tsc-Jubiläumstreffen 2020: Interview mit Thomas Hohnecker (1500x500px)

Jubilare inspirieren Studierende

tsc-Jubiläumstreffen 2020

Jubilare inspirieren Studierende

Wer am Theologischen Seminar St. Chrischona studiert hat und 10, 20, 30, 40, 50 oder 60 Jahre im Dienst stand, hat viel zu erzählen. So prägten eindrückliche Lebensberichte und starke Zeugnisse über das Wirken Gottes das Jubiläumstreffen am 13. und 14. Oktober 2020 auf dem Chrischona Campus. Rund 130 Jubilarinnen und Jubilare waren der Einladung des tsc gefolgt.

«Eure Geschichten haben mich inspiriert. Ich wünsche mir, dass ich in 30 Jahren auch hier stehen kann und solche Geschichten erzählen kann», sagte tsc-Studentin Ladina Wettstein beim gemeinsamen Gottesdienst. Sie trug einen theologischen und persönlichen Impuls zum Thema Gemeinschaft vor. Zum gleichen Thema gab auch Jubilar Paul Stricker seine Gedanken weiter. Ein schöner Moment, der zeigte, dass sich die Generationen am tsc gegenseitig inspirieren können.

Zeugen der 180-jährigen tsc-Geschichte

Rektor Dr. Benedikt Walker verwies in seiner Begrüssung der Jubilarinnen und Jubilare auf die 180-jährige Geschichte des Theologischen Seminars St. Chrischona. Sie seien «Zeugen einer Geschichte, die sich auszeichnet durch die grosse Leidenschaft für Jesus, für die Bibel und für Menschen.»

Was das konkret für die Jubilarinnen und Jubilare bedeutet, erzählten sie in kurzen Interviews mit René Winkler, dem Leiter Weiterbildung des tsc. Darunter war Thomas Hohnecker, der 1980 von St. Chrischona ausgesendet wurde und als Prediger und Inspektor tätig war, zuletzt im Verband der Gemeinschaften in der Ev. Kirche in Schleswig-Holstein. Er berichtete, wie das tsc in ihn investiert hat: «Im zweiten Jahr des Studiums hatte ich einen Tiefpunkt, an dem ich zwei gewaltige Hilfen erfahren habe. Das eine war die Seelsorge bei Paul Breymaier (tsc-Dozent von 1974 bis 1999). Das andere das Lied: ‹Die Handschrift ist zerrissen›. Das ist mein Rettungslied bis heute.»

Warum hat Gott mich so geführt?

Eine nachdenkliche Note erhielt das Jubiläumstreffen, weil René Winkler die Jubilarinnen und Jubilare jeweils bat, eine Frage zu nennen, die sie an Gott haben. Mehrfach war die Berufung ein Thema: Warum hat Gott mich berufen? Warum hat er mich so geführt? Ausserdem gab es Fragen zum Gemeindebau: Wie baut Gott Gemeinde mit Menschen voller Fehler? Und theologische Fragen: Warum schweigt Gott manchmal? Warum macht er es den Menschen nicht leichter?

tsc-Alumni sind weltweit kompatibel

Das Jubiläumstreffen zeigte auch, in wie vielen verschiedenen Bereichen und Ländern Absolventinnen und Absolventen des tsc tätig sind: vom Missionseinsatz in Thailand oder Südamerika über Gemeindearbeit in der Schweiz, Deutschland bzw. im südlichen Afrika bis hin zum Dienst in christlichen Bildungsinstitutionen, Werken und Verbänden. Das Geheimnis dahinter brachte tsc-Dozent Dr. Horst Schaffenberger auf den Punkt: «Wir leben eine theologische Bandbreite, die zwischen verschiedenen christlichen Konfessionen und Sichtweisen funktioniert. Deshalb sind unsere Absolventinnen und Absolventen weltweit kompatibel.»

Das Jubiläumstreffen konnte unter Einhaltung eines Corona-Schutzkonzepts durchgeführt werden. Es sah mehrere Sektoren vor, die sich in den Innenräumen nicht vermischen durften. Trotzdem kamen viele Jubilarinnen und Jubilare gerne, weil die Vorfreude auf das Wiedersehen mit den Klassenkameraden und der Ausbildungsstätte überwog.

tsc-Jubiläumstreffen 2020: Ladina Wettstein und Paul Stricker
tsc-Studentin Ladina Wettstein und tsc-Jubilar Paul Stricker teilten ihre Gedanken zu Gemeinschaft mit.
tsc-Jubiläumstreffen 2020: Abschlussklasse von 1970 vor dem Brüderhaus
50 Jahre nach ihrer Aussendung versammelt sich die Abschlussklasse von 1970 erneut zum Gruppenfoto vor dem Brüderhaus.
tsc-Jubiläumstreffen 2020: Abschlussklasse von 1960
Paul Voegeli, Lieselotte Fehlmann und Traugott Stäheli (von links) wurden 1960 – vor 60 Jahren – ausgesendet von St. Chrischona.

