes sollten sich zu Augen seiner Herrschaft entwickeln.

Methoden mutig ausprobieren

Zum Schluss wurde es mit Rahel Bidlingmaier praktisch-methodisch. Die Studiengangsleiterin der Theologie & Pädagogik machte Mut, sich auf neue Methoden einzulassen. Methoden seien viel mehr als eine nette Spielerei. Es gelte jedoch, Dinge auszuprobieren und Methoden nicht vorschnell zu verdammen. «Methoden müssen erlernt und eingeübt werden – sowohl vom Sender als auch vom Empfänger», lehrte Rahel Bidlingmaier.

Viel Stoff zum Weiterdenken

Die Zuhörerinnen und Zuhörer des Forums Kommunikative Theologie setzten sich zusammen aus tsc-Dozierenden, Vertreterinnen und Vertretern von tsc-Netzwerkpartnern und interessierten Gästen. Ihnen allen hat das Forum viel Stoff zum Nach- und Weiterdenken gegeben. Es motivierte auch für konkrete nächste Schritte. Thomas Eberhardt, Pastor der Chrischona-Gemeinde Thun, will beim Thema Vergebung ansetzen: «Kirche kann beim Thema Vergebung punkten. Das müssen wir rüberbringen». Und sein Kollege Elias Vogel aus der Chrischona-Gemeinde Steckborn will Gemeindemitgliedern den Tipp geben, Werte zu benennen – ohne zu moralisieren. So kann Kommunikative Theologie in der Praxis aussehen.

Dr. Jean-Georges Gantenbein ist Dozent für Interkulturelle Theologie am tsc. Die These seines Vortrags: Christen sollten sich zu «Augen» Gottes entwickeln.
Dr. Jean-Georges Gantenbein ist Dozent für Interkulturelle Theologie am tsc. Die These seines Vortrags: Christen sollten sich zu «Augen» Gottes entwickeln.
Methoden nicht verdammen, sondern mutig ausprobieren, forderte Rahel Bidlingmaier (Studiengangsleiterin Theologie & Pädagogik am tsc).
Methoden nicht verdammen, sondern mutig ausprobieren, forderte Rahel Bidlingmaier (Studiengangsleiterin Theologie & Pädagogik am tsc).

Forum 2021

Das nächste Forum Kommunikative Theologie findet am 21. und 22. Januar 2021 auf dem Chrischona-Campus statt.

Communicatio-Magazin

Die Beiträge des Forums Kommunikative Theologie werden im Communicatio-Magazin verarbeitet. Sie können es kostenlos abonnieren.