Ethische Überlegungen zur Covid-19-Impfung (1500x500px)

Impfen oder nicht?

Ethische Überlegungen zu einer Corona-Impfung

Impfen oder nicht?

Autor: Dr. Dr. Beat Schweitzer

Die Impfungen gegen das Corona-Virus haben weltweit begonnen. Doch soll man sich eigentlich impfen lassen? Und ist das nicht gefährlich? Dr. Dr. Beat Schweitzer hat diese Fragen durchdacht. Der promovierte Molekularbiologe und Theologe ist Dozent für Ethik am Theologischen Seminar St. Chrischona. Er kommt nach einer Güterabwägung zum Schluss: Er lässt sich impfen.

Beat Schweitzer hat seine ethischen Überlegungen bewusst kurz gehalten und allgemein verständlich formuliert. Es handelt sich nicht um ein ethisches Gutachten, sondern um eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte und Argumente. Aufgrund dieser Konzeption beantwortet er auch nicht alle Fragen, die mit diesem Thema in Verbindung stehen. Die ethischen Überlegungen sollen eine erste Hilfestellung sein für eine eigenverantwortliche Entscheidung im Umgang mit der Corona-Impfung.

Erster Corona-Impfstoff ist zugelassen, was nun?

Seit beinahe einem Jahr hält uns das Corona-Virus auf Trab und fordert uns als Individuum und als Gesellschaft heraus. Der Wunsch nach einer Rückkehr zu normalen Verhältnissen wächst mit jedem Tag. Diese Hoffnung hat vor kurzem Nahrung erhalten. Mitte Dezember 2020 hat Swissmedic einen ersten Impfstoff gegen das Corona-Virus in der Schweiz zugelassen (siehe: www.swissmedic.ch) und weitere Impfstoffe befinden sich in Prüfung. Die Schweiz ist deshalb in einer komfortablen Lage, denn eine Impfung ist möglich. Damit stellt sich die Frage: «Impfen oder nicht?». Die verantwortlichen Behörden erhoffen sich von dieser Impfung einerseits einen Schutz des Individuums (insbesondere der Risikopersonen) und damit verbunden eine Entlastung der Gesundheitseinrichtungen. Andererseits soll eine Impfung dazu beitragen, dass das Virus weniger bis gar nicht mehr verbreitet wird (Unterbrechung der Infektionswege), was dem Schutz der gesamten Bevölkerung zu Gute käme.

Darf das Allgemeinwohl fordern, dass individuelle Rechte eingeschränkt werden?

Eine solche Impfung wäre eine präventive und keine therapeutische Massnahme. Denn ein gesunder Mensch lässt sich durch die Impfung einem gewissen Risiko aussetzen, um sich selbst und andere zu schützen. Ist dieses Risiko gerechtfertigt? Wir betreten hier ein Spannungsfeld zwischen Individual- und Sozialethik: Darf das Allgemeinwohl (z. B. Herdenimmunität, Gemeinschaftsschutz, Solidarität, Entlastung des Gesundheitswesens) fordern, dass individuelle Rechte (z. B. Recht auf Selbstbestimmung, Recht auf Unversehrtheit) eingeschränkt werden? Meines Erachtens hängt die Beantwortung dieser Frage von den Auswirkungen einer Impfung auf die geimpfte Person ab und ist eine Güterabwägung. Im Fall einer Impfung gegen Masern oder gegen Kinderlähmung fällt diese Abwägung heute klar zu Gunsten einer Impfung aus. Die beschriebenen Nebenwirkungen stehen statistisch in keinem Verhältnis zu den Folgen eines schweren Verlaufes von z. B. Masern (siehe: www.rki.de). Obwohl in der Schweiz rechtlich keine Impfpflicht besteht, fühlen wir uns im Fall von Masern dennoch moralisch verpflichtet, uns bzw. unsere Kinder dagegen impfen zu lassen.

Dr. Dr. Beat Schweitzer, Studiengangsleiter Bachelorstudiengang Kommunikative Theologie am tsc
Dr. Dr. Beat Schweitzer ist Studiengangsleiter Kommunikative Theologie und Dozent für Ethik am tsc.

Schwierige Güterabwägung wegen Unklarheiten

Bei der Corona-Impfung ist eine solche Güterabwägung schwieriger. Der aktuell zugelassene Impfstoff gehört zu der neuartigen mRNA-Impfstoffen. Langjährige Erfahrungswerte durch vergleichbare klinische Anwendungen beim Menschen liegen nicht vor. Positiv ins Gewicht fällt, dass ca. neun von zehn geimpften Personen vor den Folgen einer Erkrankung geschützt sind. Die Testprotokolle zeigen, dass typische Impfnebenwirkungen (z. B. Fieber, Kopfweh, Muskelschmerz) auftreten, aber wieder abklingen. Bei vereinzelten Testpersonen traten allergische Reaktionen oder eine vorübergehende Lähmung des Geschichtsnervs auf. (Quelle: https://www.fda.gov/media/144245/download, S. 38, Ob diese Nebenwirkungen mit der Impfung zusammenhängen, ist unklar).

Langzeitfolgen der Impfungen sind bisher nicht bekannt, was aufgrund der noch kurzen Testphase auch zu erwarten ist. Allerdings sind in vielen Ländern die Impfungen schon angelaufen und voll im Gange. In Deutschland ist das Paul-Ehrlich-Institut für die Überwachung der Sicherheit von Impfstoffen und Arzneimitteln zuständig. Dieses Institut sammelt und analysiert die zunehmende Datenmenge rund um die Corona-Impfung und gibt in regelmässigen Abständen Sicherheitsberichte heraus.

Verändert der Impfstoff meine DNA?

Bedenken an einer Corona-Impfung könnten auch am neuartigen mRNA-Impfstoff liegen. Im Unterschied zu bisherigen Impfstoffen wird hier das Immunsystem-aktivierende Antigen nicht in Form eines Proteinstückes, sondern als «Bauplan» in Form von mRNA zur Verfügung gestellt. Diese mRNA wird von körpereigenen Zellen aufgenommen und löst dann in diesen Zellen die Produktion des Antigens aus. Nach kurzer Zeit wird diese mRNA dann abgebaut. Manche befürchten, dass diese eingeschleuste mRNA die eigene DNA verändert. Dazu müsste jedoch die einzelsträngige mRNA zuerst in eine doppelsträngige DNA umgebaut werden. Dafür ist ein bestimmtes Enzym nötig (Reverse Transkriptase), das der Mensch jedoch nicht besitzt. Aus diesem Grund ist davon auszugehen, dass die eingeschleuste mRNA nicht in die eigene DNA eingebaut wird – was auch mit der von einer menschlichen Zelle ständig selbst-produzierten mRNA nicht geschieht.

«Manche befürchten, dass diese eingeschleuste mRNA die eigene DNA verändert. Dazu müsste jedoch die einzelsträngige mRNA zuerst in eine doppelsträngige DNA umgebaut werden. Dafür ist ein bestimmtes Enzym nötig (Reverse Transkriptase), das der Mensch jedoch nicht besitzt.»

Was ist mRNA?
Eine mRNA (englisch: messenger RNA), auch Boten-RNA genannt, ist eine einzelsträngige Ribonukleinsäure (RNA), die als Transkript eines zu einem Gen gehörenden Teilabschnitts der Desoxyribonukleinsäure (DNA) die genetische Information für den Aufbau eines Proteins in einer Zelle enthält. Mit einer mRNA wird also die Bauanleitung für ein bestimmtes Protein zellulär verfügbar.

Corona-Erkrankung kann lange nachwirken

Auf der anderen Seite der Güterabwägung sind die Auswirkungen einer Covid19-Erkrankung zu bedenken. Im schlimmsten Fall kann die Krankheit zum Tod führen. Wer die Krankheit übersteht, muss mit Nachwirkungen rechnen. Neben Müdigkeit und Geschmacksstörungen gibt es Berichte über Folgen wie z. B. Herzprobleme, Beeinträchtigungen der Lungenfunktion, Gehirnbeeinträchtigungen und ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen. (Quelle: Studie von Adam Hampshire et al.)  Wie lange solche Nachwirkungen anhalten und welche noch dazu kommen, wird die Zeit zeigen.

Die Waage neigt sich zu Gunsten der Impfung

Auf beiden Seiten der «Waage» liegen in dieser Güterabwägung offene Fragen, insbesondere nach den möglichen Langzeitfolgen einer Impfung oder einer Erkrankung. Vieles wissen wir aber bereits jetzt. Vergleicht man die möglichen Nebenwirkungen und die möglichen Folgen einer Erkrankung, dann neigt sich die Waage deutlich zu Gunsten einer Impfung. Wenn dann noch mitbedacht wird, dass eine Impfung eine Entlastung des Gesundheitswesens bedeutet und im besten Fall auch andere Menschen vor einer Ansteckung schützt, dann ist das Urteil umso deutlicher. In der Summe empfiehlt sich deshalb meines Erachtens eine Impfung gegen das Corona-Virus.

«Vergleicht man die möglichen Nebenwirkungen und die möglichen Folgen einer Erkrankung, dann neigt sich die Waage deutlich zu Gunsten einer Impfung.»

Die ethischen Überlegungen von Dr. Dr. Beat Schweitzer und der Rat von christlichen Ärztinnen und Ärzten haben den Schweizer Freikirchenverband zu einer Impfempfehlung veranlasst. Mehr dazu auf: www.livenet.ch.

Leitsätze Kommunikative Theologie: Teil 4 (1500x500px)

Wir lesen und studieren die Bibel als Gottes Kommunikationsbuch.

Leitsatz 4 zur Kommunikativen Theologie

4. Wir lesen und studieren die Bibel als Gottes Kommunikationsbuch, suchen die biblische Wahrheit und gewinnen so Überzeugungen.

Autoren: Dr. Stefan Felber, Dr. Daniel Gleich

Der Leitsatz kurz erklärt

Wir lesen und studieren die Bibel als Gottes Kommunikationsbuch, suchen die biblische Wahrheit und gewinnen so Überzeugungen. Die Bibel mutet eine Wahrheit zu, die ausserhalb des Menschen liegt, die nicht immer unmittelbar einleuchtet. Deshalb studieren wir die biblischen Bücher, ringen um das richtige Verständnis. Weil es Gott selbst ist, der durch die Bibel mit uns kommuniziert, lesen und studieren wir die Bibel als das wirksame Wort Gottes. In ihr finden wir das Leben, ja Gott selbst. Darum lohnt es sich so sehr, die Bibel anhaltend zu lesen, und darum lässt Kommunikative Theologie Menschen nicht unverändert zurück.

Video zum Leitsatz

Ausgewiesene Bibelliebhaber sind sowohl Dr. Stefan Felber als auch Dr. Daniel Gleich. Beide sind Dozenten für Bibelwissenschaften am Theologischen Seminar St. Chrischona. Im Video zum 4. Leitsatz der Kommunikativen Theologie erklären sie, welche Auswirkung unsere Haltung zur Bibel auf das Verständnis ihrer Botschaft haben kann. In kurzen Anekdoten geben sie Einblick in ihr persönliches Verhältnis zur Bibel, die sie als Gottes Kommunikationsbuch an uns Menschen sehen und in der es deshalb sehr viel zu entdecken gibt.

Warum es so wichtig ist, die Bibel zu lesen

Wir lesen die Bibel allein und miteinander. Wir leben lesend mit und aus ihr, deuten das Leben durch sie und werden zugleich von ihr gedeutet. Denn das Lesen und Hören der Schrift ist nach Jesus die Grundlage für alles Reden über Gottes Absichten mit den Menschen. Wie bereits im jüdischen Synagogengottesdienst so gehörte das Vorlesen aus den Schriften auch in den urchristlichen Versammlungen zu den wesentlichen Bestandteilen. Auch Paulus ermutigte seinen Mitarbeiter Timotheus, nicht damit aufzuhören, aus den Schriften vorzulesen, zu ermahnen und zu lehren.

