180 Jahre tsc: Gruss der Studiengemeinschaft (1500x500px)

180 Jahre tsc

Foto: Die Studiengemeinschaft 2020 des Theologischen Seminars St. Chrischona bildet eine 180.

180 Jahre tsc

Studiengemeinschaft feierte Dankgottesdienst

Seit mehr als 180 Jahren werden Menschen auf St. Chrischona theologisch ausgebildet. Den 180. Geburtstag feierte die Studiengemeinschaft des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) am 11. März 2020 an dem Ort, an dem alles begann.

Gründung durch Spittler

Es war in der Sakristei der Kirche St. Chrischona, wo Christian Friedrich Spittler am 8. März 1840 mit seiner Pflegetochter Susette, dem ersten «Chrischona-Bruder» Joseph Mohr und dem Schreinermeister Epple niederkniete. Er weihte die alte, verfallene Kirche St. Chrischona neu für die Aufgabe der «Pilgermission St. Chrischona»: Handwerker im christlichen Glauben schulen und sie wieder aussenden in die Welt.

tsc ist zurückgekehrt zu seinen Wurzeln

180 Jahre später ist die Pilgermission, die eine reiche und vielfältige Segensgeschichte erlebt hat, wieder zurückgekehrt zu ihren Wurzeln. Seit 2019 heisst sie Theologisches Seminar St. Chrischona und fokussiert sich auf die theologische Ausbildung, die bereits über 6500 Absolventinnen und Absolventen hat. Deshalb war es auch passend, dass es die Studierenden und Dozierenden des tsc waren, die Chrischona mit einem gemeinsam gesungenen «Happy birthday» gratulierten.

Vorbild Spittler

Claudius Buser, stellvertretender Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte, erinnerte im Gottesdienst an die Anfänge unter Spittler. Dieser hatte mehrere Anläufe genommen, um die Pilgermission St. Chrischona gründen zu können. Erst beim vierten Versuch gelang es. Spittler mietete die Kirche St. Chrischona vom Kanton Basel-Stadt und begann dort, junge Handwerker im Glauben auszubilden. «Spittler war so dankbar, dass Gott ihm vergeben und ihn geheilt hat. Chrischona hat er gegründet, dass das Evangelium in die Welt getragen wird, die so viel Heilloses hat», berichtete Claudius Buser. Neben der Verkündigung des Glaubens lag Spittler die tätige Nächstenliebe am Herzen. So gründete er auch Hilfswerke für Waisen, Witwen oder Gehörlose. Für Claudius Buser ist Spittler deshalb ein Vorbild: «Die Gnade und die Barmherzigkeit sind die zwei Flügel, die uns auch heute bewegen sollten, etwas in der Welt zu verändern.»

Gottesdienst 180 Jahre tsc am 11.3.2020: Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte
Claudius Buser betrachtet Christian Friedrich Spittler als Vorbild für die heutige Zeit.
Logo 180 Jahre tsc
2020 feiert das Theologische Seminar St. Chrischona sein 180-jähriges Jubiläum.

Spuren Gottes im Alltag entdecken

Die Predigt des Dankgottesdienstes hielt Rektor Benedikt Walker. Er gab drei Tipps und erklärte eine praktische Übung, wie sich Spuren Gottes im Alltag entdecken lassen. Erstens gelte es anzuerkennen, dass Gott souverän ist und sich überall offenbaren kann. Zweitens sollten sich Menschen eingestehen, dass sie vergesslich sind und immer wieder schuldig werden. Drittens brauche es eine Versöhnung mit der eigenen Geschichte. Die praktische Übung, die der Rektor erklärte, funktioniert mit Bohnen als Erinnerungshilfen. Bei jeder Kleinigkeit, die man täglich erlebt, könnte man sich eine Bohne von der rechten in die linke Hosen- oder Jackentasche stecken. Abends erinnert man sich mit ihrer Hilfe an die Erlebnisse und dankt Gott dafür.

tsc-Chorkonzert «180 Jahre tsc» am 28. Juni

Dass das Theologische Seminar St. Chrischona auch nach 180 Jahren weiterhin Menschen ausbilden kann, ist ein grosser Grund zum Danken. Dies tat die Studiengemeinschaft mit dem Psalm 103 sowie Lobpreisliedern und Gebeten. Der Dank soll sich fortsetzen im weiteren Verlauf des Jubiläumsjahres. So wird beim tsc-Jahresfest am 28. Juni 2020 ab 15 Uhr ein Chorkonzert mit Liedern und Geschichten aus 180 Jahren tsc stattfinden. Alle tsc-Freunde sind dazu herzlich eingeladen.

