Graduierte mit Sonnenblume: 15 der 21 Bachelorabsolventinnen und -absolventen 2021 des Theologischen Seminars St. Chrischona freuen sich über ihren Studienabschluss.

Dankbarer Blick zurück über die Bachelorurkunden

tsc-Graduierungsfeier 2021

Dankbarer Blick zurück über die Bachelorurkunden

Bei der Graduierungsfeier am 3. September blickte die Abschlussklasse 2021 des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) noch einmal auf ihr Studium zurück. Sie präsentierte drei spannende Bachelorarbeiten und erinnerte sich mit einer Prise Wehmut an die prägende Zeit am tsc. Für die Studiengemeinschaft gab’s grossen Dank, für die 21 Absolventinnen und Absolventen gab’s Applaus und ihre Bachelorurkunden.

Qualitäts-Bachelorabschlüsse

Drei Bachelorstudiengänge bietet das tsc an: Kommunikative Theologie, Theologie & Pädagogik sowie Theologie & Musik. Jeder ist validiert von der Middlesex University London – eine seit 25 Jahren bestehende und gewachsene akademische Partnerschaft. Die Absolventinnen und Absolventen des tsc erwerben «Bachelor mit Honours degree» – die höchsten Bachelorabschlüsse, die das britische Bildungssystem kennt. Bei der Graduierungsfeier erhielten die Absolventinnen und Absolventen von den Leiterinnen und Leiter ihrer Studiengänge ihre jeweilige Bachelorurkunden.

Waren Frauen bei der Speisung der 5000 dabei?

Aus jedem der Studiengänge wurde die am besten bewertete Bachelorarbeit präsentiert. Den Anfang machte Franziska Chiavi. Die Absolventin des Bachelorstudiengangs Kommunikative Theologie hatte sich mit der feministischen Hermeneutik auseinandergesetzt, eine Lehre der Bibelauslegung, die die Frau ins Zentrum stellt. Ein Beispiel dafür ist die Speisung der 5000 – in der Heiligen Schrift ist nur die Rede von Männern. Waren also keine Frauen dabei? Doch, vermutet die feministische Hermeneutik. Das sei chancenreich – so Franziska Chiavi – wenn Vorurteile aufgebrochen und weibliche Erfahrungswerte beachtet werden. Kritisch werde es aber dort, wo die Autorität der Bibel als Gottes Wort hinterfragt werde.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Geschlechterfragen erörterte auch Micha-David Hirt in seiner Bachelorarbeit im Studiengang Theologie & Pädagogik. Er thematisierte die Essenz des Mannseins – eine aktuelle und für viele junge Männer auch persönlich sehr relevante Frage. Der tsc-Absolvent untersuchte, was Identität konstruiert. «Identität ist ein komplexes Phänomen», stellte er wiederholt fest. Auf der Suche nach bibeltheologischen Antworten analysierte er die Schöpfungsgeschichte und kam zur Überzeugung: «Männer stehen nicht in Konkurrenz zur Frau, sondern ihr gegenüber. In der Ergänzung liegt grosse Stärke.»

Was macht Trostlieder aus?

Eine interdisziplinäre Bachelorarbeit hat Johanna Habel verfasst. Die Absolventin des Studiengangs Theologie & Musik untersuchte sowohl theologisch als auch musikwissenschaftlich, wie Lieder trösten können und was Lieder über Leid besonders macht. Drei Trostlieder aus der Kirchengeschichte untersuchte sie näher, eines davon ist «It Is Well With My Soul» von Horatio Spafford. Dort begründet der Lieddichter den Trost theologisch: «Was immer mein Los ist, du hast mich gelehrt: Meine Seele ist im Frieden damit». Musikalisch hat der Echoeffekt im Chorus eine tröstende, weil sich wiederholende und damit beruhigende Wirkung.

Micha-David Hirt, Franziska Chiavi und Johanna Habel (von links) stellten an der Graduierungsfeier 2021 ihre ausgezeichneten Bachelorarbeiten vor.
Micha-David Hirt, Franziska Chiavi und Johanna Habel (von links) stellten an der Graduierungsfeier 2021 ihre ausgezeichneten Bachelorarbeiten vor.

Bachelorarbeiten von tsc-Studierenden

Jedes Jahr veröffentlicht das Theologische Seminar St. Chrischona ausgewählte und besonders gut benotete Bachelorarbeiten auf seiner Internetseite. So kannst du dich in spannende theologische Themen einlesen und dir ein eigenes Bild machen von der hohen Qualität des Studiums am tsc.

Graduierungsfeier: die einen gehen, die anderen starten

Erst seit wenigen Jahren finden die Graduierungsfeiern des tsc direkt vor dem Start ins neue Studienjahr statt. Dies erzeugt eine besondere Situation. Denn das Publikum besteht nicht nur aus den Absolventinnen und Absolventen mit Familien und Freunden, sondern auch aus den neuen Studierenden des tsc. Während die einen ihr Studium erfolgreich beendet haben und schon die nächste Lebensphase begonnen haben, starten die anderen erst damit. Die Abschlussklasse machte den Neuen dann auch Mut für ihre bevorstehende Zeit und zeigte, wie sie sie meistern können.

Lehrreiche Erfahrungen, schöne Erinnerungen

Stellvertretend für die Abschlussklasse erinnerte sich Rahel Ernst an die zurückliegende Studienzeit. Sie hob besonders die Bedeutung der tsc-Studiengemeinschaft hervor: «Mit Christus im Zentrum haben wir zusammen gebetet, gesungen, uns herausgefordert und ermutigt.» Mit einem Blumenstrauss bedankte sie sich bei den Mitstudierenden, Dozierenden und Mitarbeitenden des tsc für das gemeinsame Unterwegssein und alle Unterstützung. Vom tsc nehmen die Absolventinnen und Absolventen eben nicht nur Bachelorurkunden, sondern vor allem lehrreiche Erfahrungen und schöne Erinnerungen mit.

Graduierte mit Sonnenblume: 15 der 21 Bachelorabsolventinnen und -absolventen 2021 des Theologischen Seminars St. Chrischona freuen sich über ihren Studienabschluss.
Graduierte mit Sonnenblume: 15 der 21 Bachelorabsolventinnen und -absolventen 2021 des Theologischen Seminars St. Chrischona freuen sich über ihren Studienabschluss.

Infos zu den Bachelorstudiengängen

  • Die Bachelorstudiengänge des Theologischen Seminars St. Chrischona sind von der Middlesex University London validiert. Es handelt sich um anerkannte Bachelorabschlüsse nach hohem europäischem Bildungsstandard.
  • Studierende können den Bachelor in Theologie (Honours) im Präsenz- oder Fernstudium erwerben, ausserdem den Bachelor of Arts (Honours) in Theologie & Pädagogik sowie den Bachelor of Arts (Honours) in Theologie & Musik.
  • Die Bezeichnung «Honours» bedeutet: Bachelor mit Honours Degree. Der Honours-Bachelor ist der höchste Bachelorabschluss im britischen Bildungssystem. Vom Arbeitsaufwand entspricht er dem im deutschsprachigen Raum bekannten Bologna-Bachelor. Der Honours-Bachelor ist kein akademischer Grad, sondern die Bezeichnung für einen Bachelorstudiengang, der durch eine bestimmte Studienleistung mit entsprechender Note abgeschlossen werden kann (level of honours degree).

Interessiert?