Wie verstehen wir die Bibel richtig?

Beim Hören und Lesen der Bibel geht es uns immer wieder wie dem Kämmerer aus Äthiopien, der auf die Frage, ob er verstehe, was er liest, antworten muss: «Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet?» (Apostelgeschichte 8,31a) Der zeitliche und kulturelle Abstand zwischen den biblischen Schriften und uns heutigen Lesern erschwert das Verstehen noch mehr. Deshalb studieren wir die biblischen Bücher mit ihrer jeweiligen Geschichte, Kultur und Sprache. Dabei ringen wir um das richtige Verständnis der Texte zusammen mit den Auslegern in Gemeinde und Wissenschaft aus früherer und neuerer Zeit.

Weil es Gott selbst ist, der durch die Bibel mit uns kommuniziert, lesen und studieren wir die Bibel allerdings nicht so wie andere literarische Werke. Wir lesen sie als das wirksame Wort Gottes, als ein Geschenk von ihm, an dem wir uns freuen.

Wir lesen die Bibel als wirksames Wort Gottes

Weil es Gott selbst ist, der durch die Bibel mit uns kommuniziert, lesen und studieren wir die Bibel allerdings nicht so wie andere literarische Werke. Wir lesen sie als das wirksame Wort Gottes, als ein Geschenk von ihm, an dem wir uns freuen. Es ist der Heilige Geist selbst, durch den wir die Schrift so empfangen und bewahren können. Zugleich lesen wir die Bibel durch den Heiligen Geist auch als Gottes Anrede an uns, die immer wieder nach unserer Antwort fragt. So führt Gott mit uns durch die Bibel einen lebenslangen Dialog.

Kommunikative Theologie lässt Menschen nicht unverändert zurück

Zugleich mutet uns die Bibel eine Wahrheit zu, die ausserhalb des Menschen liegt, die inakzeptabel erscheinen kann oder nicht immer unmittelbar einleuchtet. So begibt sie sich je neu mit den Menschen auf einen Suchweg. Die Gewissheit, dass Jesus Christus durch die ganze Schrift zu uns spricht, lässt uns zuversichtlich nach weiterer, tieferer Erkenntnis, nach erneuerter Liebe und Hoffnung streben. Jesus hat verbürgt: Seine Worte sind Geist und Leben. Im Wort Gottes finden wir das Leben, ja Gott selbst. Als « Schwert des Geistes» ist das biblische Wort so stark, dass es sogar den Teufel abwehren kann. Darum lohnt es sich so sehr, ja für die Ewigkeit, die Bibel anhaltend zu lesen, und darum lässt Kommunikative Theologie Menschen nicht unverändert zurück.

Keine Rechthaberei, keine distanzierte Skepsis!

Auf diese Weise wollen wir eine unreflektierte Rechthaberei, die den Unterschied von Bibel und eigener Auslegung nicht erkennt, ebenso vermeiden wie eine distanzierte Skepsis gegenüber biblischen Wahrheitsansprüchen. Nicht so, dass es keine Haltung des Suchens mehr gäbe, doch so, dass unsere Suche ein klares Fundament und ein heiliges Ziel erhält: die Begegnung mit dem dreieinigen Gott.

Die Erklärungen zu den Leitsätzen 5 und 6 der Kommunikativen Theologie veröffentlicht das Theologische Seminar St. Chrischona voraussichtlich im Frühjahr 2021 als eigene Blogartikel mit Video.

Die 7 Leitsätze der Kommunikativen Theologie

  1. Wir sind so frei und reden über das Evangelium von Jesus Christus.
  2. Wir nehmen Kirche und Gesellschaft so, wie sie heute sind, und beteiligen uns am Gespräch über Gott und das Leben.
  3. Wir sind in Verbindung mit Vater, Sohn und Heiligem Geist und tun, was Gott schon immer tut: kommunizieren.
  4. Wir lesen und studieren die Bibel als Gottes Kommunikationsbuch, suchen die biblische Wahrheit und gewinnen so Überzeugungen.
  5. Wir hören zu und lehren und lernen miteinander.
  6. Wir setzen auf Gottes Wirken und tun alles, was wir können. Wir tun alles, was wir können und setzen auf Gottes Wirken.
  7. Wir kommen in der Theologie weiter – zusammen mit dir.
Pfr. Dr. Stefan Felber, tsc-Dozent für Altes Testament (Portraitfoto, 3zu4)
Pfr. Dr. Stefan Felber ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Altes Testament.
Dr. Daniel Gleich ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Neues Testament.
Dr. Daniel Gleich ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Neues Testament.

Was ist Kommunikative Theologie?

Kommunikative Theologie bildet die Grundlage aller Studiengänge am tsc – nicht nur des gleichnamigen theologischen Bachelor-Studiengangs. Kurz auf den Punkt gebracht funktioniert sie so: Wir hören zu. Wir lernen von- und miteinander. Wir wollen verstehen und verstanden werden. Wir sind so frei und reden von Jesus Christus. Wir leben unsere Beziehung zu Gott.

Leitsätze Kommunikative Theologie: Teil 3 (1500x500px)

Wir tun, was Gott schon immer tut: kommunizieren.

Leitsatz 3 zur Kommunikativen Theologie

3. Wir sind in Verbindung mit Vater, Sohn und Heiligem Geist und tun, was Gott schon immer tut: kommunizieren.

Autoren: Stephanie Korinek, Dr. Andreas Loos

Der Leitsatz kurz erklärt

Wir sind in Verbindung mit Vater, Sohn und Heiligem Geist und tun, was Gott schon immer tut: kommunizieren. Menschliche Kommunikation ist möglich, weil Gott uns seine Liebe mitteilt. Er redet uns liebevoll an und sehnt sich nach unserer Antwort. Christen geben die Liebe Gottes weiter. Kommunikative Theologie fördert eine ganzheitliche und kreative Kommunikation, indem sie erstens selbst aus dem Gespräch mit Gott lebt. Zweitens den Gläubigen verstehen hilft, was sie glauben. Und drittens der Kirche Lust macht, den Glauben zu kommunizieren.

Video zum Leitsatz

Stephanie Korinek und Dr. Andreas Loos erklären im Gespräch mit Desirée Kratzat, warum Kommunikation und Liebe untrennbar zusammengehören. Und wie Kommunikation auf Augenhöhe mit den Menschen unserer Zeit gelingen kann. Es entspannt sich ein spannendes Gespräch, das in die Tiefe geht.

Begründung und Definition von Kommunikation

Menschliche Kommunikation ist möglich, weil Gott kommuniziert. Kommunizieren ist dabei viel mehr als informieren. Kommunizieren heisst: sich verständigen, miteinander sprechen, in Verbindung stehen, zusammenhängen, sich mitteilen, das Leben miteinander teilen, sich gegenseitig beschenken.
Als Vater, Sohn und Heiliger Geist ist Gott eine ewige Gemeinschaft der Liebe (Trinität). Die drei Personen schenken einander alles, was sie sind und haben: Leben, Ehre, Herrlichkeit, Heiligkeit, Schönheit, Vollkommenheit. Gott hat sich entschieden, diese Fülle des Lebens nicht für sich zu behalten.

Wir sind berufen, die Liebe Gottes zu kommunizieren

Christen sind berufen, die Liebe Gottes zu kommunizieren – in Wort und Tat, mit ihrem ganzen Leben. Sie gönnen anderen Menschen das, was Gott ihnen selbst gönnt: Liebe, Leben, Heil, Glück, Freiheit, Würde, Wahrheit.
Daraus lässt sich erklären, was Kommunikative Theologie will: Sie folgt dem Doppelgebot der Liebe – Gott lieben und den Nächsten. Das heisst konkret:

  1. Aus dem Gespräch mit Gott leben. Dazu gehören Dank, Bitte, Fürbitte, Klage und schliesslich der anbetende Lobpreis. Wer über Gott reden will, muss zugleich mit ihm reden. Von Gott hören wir die entscheidenden Worte, die wir uns selbst nicht sagen können.
  2. Denk- und sprachfähig machen, damit die Gläubigen wieder neu verstehen und erklären können, wem sie, was sie und warum sie glauben.
  3. Der Kirche und den Gemeinden Lust machen, zu kommunizieren. Und zwar mit dem drei-einen Gott und miteinander. Aber dann auch mit den Menschen unserer Zeit: ins Gespräch kommen, hinhören, Interesse zeigen, Leben teilen, sich was sagen lassen. So entdeckt die Gemeinde, was sie zutiefst ist: Co-Kommunikatorin der Liebe Gottes.

Wir sind in Verbindung mit Vater, Sohn und Heiligem Geist

All das hat seinen Ursprung darin, dass Gott uns Menschen in seine Kommunikation einbeziehen will. Darum erschuf er die Welt. Denn Gott ist ein ewiges Gespräch zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist (Joh 1,1-4). Und er will diese Kommunikation auch mit uns erleben. Durch sein Wort – den Sohn – spricht er uns ins Leben, durch seinen ewigen Geist haucht er uns Leben ein. Damit hat Gott uns in sein Gespräch verwickelt. In Liebe redet er uns an und will, dass wir ihm eine Liebesantwort geben.

Jesus Christus lebt für uns die Antwort der Liebe

Aber der Mensch verweigert Gott die Antwort. Stattdessen scheint ihm jedes Mittel recht, auf Gott einzureden und einzuwirken. Auf diesen Kommunikationsbruch antwortet Gott mit Hingabe. Er wird einer von uns, voll und ganz Mensch. Jesus Christus lebt die Antwort der Liebe, die der Mensch Gott nicht geben kann. Bis in den Tod hinein lässt er das Gespräch mit dem Vater nicht abreissen. Er erleidet für uns das Schweigen des Vaters am eigenen Leib: Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ein unfassbarer Unterbruch der trinitarischen Kommunikation. Bis der Vater den Sohn in der Kraft des Heiligen Geistes von den Toten auferweckt und bestätigt: Jesus Christus ist die menschgewordene Kommunikation Gottes.

Was der Heilige Geist tut

Ganz eng verbindet sich Gott mit uns Menschen durch den Heiligen Geist. Er macht die direkte Kommunikation zwischen Gott und Mensch möglich – jederzeit, überall, ohne Umwege. Als Geist spricht Gott in uns und bringt uns bei, wie man mit Gott spricht. Christen beten im Geist und durch den Sohn zum Vater im Himmel.

So sind wir also in Verbindung mit Vater, Sohn und Heiligem Geist und tun, was Gott schon immer tut: kommunizieren.

Die Erklärungen zu den weiteren Leitsätzen der Kommunikativen Theologie wird das Theologische Seminar St. Chrischona in monatlichem Rhythmus in eigenen Blogbeiträgen veröffentlichen.

Die 7 Leitsätze der Kommunikativen Theologie

  1. Wir sind so frei und reden über das Evangelium von Jesus Christus.
  2. Wir nehmen Kirche und Gesellschaft so, wie sie heute sind, und beteiligen uns am Gespräch über Gott und das Leben.
  3. Wir sind in Verbindung mit Vater, Sohn und Heiligem Geist und tun, was Gott schon immer tut: kommunizieren.
  4. Wir lesen und studieren die Bibel als Gottes Kommunikationsbuch, suchen die biblische Wahrheit und gewinnen so Überzeugungen.
  5. Wir hören zu und lehren und lernen miteinander.
  6. Wir setzen auf Gottes Wirken und tun alles, was wir können. Wir tun alles, was wir können und setzen auf Gottes Wirken.
  7. Wir kommen in der Theologie weiter – zusammen mit dir.
Stephanie Korinek
Stephanie Korinek unterrichtet unter anderem Griechisch am tsc.
Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) für Systematische Theologie.
Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Systematische Theologie.