Broschüre zu 180 Jahre tsc

Broschüre erschienen

180 Jahre tsc - was uns prägt und bewegt

Am 8. März 2020 ist das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) 180 Jahre alt geworden. Welche Themen und Ereignisse haben das tsc bewegt, geprägt und vorangebracht? Was hat sich in die DNA des tsc eingeprägt und wirkt heute noch weiter? Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte und stellvertretender Rektor des tsc, hat sich diesen Fragen gewidmet. Entstanden ist eine Broschüre, die den Bogen vom Gestern zum Heute spannt.

Good News

Ein Student sitzt auf der Mauer bei der Kirche St. Chrischona. Sein T-Shirt trägt die Aufschrift «Good News». Auf dem Titelbild der Broschüre spiegelt sich so der Gründungsgedanke von 1840, der noch heute tief verwurzelt ist am tsc: «Junge Handwerker ausbilden, damit sie das Evangelium in Wort und Schrift verständlich unter den Menschen vorleben und verbreiten können». Studieren kann man am tsc nach wie vor auch ohne Abitur oder Matura. Auch Handwerker sind unter den Studierenden von heute.

Von den Anfängen bis heute

Claudius Buser beschreibt im ersten Teil wichtige Etappen aus der Geschichte des tsc. Wie die Bildungsinstitution auf St. Chrischona im Umfeld eines pietistisch praktischen Christentums entstand. Wie sie sich Ende des 19. Jahrhunderts zum ersten Prediger- und Missionsseminar im deutschsprachigen Europa entwickelte. Wie St. Chrischona zu einem Vorreiter in Sachen «Theologische Bildung für alle» wurde. Wie sich das tsc im Chrischona-Verband unter dem Motto «Bewährtes erhalten, Neues wagen» im 20. Jahrhundert weiterentwickelte. Wie sich die Arbeit auf Chrischona heute im 21. Jahrhundert «zurück zu den Wurzeln» orientiert und fokussiert: Menschen für die Mitarbeit im Reich Gottes auszubilden.

Über 6600 Männer und Frauen haben seit 1840 auf St. Chrischona studiert. Ein paar Absolventinnen und Absolventen kommen in der Broschüre zu Wort. Sie erzählen, wie das tsc sie geprägt hat und wie sie die DNA des tsc beschreiben.

Das Evangelium verständlich und leidenschaftlich kommunizieren

Die Geschichte des tsc ist durchdrungen vom Wunsch, das Evangelium verständlich und leidenschaftlich zu kommunizieren. Doch was umfasst Kommunikation eigentlich alles, wie ist sie in der Theologie zu denken, wie umfassend kann man darüber reden? Solche Fragen führten dazu, das theologische Arbeiten am tsc unter den Begriff der Kommunikativen Theologie zu stellen. Gott spricht uns Menschen an und befähigt uns zur Antwort. Kommunikative Theologie staunt über diese Möglichkeit, lernt Gottes Reden in der biblischen Botschaft kennen, versucht zu antworten und anderen zeitgemäss von dieser Botschaft zu erzählen.

Das Profil des Theologischen Seminars St. Chrischona – gewachsen in 180 Jahren

Im zweiten Teil der Broschüre benennt Claudius Buser Schwerpunkte, die aus der Geschichte erwachsen heute dem tsc sein Profil geben:

  • Die Liebe Gottes treibt uns – wir glauben an die verändernde Kraft des Evangeliums.
  • Aus der Schrift leben – wir trauen der Bibel und bleiben mit ihr unterwegs.
  • Hoffnungsorientiertes Arbeiten – es kommt besser, als wir es je zu träumen wagen.
  • Freisetzen aller Kräfte und Gaben – in Gottes Reich arbeiten Frau und Mann, Alt und Jung gemeinsam.
  • Impulsgeber für andere – wir dienen allen Christen und geben Impulse des Handelns Gottes gerne weiter.
  • Wir sind nicht allein unterwegs – wir arbeiten zusammen und bilden andere aus.
  • Heil, Heilung und Heiligung gehören zusammen – wir setzen uns für eine ganzheitliche Spiritualität ein.