Gottesdienst 180 Jahre tsc am 11.3.2020: Rektor Benedikt Walker
Rektor Benedikt Walker erklärt, wie man Spuren Gottes im Alltag entdecken kann.

Was geschah am 8. März 1840?

Drei Wanderer zogen an jenem 8. März in der Morgenfrühe von Basel hinaus, dem waldigen Chrischona-Hügel zu. Es waren dies der ehrwürdige Vater Spittler, damals in seinem 58. Lebensjahre stehend, dessen Pflegetochter und langjährige Gehilfin, Fräulein Susette Spittler, und der Schreinermeister Epple, ein treuer Freund und Bruder in dem Herrn. Ihr Weg führte sie eine Weile dem prächtigen Rheinstrom entlang bis in die Nähe der badischen Grenze. Dort, am Schweizerischen Zollhäuschen, bogen sie links ab und gingen quer über Feld, dann durch liebliches Rebengelände, unmerklich steigend, dem Wenkenhofe und dem von Hügeln und Wäldern malerisch umgebenen Dörflein Bettingen zu. Von da galt es immer mehr zu steigen, bis nach etwa halbstündigem Marsch die alte, halbzerfallene St. Chrischona-Kirche auf der Hochfläche des Berges erreicht war. Unsre Pilger hatten die herrliche Aussicht, die sich dem Wanderer von jener Höhe darbietet, schon oft genossen, und manches Gebet war dann aus ihrem Herzen aufgestiegen, dass der Herr, dem diese Stätte von altersher geweiht und dessen Nähe in der feierlichen Stille ihnen oft so spürbar gewesen war, sich hier wieder einen Ort des Segens bereiten wolle zum Lobe seiner Gnade.

Und nun hatte der Herr angefangen, diese Bitten zu erhören […] und heute waren sie heraufgekommen, um mit dem jüngst eingetretenen ersten Pilgermissionar, ‹Bruder› Mohr, das neu zu beginnende Werk dem Herrn zu übergeben und in seinem Namen die Hand an den Pflug zu legen.
Durch das öde Schiff der Kirche schritten sie hindurch in das ebenso verwüstete hohe, gotische Chor. Dort zeigte sich ihnen zur linken Hand eine Tür, welche in einen Raum führte, der ehemals als Sakristei gedient haben musste. Hier hatte Bruder Mohr schon den Schutt hinweggeräumt, hatte etwas Ordnung gemacht und war tags zuvor in diese niedere Klause eingezogen, nachdem er die ersten Wochen im Nachbarhäuschen Unterkunft gefunden hatte. Aber wie überwältigend drängte sich allen die Wahrnehmung auf von der grossen und vielen Arbeit, die es kosten musste, um aus dem völlig verwahrlosten Kirchlein wieder ein würdiges Gotteshaus und eine Pflanzstätte christlichen Lebens zu machen!
Noch ungleich schwerer aber mochte ihnen die geistliche Aufgabe erscheinen. Konnte der Versuch, junge Männer aus dem Handwerkerstande zu brauchbaren Evangelisten für das Volk herauszubilden, gelingen? Woher sollten die Leute kommen? Woher die Geldmittel? Sie hatten ja nichts, keinen Fonds, keinen Vorrat, keine Versprechungen, wenig Ermutigung von aussen. Ja, aber sie hatten ihren Gott. Sie hatten den von ihm geweckten Trieb, etwas zu tun zur Verbreitung seiner Erkenntnis in den Herzen des Volkes. Sie hatten sein Wort und seine Verheissungen. Und tief durchdrungen von ihrer grossen Bedürftigkeit und dem grossen Reichtum ihres Gottes knieten sie in jener Sakristei nieder und weihten aufs Neue das alte, so lange dem Verfall preisgegebene Gotteshaus samt dem Werke, das sie darin zu beginnen gedachten, dem Herrn, der sie zu seinen Knechten und Werkzeugen erwählt und erkauft hatte.