Was ist Kommunikative Theologie?

Kommunikative Theologie bildet die Grundlage aller Studiengänge am tsc – nicht nur des gleichnamigen theologischen Bachelor-Studiengangs. Kurz auf den Punkt gebracht funktioniert sie so: Wir hören zu. Wir lernen von- und miteinander. Wir wollen verstehen und verstanden werden. Wir sind so frei und reden von Jesus Christus. Wir leben unsere Beziehung zu Gott.

Leitsätze Kommunikative Theologie: Teil 2 (1500x500px)

Kommunikative Theologie mischt sich ein.

Leitsatz 2 zur Kommunikativen Theologie

2. Wir nehmen Kirche und Gesellschaft so, wie sie heute sind, und beteiligen uns am Gespräch über Gott und das Leben.

Autoren: Susanne Hagen, Dr. Horst Schaffenberger, Dr. Manuel Schmid

Der Leitsatz kurz erklärt

Wir nehmen Kirche und Gesellschaft so, wie sie heute sind, und beteiligen uns am Gespräch über Gott und das Leben. Denn als Christen wollen wir unser Leben mit unseren Mitmenschen teilen, ihnen freundschaftlich und auf Augenhöhe begegnen. Wie es das Evangelium uns lehrt. Eine Kommunikative Theologie will Antworten des Glaubens formulieren, die Menschen in der Bewältigung ihrer Lebensfragen und Zweifel weiterhelfen. Will sich einmischen ins Gespräch über «das gute Leben» – und dabei die christliche Hoffnung zur Sprache bringen, die weit über dieses Leben hinausgeht.

Video zum Leitsatz

Kirche und Gesellschaft objektiv wahrzunehmen, ist gar nicht so einfach. Das erläutert Dr. Horst Schaffenberger, der Co-Autor des 2. Leitsatzes, im Videointerview mit tsc-Absolventin Desirée Kratzat. Ausserdem sprechen sie über die Zukunft der Predigt und Antworten auf die Coronakrise.

Menschen auf Augenhöhe begegnen

Als Christen wollen wir unser Leben mit unseren Mitmenschen teilen und begegnen ihnen freundschaftlich und auf Augenhöhe. Wie es das Evangelium uns lehrt. Diese Grundhaltung will die Kommunikative Theologie vermitteln. Auf Augenhöhe heisst: Wir sind durch Jesus Christus von der Welt befreite und in die Welt gesandte Menschen, die mit dem Gegenüber um die Wahrheit ringen.

Kommunikative Theologie möchte Antworten des Glaubens formulieren, die Menschen in der Bewältigung ihrer Lebensfragen und Zweifel weiterhelfen.

Antworten des Glaubens auf Lebensfragen

Als verantwortliche Zeitgenossen leben wir christliche Werte in dieser Gesellschaft und sind bereit, jedem von der Hoffnung zu erzählen, die in uns ist (vgl. 1. Petrus 3,15). Ebenso leiden wir mit an lebensfeindlichen und menschenverachtenden Entwicklungen unserer Zeit, die unsere Kultur und Natur bedrohen und das Miteinander und die Freiheit zerstören.
Kommunikative Theologie möchte Antworten des Glaubens formulieren, die Menschen in der Bewältigung ihrer Lebensfragen und Zweifel weiterhelfen. Dazu gehört, dass wir uns in unserer theologischen Arbeit mit den Gesprächspartnern unserer Zeit auseinandersetzen.

Was ist das gute Leben?

Kommunikative Theologie mischt sich ein ins Gespräch über «das gute Leben». Dabei anerkennen wir einerseits die Errungenschaften der westlichen Gesellschaft und wissenschaftlichen Diskussion über das, was gut ist im Leben und was den Menschen fördert. Andererseits schöpfen wir aus der prägenden Kraft, die das Christentum in diesen Bereichen hatte. Zugleich zeigen wir Engführungen und problematische Entwicklungen in Bezug auf Lebensführung und Selbstverwirklichung auf und bringen die christliche Hoffnung zur Sprache, die weit über dieses Leben hinausgeht.

Das Evangelium wendet sich dem Menschen in seiner Welt zu – und hinterfragt ihn gleichzeitig.

Kommunikative Theologie hinterfragt – um der Liebe willen

Es gehört zu unserer Sendung in diese Welt, dass wir das Evangelium in den Mittelpunkt unseres Gesprächs mit der Welt stellen. Das Evangelium wendet sich dem Menschen in seiner Welt zu – und hinterfragt ihn gleichzeitig. Von daher ist es von der Bibel her geboten, auch Kirche, Welt und Gesellschaft zu hinterfragen. Es ist ein Dienst der Wahrheit, den die Theologie um der Liebe willen üben muss. Darin zeigt sie sich nicht als Herrschende, sondern als Lernende, nicht als Subkultur, sondern als Gegenkultur, die die Auseinandersetzung sucht und mit dem Gegenüber um die Wahrheit ringt.

Kommunikative Theologie dient Kirche und Gesellschaft eben auch in Liebe, wenn sie widerspricht, korrigiert und sich in den Gegensatz stellt. Kommunikative Theologie kann uns bereit und fähig machen, positiv in diesen Konflikt hineinzugehen, lernbereit auf den Anderen zu hören, und auf argumentative und emotionale Widerstände einzugehen.

Chancen für den christlichen Glauben in unserer Zeit

Zugleich bietet unsere Zeit besondere Chancen zur Weitergabe des Evangeliums. Wir glauben, dass unsere Zeit viele neue Möglichkeiten, Inhalte und Formen von Kommunikation für den christlichen Glauben bereithält. Dazu gehören auch die kulturellen Bereiche wie neue Medien, Musik und darstellende Kunst, in denen sich der christliche Glaube ausdrücken und seine Wirkung auf andere entfalten kann.

Die 7 Leitsätze der Kommunikativen Theologie

  1. Wir sind so frei und reden über das Evangelium von Jesus Christus.
  2. Wir nehmen Kirche und Gesellschaft so, wie sie heute sind, und beteiligen uns am Gespräch über Gott und das Leben.
  3. Wir sind in Verbindung mit Vater, Sohn und Heiligem Geist und tun, was Gott schon immer tut: kommunizieren.
  4. Wir lesen und studieren die Bibel als Gottes Kommunikationsbuch, suchen die biblische Wahrheit und gewinnen so Überzeugungen.
  5. Wir hören zu und lehren und lernen miteinander.
  6. Wir setzen auf Gottes Wirken und tun alles, was wir können. Wir tun alles, was wir können und setzen auf Gottes Wirken.
  7. Wir kommen in der Theologie weiter – zusammen mit dir.
Dr. Horst Schaffenberger
Dr. Horst Schaffenberger unterrichtet Fächer der Praktischen Theologie am tsc.
Susanne Hagen, Studiengangsleiterin Theologie & Musik
Susanne Hagen ist Studiengangsleiterin Theologie & Musik am tsc.
Dr. Manuel Schmid
Dr. Manuel Schmid unterrichtete von 2012 bis 2019 Kommunikation des Evangeliums am Theologischen Seminar St. Chrischona.

Was ist Kommunikative Theologie?

Kommunikative Theologie bildet die Grundlage aller Studiengänge am tsc – nicht nur des gleichnamigen theologischen Bachelor-Studiengangs. Kurz auf den Punkt gebracht funktioniert sie so: Wir hören zu. Wir lernen von- und miteinander. Wir wollen verstehen und verstanden werden. Wir sind so frei und reden von Jesus Christus. Wir leben unsere Beziehung zu Gott.

Wirksames wundes Wort – von der Macht der Sprache

Artikel aus dem Communicatio-Magazin 1/2020

Wirksames wundes Wort – von der Macht der Sprache

Autor: Dr. Stefan Felber

Sprache macht was – denn sie hat Macht. Doch von welcher Art ist die Macht der Sprache? Am Beispiel des biografischen Tolkien-Films von 2019 werden wichtige Aspekte von Sprache deutlich. Und was sagt die Bibel dazu? Sie legt Zeugnis ab von einem wirksamen und zugleich wunden Wort. Sie gewährt uns einen Blick via Gottes Wort in Gottes Herz – und hilft uns, die Wunder der Sprache zu verstehen.

1. Alles eine Frage der Definition? Macht und Bemächtigung

Friedrich Nietzsche (1844–1900), der säkulare Prophet der Postmoderne, hat einmal gesagt, der entscheidende Machtfaktor der Zukunft liegt bei denen, die in der Lage sein werden, die Sprache zu regeln bzw. einen bestimmten Sprachgebrauch durchzusetzen. Da es Gott (für ihn) nicht gibt, kann kein menschlicher Satz mehr behaupten, einfach «wahr» zu sein. Das Band zwischen Sprache und Wirklichkeit geht verloren, jetzt gibt es nur noch Interpretationen, die miteinander ringen. Die interpretierte Wirklichkeit werde durch Sprache erst erzeugt und nicht einfach abgebildet. Von hier aus sind es nur noch kleine Schritte zu einem durchgreifenden Konstruktivismus. George Orwell (1903–1950) entwarf in «1984» die Schreckensvision eines «Wahrheitsministeriums», das sogar die richtigen Geschichtsdaten erst herstellte und wenn nötig änderte.

Wenn heute die Freiheit der Sprache eingeschränkt wird, liegen derlei Vorgänge im Prinzip auf derselben Linie. Im Februar 2020 stimmten die Schweizer über eine Sprachregelung zur Antirassismus-Strafnorm ab – gerade weil gewisse, und zwar vor allem nichtchristliche Gruppen die konservative Kritik an ihrer Lebensweise als Überschreitung des sozialverträglichen Sprachrahmens verbindlich neu definieren wollen.

Was wir erleben, ist also nicht einfach ein zufälliger Verfall, sondern eine bewusste Veränderung, Instrumentalisierung der Sprache durch Mächtige oder Regierungen. Andernorts habe ich eine ganze Reihe von Autoren aufgeführt, die diese Trends beklagen (Einleitung zu «Zwischen Babel und Jerusalem»). Es gab und gibt nicht wenige (einzelne und ganze Vereine), die sich dem Trend entgegenstellen (Hinweise bei Besch S. 328). Es gibt eine eigene Wikipedia-Liste von Vereinen, die sich die Pflege und den Schutz der deutschen Sprache auf die Fahne geschrieben haben, ganz unabhängig von parteipolitischen Präferenzen. Mit den politischen Eingriffen in die freie Entwicklung der Sprache bei der Rechtschreibung und bei den Geschlechtsbezeichnungen haben alle diese Bewegungen in den letzten ca. 25 Jahren neuen Schub erhalten. In Frankreich übernimmt die Académie française von Staats wegen die Aufgabe der Sprachwahrung; ein Gesetz verbietet die Verwendung englischer Slogans ohne französische Übersetzung. In Schweden und Spanien, in Italien und Island (dort besonders restriktiv) sind es ebenfalls staatliche Akademien, die sich der Pflege und dem Schutz der Nationalsprache widmen. Für das Deutsche gibt es eine solche Institution bezeichnenderweise nicht.

Das Bemühen um Sprache sollte auch eines der Grundanliegen der Theologie sein, speziell der evangelischen Theologie und der Kirche des Wortes. Hier geht es nicht nur um ein Binnenanliegen, sondern – wie die Vielzahl der Sprachbesorgten unserer Zeit impliziert – um etwas gesellschaftlich höchst Relevantes, bei dem ich zu meiner Freude auch mit christlich nicht gebundenen Literaturwissenschaftlern und einem renommierten Übersetzer in dem Sammelband «Zwischen Babel und Jerusalem» an einem Strang ziehen konnte.