  • Infos zum tsc-Studienangebot in kompakter Form erhältst du bei unseren Schnupper-Webinaren. Dabei kannst du den Leiterinnen und Leitern der Bachelorstudiengänge und des tsc-Jahreskurses deine Fragen direkt stellen. Der nächste Termin: 17.11.2021, 18–19.30 Uhr.
  • Wie ist es, am Theologischen Seminar St. Chrischona zu studieren? Und wäre das etwas für dich? Herausfinden kannst du das bei unseren Schnuppertagen – kostenlos und unverbindlich. Der nächste Termin: 22.–23.10.2021.
tsc-Aussendungsfeier 2021: Abschlussklasse (1500x1000px)

Auf und davon in den Dienst

tsc-Aussendungsfeier 2021

Auf und davon in den Dienst

29 Absolventinnen und Absolventen verabschiedete das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) am 27. Juni 2021 mit einer coronabedingten Aussendungsfeier im familiären Rahmen. Ganz nach ihrem Motto machen sie sich «auf und davon» in den Dienst in Kirchen, christlichen Gemeinden und Werken.

Aussendung mit weinendem Auge

Den grössten Teil der Aussendungsfeier nahmen die Laudationen und Bibelverszusprachen an die Absolventinnen und Absolventen ein. Fazit dieses Programmteils: Jeder Einzelne war für ein, drei oder mehr Jahre eine Bereicherung der Studiengemeinschaft am tsc. Das Loslassen geschieht deshalb auch mit einem weinenden Auge. «Viel zu schnell ist die Zeit mit euch vergangen», bekannte etwa Susanne Hagen, die Leiterin des Bachelorstudiengangs Theologie & Musik.

Aussendung als Auftrag des tsc

Es ist der Auftrag des Theologischen Seminars St. Chrischona, Menschen auszubilden, um sie wieder auszusenden. Der Fokus liegt auf dem, was sie am tsc lernen, erleben und von dort mitnehmen. Rektor Dr. Benedikt Walker erinnerte die Absolventinnen und Absolventen an einen wichtigen Punkt: «Theologie studieren bedeutet: Wir lernen hinzuhören. Wir hören Gottes Stimme zu, reflektieren, suchen das Gespräch mit anderen und reagieren darauf.» Und René Winkler, der am tsc den Bereich Weiterbildungen leitet, predigte mit Verweis auf Abraham: «Nicht seine Leistung, sondern sein Glaube war entscheidend.» Wie Abraham sei auch die tsc-Abschlussklasse 2021 erwählt und berufen, Menschen Gottes zu sein.

tsc-Aussendungsfeier 2021: Benedikt Walker
Benedikt Walker wünscht den Absolventinnen und Absolventen 2021, dass sie lebenslang auf Gottes Stimme hören.

Wer ein tsc-Studium absolviert, ist gefragt

Fast alle Absolventinnen und Absolventen haben bereits eine Stelle gefunden, mit der sie nach einer Sommerpause starten – mehrheitlich in einer Gemeinde- oder Kirchenarbeit. Das trifft zum Beispiel auf die 34-jährige Franziska Chiavi zu. Sie hat den Bachelorstudiengang Kommunikative Theologie abgeschlossen und geht als Pastorin in die Chrischona Frauenfeld. Gefragt sind auch die Absolventinnen und Absolventen der kombinierten Bachelor-Studiengänge Theologie & Pädagogik sowie Theologie & Musik. Der 28-jährige Micha Habel ist einer der Absolventen der Theologie & Musik. Er hat bereits während seines Studiums als Jugendpastor in der Stami Lörrach gearbeitet und wird das weiter tun.

Corona-Auflagen verhinderten tsc-Jahresfest 2021

Es war das zweite Mal, dass die Corona-Massnahmen ein grosses tsc-Jahresfest verhinderten. Aufgrund der kurz vor der Aussendungsfeier erfolgten Corona-Lockerungen war die Stimmung jedoch gelöst. Jede Absolventin und jeder Absolvent durfte zwei Gäste nach St. Chrischona einladen. Rund 150 Personen vor Ort und weitere rund 400 Personen via Livestream verfolgten die zweieinhalbstündige Feier.

Zwei Musikvideos des tsc-Chors feierten Premiere

Im Gegensatz zur Aussendung 2020 durfte 2021 wieder gesungen werden. Überhaupt nahm die Musik viel Raum ein während der Aussendungsfeier. Kleine Ensembles aus dem Studiengang Theologie & Musik trugen Lieder vor. Und am Ende feierten zwei Musikvideos des tsc-Chors ihre Premieren: «Vater unser» und «Lean on Me», jeweils mit grosser Beteiligung der tsc-Abschlussklasse. Diese können weiterhin auf dem Youtube-Kanal des tsc angesehen werden.

tsc-Studienangebot:

  • BTh Kommunikative Theologie (3 Jahre, Bachelorabschluss): Der Theologie-Studiengang kann im Präsenz- oder im Fernstudium studiert werden.
  • BA Theologie & Pädagogik (3 Jahre, Bachelorabschluss): die vielseitige theologische und pädagogische Grundausbildung.
  • BA Theologie & Musik (3 Jahre, Bachelorabschluss): die im deutschsprachigen Raum einzigartige Kombination aus theologischem und musikalischem Studium.
  • tsc-Jahreskurs (1 Jahr, Teilnahmezertifikat): Er ist beliebt als Orientierungs- oder Vorbereitungsjahr bzw. als Auszeit oder persönliche Weiterbildung. Schwerpunkt Worship wählbar.
  • Online-Kurse (1 oder 2 Semester, Leistungsnachweis): individuell belegbar zur persönlichen Weiterbildung.

Interessiert?

  • Wie ist es, am Theologischen Seminar St. Chrischona zu studieren? Und wäre das etwas für dich? Herausfinden kannst du das bei unseren Schnuppertagen – kostenlos und unverbindlich. Der nächste Termin: 22.–23.10.2021.
  • Infos zum tsc-Studienangebot in kompakter Form erhältst du bei unseren Schnupper-Webinaren. Dabei kannst du den Leiterinnen und Leitern der Bachelorstudiengänge und des tsc-Jahreskurses deine Fragen direkt stellen. Der nächste Termin: 17.11.2021, 18–19.30 Uhr.
Liveübertragung des tsc-Seniorentags am 4. Mai 2021 mit René Winkler und Peter Schulthess (1500x500px)

Was in Notfällen wirklich hilft

Bericht vom tsc-Seniorentag 2021

Was in Notfällen wirklich hilft

Teilnehmerrekord beim tsc-Seniorentag 2021 zur Notfallseelsorge

Ein starkes Zeugnis für den Glauben an Jesus Christus in schwierigen Zeiten war der Seniorentag des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) am 4. Mai 2021. Die praxiserprobten Tipps des Notfallseelsorgers Peter Schulthess zum Umgang mit Schock, Leid und Trauer verfolgten mehr als 1100 Zuschauerinnen und Zuschauer live über das Internet. Ein Teilnehmerrekord!

tsc-Seniorentag mit Rekordteilnehmerzahl

Die 90-minütige Liveübertragung des tsc-Seniorentags konnten Zuschauerinnen und Zuschauer entweder zuhause oder an einem der Übertragungsorte in der Schweiz und in Deutschland verfolgen. 300 Einzelpersonen und 55 Übertragungsorte mit durchschnittlich 15 Personen schauten zu. Die coronabedingte neue Konzeption führte so zu einer Rekordteilnahme von mehr als 1100 Zuschauerinnen und Zuschauern.