Schreiber dieses hat die Schilderung jener unvergesslichen Stunde von den Lippen derjenigen, die damals stillschweigend zugehört und mitgebetet hat und die, wie sie scherzhaft zu sagen pflegte, der Anstalt Kindsmagddienste hat tun dürfen. Der Herr hat seinen Dienern und Handlangern sein Wort bestätigt, und das Samenkorn, das in jenen Frühlingstagen des Jahres 1840 im Glauben und mit viel Gebet in die Erde gelegt wurde, das Samenkorn, das oft zu ersterben drohte und von dem manches tatsächlich sterben musste, hat dennoch Lebensfähigkeit gehabt und zu einem Baum werden dürfen, unter dessen Zweigen nun nach Jahrzehnten manche Vögelein sitzen und mit einstimmen in das nie veraltende Lied des königlichen Sängers: Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! Amen.

Dieser Text stammt aus der Chronik «Die Pilgermission St. Chrischona 1840 – 1940» von Friedrich Veiel, Seite 32–34.

tsc-Community-Abend: Im Gespräch mit Dr. Debora Sommer

Wie Debora Sommer ihre Berufung als Theologin entdeckte

tsc-Communityabend am 5. März 2020

Wie Debora Sommer ihre Berufung als Theologin entdeckte

Einblicke in ihre Lebensgeschichte gab Dr. Debora Sommer der Studiengemeinschaft am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc). Bei einem Community-Abend am 5. März 2020 nahm die Leiterin Fernstudium Theologie am tsc die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine spannende Reise. Sie berichtete, wie sie ihre Berufung als Theologin entdeckte und begann, mutig zu leben.

Frau und Theologin

Von einer Kultur geformt, in der das Bild der Frau klar geprägt war, war es herausfordernd und auch mutig, einen Ruf von Gott zu folgen, der dieser Prägung zu widersprechen schien. Von klein auf hatte Debora den Wunsch, ihr Leben ganz Gott zu widmen. Sie begann ihr Theologiestudium an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule (STH) Basel mit dem Wissen, dass sie vermutlich selbst nie predigen würde. Nach einer Begegnung mit einer Mitstudentin, die eine Berufung als Pfarrerin in der Landeskirche hatte, begann sie sich mehr und mehr mit der Rolle der Frau aus theologischer Sicht auseinanderzusetzen. Diesem Thema widmete sie besondere Aufmerksamkeit in ihrer Doktorarbeit über Juliane von Krüdener: «Eine baltisch-adlige Missionarin bewegt Europa». Debora Sommer wurde bewusst, dass es manchmal erforderlich ist, mit der Bibel zu ringen statt mit Menschen. Es ist eine Kunst, theologische Spannungen respektvoll aushalten zu können und den Menschen in Liebe zu begegnen.

Ergänzung statt Konkurrenz

Deboras Sommers Bericht wurde durch Beiträge ihres Ehemanns Rolf ergänzt. Der Coach und Pastor ist Absolvent des Theologischen Seminars St. Chrischona. Es war eindrücklich zu erleben, wie sich die Ehepartner als Team ergänzen und unterstützen. So wurden Deboras Worte praktisch erlebbar: «Oft kämpft man nur ums Recht haben, statt um die Bereitschaft Rücksicht zu nehmen und Liebe reifen zu lassen». Dies birgt die Kraft, Unterschiedlichkeit zuzulassen, ihr zuzuhören und Spannungen auszuhalten. Es ist die Dialogfähigkeit, die es ermöglicht, die Sicht anderer zu hören, zu sehen und auch erstmal stehen lassen zu können. «Es geht darum, die innere Stärke bei Gott zu suchen, um kritikfähig zu bleiben und eigene Motive immer wieder zu überprüfen», erklärte Debora Sommer.
Rolf Sommer ermutigte die Studiengemeinschaft mit den Worten: «Habt Mut, Schritte zu wagen – auch, wenn es eventuell enttäuschend endet. Habt keine Angst Fehler zu machen, die gehören dazu und aus denen kann man lernen – habt Mut, mutig zu sein!» Schlussendlich geht es doch vielmehr um die Ergänzung und nicht etwa um Konkurrenz. Denn in der Vielfalt liegt die Einheit und dies bringt immer wieder Spannungen mit sich.

«Grosses Privileg, solche Dozentinnen am tsc zu haben»

Bei den Studierenden kam der Vortragsabend gut an. Zum Beispiel bei Ladina Wettstein, Studentin im Bachelor-Studiengang Theologie & Pädagogik. Sie sagte: «Ich erachte es als grosses Privileg, Dozentinnen und Dozenten wie Debora Sommer am tsc zu haben. Aus ihren Lebensgeschichten und Erfahrungen ergibt sich ein grosser Mehrwert für uns als Gemeinschaft auf St. Chrischona, von dem wir enorm viel profitieren können. Dies motiviert mich, solche Anlässe und Abende zu organisieren, koordinieren und durchzuführen.»