Autor der Broschüre:
Claudius Buser

Claudius Buser, Stv. Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte
Claudius Buser ist stellvertretender Rektor und Dozent für Kirchengeschichte am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc).
tsc aktuell: News und Talks mit René Winkler (1500x500px)

tsc aktuell

Videoserie auf Youtube

tsc aktuell

News und Talks mit René Winkler

Während der Coronakrise im Frühjahr 2020 startete das Theologische Seminar St. Chrischona die Videoserie «tsc aktuell». In den Videos präsentiert René Winkler (Leiter Weiterbildung tsc) News und Talks zu aktuellen Fragen. Sie sind auf dem Youtube-Kanal des tsc zu sehen.

08.09.2020
Wie startet das tsc ins Studienjahr 2020/21?

Statements von den tsc-Studierenden Senja Möschli, Lukas Knierim, Andrea Maag und Marc Burger sowie von Rektor Dr. Benedikt Walker

23.06.2020
Was lernt das tsc aus dem Corona-Semester?

Gespräch mit Dr. Benedikt Walker (Rektor tsc) und Dr. Dr. Beat Schweitzer (Studiengangsleiter des Bachelor-Studiengangs Kommunikative Theologie)

17.06.2020
Danke!

Von Herzen Danke sagen Studierende und Dozierende des Theologischen Seminars St. Chrischona für die Unterstützung der Beter, Spender und Freunde des tsc.

12.06.2020
Wie laufen Prüfungen in Coronazeiten?

Gespräch mit Rahel Bidlingmaier (Studiengangsleiterin des Bachelor-Studiengangs Theologie & Pädagogik)

28.05.2020
«Wir haben einen massiven Einbruch der Gästezahlen…»

Gespräch mit Zsolt Kubecska (Geschäftsführer Chrischona Campus AG)

19.05.2020
«Ich habe eine solche Krise noch nie erlebt!»

Gespräch mit Thomas Rudin (Präsident des Vereins Theologisches Seminar St. Chrischona)

13.05.2020
Wie laufen Studienbewerbungen in der Coronakrise?

Gespräche mit Dr. Benedikt Walker (Rektor tsc), Dorothee Kanzinger (Sekretärin tsc) und Melina Frey (Studentin tsc)

05.05.2020
Heute wäre Seniorentag!

Gespräche mit Pfr. Peter Schulthess (Referent des Seniorentags) und Emilio Mühlemann (langjähriger Seniorentagsbesucher)

29.04.2020
Wie funktioniert E-Learning?

Gespräche mit Micha Habel (Student tsc) und Dr. Debora Sommer (Leiterin Fernstudium tsc)

Willst du kein Video mehr verpassen?

tsc-Graduierungsfeier 2020: Graduierte (1500x500px)

Segensreicher Schlusspunkt des Studiums

tsc-Graduierungsfeier 2020

28 Absolventinnen und Absolventen erhalten Abschlusszeugnisse

Die Graduierungsfeier ist der Schlusspunkt der Bachelorstudiengänge am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc). Bei der Feier am 28. August 2020 auf dem Chrischona Campus erhielten 28 Absolventinnen und Absolventen ihre Abschlusszeugnisse. Drei von ihnen stellten ihre top bewerteten Bachelorarbeiten vor.

Top Bachelorarbeiten: von Kinderängsten und Jesus im Islam

Im Studiengang Kommunikative Theologie hatte der Fernstudent Bernd Neu in diesem Jahr die beste Arbeit geschrieben. Er verglich Quellen des Islam und der Evangelien, wie sie Jesus sehen. Dabei stellte er fest: Jesus ist nach Mohammed der wichtigste Prophet im Islam. Dieser Jesus entspricht aber nicht der Person, die uns in der Bibel begegnet.
Über den Umgang mit Kinderängsten verfasste Jonathan Widmayer seine Bachelorarbeit im Studiengang Theologie & Pädagogik. Eine seiner Erkenntnisse lautete, dass der Glaube einen Perspektivwechsel schafft: weg von der Angst, hin zu Jesus.
Die dritte top Bachelorarbeit ist die von Tim Hottinger im Studiengang Theologie & Musik. Er wollte der theologischen Begründung des Wesens der Musik auf die Spur kommen. Tims Fazit: «Gott ist musikalisch. Indem er es so angelegt hat, wie es ist, können wir sagen, dass er Musik liebt.»

«Das tsc-Studium ist mehr als Wissensvermittlung.»