«Ich bete immer allgemein, dass Gott sich erbarmen und trösten möge. Ich überlasse alles ihm, er ist am Wirken.»

Peter Schulthess, Pfarrer und Notfallseelsorger

Notfallseelsorge braucht Fingerspitzengefühl

Hochspannend berichtete Peter Schulthess von seinen Erfahrungen als Notfallseelsorger. Er erzählte von dem Schock, den ein Notfall auslösen kann. Dieser sollte nicht verurteilt, sondern als «ein natürliches, schöpfungsgemässes Phänomen» betrachtet werden. Generell gehe es in der Notfallseelsorge um Fingerspitzengefühl. Wichtig sei es, Betroffenen nicht zu viel abzunehmen und keine eigenen Antworten auf ihre Fragen zu geben. Peter Schulthess betonte die Macht des Gebets: «Ich bete immer allgemein, dass Gott sich erbarmen und trösten möge. Ich überlasse alles ihm, er ist am Wirken.»

René Winkler führte als Moderator durch die Liveübertragung des tsc-Seniorentags am 4. Mai 2021.
René Winkler führte als Moderator durch die Liveübertragung des tsc-Seniorentags am 4. Mai 2021.
René Winkler (Moderator) und Peter Schulthess (Referent) freuten sich über den Teilnehmerrekord beim tsc-Seniorentag 2021.
René Winkler (Moderator) und Peter Schulthess (Referent) freuten sich über den Teilnehmerrekord beim tsc-Seniorentag 2021.

Livestream-Mitschnitt des tsc-Seniorentags 2021

Wie Jesus in Notfällen hilft

Die weiteren Gäste des Seniorentags zeigten: Wer als Christ einen Notfall erlebt, hat in Jesus Christus einen Vorteil. Denn er steht an ihrer Seite. Joséphine Niyikiza hat ihre Familie im ruandischen Genozid von 1994 verloren. Trotzdem hat sie mit der Zeit gelernt, zu vergeben. «Gott hat bereits vergeben. Mein Gebet lautete immer wieder: Nimm diese Last weg von mir», erzählte sie.

Berührend war auch das Zeugnis von Viola Lies, die am tsc Theologie & Pädagogik studiert. Sie hat den Unfalltod eines Freundes miterlebt. Diese Erfahrung hat sich wie eine schwere Decke über ihr Leben gelegt. Schliesslich stiess sie auf die Geschichte der Emmaus-Jünger. Ähnlich wie die Jünger wurde auch Viola durch Jesus mit neuer Hoffnung erfüllte. «Dadurch habe ich die Lebensfreude wiederentdeckt, es ist ein Wunder», freute sich die tsc-Studentin.

Witwen fühlen sich verstanden und getröstet

Die Rückmeldungen zum bislang grössten tsc-Seniorentag fallen sehr positiv aus. Der Anlass hat viele Zuschauerinnen und Zuschauer berührt und neu motiviert. Aus der Ev. Chrischona Gemeinde Sontheim in Deutschland schrieb Pastor Arno Broers: «Peter Schulthess konnte alle fesseln und wichtige Hinweise zum Umgang mit Leidenden und Trauernden geben. Wir haben im Anschluss noch darüber diskutiert». Und Pastor Daniel Schenker von der Chile Grüze in Winterthur in der Schweiz meldete: «Die Grundmelodie der Wertschätzung und die praktischen Referate haben uns berührt». Besonders positive Reaktionen kamen von Witwen und Witwern, die sich verstanden und getröstet fühlten.

«Pfarrer Peter Schulthess konnte mit seinem Referat alle fesseln und wichtige Hinweise zum Umgang mit Leidenden und Trauernden geben. Im Anschluss gab es bei uns noch eine kleine Austauschrunde mit der Frage: ‹Was können wir als Einzelne und als Gemeinde von diesem Referat lernen und auch umsetzen?› Hier wurde es dann sehr konkret.
Als Ev. Chrischona Gemeinde Sontheim sind wir Netzwerkpartner vom tsc. Dieser Seniorentag hat die herzliche Verbundenheit mit dem tsc wieder einmal gestärkt.»

Arno Broers, Pastor Ev. Chrischona Gemeinde Sontheim

Joséphine Niyikiza berichtete, wie sie trotz schlimmer Erfahrungen im ruandischen Genozid vergeben gelernt hat.
Joséphine Niyikiza berichtete, wie sie trotz schlimmer Erfahrungen im ruandischen Genozid vergeben gelernt hat.
tsc-Seniorentag am 4. Mai 2021 mit Pfr. Peter Schulthess (900x300px)

tsc-Seniorentag wird erstmals live übertragen

Livestream am 4. Mai 2021 in 55 Gemeinden

tsc-Seniorentag wird erstmals live übertragen

Thema: «Wenn Unerwartetes unser Leben durcheinanderbringt»

Wegen Corona findet der traditionelle Seniorentag des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) am 4. Mai 2021 erstmals per Liveübertragung über das Internet statt. Auf St. Chrischona wird es kein Publikum geben. Dafür werden in 55 Gemeinden in der Schweiz und in Deutschland mehr als Tausend Seniorinnen und Senioren den Anlass verfolgen. Alternativ können sie von zuhause aus zuschauen.

Seniorentags-Übertragung in mindestens 50 Gemeinden

Nachdem der tsc-Seniorentag 2020 wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, konzipierte das Organisationsteam den Anlass für 2021 neu. Weil absehbar war, dass ein grösseres Publikum auf St. Chrischona nicht zusammenkommen darf, lud das tsc Gemeinden ein, sich als Übertragungsorte anzumelden. 55 Gemeinden haben sich bis Ende April dazu bereit erklärt. Viele davon stammen aus dem tsc-Netzwerk oder sind freundschaftlich mit dem tsc verbunden. René Winkler, der Leiter Weiterbildung und Events des tsc, ist einer der Verantwortlichen. Er erklärt: «Eine erneute Absage des Seniorentags kam nicht in Frage. Jetzt haben wir eine Lösung, die uns wieder handlungsfähig macht. Nicht wie früher, aber angepasst an diese Corona-Zeiten.»

Wie weiter, wenn nichts mehr ist wie es war?

Wenn Unerwartetes unser Leben durcheinanderbringt – so lautet das passende Thema des tsc-Seniorentags 2021. Dazu gibt der Pfarrer und Notfallseelsorger Peter Schulthess Impulse weiter. Er ist in der Öffentlichkeit unter anderem durch seine Bücher bekannt, darunter: «Hiobsbotschaft – Erfahrungen aus der Notfallseelsorge». Von diesen Erfahrungen wird er auch am Seniorentag berichten. Er wird darauf eingehen, wie Menschen weitermachen können in Situationen, wo nichts mehr ist wie bisher. Das Programm des 90-minütigen Livestreams wird ergänzt durch Talks, Musik sowie Infos vom tsc.

Seniorentags-Livestream zuhause schauen

Mit den Seniorentagen auf St. Chrischona macht das tsc Menschen bereits seit mehr als 25 Jahren Mut. Dies ist im Corona-Jahr 2021 besonders wichtig. Deshalb gibt es auch die Möglichkeit, den Seniorentags-Livestream von zuhause aus zu verfolgen. Jeder kann sich dazu anmelden und am 4. Mai live dabei sein. René Winkler freut sich auf viele Zuschauerinnen und Zuschauer und verspricht: «Wir werden beim tsc-Seniorentag 2021 wieder inspiriert aus Gottes Wort und von Menschen, die mit Gott viel erlebt und durchgestanden haben.»