Dr. Debora Sommer
Dr. Debora Sommer leitet das tsc-Fernstudium.
Claudius Buser, Stv. Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte

Claudius Buser und die «4M»

Vier Fragen an Claudius Buser

«Man muss Menschen mögen»

Hinter den «4M» verbirgt sich der Satz: «Man muss Menschen mögen». Claudius Buser, stellvertretender Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte, ist bekannt für diesen Ausspruch. Warum er ihn so schätzt, erklärt er im Gespräch. Ausserdem zeigt er auf, welchen Fussabdruck die theologische Ausbildung auf St. Chrischona in der Kirchengeschichte hinterlassen hat.

«Ich bin gerne mit Menschen unterwegs.»

tsc: Lieber Claudius, was sind deine Aufgaben als stellvertretender Rektor – was begeistert dich an deiner Tätigkeit?

Claudius Buser: Ich denke in vielen Bereichen des tsc mit, übernehme Aufgaben und vertrete den Rektor bei Veranstaltungen oder Diensten. Das ist interessant, herausfordernd und mit der Übernahme von Verantwortung verbunden. Ich bin gerne mit Menschen unterwegs. Das hilft mir und begeistert mich auch in diesem Bereich meiner Aufgaben. Dass wir als tsc nach 180 Jahren immer noch unterwegs sind und junge Menschen ausbilden dürfen, das ist doch unglaublich schön.

«Du bist Teil der Geschichte.»

tsc: Seit 2003 unterrichtest du Kirchengeschichte am tsc. Was lernen die Studierenden in deinem Unterricht?

Claudius Buser: «Du bist auch Teil der Geschichte. Denk nicht zu klein von deinem Platz darin, sondern lass Gottes Geist und Liebe Raum, sich in Dir und durch Dich zu entfalten.» Es ist unglaublich, was entsteht, wenn Gottes Liebe uns und unsere Geschichte durchdringt. Also setzen wir uns mit unserer eigenen Geschichte auseinander, und plötzlich werden wir Teil von etwas Grösserem, das 2000 Jahre zurückreicht. Wir erkennen dabei: Wir gehören dazu, das hat auch mit mir zu tun. Unsere Herkunft zu kennen hilft uns, die Gegenwart zu verstehen und für die Zukunft gewappnet zu sein.

Warum man Menschen mögen muss

tsc: «Man muss Menschen mögen» – von diesen «4M» erzählst du häufig in deinem Unterricht. Stimmt das?

Claudius Buser: Ja. Wir sollten im Reich Gottes ohne Liebe besser nichts anfassen, sonst machen wir die uns anvertrauten Menschen und die uns umgebende Schöpfung nur kaputt. Daher die «4M». Das geht aber nicht einfach so. Gott hat deshalb in unseren Alltag viele Übungsmöglichkeiten eingebaut. Eigentlich sollten wir bei so viel Training und einem so guten Coach alle schon Weltmeister in Sachen Liebe sein.

Claudius Buser über 180 Jahre tsc

tsc: Das tsc wird in diesem Jahr 180 Jahre – das ist jung angesichts 2000 Jahren Kirchengeschichte. Welchen Fussabdruck hat das tsc in der Kirchengeschichte hinterlassen?

Claudius Buser: Das tsc hat eigentlich keine Füsse, aber unsere Studierenden, unsere Mitarbeitenden und Dozierenden stehen mit beiden Beinen in dieser Welt. Und es ist atemberaubend, wo diese Füsse schon überall durchgezogen sind als Botschafter der Liebe Gottes in Verkündigung, Lehre und ganz praktischer, sozialer Arbeit. Wir finden Spuren bei uns in Europa und in der ganzen Welt: Über 13’000 Füsse (von mehr als 6500 Absolventinnen und Absolventen) waren und sind unterwegs auf unserem schönen Globus; zurzeit in mehr als 40 Ländern. Das ist doch wohl ein kräftiger Fussabdruck!