Erstes Ergebnis

«Sprache macht was», denn sie hat Macht. Wörter verführen und attackieren (Schneider S. 12). An den Sprachbemächtigungsversuchen wie am Bemühen, sie zu verteidigen, wird erkennbar, dass anerkanntermassen (jeder) Sprache eine Macht innewohnt, und dass diejenigen, die die Sprache zu kontrollieren suchen, damit auch Denken und Handeln ihrer Sprecher kontrollieren wollen (Besch S. 249ff. über die Eingriffe der braunen und roten Sozialismen). Sprache hat Macht zum Guten und Bösen, zum Nützlichen und Schädlichen. Die Frage ist, wer jeweils am Werk ist.

Pfr. Dr. Stefan Felber, tsc-Dozent für Altes Testament (Portraitfoto, 3zu4)
Pfr. Dr. Stefan Felber ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Altes Testament.

Interesse am Communicatio-Magazin?

Communicatio heisst das Magazin des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc). Es widmet sich den vielfältigen Themen einer «Kommunikativen Theologie», wie sie am tsc gepflegt und erarbeitet wird. Das Communicatio-Magazin erscheint zweimal pro Jahr. Sie können es kostenlos abonnieren per Post oder per E-Mail.

Communicatio-Magazin 1/2020: Kommunikation verstehen (212x300px)

Von welcher Art ist die Macht der Sprache?

Der biografische Tolkien-Film von 2019 (von Dome Karukoski) stellt ein schönes Panorama an Aspekten zur Sprache dar. In diesem Film arbeitet Sprache nicht nur wie in anderen Filmen als Mittel zum Zweck, sondern wird selbst Gegenstand wichtiger Dialoge. Worauf es mir ankommt, fasse ich dann je kurz zusammen. Die Ziffern geben je die Stunden, Minuten und Sekunden der Filmsequenz an, die mir zur Verfügung stand.

1. 0.6.33–0.7.46:

Während die Mutter erzählt, entsteht das Erzählte bei den Jungs real. Sie stirbt früh, doch die durch ihre Erzählung in den Jungs kreierte Imagination bleibt für ein Leben lang. Ihr Wort überdauert ihr Leben.

Der Ausschnitt zeigt: Sprache hat repräsentierende, darstellende, vergegenwärtigende Kraft.

Szene 1 aus dem Tolkien-Film

2. 0.26.29–0.27.34:

Die jungen Männer gründen einen Club, mit dem sie die Welt verändern wollen – «through art», wobei Kunst auch Poesie und Prosa umfasst, die sie studieren bzw. auch (im Falle von Tolkiens und Smith) produzieren werden. «Helheimr» ist eigentlich Begriff des Totenreichs von Soldaten, die friedlich, krank oder altersschwach sterben, statt in der Schlacht, d. h. die ihre Bestimmung verfehlen.– Niemand sonst weiss, warum die Jungs einfach «Helheimr» in die Gassen rufen.

Der Ausschnitt zeigt: Sprache hat sozial verbindende, nach aussen abgrenzende Kraft. George Steiner nennt dies «umfriedend». Schon Napoleons Polizeiminister Joseph Fouché sagte: «Die Worte sind dazu da, unsere Gedanken zu verbergen.»

Szene 2 aus dem Tolkien-Film

3. 0.29.13–0.34.15:

Tolkien und Edith Bratt (die andere Waise aus dem Haus der Gastmutter) sitzen in einem Nobelrestaurant. Plötzlich beginnt er, in einer erfundenen Sprache zu sprechen: Nur eine lächerliche Geschichte von einem Frosch, der unsanft landet und von einem Hund gefressen wird. Seine nächste Sprache, kündigt er an, werde eine sein, die Musik in sich aufnimmt, und er nennt den Begriff «Cellar door» (eigentlich nur: «Kellertür»). Edith fordert ihn auf, rund um «Cellar door» eine Geschichte zu erfinden. Er weigert sich. Da beginnt sie selbst; sie wünscht sich eine Geschichte von einer Prinzessin auf der Suche nach einem besseren Leben, tatsächlich also eine Geschichte von ihr selbst. Dann entfaltet sich in ihm wie aus dem Begriff heraus eine andere Geschichte …

In diesem Abschnitt sehen wir zwei Sprachverständnisse miteinander ringen. Tolkien lebt bereits so in seiner selbst geschaffenen Sprachwelt, dass ihm allein Klang und Musik des Wortes schon Schönheit und Erzählung erschliesst. Seine Freundin aber beharrt darauf, dass erst die «marriage of sound and meaning», die Verschmelzung von Klang und Bedeutung die Schönheit der Sprache bestimmen: «Things (!) aren’t beautiful because of how they sound. They’re beautiful because of what they mean.»

Sein Schluss lautet: Das Wasser von Cellar door zu trinken gibt Einsicht über die üblichen Erkenntnisse hinaus, nämlich eine Innensicht bis in die dunkelsten Stellen des menschlichen Herzens. Verallgemeinert könnte man sagen: Durch das Wort, durch Sprache haben wir ein Fenster ins Herz eines Menschen. Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über, sagt Jesus (Mt 12,31–37).

Der Filmausschnitt zeigt: Sprache lockt durch Schönheit und Vergegenwärtigung, Gestalt und Gehalt; Sprache stösst ab durch Grobheit und Distanzierung. Wozu sonst bringen wir unseren Kindern bei, dass Fäkalsprache nicht an den Essenstisch gehört, ja überhaupt nicht zu gepflegten Menschen? (Vgl. 1.Kor 15,33 in der King James Version: «Be not deceived: evil communications corrupt good manners.» Luther 1545: «Lasset euch nicht verführen! Böse Geschwätze verderben gute Sitten.»)

Szene 3 aus dem Tolkien-Film

4. 1.11.00–1.13.12:

Prof. Wright erläutert am Beispiel von oak (Eiche), was alles in einem einzigen Wort steckt: «Language is never nonsense. Language is meaning. History. Layer upon layer upon layer. And a word without meaning is what? Merely a sound.» «Someone else once said to me.» «With a good deal more economy, I shouldn’t wonder.»

Der Filmausschnitt zeigt: Sprache hat konservierenden, mithin konservativen Charakter. Schicht um Schicht birgt sie die Geschichte – so spiegelt sie die Geschichte ihrer Sprecher über Generationen hinweg. Wolf Schneider (S. 10+12): «Wörter sind immer Urenkel, und unsere Nachsicht mit ihnen ist grenzenlos», sie enthält, «mit Coleridge, ‚die Trophäen der Vergangenheit und die Waffen für künftige Eroberungen».

Szene 4 aus dem Tolkien-Film

5. 1.16.18–52:

Tolkien bewirbt sich bei Prof. Wright um ein Stipendium in alter Philologie, und zwar damit, dass er zeigt, er habe das Wesen der Sprache verstanden. Wozu ist die Sprache da? Nicht nur die Benennung … Tolkien: «not just the naming …, it’s the lifeblood of a culture, a people».

Der Ausschnitt zeigt: In der Begegnung mit einer eigentlich ausgestorbenen Sprache kommt das Wesen von Sprache überhaupt zum Vorschein: Sie ist lifeblood, das Herzblut oder das Lebenselixier eines Volkes! Sie ist Fenster nicht nur zum Einzelnen, sondern zu Volk und Kultur. Auch wenn dieses Lebenselixier unsere Heimat bedeutet; ein Bedenken der Sprache bedeutet auch, dass wir diesem Elixier – gerade wegen seiner Mächtigkeit – kritisch gegenüber treten.

Sprache angesichts des Todes

6. 1.32.12–50:

Der Erste Weltkrieg ist für Tolkien vorüber. Seine besten Freunde sind tot, Edith kann ihn kaum trösten. Der Priester (Father Francis), der für sein Studium aufgekommen war, erzählt, dass er ständig mit Witwen oder Müttern, deren Söhne gefallen sind, zu sprechen hat, und klagt, dass die Worte nichts nutzen, besonders die modernen Worte nicht. Da ist seine Zuflucht: «Ich sage einfach die Liturgie». «I speak the liturgy. There’s a comfort, I think, in distance. Ancient things.»

Auch der Theologe an sich selbst ist ratlos. Doch er nimmt seine Zuflucht zu den geprägten Worten der Liturgie. Mit ihnen, gerade in ihrer Distanz, ihrer Abständigkeit vermag er Trost zu spenden. Seine Antwort ist knapp, eigentlich zu knapp. Doch sie deutet an, warum es die Christen sind, die angesichts von Leid und Tod nicht verstummen müssen. Nicht so, dass sie eine fromme Sosse über alles giessen müssen. Dass sich das nicht empfiehlt, haben wir angesichts des persönlich bezeugten Leids im Forum Kommunikative Theologie des letzten Jahres gesehen (Communicatio-Ausgaben von 2019). Sondern sie können ein Wort sagen, das alt ist, oder besser: das ewig ist.

Szene 6 aus dem Tolkien-Film

7. 1.37.34–1.42.10:

Sein enger Freund Geoffrey Smith hat den Krieg nicht überlebt, Tolkien aber ist Professor geworden. Wieder stellt sich die Frage, ob Sprache angesichts des Todes nicht verstummen muss. Tolkien überzeugt Geoffreys Mutter: Wir müssen gerade jetzt den Toten Stimme geben. Er will die Gedichte des Freundes herausbringen und ihn durch sein Reden wieder aufleben lassen.

Zweites Ergebnis

Die Aspekte zu «Sprache angesichts des Todes» führen von den innerweltlichen Zusammenhängen in biblisch-theologische Zusammenhänge. Es bestätigt sich: Die Interessen von Christen und Nichtchristen überlappen sich beim Thema Sprache. Beide haben ein Interesse an einer guten Sprache, an einer funktionierenden Kommunikation. Wittgenstein: «Ich bin zwar kein religiöser Mensch, aber ich kann nicht anders: ich sehe jedes Problem von einem religiösen Standpunkt» (bei Clausen S. 175).

Auch wenn bei Tolkien bzw. im Tolkien-Film Jesus Christus nicht vorkommt: Was wir dort an Sprach-Anmut und Sprachgewalt sehen dürfen, überlappt sich mit der biblischen Offenbarung des Wortes, auch wenn der Film nicht an diese heranreichen kann. In der Heiligen Schrift und in Jesus Christus stehen Wort und Sprache in völliger Reinheit und Vollkommenheit da. Das nun ist eigentlich das, was Christen vom biblischen Wort erwarten, d. h. vom Wort in seiner höchsten Potenz und Schönheit: Dass sich durch dieses Wort ein Blick nicht nur ins menschliche Herz, in die Schöpfung, sondern ins Herz Gottes tun lässt. Und dieser Blick – via Gottes Wort in Gottes Herz – wird uns auch helfen, die Wunder der Sprache zu verstehen, die für eine materialistische Reflexion unerklärlich bleiben:

  • kosmologisch: dass, wie und warum die logische Struktur der Welt in Sprache zutreffend wiedergegeben werden kann;
  • anthropologisch: dass, wie und warum Sprache zu den Spezifika und zur speziellen Würde des Menschen gehört;
  • historisch: warum die westliche Kultur eine Kultur der Schrift geworden ist (vgl. V. Mangalwadi, Das Buch der Mitte, 2014): Es gibt einen heiligen Text, damit gibt es Wahrheit, die sagbar ist. An diesem Felsen zerbricht die Skepsis, für die alles gleichgültig ist.
Szene 7 aus dem Tolkien-Film

2. Wirksames Wort, wundes Wort: aus der Bibel

«Es werde Licht! Und es ward Licht.»