René Winkler, Leiter Weiterbildung tsc
René Winkler ist Leiter Weiterbildung des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc).
Pfarrer Peter Schulthess spricht beim tsc-Seniorentag 2021 über seine Erfahrungen aus der Notfallseelsorge.
Pfarrer Peter Schulthess spricht beim tsc-Seniorentag 2021 über seine Erfahrungen aus der Notfallseelsorge.

Infos zum tsc-Seniorentag 2021

  • Termin: Dienstag, 4. Mai 2021, 14.30 – 16 Uhr
  • Thema: Wenn Unerwartetes unser Leben durcheinanderbringt
  • Referent: Pfarrer und Notfallseelsorger Peter Schulthess
  • Kosten: Die Teilnahme am Livestream des Seniorentags ist kostenlos. Um eine freiwillige Spende für die tsc-Bildungsarbeit wird gebeten.

2 Wege, wie Sie beim tsc-Seniorentag 2021 dabei sein können:

  1. Per Livestream bei Ihnen zuhause. Bitte füllen Sie das Anmeldeformular auf der Internetseite des tsc-Seniorentags aus, damit wir Ihnen die Infos zum Livestream übermitteln können. Die Anmeldung wird bis zum 4. Mai 2021 unmittelbar vor Beginn des Livestreams möglich sein.
  2. Per Livestream an einem der 55 Übertragungsorte in der Schweiz und in Deutschland. Die aktuelle Auflistung der Übertragungsorte finden Sie hier.
Forum Kommunikative Theologie 2021: Andreas Loos / Online-Konferenz

Spannende Theologie mit schwarzen Elefanten

Forum Kommunikative Theologie 2021

Spannende Theologie mit schwarzen Elefanten

«Schwarze Elefanten» sorgten für angeregte Diskussionen beim Forum Kommunikative Theologie 2021, an dem 65 Interessierte online teilnahmen. Schwarze Elefanten? Das sind Ereignisse, die wahrscheinlich sind und grosse Veränderungen hervorrufen können, aber keiner sehen will. Unter dem Motto «Überrascht vom Erwartbaren» hatte das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) vier Theologen eingeladen, ihre jeweiligen schwarzen Elefanten vorzustellen.

Droht ein christlicher Nationalismus in der Schweiz?

Top aktuell ist der schwarze Elefant von Marc Jost. Der Generalsekretär der Schweizerischen Evangelischen Allianz fragt sich angesichts des Sturms auf das Kapitol, ob Christen einem neuen Nationalismus verfallen. Nationalistische Tendenzen nimmt er nämlich auch in der Schweiz wahr, beispielsweise in Gesprächen über Migration. «Nur eine multikulturelle Kirche bietet einen wahren Vorgeschmack auf die himmlische Gemeinschaft», leitet Marc Jost aus Offenbarung 7 ab. Er rät deshalb, politische Bewegungen sorgfältig zu prüfen und den Blick über den nationalen Tellerrand zu wagen.

Theologie in der VUKA-Welt

Einen schwarzen Elefanten der Theologie sieht Christian Haslebacher. Der Vorsitzende von Chrischona Schweiz sieht es als Herausforderung, Theologie zu betreiben in einer von Veränderlichkeit, Unsicherheit, Komplexität und Widersprüchlichkeit (VUKA) geprägten Welt. «Ich erlebe sehr viel Polarisierung zwischen liberaler und neo-konservativer Theologie», berichtete er. Als möglichen dritten Weg schlug Christian Haslebacher vor, zwischen der Gewichtung theologischer Fragen angemessen zu unterscheiden. «Es braucht Einheit in den nötigen Kernfragen, Freiheit in allen Nicht-Kernfragen und in allem die Liebe», erklärte er. Doch wer entscheidet das? Was sind die Kriterien? Dies wurde heiss diskutiert.

Die Fülle des Evangeliums neu entdecken

Noch grundsätzlicher setzte Dr. Andreas Loos an. Der Dozent für Systematische Theologie des tsc zeigte unter anderem anhand von Umfragen, dass das Evangelium heute kaum mehr verstanden wird. Wie also die Menschen erreichen? Er plädierte dafür, die «unerschöpfliche Fülle des Evangeliums» mit Hilfe des Heiligen Geistes neu zu entdecken. Es könnten Gleichnisse sein, die aktuell die grösste Sogkraft entfalten. Zum Beispiel das vom verlorenen Sohn, der vom Vater so unendlich geliebt wird, dass dieser ihm entgegenläuft.

Forum Kommunikative Theologie 2021: Marc Jost
Droht ein neuer christlicher Nationalismus? Marc Jost erkennt Tendenzen und rät, politische Bewegungen sorgfältig zu prüfen.
Forum Kommunikative Theologie 2021: Schwarze Elefanten
Kreative Annäherung: So sehen die schwarzen Elefanten für E-Dozentin Corina Frank aus.

Wenn die Kirche sich dem Staat anbiedert

Ein vierter schwarzer Elefant lauert im Spannungsverhältnis zwischen Kirche und Staat. Das zeigte Dr. Stefan Felber auf, der Altes Testament am tsc unterrichtet. Er kritisiert sowohl die Politisierung der (Landes-)Kirche als auch die religiöse Aufladung der Politik. «Im Begriff der Zivilreligion lassen sich beide zu einem Denkmuster verbinden», führte er aus. Die Kirche dürfe sich dem Staat nicht anbiedern. Ihre Berufung sei es, die Obrigkeiten an Gottes Gebote zu erinnern.

Angeregter Austausch beim Forum Kommunikative Theologie

In Online-Gesprächsgruppen diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über jedes Themenfeld. Vielfach kam es zu einem angeregten, konstruktiven Austausch zwischen Menschen aus dem Gemeindedienst und Dozierenden des tsc. Dank des Forums wird sie eine künftige Begegnung mit den schwarzen Elefanten nun nicht mehr überraschen.

Forum Kommunikative Theologie 2021: Stefan Felber
Dr. Stefan Felber sieht das Verhältnis zwischen Staat und Kirche in einer Schieflage.

Communicatio-Magazin

Die Inhalte des Forums Kommunikative Theologie 2021 werden in der nächsten Ausgabe des Communicatio-Magazin veröffentlicht, die an Ostern erscheint. Sie können es kostenlos abonnieren.

Forum 2022

Das nächste Forum Kommunikative Theologie findet am 20. und 21. Januar 2022 statt.

tsc-Netzwerk-Konferenz 2020 «Entfesselte Gemeinde» als Online-Konferenz (1500x500px)

Wie lässt sich Gemeinde bauen in Corona-Zeiten?

tsc-Netzwerk-Konferenz 2020

Wie lässt sich Gemeinde bauen in Corona-Zeiten?

Viel Offenheit für Neues bei der tsc-Netzwerk-Konferenz zum Thema: «Entfesselte Gemeinde»

Die Corona-Krise hat Menschen, Gemeinden und Hauptamtliche verunsichert. Wie lassen sich in dieser Zeit zukunftsfähige Gemeinden bauen? Mut machende Ansätze hörten rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 7. November 2020 bei der Online-Konferenz des Netzwerks des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc). Sie endete mit einem leidenschaftlichen Plädoyer dafür, die Menschen zu lieben und ihnen das Evangelium zu kommunizieren.