Rektor Dr. Benedikt Walker gratulierte den Graduierten im Namen des tsc. «Das Studium am tsc ist mehr als Wissensvermittlung. Akademische Bildung fordert, dass wir das Gelernte reflektieren und bereit sind, Neues kennenzulernen», erklärte er in seinem Grusswort.

Ähnliche Worte wählte Dr. Johan Siebers als Vertreter der Middlesex University, die die Bachelorstudiengänge des tsc validiert. Er war wegen der Corona-Massnahmen per Videobotschaft zugeschaltet. Darin gab er den Rat, die Klarheit über die eigenen Ansichten und gleichzeitig die Offenheit für das Neue zu bewahren. «Wenn ihr als Vertreter eures Glaubens in die Welt zieht, wird eure Lebendigkeit das Wichtigste sein, was ihr Gesellschaft und Menschen zu vermitteln habt. Bleibt also nicht an der Seite, steigt ein in den Strom des Lebens», sagte der Professor für Philosophie und Religion.

tsc-Graduierungsfeier 2020: Graduierte (1500x1000px)
Mit einer Rose im Mund und dem Bachelorabschluss in der Tasche machen sich die Absolventinnen und Absolventen auf den nächsten Lebensabschnitt.
tsc-Graduierungsfeier 2020: Autoren der besten Bachelorarbeiten
Jonathan Widmayer, Bernd Neu und Tim Hottinger (von links) haben die besten Bachelorarbeiten ihrer Studiengänge verfasst.

Ein besonderer Moment

Ein letztes Mal richtete die Graduierungsfeier den Blick zurück auf die Jahre des Studiums, bevor für die Absolventinnen und Absolventen ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Ein besonderer Moment für die Graduierten mit ihren Freunden und Familien. Ein besonderer Moment aber auch für die Dozentinnen und Dozenten, welchen der Stolz und die Freude bei der Übergabe der Zeugnisse deutlich anzumerken war.

Theologieabsolventin Desirée Kratzat erinnerte in ihrem Beitrag an die segensreiche Zeit des Studiums. Sie erzählte Anekdoten über den ersten Griechischunterricht oder das Erlernen der zahlreichen Abkürzungen für Häuser auf dem Campus. Sich selbst und die anderen Graduierten beschrieb sie in einer doppelten Rolle: als Träger eines Segens zum Weitergeben und gleichzeitig als unverdiente Segensempfänger an den neuen Orten. Eine Rolle, die viel Hoffnung macht.

tsc-Graduierungsfeier 2020: Desirée Kratzat
Desirée Kratzat, tsc-Absolventin 2020, blickte für die Graduierten zurück aufs Studiums.

Infos zu den Bachelorstudiengängen

  • Die Bachelorstudiengänge des Theologischen Seminars St. Chrischona sind von der Middlesex University London validiert. Es handelt sich um anerkannte Bachelorabschlüsse nach hohem europäischem Bildungsstandard.
  • Studierende können den Bachelor in Theologie (Honours) im Präsenz- oder Fernstudium erwerben, ausserdem den Bachelor of Arts (Honours) in Theologie & Pädagogik sowie den Bachelor of Arts (Honours) in Theologie & Musik.
  • Die Bezeichnung «Honours» bedeutet: Bachelor mit Honours Degree. Der Honours-Bachelor ist der höchste Bachelorabschluss im britischen Bildungssystem. Es ist kein akademischer Grad, sondern die Bezeichnung für einen Bachelorstudiengang, der durch eine bestimmte Studienleistung mit entsprechender Note abgeschlossen werden kann (level of honours degree).

Interessiert?

  • Infos zum tsc-Studienangebot in kompakter Form erhältst du bei unseren Webinaren. Dabei kannst du den Studiengangsleitenden deine Fragen direkt stellen. Der nächste Termin: 10.12.2020, 18–19.30 Uhr.
  • Wie ist es, am Theologischen Seminar St. Chrischona zu studieren? Und wäre das etwas für dich? Herausfinden kannst du das bei unseren Schnuppertagen – kostenlos und unverbindlich. Der nächste Termin: 16.–17.10.2020.
tsc-Aussendung 2020: Absolventinnen und Absolventen (1500x500px)

Der 180. Jahrgang ist ausgesendet!

tsc-Aussendungsfeier 2020

tsc sendete 38 Absolventinnen und Absolventen im Coronajahr 2020 aus

Wegen der Corona-Massnahmen konnte das Jahresfest des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) 2020 nicht stattfinden. Stattdessen sendete das tsc seine 38 Absolventinnen und Absolventen am 28. Juni mit einer Feier im internen Rahmen aus. Die Studiengemeinschaft liess sich nicht unterkriegen, sondern verabschiedete würdig und emotional den 180. Jahrgang.