Die ersten Seiten der Bibel lassen bei unserem Thema staunen, wie ungebrochen das Vertrauen in die Mächtigkeit und Wahrhaftigkeit von Sprache ist. Da erschafft Gott alles durch ein wirkmächtiges Wort. Der Segen ergeht worthaft und gültig. Gott spricht seinen Auftrag an den Menschen verstehbar, klar und gültig im Wort (1.Mose 2,15–17). Und dann werden Adams Benennungen der Dinge gültige Benennungen sein; nicht nur die Sprache Gottes ist damit verlässlich, sondern auch die seines Geschöpfes (1.Mose 2,19).

Einer vom Sündenfall noch unberührten Sprache ist Klarheit, Gewissheit, performatives und repräsentatives Potential zu eigen. Von vornherein tritt der Unterschied des göttlichen und menschlichen Sprechens heraus: Wirklich hervorbringend im Sinne einer Schöpfung aus dem Nichts kann nur Gott sprechen. Beim menschlichen Reden gibt es das nicht: Zaubersprüche soll der Mensch gerade nicht sprechen (5.Mose 18); bei ihm überwiegt das repräsentative und reflexive Sprechen. Der performative Aspekt menschlichen Redens taucht unter göttlichem Auftrag wieder auf: bei den Sakramenten, beim Segnen und in der vollmächtigen prophetischen Rede.

«Sollte Gott gesagt haben?» «So spricht der HERR!»

Die Schlange verdreht Gottes Wort, indem sie Verheissung und Drohung Gottes spiegelbildlich vertauscht. Die Lüge tritt in die Welt und macht jedes Miteinander, jedes Kommunizieren unsicher. So geht es weiter. Adam und Eva verstecken sich vor Gott mit Ausflüchten. Fortan ist die Sprache verwundet. Kain belügt Gott direkt und darf ihm nicht mehr unter die Augen treten. In Babel kommt es zur Katastrophe: Bevor die Menschen den Himmel erreichen, verwirrt Gott die Sprache und sorgt dafür, dass es keine Welteinheitsregierung gibt.

Dann beruft er Abraham in mehreren persönlichen Anreden. Gott führt mit seinem Reden allerdings nicht einfach in ein bequemes Leben, sondern in die grösste Krise, nämlich dass Abraham seinen lang ersehnten Sohn opfern soll.

Auch Mose wird durch Gottes Wort berufen – trotz fehlender Redegabe soll er Israel vor dem Pharao vertreten. Am Sinai empfängt er die Tora als geschriebenes Wort, zugleich den Auftrag, es unverfälscht zu bewahren und weiterzugeben (5.Mose 4 und 13). Eine Kultur der Schriftlichkeit beginnt (5.Mose 6). Die späteren Propheten ziehen mit ihrer Sprachkunst alle Register, um Israel die Tora zu vergegenwärtigen. Doch vergeblich. Sie werden mundtot gemacht. So scheitert Israel am Wort Gottes und verliert sein Land, seinen Tempel, seinen König, seine Eigenstaatlichkeit, seine Freiheit.

Drittes Ergebnis

Unsicherheit und Lügen im Reden des Sünders bringen seine Welt durcheinander. Das Ende der Lüge ist der Tod. Die Sprache der Lügner muss verstummen. Die Bibel beschönigt ihre Hauptdarsteller nie.

Neue Klarheit und Gewissheit entsteht, wenn Gott spricht. Mehr noch: Leben entsteht, blüht auf: «Das Wort ist euer Leben …» (5.Mose 32,47). Auch zwischenmenschlich: «Eine gute Botschaft aus fernen Landen ist wie kühles Wasser für eine durstige Kehle.» (Sprüche 25,25)

«Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns»

Das menschgewordene Wort ist Gott selbst. Seine Worte, die er geredet hat, «sind Geist und sind Leben» (Joh 6,63). Sie sind Nadelöhr: «So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr in Wahrheit meine Jünger» (8,31f.). Und sie sind schwach: Das fleischgewordene Wort wird gekreuzigt, denn es setzt sich nicht zwangsweise durch, sondern wird im Modus des Imperativ Passiv und der Bitte weitergegeben: «werdet getauft/werdet gerettet!» (Apg 2,38/40), «werdet versöhnt mit Gott!»(2.Kor 5,20), «werdet verwandelt!» (Röm 12,2).

«Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze … dass der Mensch Gottes vollkommen sei»

Wenn die Bibel vom Wort Gottes spricht, spricht sie wie von Gott selbst. Sein Wort hat göttliche Kraft, Lebendigkeit, ja Schärfe (Hebr 4,12f.). Es begegnet sogar in menschlicher Predigt (1.Thess 2; 1.Petr 1; Jak 1,18).

Hierin liegt eine riesige Ermutigung: Wo wir in göttlichem Auftrag und in Übereinstimmung mit dem Schriftwort predigen, gilt: durch zweier oder dreier Zeugen wird eine Sache bestehen.

Die ersten Seiten der Bibel lassen bei unserem Thema staunen, wie ungebrochen das Vertrauen in die Mächtigkeit und Wahrhaftigkeit von Sprache ist.

Das menschgewordene Wort ist Gott selbst. Seine Worte, die er geredet hat, «sind Geist und sind Leben». Und sie sind schwach: Das fleischgewordene Wort wird gekreuzigt, denn es setzt sich nicht zwangsweise durch.

3. Fazit: Unsere Aufgaben

1. Theologie und Kirche haben die höchste und umfassendste Motivation, sich um gute Kommunikation und Sprache zu bemühen, danach alle anderen Wissenschaften. Wenn Theologie «Wortreinigungswissenschaft» ist (Manfred Seitz), darf sie das andrängende Nachfragen nach dem Original nicht zurückstellen. Der Rückgang der Kompetenz in den alten Sprachen bei den Theologen ist ein Alarmsignal. Schon Luther meinte, das Evangelium könne ohne die Ursprachen nicht rein behalten werden.

2. Am Bibelwort können wir Sprache in ihrer höchsten Potenz, Würde und Kreativität lernen, ebenso, was Lüge und Verstellung bedeuten und nach sich ziehen.

3. Gewinnen und bewerben wir neu eine Wertschätzung von Sprache, von gutem, exaktem Ausdruck, von hörender und antwortender Kommunikation!
Das Bemühen um Sprache und um das gute Wort ist wie das Mühen des Bauern um einen guten Boden: Dieser braucht den rechten Dünger!
Ein Hoch auf allen Sprachunterricht!

4. Die Freiheit der Verkündigung sowie die Freiheit von Forschung und Lehre sollten wir auch dadurch sichern, dass wir die Sprache vor Überfremdung und Bemächtigung schützen. Das gilt in unserem kritischen Gegenüber sowohl zu den Regierungen als auch gegenüber dem Sprachgebrauch der Werbung.

Literaturangaben

  • Werner Besch u.a.: Geschichte der deutschen Sprache, 2009.
  • Matthias Clausen: Evangelisation, Erkenntnis und Sprache, 2010.
  • Stefan Felber (Hg.): Zwischen Babel und Jerusalem. Aspekte von Sprache und Übersetzung, 2. Auflage 2019.
  • Wolf Schneider: Wörter machen Leute. Magie und Macht der Sprache, 4. Auflage 1986.
  • George Steiner: Nach Babel. Aspekte der Sprache und des Übersetzens, 1981 (engl. 1975).
Dr. Dr. Beat Schweitzer, Studiengangsleiter Kommunikative Theologie am tsc (1500x500px)

Was uns glücklich macht

Kolumne

Was uns glücklich macht

Autor: Dr. Dr. Beat Schweitzer

Zufriedenheit, Freude, Glück, Wohlbefinden: All diese Begriffe sind Ausdruck für ein Empfinden, nach dem sich Menschen sehnen. Doch weshalb können wir überhaupt so empfinden und welche Faktoren tragen dazu bei?

Glücksempfinden – nur eine körperliche Reaktion?

Wer möchte nicht glücklich sein und in seinem Leben Freude erfahren? Wenn wir uns diese Frage stellen, übersehen wir gerne, dass es gar nicht selbstverständlich ist, dass der Mensch überhaupt in der Lage ist, Freude oder Glück zu empfinden. Er verdankt dieses besondere Empfinden seiner Physiologie. Denn rein bio-chemisch gesehen, ist das Empfinden von Glück nichts weiter als eine körperliche Reaktion, die durch die Ausschüttung bestimmter Hormone ausgelöst wird. So führt der Erhalt einer guten Nachricht, eine angenehme Begegnung oder ein unerwarteter Gewinn in einem Spiel zur Ausschüttung des «Glückshormons» Dopamin. Wer sich sportlich betätigt, fördert die Ausschüttung von Endorphinen. Diese Hormone sorgen dafür, dass Menschen sich glücklich und zufrieden fühlen. Wer Schokolade isst, nimmt damit auch die Glückshormone Serotonin und Phenethylamin zu sich. Ob die Dosis auch ausreicht, um ein Glücksgefühl zu entfachen, ist zwar nicht bewiesen, würde aber die Befriedigung erklären, die wir beim Naschen verspüren.

Punktuelle und anhaltende Freude

Solche Beispiele erklären, wie sich punktuell das Empfinden von Glück oder Freude einstellen kann. Geht es um das Verständnis eines anhaltenden Empfindens, dann braucht es weitere Erklärungen. Der Mensch kann nicht dauernd joggen oder Schokolade essen, nur um ständig glücklich zu sein. Was führt zu einem anhaltenden Glücksgefühl, zu andauernder Zufriedenheit und Freude? Hier setzt die Glücksforschung an. Dieser Forschungszweig will wissen, unter welchen Bedingungen Menschen sich glücklich fühlen und welche Faktoren dazu beitragen.

Das United Nations Sustainable Development Solutions Network gibt regelmässig den «World Happiness Report» heraus. Darin wird die Lebenszufriedenheit in verschiedenen Ländern verglichen. Es werden folgende Faktoren bewertet: Einkommen, soziale Unterstützung, zu erwartende gesunde Lebensjahre, Vertrauen, Grosszügigkeit und die empfundene Freiheit in Lebensentscheidungen. In diesem Report fällt auf, dass die skandinavischen Länder immer in den Spitzenrängen vertreten sind, die Schweiz liegt im Report von 2019 auf Rang 6. Erklärt werden kann dies durch gute Versicherungen, ein sehr gutes Bildung- und Gesundheitssystem, relativ kurze Arbeitszeiten, ein zum Leben ausreichendes Gehalt, genügend Freizeit zur Entspannung, kaum Korruption, politische Transparenz, das Gefühl, dass die Regierung die Bedürfnisse der Bevölkerung aufnimmt und genügend Freiheit zur persönlichen Entwicklung.

Freunde und Beziehungen

Die Harvard Medical School hat in einer Langzeitstudie über 75 Jahre hinweg Faktoren des Glücklichseins untersucht. Das klare Resultat: glückliche Beziehungen und Freundschaften. Diese haben sogar körperliche Auswirkungen. Probanden mit besonders intensiven Beziehungen waren messbar glücklicher und körperlich fitter. Sie waren mit 80 Jahren weniger von nachlassender Gehirnfunktion betroffen und lebten länger. Die Studie lässt den Schluss zu: Wer lange und glücklich leben möchte, braucht Freunde und Beziehungen, um das Wohlbefinden von Geist und Körper zu fördern.

Die Glücksforschung zeigt, dass es empirisch nachweisbare Faktoren gibt, die langfristiges Glücklichsein und anhaltende Freude fördern. Gerade die Harvard-Studie sollte uns Christen aufhorchen lassen. Wenn zwischenmenschliche Kommunikation und Beziehungen die stärkste Triebfeder für das persönliche Glücklichsein sind, dann hätten wir als christliche Kirche ein attraktives Angebot: Freude und Erfüllung in der Kommunikation und den Beziehungen miteinander und darüber hinaus mit Gott.