Gemeinden sollten Kultur des Einladens fördern

Dieses Plädoyer hielt Steffen Beck, der leitende Pastor vom ICF Karlsruhe. Die Gemeinden bezeichnete er als «Rettungsunternehmen», die sich in der Krise nicht zurückziehen dürften. Sie sollten stattdessen kreativ werden, Hindernisse überwinden und den christlichen Auftrag über alles andere stellen. Es sei eine Frage der Herzenshaltung, ob Menschen zur Gemeinde kommen. Steffen Beck schlug vor, eine Kultur des Einladens zu fördern: «Es gibt nur einen Grund, warum kirchendistanzierte Menschen in die Kirche kommen: weil sie eingeladen wurden.»

«Der Zeitgeist hat eine spirituelle Dimension»

Die Offenheit für Neues war ein Tenor, der sich durch die Konferenz zog. Zu Beginn berichtete die Hamburger Zeitgeistforscherin Kirstine Fratz von neuen Sehnsüchten, die im Zeitgeist entstehen. Beispielsweise denken Menschen in Corona-Zeiten anders über sich selbst nach und fragen sich, was sie der Welt zu geben haben. Kirstine Fratz erklärte ausserdem, dass ihre Sicht auf den Zeitgeist sich durch die Zusammenarbeit mit dem tsc-Dozenten Andreas Loos erweitert hat. Sie sagte: «Der Zeitgeist hat eine spirituelle Dimension. Er will nicht zerstören, sondern liebt das Leben. Wie es auch der Heilige Geist tut.»

Bildung als Schlüssel für die Kirche von morgen

Konstruktiv-kritisch nahmen Walter und Oliver Dürr diesen Faden auf. Klar sei, dass die Corona-Krise die Kirchen verändern werde und die Zeit der «Betreuungsgemeinden» zu Ende gehe. Die Theologen und Gemeindeleiter wünschen sich eine neue Reformation und sehen Bildung als den Schlüsselfaktor dafür. «Bildung ist ein Schlüssel für die lebendige Kirche von morgen, die Salz und Licht sein will», erklärten sie.

Der Rektor des Theologischen Seminars St. Chrischona, Benedikt Walker, freute sich darüber. Im Online-Chat mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern formulierte er es so: «Die Kirche 2040 braucht die Ausbildung 2020. Und wir als tsc brauchen dafür den Schulterschluss mit den Partnern aus Gemeinde und Mission.»

Online-Konferenz – leichter zugänglich, weniger heimelig

Neben den hoffnungsvollen Inhalten gab vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern bereits die Tatsache Hoffnung, dass die Konferenz überhaupt stattfand. Beat Ungricht, der Leiter der tsc-Netzwerk-Konferenz, sagte: «Darüber waren wir uns im Team immer einig: Wir werden die Konferenz durchführen – gleich unter welchen Bedingungen.» Schliesslich wurde es eine Online-Tageskonferenz. Dieses Format punktete mit weltweiter Zugänglichkeit vom eigenen Zuhause, lies aber die Heimeligkeit früherer Konferenzen nicht zu. Andreas Loos drückte es so aus: «Die Digitalität kann mehr als wir ahnen, trotzdem habe ich euch alle vermisst.»

Die Videomitschnitte der tsc-Netzwerk-Konferenz 2020 sind auf der Konferenz-Internetseite eingebettet. Sie sind nicht frei zugänglich und deshalb mit einem Passwort geschützt, das allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern per E-Mail mitgeteilt wurde.

tsc-Netzwerk-Konferenz 2020: Walter und Oliver Dürr
Walter Dürr vom Studienzentrum für Glaube und Gesellschaft sieht Bildung als einen Schlüsselfaktor für die Kirche von morgen.
tsc-Netzwerk-Konferenz 2020: Talk zwischen Kirstine Fratz, Steffen Beck und Christian Haslebacher
Steffen Beck (oben links) im Gespräch mit Kirstine Fratz und Christian Haslebacher. Auf dem vierten Screen sind Lernpunkte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu lesen.
tsc-Netzwerk-Konferenz 2020: Claudius Buser und Andreas Loos
Die tsc-Dozenten Claudius Buser und Andreas Loos (von links) wirkten aktiv mit am Programm der tsc-Netzwerk-Konferenz.
tsc-Netzwerk-Konferenz 2020: Übertragung in der Chrischona Schöftland-Rued
Die tsc-Netzwerk-Konferenz 2020 wurde auch in Gemeinden live übertragen, zum Beispiel in die Chrischona-Gemeinde Schöftland-Rued.

Zahlen zur tsc-Netzwerk-Konferenz 2020

  • 262 Anmeldungen von Einzelpersonen
  • 7 Schweizer Chrischona-Gemeinden waren als Übertragungsorte live dabei. Dort schauten jeweils 5 bis 15 Personen zu.

Was ist das tsc-Netzwerk?

Das Netzwerk des Theologischen Seminars St. Chrischona wurde 2018 nach Ende des internationalen Chrischona-Verbandes gegründet. Mittlerweile ist es auf 67 Partner angewachsen, darunter Gemeindeverbände, Jugend- und Missionswerke sowie 55 lokale Gemeinden aus der Schweiz und aus Deutschland.

tsc-Jubiläumstreffen 2020: Interview mit Thomas Hohnecker (1500x500px)

Jubilare inspirieren Studierende

tsc-Jubiläumstreffen 2020

Jubilare inspirieren Studierende

Wer am Theologischen Seminar St. Chrischona studiert hat und 10, 20, 30, 40, 50 oder 60 Jahre im Dienst stand, hat viel zu erzählen. So prägten eindrückliche Lebensberichte und starke Zeugnisse über das Wirken Gottes das Jubiläumstreffen am 13. und 14. Oktober 2020 auf dem Chrischona Campus. Rund 130 Jubilarinnen und Jubilare waren der Einladung des tsc gefolgt.

«Eure Geschichten haben mich inspiriert. Ich wünsche mir, dass ich in 30 Jahren auch hier stehen kann und solche Geschichten erzählen kann», sagte tsc-Studentin Ladina Wettstein beim gemeinsamen Gottesdienst. Sie trug einen theologischen und persönlichen Impuls zum Thema Gemeinschaft vor. Zum gleichen Thema gab auch Jubilar Paul Stricker seine Gedanken weiter. Ein schöner Moment, der zeigte, dass sich die Generationen am tsc gegenseitig inspirieren können.

Zeugen der 180-jährigen tsc-Geschichte

Rektor Dr. Benedikt Walker verwies in seiner Begrüssung der Jubilarinnen und Jubilare auf die 180-jährige Geschichte des Theologischen Seminars St. Chrischona. Sie seien «Zeugen einer Geschichte, die sich auszeichnet durch die grosse Leidenschaft für Jesus, für die Bibel und für Menschen.»

Was das konkret für die Jubilarinnen und Jubilare bedeutet, erzählten sie in kurzen Interviews mit René Winkler, dem Leiter Weiterbildung des tsc. Darunter war Thomas Hohnecker, der 1980 von St. Chrischona ausgesendet wurde und als Prediger und Inspektor tätig war, zuletzt im Verband der Gemeinschaften in der Ev. Kirche in Schleswig-Holstein. Er berichtete, wie das tsc in ihn investiert hat: «Im zweiten Jahr des Studiums hatte ich einen Tiefpunkt, an dem ich zwei gewaltige Hilfen erfahren habe. Das eine war die Seelsorge bei Paul Breymaier (tsc-Dozent von 1974 bis 1999). Das andere das Lied: ‹Die Handschrift ist zerrissen›. Das ist mein Rettungslied bis heute.»