Claudius Buser, Stv. Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte
Claudius Buser ist stellvertretender Rektor und Dozent für Kirchengeschichte am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc).
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2020 feiert das Theologische Seminar St. Chrischona sein 180-jähriges Jubiläum.
Abschlussgottesdienst Herbstsemester 2019/20: Jahresrückblick von Claudius Buser (1500x500px)

tsc-Jahresrückblick 2019

Jahresrückblick 2019

von Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte am tsc

Eine Tradition zum Jahresende am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc) ist der humorvolle Jahresrückblick von Claudius Buser, dem Dozenten für Kirchengeschichte. Auch 2019 fasst er Ereignisse anekdotenhaft zusammen, die entweder kirchengeschichtlich oder für das tsc eine Bedeutung haben.

Wie die Reformation in der Schweiz begann

Evangelion Sant Matthes, das erst Kapitel: «Das ist das Buoch von der Geburt Jesu Christi. Das ist ein Sonn Davids, des Sons Abrahas. Abraha hat geboren den Jsaac. Jsaac hat geboren den Jaacob. Jaacob hat geboren den Juda unnd seine Brueder.» So trat Zwingli am 1. Januar 1519 auf die Kanzel des Grossmünsters in Zürich. Die Bibel in alemannischem Dialekt, später in der alemannischen Kanzleisprache und eben nicht wie bei Luther in sächsischer Kanzleisprache. Damit hat am 1. Januar 1519 – vor 500 Jahren – an Zwinglis 35. Geburtstag die Reformation in der Schweiz begonnen. Natürlich hatte er die Froschauerbibel von 1531 noch nicht in der Hand, sondern eine eigene Übersetzung erstellt Mithilfe des von Erasmus in Basel herausgegebenen Neuen Testaments von 1516. Aber das war ein Anfang und 12 Jahre später – noch etwas vor Luther – hatten die Zürcher die ganze Bibel, eben gedruckt von Froschauer, dessen Druckerei und Verlag heute Orell Füssli heisst und dieses Jahr auch auf 500 Jahre zurückschauen kann.

Auch Chrischona reformiert

Zwingli hat nach 1500 Jahren eine Reformation eingeleitet. Ein Satz von ihm, ist vielen heute noch in den Ohren: «Tut um Gottes Willen etwas Tapferes!» So dachte Chrischona International: Wir tun das, wir reformieren tapfer, aber schon nach 179 Jahren. Dieses Jahr geht in die Chrischona-Geschichte ein. Wir haben es wieder getan, wir haben Chrischona wieder neu erfunden. Schon Spittler hat die Dinge vorangetrieben, Rappard hat umgebaut, ausgebaut, neue Zweige hinzugefügt. Jeweils unter dem Motto von Altdirektor Schmid: Bewährtes erhalten und Neues wagen. Jetzt haben wir uns entschieden, die Dinge nochmals anders anzugehen. Seit dem 1. Januar 2019 sind wir wieder ganz der Bildung zugewandt, sind ein Verein und neu auch eine AG. Neue Kräfte in Verwaltungsrat und Vorstand helfen voran. Wir ringen und arbeiten Richtung Zukunft im Wissen um eine reiche Vergangenheit, die uns auch hilft bei den Entscheidungen. Wir sind aber auch ein Netzwerk, zu dem schon einige Dutzend Gemeinden und Werke gehören.

Nun aber Monat für Monat, etwas aus der weiten Welt, und etwas aus unserer Welt.

Auf humorvolle Art und Weise blickt Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte am tsc, auf die Ereignisse des Jahres 2019 zurück.
Auf humorvolle Art und Weise blickt Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte am tsc, auf die Ereignisse des Jahres 2019 zurück.

Januar 2019

Auf Chrischona liegt Schnee, die Studenten haben sich verkrochen und schreiben ihre Ausarbeitungen, die Dozenten und Interessierte sassen Mitte Monat zusammen und aktivierten ihre Hirnrinden im Theologischen Forum und danach an ihrer Retraite. Bevor sie sich auch verkriechen und versuchen zu korrigieren, was ihnen geboten wurde. Alle sind froh, wenn Ausarbeitungen und Korrekturen in trockenen Tüchern sind und der Unterricht wiederbeginnt.

Februar 2019

Noch andere haben sich zurückgezogen und hart gearbeitet: 21 Schreiberinnen und Schreiber von Bachelorarbeiten. Anfangs Februar geben sie ihre Arbeiten ab und wieder sind die Dozenten gefragt. Es hat sich gelohnt, die drei besten können ihre Arbeit an der Graduierungsfeier Ende August vorstellen (Mira Stubbig, Tabea Reichenbach und Nadine Bär).