Interne Aussendungsfeier statt Jahresfest

An den letztjährigen Jahresfesten nahmen jeweils Hunderte von tsc-Freunden, Familienangehörigen und Wegbegleitern der Absolventen teil. Im Coronajahr 2020 war dies zum Bedauern vieler nicht möglich. In einer Sitzordnung mit jeweils 1.50 m Abstand im Konferenzsaal auf dem Chrischona Campus verfolgten die rund 100 Mitstudierenden, Dozierenden und Mitarbeitenden die Aussendung der Abschlussklasse 2020. Vorsichtshalber verzichtete das tsc auf Gemeindegesang.

«Geht als Lernende!»

Rektor Dr. Benedikt Walker erinnerte in seinen Worten an die Abschlussklasse an die zurückliegenden Monate, vor allem an die Umstellung des Präsenzunterrichts auf E-Learning. Er war dabei immer als Lernender unterwegs. Diese Herangehensweise empfahl er den Absolventen: «Seid bereit, Bekanntes aufzugeben und Neues zu wagen. Geht als Lernende.»

Welche Herzenshaltung es in Coronazeiten braucht

In der Predigt erklärte Dr. Daniel Gleich, Dozent für Neues Testament, das Motto, das die Abschlussklasse ihrer Aussendungsfeier gegeben hatte: 180° Christus – Corona – Chrischona. Die Coronakrise hat das Leben vieler Menschen um 180° verändert. Die Absolventen beginnen ihre neuen Aufgaben in einer Zeit, die von Unsicherheit geprägt ist. Hier hilft der Blick auf Jesus Christus. Dieser hat sich nach seiner Auferstehung Zeit genommen, seinen Jüngern alles zu erklären. «Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?», heisst es in Lukas 24,32. Mit einer solchen Herzenshaltung können die Absolventen bestehen als «Pioniere, die in dieser auf den Kopf gestellten Zeit vorausgehen», wie Daniel Gleich sagte.

Segnung mit Abstand

Der Höhepunkt der Aussendungsfeier war auch diesmal der Zuspruch eines Bibelwortes und des Segens durch Dozierende an jede Absolventin und jeden Absolventen. In Unterschied zu den Vorjahren geschah dies mit Abstand. Die Abschlussklasse 2020 umfasst 38 Absolventen aus den dreijährigen Bachelorstudiengängen und dem tsc-Jahreskurs. 15 von ihnen schlossen Kommunikative Theologie ab, entweder im Präsenz- oder im Fernstudium. Theologie & Musik hat acht Absolventen, Theologie & Pädagogik weitere fünf. Zehn beendeten den Jahreskurs. Ihr weiterer Weg führt die Absolventen in Aufgaben in christliche Gemeinden und Werke, in Wirtschaft und Gesellschaft bzw. zum Weiterstudium.

Kreative Idee und Überraschungen

Der interne Rahmen sorgte für eine lockerere und intimere Veranstaltung. Das Programm war gespickt mit Überraschungen und kreativen Ideen. Beispielsweise spielten Ensembles aus Studierenden der Theologie & Musik Instrumentalstücke oder sangen Lieder a capella. Die Lesung war untermalt mit einem Poetry Slam. Ausserdem erlebte ein Video eine Premiere, indem der tsc-Chor das Lied singt «Nearer, My God to Thee». Dies bewegte die meisten Anwesenden zu stehenden Ovationen. Auch die Abschlussklasse des Vorjahres hatte sich etwas überlegt. Sie gratulierte den Absolventen 2020 per Video. Und gab ihnen gute Tipps wie diesen mit auf den Weg: «Schreit einmal laut: Halleluja!».

Sitzordnung mit Abstand wegen der Corona-Massnahmen
Sitzordnung mit Abstand wegen der Corona-Massnahmen
«Geht als Lernende!», rät Rektor Dr. Benedikt Walker der Abschlussklasse 2020.
«Geht als Lernende!», rät Rektor Dr. Benedikt Walker der Abschlussklasse 2020.
Den Blick auf Jesus Christus empfiehlt Dr. Daniel Gleich den Absolventinnen und Absolventen 2020.
Den Blick auf Jesus Christus empfiehlt Dr. Daniel Gleich den Absolventinnen und Absolventen 2020.
Das Männer-Ensemble des Studiengangs Theologie & Musik singt den Choral «Wunderbar ist Jesus».
Das Männer-Ensemble des Studiengangs Theologie & Musik singt den Choral «Wunderbar ist Jesus».
180 Jahre tsc: Gruss der Studiengemeinschaft (1500x500px)

180 Jahre tsc

Foto: Die Studiengemeinschaft 2020 des Theologischen Seminars St. Chrischona bildet eine 180.