Warum hat Gott mich so geführt?

Eine nachdenkliche Note erhielt das Jubiläumstreffen, weil René Winkler die Jubilarinnen und Jubilare jeweils bat, eine Frage zu nennen, die sie an Gott haben. Mehrfach war die Berufung ein Thema: Warum hat Gott mich berufen? Warum hat er mich so geführt? Ausserdem gab es Fragen zum Gemeindebau: Wie baut Gott Gemeinde mit Menschen voller Fehler? Und theologische Fragen: Warum schweigt Gott manchmal? Warum macht er es den Menschen nicht leichter?

tsc-Alumni sind weltweit kompatibel

Das Jubiläumstreffen zeigte auch, in wie vielen verschiedenen Bereichen und Ländern Absolventinnen und Absolventen des tsc tätig sind: vom Missionseinsatz in Thailand oder Südamerika über Gemeindearbeit in der Schweiz, Deutschland bzw. im südlichen Afrika bis hin zum Dienst in christlichen Bildungsinstitutionen, Werken und Verbänden. Das Geheimnis dahinter brachte tsc-Dozent Dr. Horst Schaffenberger auf den Punkt: «Wir leben eine theologische Bandbreite, die zwischen verschiedenen christlichen Konfessionen und Sichtweisen funktioniert. Deshalb sind unsere Absolventinnen und Absolventen weltweit kompatibel.»

Das Jubiläumstreffen konnte unter Einhaltung eines Corona-Schutzkonzepts durchgeführt werden. Es sah mehrere Sektoren vor, die sich in den Innenräumen nicht vermischen durften. Trotzdem kamen viele Jubilarinnen und Jubilare gerne, weil die Vorfreude auf das Wiedersehen mit den Klassenkameraden und der Ausbildungsstätte überwog.

tsc-Jubiläumstreffen 2020: Ladina Wettstein und Paul Stricker
tsc-Studentin Ladina Wettstein und tsc-Jubilar Paul Stricker teilten ihre Gedanken zu Gemeinschaft mit.
tsc-Jubiläumstreffen 2020: Abschlussklasse von 1970 vor dem Brüderhaus
50 Jahre nach ihrer Aussendung versammelt sich die Abschlussklasse von 1970 erneut zum Gruppenfoto vor dem Brüderhaus.
tsc-Jubiläumstreffen 2020: Abschlussklasse von 1960
Paul Voegeli, Lieselotte Fehlmann und Traugott Stäheli (von links) wurden 1960 – vor 60 Jahren – ausgesendet von St. Chrischona.
tsc-Graduierungsfeier 2020: Graduierte (1500x500px)

Segensreicher Schlusspunkt des Studiums

tsc-Graduierungsfeier 2020

28 Absolventinnen und Absolventen erhalten Abschlusszeugnisse

Die Graduierungsfeier ist der Schlusspunkt der Bachelorstudiengänge am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc). Bei der Feier am 28. August 2020 auf dem Chrischona Campus erhielten 28 Absolventinnen und Absolventen ihre Abschlusszeugnisse. Drei von ihnen stellten ihre top bewerteten Bachelorarbeiten vor.

Top Bachelorarbeiten: von Kinderängsten und Jesus im Islam

Im Studiengang Kommunikative Theologie hatte der Fernstudent Bernd Neu in diesem Jahr die beste Arbeit geschrieben. Er verglich Quellen des Islam und der Evangelien, wie sie Jesus sehen. Dabei stellte er fest: Jesus ist nach Mohammed der wichtigste Prophet im Islam. Dieser Jesus entspricht aber nicht der Person, die uns in der Bibel begegnet.
Über den Umgang mit Kinderängsten verfasste Jonathan Widmayer seine Bachelorarbeit im Studiengang Theologie & Pädagogik. Eine seiner Erkenntnisse lautete, dass der Glaube einen Perspektivwechsel schafft: weg von der Angst, hin zu Jesus.
Die dritte top Bachelorarbeit ist die von Tim Hottinger im Studiengang Theologie & Musik. Er wollte der theologischen Begründung des Wesens der Musik auf die Spur kommen. Tims Fazit: «Gott ist musikalisch. Indem er es so angelegt hat, wie es ist, können wir sagen, dass er Musik liebt.»

«Das tsc-Studium ist mehr als Wissensvermittlung.»

Rektor Dr. Benedikt Walker gratulierte den Graduierten im Namen des tsc. «Das Studium am tsc ist mehr als Wissensvermittlung. Akademische Bildung fordert, dass wir das Gelernte reflektieren und bereit sind, Neues kennenzulernen», erklärte er in seinem Grusswort.

Ähnliche Worte wählte Dr. Johan Siebers als Vertreter der Middlesex University, die die Bachelorstudiengänge des tsc validiert. Er war wegen der Corona-Massnahmen per Videobotschaft zugeschaltet. Darin gab er den Rat, die Klarheit über die eigenen Ansichten und gleichzeitig die Offenheit für das Neue zu bewahren. «Wenn ihr als Vertreter eures Glaubens in die Welt zieht, wird eure Lebendigkeit das Wichtigste sein, was ihr Gesellschaft und Menschen zu vermitteln habt. Bleibt also nicht an der Seite, steigt ein in den Strom des Lebens», sagte der Professor für Philosophie und Religion.

tsc-Graduierungsfeier 2020: Graduierte (1500x1000px)
Mit einer Rose im Mund und dem Bachelorabschluss in der Tasche machen sich die Absolventinnen und Absolventen auf den nächsten Lebensabschnitt.
tsc-Graduierungsfeier 2020: Autoren der besten Bachelorarbeiten
Jonathan Widmayer, Bernd Neu und Tim Hottinger (von links) haben die besten Bachelorarbeiten ihrer Studiengänge verfasst.

Ein besonderer Moment

Ein letztes Mal richtete die Graduierungsfeier den Blick zurück auf die Jahre des Studiums, bevor für die Absolventinnen und Absolventen ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Ein besonderer Moment für die Graduierten mit ihren Freunden und Familien. Ein besonderer Moment aber auch für die Dozentinnen und Dozenten, welchen der Stolz und die Freude bei der Übergabe der Zeugnisse deutlich anzumerken war.

Theologieabsolventin Desirée Kratzat erinnerte in ihrem Beitrag an die segensreiche Zeit des Studiums. Sie erzählte Anekdoten über den ersten Griechischunterricht oder das Erlernen der zahlreichen Abkürzungen für Häuser auf dem Campus. Sich selbst und die anderen Graduierten beschrieb sie in einer doppelten Rolle: als Träger eines Segens zum Weitergeben und gleichzeitig als unverdiente Segensempfänger an den neuen Orten. Eine Rolle, die viel Hoffnung macht.

tsc-Graduierungsfeier 2020: Desirée Kratzat
Desirée Kratzat, tsc-Absolventin 2020, blickte für die Graduierten zurück aufs Studiums.