Diese Kolumne ist zuerst im «Insist» erschienen, dem Hintergrundmagazin der Schweizerischen Evangelischen Allianz.
Weitere Informationen unter: www.insist.ch

Dr. Dr. Beat Schweitzer, Studiengangsleiter Bachelorstudiengang Kommunikative Theologie am tsc
Dr. Dr. Beat Schweitzer ist Studiengangsleiter Kommunikative Theologie und Dozent für Ethik am tsc.
Leitsätze Kommunikative Theologie: Teil 1 (1500x500px)

Wir reden über das Evangelium.

Leitsatz 1 zur Kommunikativen Theologie

1. Wir sind so frei und reden über das Evangelium von Jesus Christus.

Autoren: Dr. Jean-Georges Gantenbein, Dr. Horst Schaffenberger

Der Leitsatz kurz erklärt

Wir sind so frei und reden über das Evangelium von Jesus Christus. Über die rettende und befreiende Botschaft von der Vergebung und Erlösung durch Jesus Christus. Aber: Verstehen die Menschen von heute diese Botschaft noch? Kommunikative Theologie will das Evangelium für die Menschen von heute und morgen übersetzen. Damit die Stimme der Christen auf dem Marktplatz der Meinungen und Lebensstile gehört wird. Die christliche Gemeinde spielt dabei eine wichtige Rolle: Wenn sie die befreiende Kraft des Evangeliums glaubhaft verkörpert und vorlebt.

Video zum Leitsatz

Im Video zum 1. Leitsatz zur Kommunikativen Theologie erklärt Co-Autor Dr. Jean-Georges Gantenbein, warum dieser Leitsatz zuerst kommt und welche enorme Bedeutung die Gemeinde heute für die Kommunikation des Evangeliums hat.

Das Evangelium verständlich machen

Wir Christen haben aus unserer Sicht die gute Nachricht für die Menschen: die rettende und befreiende Botschaft von der Vergebung und Erlösung durch Jesus Christus. Diese ist für viele Menschen heute aber nur schwer verständlich. Dabei ist die befreiende Wirkung des Evangeliums – Freiheit, Versöhnung, Annahme und Identität – auch in der heute säkularen Gesellschaft sehr wohl gefragt und vermittelbar. Allein die biblischen Grundlagen dieses Evangeliums sind dem heutigen Menschen fremd und unverständlich: nämlich Gottes Liebe zum Menschen, die sich im Opfertod von Jesus am Kreuz zeigt. Dieser Spannung stellen wir uns in unserer theologischen Arbeit am tsc.

Kommunikative Theologie, wie wir sie am tsc verstehen, setzt sich deshalb zur Aufgabe:

  • die Grundlagen des Evangeliums theologisch zu erarbeiten und aufzubereiten,
  • das Evangelium in die rechten Worte zu fassen (Kommunikation)
  • und es für die Menschen von heute und morgen zu übersetzen (Kontextualisierung).

Chancen der digitalen Welt

Die digitale Welt schafft einen neuen Lebensraum. Darin verdrängt das Bild das Wort, der Umgang mit Information und Sprache verändert sich. Wie wir und wie in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft kommuniziert wird, orientiert sich stark an den (neuen) Medien. Wobei christliches Vokabular und religiöse Sprache von vielen Menschen kaum noch verstanden wird – oder religiöse Begriffe heutzutage benutzt werden, ohne dass man ihren Ursprung kennt.

Gleichzeitig profitieren Christen – wie die meisten Menschen – von der Meinungsfreiheit und der Demokratisierung von Kommunikationsprozessen. Die digitale Welt ermöglicht es praktisch jedem, frei und direkt und in vielfältiger Art zu kommunizieren. Dies ermöglicht auch uns Christen, die gute Botschaft frei und vielfältig zu vermitteln. Es gilt, diese neuen kommunikativen Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen. Klassische Kommunikationsformen gilt es zu ergänzen mit (gar nicht mehr so) neuen digitalen, ästhetischen und künstlerischen Formen.

Christliche Gemeinde verkörpert das Evangelium

Als Christen haben wir den Menschen von Gott etwas zu sagen – das können wir mutig und selbstbewusst tun. Dabei spielt die christliche Gemeinde eine wichtige Rolle. In einer lebendigen und authentischen christlichen Gemeinschaft wird die befreiende Kraft des Evangeliums sichtbar (vgl. Römer 1,16-17). Die Gemeinde kommuniziert das Evangelium. Sie verkörpert die Botschaft, die sie weitergibt (vgl. 2.Korinther 3,3). Gelebte christliche Gemeinschaft macht es für die Menschen von heute plausibler, an Jesus Christus zu glauben.

Glauben «verteidigen» durch Bezeugen und Feiern

Die Stimme der Christen ist jedoch nur eine von vielen auf dem Markplatz der Ideologien, Philosophien und Religionen. Wir leben in einer Vielfalt der Meinungen und Lebensstile. Die christliche Meinung muss sich in der Diskussion und im Streit angstfrei wie auch selbstbewusst behaupten und bewähren. Unsere theologische Arbeit hilft, in diesem Wettstreit der Meinungen gute theologische und kommunikative Ansätze zu liefern. Die Verteidigung des Glaubens (Apologetik) gilt es neu zu gestalten: weniger als Abwehr und Verneinung anderer Meinungen und Lebensstile, sondern ganz im Sinne der Urchristenheit als ein Bezeugen und Feiern des Evangeliums.

Das tsc möchte mit seiner Kommunikativen Theologie die Kirche Christi motivieren und befähigen, die Inhalte und Formen des Glaubens zu kommunizieren und wo nötig, den Zeitgeist in Frage zu stellen.

Die 7 Leitsätze der Kommunikativen Theologie

  1. Wir sind so frei und reden über das Evangelium von Jesus Christus.
  2. Wir nehmen Kirche und Gesellschaft so, wie sie heute sind, und beteiligen uns am Gespräch über Gott und das Leben.
  3. Wir sind in Verbindung mit Vater, Sohn und Heiligem Geist und tun, was Gott schon immer tut: kommunizieren.
  4. Wir lesen und studieren die Bibel als Gottes Kommunikationsbuch, suchen die biblische Wahrheit und gewinnen so Überzeugungen.
  5. Wir hören zu und lehren und lernen miteinander.
  6. Wir setzen auf Gottes Wirken und tun alles, was wir können. Wir tun alles, was wir können und setzen auf Gottes Wirken.
  7. Wir kommen in der Theologie weiter – zusammen mit dir.
Dr. Jean-Georges Gantenbein, tsc-Dozent für Interkulturelle Theologie
Dr. Jean-Georges Gantenbein ist tsc-Dozent für Interkulturelle Theologie.
Dr. Horst Schaffenberger
Dr. Horst Schaffenberger unterrichtet Fächer der Praktischen Theologie am tsc.

Was ist Kommunikative Theologie?

Kommunikative Theologie bildet die Grundlage aller Studiengänge am tsc – nicht nur des gleichnamigen theologischen Bachelor-Studiengangs. Kurz auf den Punkt gebracht funktioniert sie so: Wir hören zu. Wir lernen von- und miteinander. Wir wollen verstehen und verstanden werden. Wir sind so frei und reden von Jesus Christus. Wir leben unsere Beziehung zu Gott.

Podiumsgespräch am Forum Kommunikative Theologie 2020 (1500x500px)

Wie Christen besser kommunizieren

Forum Kommunikative Theologie 2020

Wie Christen besser kommunizieren

Kommunikative Theologie zu betreiben, hat sich das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) auf die Fahnen geschrieben. Konkret geschieht dies beim zweitägigen Forum Kommunikative Theologie. Mitte Januar 2020 fand es wieder auf dem Chrischona-Campus statt. Diesmal dachten rund 50 Teilnehmer über ein Schlüsselthema nach, um den christlichen Glauben zu verbreiten: die Kommunikation.

Wer sich wissenschaftlich mit Kommunikation beschäftigt, landet schnell bei Paul Watzlawicks: «Man kann nicht nicht kommunizieren.» Darin einig waren sich auch die Referenten des Forums Kommunikative Theologie: die Professoren Vinzenz Wyss (ZHAW) und Harald Seubert (STH Basel), die tsc-Dozierenden Rahel Bidlingmaier, Dr. Stefan Felber und Dr. Jean-Georges Gantenbein sowie die Sprachtherapeutin Damaris Tschirner.

Kommunikative Herausforderungen für Christen

Besonders Religionsgemeinschaften und Christen stehen in der heutigen Zeit vor zahlreichen Herausforderungen, wenn sie öffentlich kommunizieren wollen. Der Professor für Journalistik Vinzenz Wyss arbeitete dies anhand der Systemtheorie von Niklas Luhmann und von empirischen Untersuchungen heraus. So seien Religionsinhalte selten Hauptthema, wenn Medien über Religion berichten. BBesonders Freikirchen macht es zu schaffen, dass sie in der Öffentlichkeit als «eine andere Welt» wahrgenommen werden. Zudem gebe es einen «Negativismus-Frame», der Religionsgemeinschaften mit Gewalt, Kriminalität oder Terrorismus in Verbindung bringt.

Prof. Wyss: «Geschwätziger werden!»

Was also tun? Prof. Wyss gab den Tipp, als Religionsgemeinschaft selbst aktiv zu kommunizieren und den Medien Personen und Geschichten anzubieten. Chancenreich sei es, christliche Werte mit aktuellen Fragen zu koppeln. Zudem sei eine Sehnsucht nach Gemeinschaften spürbar. Dies seien jedoch «neue Gemeinschaften, die sich nur noch durch Kommunikation definieren», wie Prof. Wyss erklärte. Und weiter: «Religionsgemeinschaften müssen geschwätziger werden, aber ohne zu moralisieren. Dann besteht die Hoffnung, wieder mehr wahrgenommen zu werden.»

Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Wyss zeigte die Herausforderungen auf, die Christen bei ihrer Kommunikation in der Öffentlichkeit haben.
Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Wyss zeigte die Herausforderungen auf, die Christen bei ihrer Kommunikation in der Öffentlichkeit haben.

Prof. Seubert: «Auf der Schrift gegründet und gesprächsfähig sein!»

Einen philosophisch-theologischen Blick auf das Kommunizieren in der heutigen Zeit warf Prof. Seubert. Mit einer guten Portion Humor und einer grossen Übersicht auf die Philosophiegeschichte konnte er die Zuhörerinnen und Zuhörer fesseln. Prof. Seubert ordnete die neuen Kommunikationsmöglichkeiten des 21. Jahrhunderts als ähnliche Revolution wie den Buchdruck ein. «Kommunikation wird weltumspannend und allverfügbar. Zwischen menschlichen Beiträgern zu dieser Kommunikation und Bots ist nicht mehr ohne Weiteres zu unterscheiden», analysierte er. Kirche und Theologie müssten darauf Antworten finden, für die Prof. Seubert fünf Thesen vorstellte. Eine davon lautete: «Die grosse Aufgabe ist es, fest auf der Schrift gegründet zu bleiben – und zugleich gesprächsfähig zu sein.» Die Kommunikative Theologie schätzte er dabei als hilfreichen Denk-, Lese- und Überzeugungsweg ein.

Prof. Dr. Harald Seubert artikulierte 5 Thesen zu den Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren theologischen Kommunizierens heute.
Prof. Dr. Harald Seubert artikulierte 5 Thesen zu den Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren theologischen Kommunizierens heute.

«Sprache hat Macht!»