180 Jahre tsc

Studiengemeinschaft feierte Dankgottesdienst

Seit mehr als 180 Jahren werden Menschen auf St. Chrischona theologisch ausgebildet. Den 180. Geburtstag feierte die Studiengemeinschaft des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) am 11. März 2020 an dem Ort, an dem alles begann.

Gründung durch Spittler

Es war in der Sakristei der Kirche St. Chrischona, wo Christian Friedrich Spittler am 8. März 1840 mit seiner Pflegetochter Susette, dem ersten «Chrischona-Bruder» Joseph Mohr und dem Schreinermeister Epple niederkniete. Er weihte die alte, verfallene Kirche St. Chrischona neu für die Aufgabe der «Pilgermission St. Chrischona»: Handwerker im christlichen Glauben schulen und sie wieder aussenden in die Welt.

tsc ist zurückgekehrt zu seinen Wurzeln

180 Jahre später ist die Pilgermission, die eine reiche und vielfältige Segensgeschichte erlebt hat, wieder zurückgekehrt zu ihren Wurzeln. Seit 2019 heisst sie Theologisches Seminar St. Chrischona und fokussiert sich auf die theologische Ausbildung, die bereits über 6500 Absolventinnen und Absolventen hat. Deshalb war es auch passend, dass es die Studierenden und Dozierenden des tsc waren, die Chrischona mit einem gemeinsam gesungenen «Happy birthday» gratulierten.

Vorbild Spittler

Claudius Buser, stellvertretender Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte, erinnerte im Gottesdienst an die Anfänge unter Spittler. Dieser hatte mehrere Anläufe genommen, um die Pilgermission St. Chrischona gründen zu können. Erst beim vierten Versuch gelang es. Spittler mietete die Kirche St. Chrischona vom Kanton Basel-Stadt und begann dort, junge Handwerker im Glauben auszubilden. «Spittler war so dankbar, dass Gott ihm vergeben und ihn geheilt hat. Chrischona hat er gegründet, dass das Evangelium in die Welt getragen wird, die so viel Heilloses hat», berichtete Claudius Buser. Neben der Verkündigung des Glaubens lag Spittler die tätige Nächstenliebe am Herzen. So gründete er auch Hilfswerke für Waisen, Witwen oder Gehörlose. Für Claudius Buser ist Spittler deshalb ein Vorbild: «Die Gnade und die Barmherzigkeit sind die zwei Flügel, die uns auch heute bewegen sollten, etwas in der Welt zu verändern.»

Gottesdienst 180 Jahre tsc am 11.3.2020: Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte
Claudius Buser betrachtet Christian Friedrich Spittler als Vorbild für die heutige Zeit.
Logo 180 Jahre tsc
2020 feiert das Theologische Seminar St. Chrischona sein 180-jähriges Jubiläum.

Spuren Gottes im Alltag entdecken

Die Predigt des Dankgottesdienstes hielt Rektor Benedikt Walker. Er gab drei Tipps und erklärte eine praktische Übung, wie sich Spuren Gottes im Alltag entdecken lassen. Erstens gelte es anzuerkennen, dass Gott souverän ist und sich überall offenbaren kann. Zweitens sollten sich Menschen eingestehen, dass sie vergesslich sind und immer wieder schuldig werden. Drittens brauche es eine Versöhnung mit der eigenen Geschichte. Die praktische Übung, die der Rektor erklärte, funktioniert mit Bohnen als Erinnerungshilfen. Bei jeder Kleinigkeit, die man täglich erlebt, könnte man sich eine Bohne von der rechten in die linke Hosen- oder Jackentasche stecken. Abends erinnert man sich mit ihrer Hilfe an die Erlebnisse und dankt Gott dafür.

tsc-Chorkonzert «180 Jahre tsc» am 28. Juni

Dass das Theologische Seminar St. Chrischona auch nach 180 Jahren weiterhin Menschen ausbilden kann, ist ein grosser Grund zum Danken. Dies tat die Studiengemeinschaft mit dem Psalm 103 sowie Lobpreisliedern und Gebeten. Der Dank soll sich fortsetzen im weiteren Verlauf des Jubiläumsjahres. So wird beim tsc-Jahresfest am 28. Juni 2020 ab 15 Uhr ein Chorkonzert mit Liedern und Geschichten aus 180 Jahren tsc stattfinden. Alle tsc-Freunde sind dazu herzlich eingeladen.