Infos zu den Bachelorstudiengängen

  • Die Bachelorstudiengänge des Theologischen Seminars St. Chrischona sind von der Middlesex University London validiert. Es handelt sich um anerkannte Bachelorabschlüsse nach hohem europäischem Bildungsstandard.
  • Studierende können den Bachelor in Theologie (Honours) im Präsenz- oder Fernstudium erwerben, ausserdem den Bachelor of Arts (Honours) in Theologie & Pädagogik sowie den Bachelor of Arts (Honours) in Theologie & Musik.
  • Die Bezeichnung «Honours» bedeutet: Bachelor mit Honours Degree. Der Honours-Bachelor ist der höchste Bachelorabschluss im britischen Bildungssystem. Es ist kein akademischer Grad, sondern die Bezeichnung für einen Bachelorstudiengang, der durch eine bestimmte Studienleistung mit entsprechender Note abgeschlossen werden kann (level of honours degree).
tsc-Aussendung 2020: Absolventinnen und Absolventen (1500x500px)

Der 180. Jahrgang ist ausgesendet!

tsc-Aussendungsfeier 2020

tsc sendete 38 Absolventinnen und Absolventen im Coronajahr 2020 aus

Wegen der Corona-Massnahmen konnte das Jahresfest des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) 2020 nicht stattfinden. Stattdessen sendete das tsc seine 38 Absolventinnen und Absolventen am 28. Juni mit einer Feier im internen Rahmen aus. Die Studiengemeinschaft liess sich nicht unterkriegen, sondern verabschiedete würdig und emotional den 180. Jahrgang.

Interne Aussendungsfeier statt Jahresfest

An den letztjährigen Jahresfesten nahmen jeweils Hunderte von tsc-Freunden, Familienangehörigen und Wegbegleitern der Absolventen teil. Im Coronajahr 2020 war dies zum Bedauern vieler nicht möglich. In einer Sitzordnung mit jeweils 1.50 m Abstand im Konferenzsaal auf dem Chrischona Campus verfolgten die rund 100 Mitstudierenden, Dozierenden und Mitarbeitenden die Aussendung der Abschlussklasse 2020. Vorsichtshalber verzichtete das tsc auf Gemeindegesang.

«Geht als Lernende!»

Rektor Dr. Benedikt Walker erinnerte in seinen Worten an die Abschlussklasse an die zurückliegenden Monate, vor allem an die Umstellung des Präsenzunterrichts auf E-Learning. Er war dabei immer als Lernender unterwegs. Diese Herangehensweise empfahl er den Absolventen: «Seid bereit, Bekanntes aufzugeben und Neues zu wagen. Geht als Lernende.»

Welche Herzenshaltung es in Coronazeiten braucht

In der Predigt erklärte Dr. Daniel Gleich, Dozent für Neues Testament, das Motto, das die Abschlussklasse ihrer Aussendungsfeier gegeben hatte: 180° Christus – Corona – Chrischona. Die Coronakrise hat das Leben vieler Menschen um 180° verändert. Die Absolventen beginnen ihre neuen Aufgaben in einer Zeit, die von Unsicherheit geprägt ist. Hier hilft der Blick auf Jesus Christus. Dieser hat sich nach seiner Auferstehung Zeit genommen, seinen Jüngern alles zu erklären. «Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?», heisst es in Lukas 24,32. Mit einer solchen Herzenshaltung können die Absolventen bestehen als «Pioniere, die in dieser auf den Kopf gestellten Zeit vorausgehen», wie Daniel Gleich sagte.

Segnung mit Abstand

Der Höhepunkt der Aussendungsfeier war auch diesmal der Zuspruch eines Bibelwortes und des Segens durch Dozierende an jede Absolventin und jeden Absolventen. In Unterschied zu den Vorjahren geschah dies mit Abstand. Die Abschlussklasse 2020 umfasst 38 Absolventen aus den dreijährigen Bachelorstudiengängen und dem tsc-Jahreskurs. 15 von ihnen schlossen Kommunikative Theologie ab, entweder im Präsenz- oder im Fernstudium. Theologie & Musik hat acht Absolventen, Theologie & Pädagogik weitere fünf. Zehn beendeten den Jahreskurs. Ihr weiterer Weg führt die Absolventen in Aufgaben in christliche Gemeinden und Werke, in Wirtschaft und Gesellschaft bzw. zum Weiterstudium.

Kreative Idee und Überraschungen

Der interne Rahmen sorgte für eine lockerere und intimere Veranstaltung. Das Programm war gespickt mit Überraschungen und kreativen Ideen. Beispielsweise spielten Ensembles aus Studierenden der Theologie & Musik Instrumentalstücke oder sangen Lieder a capella. Die Lesung war untermalt mit einem Poetry Slam. Ausserdem erlebte ein Video eine Premiere, indem der tsc-Chor das Lied singt «Nearer, My God to Thee». Dies bewegte die meisten Anwesenden zu stehenden Ovationen. Auch die Abschlussklasse des Vorjahres hatte sich etwas überlegt. Sie gratulierte den Absolventen 2020 per Video. Und gab ihnen gute Tipps wie diesen mit auf den Weg: «Schreit einmal laut: Halleluja!».

Sitzordnung mit Abstand wegen der Corona-Massnahmen
Sitzordnung mit Abstand wegen der Corona-Massnahmen
«Geht als Lernende!», rät Rektor Dr. Benedikt Walker der Abschlussklasse 2020.
«Geht als Lernende!», rät Rektor Dr. Benedikt Walker der Abschlussklasse 2020.
Den Blick auf Jesus Christus empfiehlt Dr. Daniel Gleich den Absolventinnen und Absolventen 2020.
Den Blick auf Jesus Christus empfiehlt Dr. Daniel Gleich den Absolventinnen und Absolventen 2020.
Das Männer-Ensemble des Studiengangs Theologie & Musik singt den Choral «Wunderbar ist Jesus».
Das Männer-Ensemble des Studiengangs Theologie & Musik singt den Choral «Wunderbar ist Jesus».
180 Jahre tsc: Gruss der Studiengemeinschaft (1500x500px)

180 Jahre tsc

Foto: Die Studiengemeinschaft 2020 des Theologischen Seminars St. Chrischona bildet eine 180.

180 Jahre tsc

Studiengemeinschaft feierte Dankgottesdienst

Seit mehr als 180 Jahren werden Menschen auf St. Chrischona theologisch ausgebildet. Den 180. Geburtstag feierte die Studiengemeinschaft des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) am 11. März 2020 an dem Ort, an dem alles begann.

Gründung durch Spittler

Es war in der Sakristei der Kirche St. Chrischona, wo Christian Friedrich Spittler am 8. März 1840 mit seiner Pflegetochter Susette, dem ersten «Chrischona-Bruder» Joseph Mohr und dem Schreinermeister Epple niederkniete. Er weihte die alte, verfallene Kirche St. Chrischona neu für die Aufgabe der «Pilgermission St. Chrischona»: Handwerker im christlichen Glauben schulen und sie wieder aussenden in die Welt.

tsc ist zurückgekehrt zu seinen Wurzeln

180 Jahre später ist die Pilgermission, die eine reiche und vielfältige Segensgeschichte erlebt hat, wieder zurückgekehrt zu ihren Wurzeln. Seit 2019 heisst sie Theologisches Seminar St. Chrischona und fokussiert sich auf die theologische Ausbildung, die bereits über 6500 Absolventinnen und Absolventen hat. Deshalb war es auch passend, dass es die Studierenden und Dozierenden des tsc waren, die Chrischona mit einem gemeinsam gesungenen «Happy birthday» gratulierten.