Am zweiten Tag des Forums Kommunikative Theologie spannten Dozierende des tsc den inhaltlichen Faden weiter. Sie referierten darüber, wie sich Kommunikation gestalten lässt. Zunächst führte Dr. Stefan Felber (tsc-Dozent für Altes Testament) die Macht der Sprache vor Augen. Anhand von Ausschnitten des Films «Tolkien» zeigte er: Sprache lockt durch Schönheit, hat konservierenden Charakter und ist das Lebenselixier eines Volkes. «Sprache hat Macht. Christen und Nichtchristen haben ein Interesse an einer guten Sprache, an einer funktionierenden Kommunikation. Theologie und Kirche haben die höchste Motivation, sich um gute Kommunikation und Sprache zu bemühen», sagte Stefan Felber.

«Ein Wunder, wenn Kommunikation als gelungen erfahren wird»

Sprache und Bibelübersetzung sind Forschungsthemen von Stefan Felber. 2018 hat er dazu das Buch herausgegeben «Zwischen Babel und Jerusalem – Aspekte von Sprache und Übersetzung». Eine seiner dort zu Papier gebrachten Thesen fasste er am Forum Kommunikative Theologie so zusammen: «Es ist wirklich Gnade und Vorrecht, dass wir kommunizieren dürfen – ja es ist nach Babel immer ein Wunder, wenn Kommunkation als gelungen erfahren wird. Und der Pfingstbericht in Apg 2 zeigt: Am ehesten werden Menschen dort eins, wo sie sich unter die Grosstaten Gottes stellen und diese in ihren jeweiligen Sprachen vergegenwärtigen.»

Die Macht der Sprache führte Dr. Stefan Felber (Dozent am tsc für Altes Testament) vor Augen.
Die Macht der Sprache führte Dr. Stefan Felber (Dozent am tsc für Altes Testament) vor Augen.

Zu Augen Gottes werden

Kunsthistorisch interessant wurde es beim Vortrag von Dr. Jean-Georges Gantenbein (tsc-Dozent für Interkulturelle Theologie). Er erzählte den Krimi der Wiederentdeckung der «Kreuzigung» des Renaissance-Malers Agnolo Bronzini. Massgeblichen Anteil daran hatten zwei italienische Kunstexperten, sogenannte «Augen», die Kunstwerke überprüfen. Seine These: Auch Mitarbeitende im Reich Gottes sollten sich zu Augen seiner Herrschaft entwickeln.

Methoden mutig ausprobieren

Zum Schluss wurde es mit Rahel Bidlingmaier praktisch-methodisch. Die Studiengangsleiterin der Theologie & Pädagogik machte Mut, sich auf neue Methoden einzulassen. Methoden seien viel mehr als eine nette Spielerei. Es gelte jedoch, Dinge auszuprobieren und Methoden nicht vorschnell zu verdammen. «Methoden müssen erlernt und eingeübt werden – sowohl vom Sender als auch vom Empfänger», lehrte Rahel Bidlingmaier.

Viel Stoff zum Weiterdenken

Die Zuhörerinnen und Zuhörer des Forums Kommunikative Theologie setzten sich zusammen aus tsc-Dozierenden, Vertreterinnen und Vertretern von tsc-Netzwerkpartnern und interessierten Gästen. Ihnen allen hat das Forum viel Stoff zum Nach- und Weiterdenken gegeben. Es motivierte auch für konkrete nächste Schritte. Thomas Eberhardt, Pastor der Chrischona-Gemeinde Thun, will beim Thema Vergebung ansetzen: «Kirche kann beim Thema Vergebung punkten. Das müssen wir rüberbringen». Und sein Kollege Elias Vogel aus der Chrischona-Gemeinde Steckborn will Gemeindemitgliedern den Tipp geben, Werte zu benennen – ohne zu moralisieren. So kann Kommunikative Theologie in der Praxis aussehen.

Dr. Jean-Georges Gantenbein ist Dozent für Interkulturelle Theologie am tsc. Die These seines Vortrags: Christen sollten sich zu «Augen» Gottes entwickeln.
Dr. Jean-Georges Gantenbein ist Dozent für Interkulturelle Theologie am tsc. Die These seines Vortrags: Christen sollten sich zu «Augen» Gottes entwickeln.
Methoden nicht verdammen, sondern mutig ausprobieren, forderte Rahel Bidlingmaier (Studiengangsleiterin Theologie & Pädagogik am tsc).
Methoden nicht verdammen, sondern mutig ausprobieren, forderte Rahel Bidlingmaier (Studiengangsleiterin Theologie & Pädagogik am tsc).

Forum 2021

Das nächste Forum Kommunikative Theologie findet am 21. und 22. Januar 2021 via Internet statt.

Communicatio-Magazin

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Communicatio-Magazin 2/2019: Der gewalttätige Gott der Bibel (Kämpfer, 1500x500px)

4 Strategien zum Umgang mit dem gewalttätigen Gott der Bibel

Artikel aus dem Communicatio-Magazin 2/2019

4 Strategien zum Umgang mit einem anstössigen Gottesbild

Autor: Dr. Andreas Loos

Ungefähr 1000 Bibelstellen bringen Gott in direkte Verbindung mit brutaler Gewalt. Sein Zorn entbrennt, er bestraft mit Tod und Untergang, rächt sich. Die Theologie hat verschiedene Strategien entwickelt, diese Gewalttätigkeit zu erklären und einzordnen. Vier davon stellt Dr. Andreas Loos (Dozent für Systematische Theologie am tsc) genauer vor:

Die atheistische Kritik stösst uns auf ein echtes Problem

Manche Kritik am christlichen Glauben lässt sich entschärfen, indem man zugibt: «Ja, in der Geschichte der Christenheit geschah vieles, was nicht mit dem guten Willen Gottes übereinstimmt.» Und dann kann man einem Atheisten empfehlen, sich das Original des Glaubens anzuschauen, wie es in der Bibel bezeugt wird. Der Vorwurf, dass Gott gewalttätig ist und gewaltbereit macht, lässt sich so nicht entkräften. Denn er kommt daher, dass Atheisten die Bibel lesen, und zwar mindestens so aufmerksam und intensiv wie die Gläubigen. Etwa Kurt Flasch, wenn er den «Gott der Väter» näher betrachtet, der in 1. Samuel 15 – wie so oft – den Befehl erteilt, eine komplette Stadt und alle Menschen darin auszulöschen: «Ich kann diesen Gott nicht anerkennen … Dass niemand Kinder und Säuglinge töten darf, dessen bin ich mir sicherer als dass es die Stimme Gottes ist, die aus dem Mund des Schlächters Samuel Pogrome befiehlt» (Warum ich kein Christ bin, S. 158–159).

Dieser Atheismus klingt völlig anders als «Der Gotteswahn», den Richard Dawkins den Christen in einer nicht gerade gewaltfreien Sprache vorwirft. Denn das nachdenkliche «Ich kann an diesen Gott nicht glauben» schlummert in den Herzen vieler Christen, wenn sie die Bibel einmal ungeschminkt und ungezähmt zu Wort kommen lassen. Ich finde, der Atheismus erweist dem Glauben an Gott einen guten Dienst. Er lässt es mir nicht durchgehen, dass ich die Gewaltstellen der Bibel lese, aber dann zur Seite lege. Im Gegenteil, er mutet mir unbequeme Fragen zu: War ich zu faul, mal ernsthaft die dunklen Seiten Gottes zu bedenken? Hatte ich Angst, den «guten Gott», den «lieben Gott» zu verlieren? Haben mich diese biblischen Texte kalt gelassen, weil ich selbst nie Opfer von Gewalt war?

Auch wenn es mir nicht in meinen Glaubenskram passt, ich nehme es mit Franz Buggle erst mal zur Kenntnis: «Die Bibel beinhaltet und propagiert an erschreckend zahlreichen Stellen und in ausgeprägter Weise eine Tendenz zu archaisch grausamer Gewalttätigkeit» (Denn sie wissen nicht, was sie glauben, S. 36). Der Theologe Raymund Schwager listet diese Gewalt so auf: An ca. 600 Stellen erzählt die Bibel, wie Völker, Könige oder einzelne Menschen sich grausam an anderen vergehen. Ungefähr 1000 Stellen bringen Gott in direkte Verbindung mit brutaler Gewalt: Sein Zorn entbrennt, er bestraft mit Tod und Untergang, rächt sich. An über 100 Stellen befiehlt Gott ausdrücklich, menschliches Leben zu vernichten (Brauchen wir einen Sündenbock?, S. 64–81). Und manchmal scheint es, als würde Gott sich selbst am vergossenen Blut berauschen: «Ich will meine Pfeile mit Blut trunken machen, und mein Schwert soll Fleisch fressen, mit Blut von Erschlagenen und Gefangenen» (5Mo 32,42).

Es wäre vermutlich wirkungsvoll, jetzt ein paar biblische Blutproben zu nehmen. Ich verzichte auf diese Effekthascherei. Stattdessen male ich eine Skizze mit den theologischen Lösungsversuchen, die mir gegenwärtig als die einflussreichsten erscheinen. Wichtig ist mir dabei Folgendes: Im wirklichen Leben überlappen sich diese Ansätze. Theologinnen und Theologen nehmen meistens Aspekte aus mehreren Strategien auf. Mit Kritik halte ich mich bewusst zurück, will aber kurz erläutern, wie jeder Weg zur Erfassung und Lösung des Problems beiträgt.

Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) für Systematische Theologie.
Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Systematische Theologie.

Der Theologe Raymund Schwager listet diese Gewalt so auf: An ca. 600 Stellen erzählt die Bibel, wie Völker, Könige oder einzelne Menschen sich grausam an anderen vergehen. Ungefähr 1000 Stellen bringen Gott in direkte Verbindung mit brutaler Gewalt: Sein Zorn entbrennt, er bestraft mit Tod und Untergang, rächt sich. An über 100 Stellen befiehlt Gott ausdrücklich, menschliches Leben zu vernichten

Strategie 1: Die Bibel reinigen und anpassen

Was, wenn die anstössigen Gewalttexte der Bibel eigentlich gar nicht Wort Gottes sind? Dann wäre das Problem erledigt. Eine bekannte Variante dieser Strategie präsentiert der Theologe Marcion (gestorben 160 n.Chr.). Ähnlich wie die Gnosis trennt er zwischen einem guten und vollkommenen Gott und einem Gott, der die Welt erschaffen hat und sie wild und unbarmherzig richtet. Die Gewaltstellen des Alten und Neuen Testaments stammen von diesem zweiten, fragwürdigen Gott und gehören nicht in die Bibel. So entwickelt Marcion seinen eigenen biblischen Kanon.

Eine andere Variante der Bereinigungsstrategie geht davon aus, dass manche oder sogar alle Gewalttexte der Bibel keine historischen Ereignisse berichten. Sie haben ihren Weg in die Bibel aus anderen Gründen gefunden. Diese Gründe lassen sich mit den Werkzeugen der historisch-kritischen Bibelauslegung herausfinden. Man untersucht das geschichtliche Umfeld der Texte, die weltbildlichen und religiösen Vorstellungen der Verfasser und Leser damals sowie die Bedingungen, unter denen die Texte entstanden und vor allem weitergewachsen sind. So lässt sich beispielweise rekonstruieren, wie das Volk Gottes seine eigene Geschichte erzählt hat. Um sich so seiner Identität als auserwähltes Volk Gottes zu vergewissern – etwa durch übertriebene Erzählungen von Gottes gewaltigen Siegen über die Feinde. In den Gewalttexten der Bibel spricht also nicht Gott. Sie sind Texte von Menschen, die in fragwürdiger Weise von Gott reden wie von einem sündigen, rachsüchtigen und gewalttätigen Menschen (anthropomorphe Redeweise).