Gottesdienst 180 Jahre tsc am 11.3.2020: Rektor Benedikt Walker
Rektor Benedikt Walker erklärt, wie man Spuren Gottes im Alltag entdecken kann.

Was geschah am 8. März 1840?

Drei Wanderer zogen an jenem 8. März in der Morgenfrühe von Basel hinaus, dem waldigen Chrischona-Hügel zu. Es waren dies der ehrwürdige Vater Spittler, damals in seinem 58. Lebensjahre stehend, dessen Pflegetochter und langjährige Gehilfin, Fräulein Susette Spittler, und der Schreinermeister Epple, ein treuer Freund und Bruder in dem Herrn. Ihr Weg führte sie eine Weile dem prächtigen Rheinstrom entlang bis in die Nähe der badischen Grenze. Dort, am Schweizerischen Zollhäuschen, bogen sie links ab und gingen quer über Feld, dann durch liebliches Rebengelände, unmerklich steigend, dem Wenkenhofe und dem von Hügeln und Wäldern malerisch umgebenen Dörflein Bettingen zu. Von da galt es immer mehr zu steigen, bis nach etwa halbstündigem Marsch die alte, halbzerfallene St. Chrischona-Kirche auf der Hochfläche des Berges erreicht war. Unsre Pilger hatten die herrliche Aussicht, die sich dem Wanderer von jener Höhe darbietet, schon oft genossen, und manches Gebet war dann aus ihrem Herzen aufgestiegen, dass der Herr, dem diese Stätte von altersher geweiht und dessen Nähe in der feierlichen Stille ihnen oft so spürbar gewesen war, sich hier wieder einen Ort des Segens bereiten wolle zum Lobe seiner Gnade.

Und nun hatte der Herr angefangen, diese Bitten zu erhören […] und heute waren sie heraufgekommen, um mit dem jüngst eingetretenen ersten Pilgermissionar, ‹Bruder› Mohr, das neu zu beginnende Werk dem Herrn zu übergeben und in seinem Namen die Hand an den Pflug zu legen.
Durch das öde Schiff der Kirche schritten sie hindurch in das ebenso verwüstete hohe, gotische Chor. Dort zeigte sich ihnen zur linken Hand eine Tür, welche in einen Raum führte, der ehemals als Sakristei gedient haben musste. Hier hatte Bruder Mohr schon den Schutt hinweggeräumt, hatte etwas Ordnung gemacht und war tags zuvor in diese niedere Klause eingezogen, nachdem er die ersten Wochen im Nachbarhäuschen Unterkunft gefunden hatte. Aber wie überwältigend drängte sich allen die Wahrnehmung auf von der grossen und vielen Arbeit, die es kosten musste, um aus dem völlig verwahrlosten Kirchlein wieder ein würdiges Gotteshaus und eine Pflanzstätte christlichen Lebens zu machen!
Noch ungleich schwerer aber mochte ihnen die geistliche Aufgabe erscheinen. Konnte der Versuch, junge Männer aus dem Handwerkerstande zu brauchbaren Evangelisten für das Volk herauszubilden, gelingen? Woher sollten die Leute kommen? Woher die Geldmittel? Sie hatten ja nichts, keinen Fonds, keinen Vorrat, keine Versprechungen, wenig Ermutigung von aussen. Ja, aber sie hatten ihren Gott. Sie hatten den von ihm geweckten Trieb, etwas zu tun zur Verbreitung seiner Erkenntnis in den Herzen des Volkes. Sie hatten sein Wort und seine Verheissungen. Und tief durchdrungen von ihrer grossen Bedürftigkeit und dem grossen Reichtum ihres Gottes knieten sie in jener Sakristei nieder und weihten aufs Neue das alte, so lange dem Verfall preisgegebene Gotteshaus samt dem Werke, das sie darin zu beginnen gedachten, dem Herrn, der sie zu seinen Knechten und Werkzeugen erwählt und erkauft hatte.

Schreiber dieses hat die Schilderung jener unvergesslichen Stunde von den Lippen derjenigen, die damals stillschweigend zugehört und mitgebetet hat und die, wie sie scherzhaft zu sagen pflegte, der Anstalt Kindsmagddienste hat tun dürfen. Der Herr hat seinen Dienern und Handlangern sein Wort bestätigt, und das Samenkorn, das in jenen Frühlingstagen des Jahres 1840 im Glauben und mit viel Gebet in die Erde gelegt wurde, das Samenkorn, das oft zu ersterben drohte und von dem manches tatsächlich sterben musste, hat dennoch Lebensfähigkeit gehabt und zu einem Baum werden dürfen, unter dessen Zweigen nun nach Jahrzehnten manche Vögelein sitzen und mit einstimmen in das nie veraltende Lied des königlichen Sängers: Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! Amen.