Vorbild Spittler

Claudius Buser, stellvertretender Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte, erinnerte im Gottesdienst an die Anfänge unter Spittler. Dieser hatte mehrere Anläufe genommen, um die Pilgermission St. Chrischona gründen zu können. Erst beim vierten Versuch gelang es. Spittler mietete die Kirche St. Chrischona vom Kanton Basel-Stadt und begann dort, junge Handwerker im Glauben auszubilden. «Spittler war so dankbar, dass Gott ihm vergeben und ihn geheilt hat. Chrischona hat er gegründet, dass das Evangelium in die Welt getragen wird, die so viel Heilloses hat», berichtete Claudius Buser. Neben der Verkündigung des Glaubens lag Spittler die tätige Nächstenliebe am Herzen. So gründete er auch Hilfswerke für Waisen, Witwen oder Gehörlose. Für Claudius Buser ist Spittler deshalb ein Vorbild: «Die Gnade und die Barmherzigkeit sind die zwei Flügel, die uns auch heute bewegen sollten, etwas in der Welt zu verändern.»

Gottesdienst 180 Jahre tsc am 11.3.2020: Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte
Claudius Buser betrachtet Christian Friedrich Spittler als Vorbild für die heutige Zeit.
Logo 180 Jahre tsc
2020 feiert das Theologische Seminar St. Chrischona sein 180-jähriges Jubiläum.

Spuren Gottes im Alltag entdecken

Die Predigt des Dankgottesdienstes hielt Rektor Benedikt Walker. Er gab drei Tipps und erklärte eine praktische Übung, wie sich Spuren Gottes im Alltag entdecken lassen. Erstens gelte es anzuerkennen, dass Gott souverän ist und sich überall offenbaren kann. Zweitens sollten sich Menschen eingestehen, dass sie vergesslich sind und immer wieder schuldig werden. Drittens brauche es eine Versöhnung mit der eigenen Geschichte. Die praktische Übung, die der Rektor erklärte, funktioniert mit Bohnen als Erinnerungshilfen. Bei jeder Kleinigkeit, die man täglich erlebt, könnte man sich eine Bohne von der rechten in die linke Hosen- oder Jackentasche stecken. Abends erinnert man sich mit ihrer Hilfe an die Erlebnisse und dankt Gott dafür.

tsc-Chorkonzert «180 Jahre tsc» am 28. Juni

Dass das Theologische Seminar St. Chrischona auch nach 180 Jahren weiterhin Menschen ausbilden kann, ist ein grosser Grund zum Danken. Dies tat die Studiengemeinschaft mit dem Psalm 103 sowie Lobpreisliedern und Gebeten. Der Dank soll sich fortsetzen im weiteren Verlauf des Jubiläumsjahres. So wird beim tsc-Jahresfest am 28. Juni 2020 ab 15 Uhr ein Chorkonzert mit Liedern und Geschichten aus 180 Jahren tsc stattfinden. Alle tsc-Freunde sind dazu herzlich eingeladen.

Gottesdienst 180 Jahre tsc am 11.3.2020: Rektor Benedikt Walker
Rektor Benedikt Walker erklärt, wie man Spuren Gottes im Alltag entdecken kann.

Was geschah am 8. März 1840?

Drei Wanderer zogen an jenem 8. März in der Morgenfrühe von Basel hinaus, dem waldigen Chrischona-Hügel zu. Es waren dies der ehrwürdige Vater Spittler, damals in seinem 58. Lebensjahre stehend, dessen Pflegetochter und langjährige Gehilfin, Fräulein Susette Spittler, und der Schreinermeister Epple, ein treuer Freund und Bruder in dem Herrn. Ihr Weg führte sie eine Weile dem prächtigen Rheinstrom entlang bis in die Nähe der badischen Grenze. Dort, am Schweizerischen Zollhäuschen, bogen sie links ab und gingen quer über Feld, dann durch liebliches Rebengelände, unmerklich steigend, dem Wenkenhofe und dem von Hügeln und Wäldern malerisch umgebenen Dörflein Bettingen zu. Von da galt es immer mehr zu steigen, bis nach etwa halbstündigem Marsch die alte, halbzerfallene St. Chrischona-Kirche auf der Hochfläche des Berges erreicht war. Unsre Pilger hatten die herrliche Aussicht, die sich dem Wanderer von jener Höhe darbietet, schon oft genossen, und manches Gebet war dann aus ihrem Herzen aufgestiegen, dass der Herr, dem diese Stätte von altersher geweiht und dessen Nähe in der feierlichen Stille ihnen oft so spürbar gewesen war, sich hier wieder einen Ort des Segens bereiten wolle zum Lobe seiner Gnade.

Und nun hatte der Herr angefangen, diese Bitten zu erhören […] und heute waren sie heraufgekommen, um mit dem jüngst eingetretenen ersten Pilgermissionar, ‹Bruder› Mohr, das neu zu beginnende Werk dem Herrn zu übergeben und in seinem Namen die Hand an den Pflug zu legen.
Durch das öde Schiff der Kirche schritten sie hindurch in das ebenso verwüstete hohe, gotische Chor. Dort zeigte sich ihnen zur linken Hand eine Tür, welche in einen Raum führte, der ehemals als Sakristei gedient haben musste. Hier hatte Bruder Mohr schon den Schutt hinweggeräumt, hatte etwas Ordnung gemacht und war tags zuvor in diese niedere Klause eingezogen, nachdem er die ersten Wochen im Nachbarhäuschen Unterkunft gefunden hatte. Aber wie überwältigend drängte sich allen die Wahrnehmung auf von der grossen und vielen Arbeit, die es kosten musste, um aus dem völlig verwahrlosten Kirchlein wieder ein würdiges Gotteshaus und eine Pflanzstätte christlichen Lebens zu machen!
Noch ungleich schwerer aber mochte ihnen die geistliche Aufgabe erscheinen. Konnte der Versuch, junge Männer aus dem Handwerkerstande zu brauchbaren Evangelisten für das Volk herauszubilden, gelingen? Woher sollten die Leute kommen? Woher die Geldmittel? Sie hatten ja nichts, keinen Fonds, keinen Vorrat, keine Versprechungen, wenig Ermutigung von aussen. Ja, aber sie hatten ihren Gott. Sie hatten den von ihm geweckten Trieb, etwas zu tun zur Verbreitung seiner Erkenntnis in den Herzen des Volkes. Sie hatten sein Wort und seine Verheissungen. Und tief durchdrungen von ihrer grossen Bedürftigkeit und dem grossen Reichtum ihres Gottes knieten sie in jener Sakristei nieder und weihten aufs Neue das alte, so lange dem Verfall preisgegebene Gotteshaus samt dem Werke, das sie darin zu beginnen gedachten, dem Herrn, der sie zu seinen Knechten und Werkzeugen erwählt und erkauft hatte.

Schreiber dieses hat die Schilderung jener unvergesslichen Stunde von den Lippen derjenigen, die damals stillschweigend zugehört und mitgebetet hat und die, wie sie scherzhaft zu sagen pflegte, der Anstalt Kindsmagddienste hat tun dürfen. Der Herr hat seinen Dienern und Handlangern sein Wort bestätigt, und das Samenkorn, das in jenen Frühlingstagen des Jahres 1840 im Glauben und mit viel Gebet in die Erde gelegt wurde, das Samenkorn, das oft zu ersterben drohte und von dem manches tatsächlich sterben musste, hat dennoch Lebensfähigkeit gehabt und zu einem Baum werden dürfen, unter dessen Zweigen nun nach Jahrzehnten manche Vögelein sitzen und mit einstimmen in das nie veraltende Lied des königlichen Sängers: Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! Amen.

Dieser Text stammt aus der Chronik «Die Pilgermission St. Chrischona 1840 – 1940» von Friedrich Veiel, Seite 32–34.