Diese Herangehensweise hilft uns zu verstehen, wie Gewalt die Zeit und Umwelt des Alten Testament geprägt hat. Vertreter dieser Sichtweise haben erkannt, dass die Spannung zwischen dem Gott und Vater, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat, und dem gewalttätigen Gott des Alten Testaments für den Glauben zerreissend sein kann. Und sie nehmen ernst, wie grundsätzlich unsere heutigen, ethisch vernünftigen Grundintuitionen und Erkenntnisse abweichen von dem, was uns die Bibel über das brutale Verhalten Gottes und seines Volkes berichtet.

3 Vorteile der Strategie 1:

  • hilft verstehen, wie Gewalt die Zeit und Umwelt des Alten Testaments geprägt hat.
  • weiss, dass die Spannung zwischen dem Gott und Vater, der sich in Jesus offenbart hat, und dem gewalttätigen Gott des Alten Testaments für den Glauben zerreisend sein kann.
  • zeigt Diskrepanz auf zwischen heutigen Grundintuitionen und dem, was die Bibel über das brutale Verhalten Gottes und seines Volkes berichtet.

Strategie 2: Gottes gewalttätiges Handeln plausibilisieren

Hier nimmt man die ganze Bibel als inspiriertes Wort Gottes ernst. Mit den Mitteln einer historisch-theologischen Exegese versucht man nun herauszufinden, was die guten Gründe und Absichten sind, die Gottes gewalttätigem Handeln zugrunde liegen. Es geht nicht darum, das für gut zu erklären oder schön zu reden, was die Bibel an Gewalt berichtet. Es geht darum, den Glauben an Gott zu rechtfertigen, indem man sein gewalttätiges Handeln zum Beispiel als gerechtes Gericht oder begründete Vergeltung an den sündigen Völkern und ihren Göttern aufzeigt
(2Mo 12,12). Oder auch, indem man auf das grössere Gut verweist, das Gott mit seinem Handeln verfolgt (Bonisierungsstrategie). So bewahrt er sein Volk vor tödlichem Götzendienst und schuldhaftem Handeln durch die Vermischung mit anderen Völkern. Oder er verhindert durch sein gewaltiges Handeln noch mehr und brutalere Gewalt. Er erzieht und leitet sein Volk auf Wegen, die wir Menschen nicht immer nachvollziehen können (Jer 30,11).

Vertreter dieser Strategie ermöglichen tiefe Einblicke in das heilsgeschichtliche Handeln Gottes. Die Gewalt Gottes kommt als Handeln zum Heil seines Volkes und der Menschen zum Vorschein. Auf diese Weise wird die angebliche Kluft zwischen einem Gott des Alten und einem Gott des Neuen Testamentes überbrückt. Und aus Sicht der Opfer von Gewalt scheint mir der Gedanke unerlässlich, dass Gott sich den Gewalttätern entgegenstellt.

3 Vorteile der Strategie 2:

  • ermöglicht tiefe Einblicke in das heilsgeschichtliche Handeln Gottes.
  • überbrückt die angebliche Kluft zwischen einem Gott des Alten Testaments und einem Gott des Neuen Testaments.
  • macht klar, dass Gott sich den Gewalttätern entgegenstellt.

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Communicatio-Magazin 2019/2: Der gewalttätige Gott der Bibel (212x300px)

Strategie 3: Gottes Heilshandeln dynamisch verstehen

Auch hier weigert man sich, die gewalttätigen Darstellungen Gottes mit Hilfe eines vorgefassten Gottesbildes für unbiblisch zu erklären. Man liest sie als echtes Zeugnis davon, wie Gott sein Volk (und alle Menschen) vor innerer und äusserer Grausamkeit und Zerstörung schützen wollte. Dabei erkennt man einen Strategiewechsel in Gottes heilsgeschichtlichem Handeln. Auf den Wegen des Alten Bundes vermochte Gott die Menschen nicht zu erlösen, dieser Weg ist gescheitert. Deshalb verheisst und stiftet Gott einen Neuen Bund. In Jesus Christus zeigt sich ein dynamischer und beweglicher Gott, der sein Verhalten gegenüber uns Menschen ändert. Nur so kann er uns weiter treu bleiben und lieben. Er überwindet die sündige Spirale des Bösen und der Gewalt nicht, indem er in Zorn, Rache und Gericht zurückschlägt, sondern indem er sich selbst schlagen lässt (siehe Hempelmann: Gott ohne Gewalt, S. 88–117).

Vertreter dieses Ansatzes machen deutlich: Gott ist im Neuen Testament kein anderer als im Alten Testament, aber er handelt und verhält sich anders. Die atheistische Kritik läuft hier weitgehend ins Leere angesichts eines Gottes, der selbst Opfer von Gewalt wird, um Gewalt zu beenden. Die Torheit und Schwachheit des Kreuzes Christi (1Kor 1,18–25) leuchtet hell auf, sodass der heute immer noch weitverbreitete Mythos von der erlösenden Gewalt entlarvt wird.

3 Vorteile der Strategie 3:

  • macht deutlich, dass Gott im Neuen Testament kein anderer ist als im Alten Testament, sich aber anders verhält.
  • lässt die atheistische Kritik ins Leere laufen, weil Gott selbst Opfer von Gewalt wird, um Gewalt zu beenden.
  • entlarvt den Mythos von der erlösenden Gewalt.

Strategie 4: Die gewalttätigen Porträts Gottes durch das Kreuz Christi verstehen

Die Grundüberzeugung dieses Lösungsversuchs lautet: Die ganze Bibel ist von Gott durch seinen Geist gehaucht und hat ein Zentrum: der menschgewordene Sohn Gottes, Jesus Christus. Wer Gott ist und wie er sich gegenüber uns verhält, das hat er selbst definiert im Kreuzes­tod seines Sohnes: Gott ist Liebe, die sich sogar für die Feinde hingibt. Bereits die Schriften des Alten Testaments handeln von Christus (Joh 5,36; Lk 24,27). Daher, so die Argumentation, muss man das, was dort von Gottes gewalttätigem Handeln berichtet wird, lesen und verstehen durch die Christusbrille der gekreuzigten und gewaltlosen Liebe Gottes. Mit dieser Strategie versucht man, die kreuzesgemässe Gestalt des Handelns Gottes im Alten Testament zu enthüllen. Etwa dort, wo Gott sich zurückzieht, der Gewalt freien Lauf lässt, bis sie sich selbst verzehrt. Das cruciforme Verhalten Gottes zeigt sich auch darin, dass er jene Gottesbilder, die ihn als gewalttätig porträtieren, nicht aus der Bibel entfernt hat. So tief neigt er sich in Liebe zu den Menschen, dass er ihre entstellten Gottesbilder aushält und in Jesus Christus durchkreuzt.

Vertreter dieses Ansatzes verharmlosen die gläubigen und atheistischen Zweifel an Gott nicht. Sie helfen der bibellesenden Christenheit inmitten der unterschiedlichen und sich reibenden Gottesbilder, die uns die Bibel zumutet. Und sie suchen die Lösung, indem sie der Bibel zu ihrer Mitte hin folgen – zu Jesus Christus. Zunächst ist das wie eine heilsame Flucht zum gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes – typisch für den christlichen Glauben. Aber aus dieser Flucht wird eine biblische Erneuerung des Gottesbildes, die vergessene und vernachlässigte Seiten Gottes beleuchtet.

3 Vorteile der Strategie 4:

  • verharmlost nicht die Zweifel an Gott.
  • folgt der Bibel zu ihrer Mitte hin: zu Jesus Christus.
  • versucht die Spannung der unterschiedlichen Gottesbilder aufzulösen.

Literaturangaben

  • Franz Buggle: Denn sie wissen nicht, was sie glauben. Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann. Eine Streitschrift, Aschaffenburg 2012.
  • Kurt Flasch: Warum ich kein Christ bin. Bericht und Argumentation, München 2013.
  • Heinzpeter Hempelmann: Gott ohne Gewalt! Warum Toleranz und Wahrheit für den christlichen Glauben zusammengehören, Gießen 2009.
  • Raymund Schwager: Brauchen wir einen Sündenbock? Gewalt und Erlösung in den biblischen Schriften, München 1986.
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Der gewalttätige Gott der Bibel

Communicatio-Magazin 2/2019

Der gewalttätige Gott der Bibel

Noch ein Grund, (nicht) an Gott zu glauben?

Auch Atheisten lesen die Bibel – und stossen auf Stellen, die von einem gewalttätigen Gott berichten. Kann, ja darf man an einen solchen Gott glauben? Die neueste Ausgabe des Communicatio-Magazins des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) zeigt Antworten der Theologie auf.

Dr. Andreas Loos (Dozent für Systematische Theologie am tsc) stellt zunächst vier verschiedene Lösungsmöglichkeiten vor. Es sind Strategien, welche die Theologie für den christlichen Glauben bereithält, um die Gewalttätigkeit Gottes in der Bibel zu bearbeiten und gläubig zu verarbeiten. Ein Ansatz wäre, die Bibel zu reinigen. Dies hat beispielsweise der frühchristliche Theologe Marcion versucht, indem er zwischen einem guten und einem wilden, unbarmherzigen Gott unterschied. Die Gewaltstellen schrieb er letzterem zu.

Worin sich die Communicatio-Autoren einig sind

In den weiteren Aufsätzen des Communicatio-Magazins entfalten Dr. Stefan Felber (Dozent für Altes Testament am tsc) und Dr. Manuel Schmid (Dozent am tsc 2012–2019) ihre Antworten auf den gewalttätigen Gott der Bibel. Sie sind sich darin einig, dass diese Berichte in die Bibel gehören. Sie seien Wort Gottes, das er uns zumute. Ansonsten fallen ihre Antworten ziemlich unterschiedlich aus.

Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) für Systematische Theologie.
Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Systematische Theologie.

Warum Gott Gewalt übt

So versucht Stefan Felber das gewalttätige Handeln Gottes plausibel zu erklären. An ausgewählten Beispielen zeigt er, was die Gründe und Absichten sind, die Gottes Handeln zugrunde liegen. Er kommt zum Schluss: «Wir sollten die Fülle und Breite des biblischen Gotteszeugnis beider Testamente in Gnade und Gericht wahrnehmen.»

Betrachtung durch die Brille des Kreuzes

Einen grundsätzlich anderen Ansatz wählt Manuel Schmid. Er setzt sich mit dem Bibelverständnis des amerikanischen Theologen Gregory Boyd auseinander. Der betrachtet alles durch die Brille des Kreuzestodes und der Auferstehung von Jesus Christus. Gewaltberichte, wie etwa die Sintflut oder die ägyptischen Plagen, haben aus seiner Sicht einen tieferen Sinn. Nämlich zu betonen, wie gross das Opfer gewesen sei, das Jesus Christus am Kreuz gebracht habe. Manuel Schmid schreibt: «Der Gott, der in Jesus Christus sein gewaltfreies Wesen offenbart, demonstrierte in seinem Gewaltverzicht die überragende Kraft seiner Liebe.»

Communicatio-Magazin zeigt Spannungen und Chancen auf

In der neuesten Ausgabe des Communicatio-Magazins gibt das Theologische Seminar St. Chrischona nicht die eine Antwort auf die Frage nach dem gewalttätigen Gott der Bibel. Viel mehr zeigt es Spannungen und Chancen auf, welche die Antworten der Theologie dazu aufwerfen. So ist es ein gutes Beispiel für die Kommunikative Theologie, die im Gespräch mit Gott und der Gesellschaft bleibt.

Pfr. Dr. Stefan Felber, tsc-Dozent für Altes Testament (Portraitfoto, 3zu4)
Pfr. Dr. Stefan Felber ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Altes Testament.
Dr. Manuel Schmid
Dr. Manuel Schmid unterrichtete von 2012 bis 2019 Kommunikation des Evangeliums am Theologischen Seminar St. Chrischona.

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