Dieser Text stammt aus der Chronik «Die Pilgermission St. Chrischona 1840 – 1940» von Friedrich Veiel, Seite 32–34.

Claudius Buser, Stv. Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte

Claudius Buser und die «4M»

Vier Fragen an Claudius Buser

«Man muss Menschen mögen.»

Hinter den «4M» verbirgt sich der Satz: «Man muss Menschen mögen». Claudius Buser, stellvertretender Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte, ist bekannt für diesen Ausspruch. Warum er ihn so schätzt, erklärt er im Gespräch. Ausserdem zeigt er auf, welchen Fussabdruck die theologische Ausbildung auf St. Chrischona in der Kirchengeschichte hinterlassen hat.

«Ich bin gerne mit Menschen unterwegs.»

tsc: Lieber Claudius, was sind deine Aufgaben als stellvertretender Rektor – was begeistert dich an deiner Tätigkeit?

Claudius Buser: Ich denke in vielen Bereichen des tsc mit, übernehme Aufgaben und vertrete den Rektor bei Veranstaltungen oder Diensten. Das ist interessant, herausfordernd und mit der Übernahme von Verantwortung verbunden. Ich bin gerne mit Menschen unterwegs. Das hilft mir und begeistert mich auch in diesem Bereich meiner Aufgaben. Dass wir als tsc nach 180 Jahren immer noch unterwegs sind und junge Menschen ausbilden dürfen, das ist doch unglaublich schön.

«Du bist Teil der Geschichte.»

tsc: Seit 2003 unterrichtest du Kirchengeschichte am tsc. Was lernen die Studierenden in deinem Unterricht?

Claudius Buser: «Du bist auch Teil der Geschichte. Denk nicht zu klein von deinem Platz darin, sondern lass Gottes Geist und Liebe Raum, sich in Dir und durch Dich zu entfalten.» Es ist unglaublich, was entsteht, wenn Gottes Liebe uns und unsere Geschichte durchdringt. Also setzen wir uns mit unserer eigenen Geschichte auseinander, und plötzlich werden wir Teil von etwas Grösserem, das 2000 Jahre zurückreicht. Wir erkennen dabei: Wir gehören dazu, das hat auch mit mir zu tun. Unsere Herkunft zu kennen hilft uns, die Gegenwart zu verstehen und für die Zukunft gewappnet zu sein.

Warum man Menschen mögen muss

tsc: «Man muss Menschen mögen» – von diesen «4M» erzählst du häufig in deinem Unterricht. Stimmt das?

Claudius Buser: Ja. Wir sollten im Reich Gottes ohne Liebe besser nichts anfassen, sonst machen wir die uns anvertrauten Menschen und die uns umgebende Schöpfung nur kaputt. Daher die «4M». Das geht aber nicht einfach so. Gott hat deshalb in unseren Alltag viele Übungsmöglichkeiten eingebaut. Eigentlich sollten wir bei so viel Training und einem so guten Coach alle schon Weltmeister in Sachen Liebe sein.

Claudius Buser über 180 Jahre tsc

tsc: Das tsc wird in diesem Jahr 180 Jahre – das ist jung angesichts 2000 Jahren Kirchengeschichte. Welchen Fussabdruck hat das tsc in der Kirchengeschichte hinterlassen?

Claudius Buser: Das tsc hat eigentlich keine Füsse, aber unsere Studierenden, unsere Mitarbeitenden und Dozierenden stehen mit beiden Beinen in dieser Welt. Und es ist atemberaubend, wo diese Füsse schon überall durchgezogen sind als Botschafter der Liebe Gottes in Verkündigung, Lehre und ganz praktischer, sozialer Arbeit. Wir finden Spuren bei uns in Europa und in der ganzen Welt: Über 13’000 Füsse (von mehr als 6500 Absolventinnen und Absolventen) waren und sind unterwegs auf unserem schönen Globus; zurzeit in mehr als 40 Ländern. Das ist doch wohl ein kräftiger Fussabdruck!

Claudius Buser, Stv. Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte
Claudius Buser ist stellvertretender Rektor und Dozent für Kirchengeschichte am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc).
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2020 feiert das Theologische Seminar St. Chrischona sein 180-jähriges Jubiläum.