März 2019

An diversen Sonntagen im März schwärmen wir aus in verschiedene Gemeinden – vor allem zu solchen, die schon Netzwerkpartner sind. Oder die es werden wollen – und bringen Infos und Grüsse vom tsc vorbei. Wichtige Kontakte, damit man uns hier oben nicht nur nicht vergisst, sondern junge Menschen auch zu uns kommen, dazu helfen auch die Schnuppertage für Interessierte.
Höhepunkt im März ist für viele von uns das Upgrade in Willingen (Deutschland). Unsere Musiker und viele andere Studentinnen und Studenten als unentbehrliche Helfer (darunter der Papst) aber auch einige Dozentinnen und Dozenten haben sich richtig ins Zeug gelegt und das tsc den über 3’000 Delegierten aus hunderten von Gemeinden und Werken so richtig gut in Erinnerung gerufen. Es ist eine grossartige Erfahrung gewesen. Am tsc Stand gab es den besten Kaffee auf dem Gelände und gute Gespräche. Und tsc-Student Tobias Greub war der Chef der katholischen Kirche: «Hier in der katholischen Kirche bin ich momentan der Chef – nichts gegen den Papst – aber hier habe ich die Leitung!»

April 2019

Wir demonstrieren wieder, letztes Jahr habe ich 50 Jahre 68iger thematisiert, die gingen für ihre Anliegen auf die Strasse. Doch 2019 gingen die Leute auch echt oft auf die Strasse: für politische Rechte z. B. in Hongkong, im Sudan, für eine gerechtere Verteilung des Wohlstandes (in Frankreich die Gelbwesten, in Chile die halbe Bevölkerung, u. a.), für das Klima (was letzten Sommer klein begann, hat dieses Jahr viel Raum eingenommen: «Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut.» Einige Christen laufen aus Überzeugung mit, weil unser Lebensstil unserem schönen Planeten tatsächlich arg zusetzt, der uns doch von Gott anvertraut ist, andere haben andere Probleme.
Uns hier auf dem Berg hat der Studienalltag wieder bis vor Ostern. Dann gibt es Osterferien und wir erinnern uns an Jesu Sterben und feiern seine Auferstehung.

Mai 2019

Jetzt müsst ihr gut hinhören! Am 2. Mai vor 500 Jahren starb das Universalgenie Leonardo da Vinci. Schon im zarten Alter von 18 Jahren soll er beim gemeinsamen Malen mit seinem Meister des Bildes «die Taufe Christi» in Florenz einen Engel so schön auf das Bild gemalt haben, dass sein Meister danach den Pinsel hinlegte und sagte: «Dein Talent ist so viel grösser als meins, ich male nicht mehr.»
Aber und jetzt kommt es: Diesen Tag hat unser neuer Geschäftsführer ausgewählt, um hier bei uns seine Arbeitsstelle anzutreten. Zsolt Kubecksa macht das alles auch so gut, hoffentlich legt aber niemand den Pinsel ab.
Der Mai ist voll hier oben: der Unterricht brummt, die Senioren erobern für einen Tag den Berg, der Chor singt, wobei ein Stepptänzer ihm fast die Show stiehlt.
Zum Ende des Frühlingssemesters 2019 am 24. Mai im Abschlussgottesdienst verabschieden wir Eckhard Hagedorn in den Ruhestand. 20 Jahre hat er hier unterrichtet und manchem Studenten die Bibel lieb gemacht, die er selbst als «Fette Beute» bezeichnet in seinem Buch «Fette Beute – warum die Bibel so dick ist». Gleichzeitig hat Daniel Gleich seinen Doktor abgeschlossen (Bravo) und als sein Nachfolger die Feuertaufe des ersten Semesters hier am tsc mit Erfolg bestanden.

Juni 2019

CREA 2019 – so viele junge Leute, Gott ruft sich eine neue Generation zusammen – Studentinnen und Studenten der Zukunft. Beten wir für die neue Studiengemeinschaft 2020.

tsc-Jahresfest am 23. Juni: 37 Absolventen sagen tschüss und 500 Menschen aus Familien und Freunden sind dabei. Dabei sind auch die ersten Absolventen aus unserem Bachelor-Studiengang Theologie & Musik. Wir sind begeistert und freuen uns mit. Ferner wurden auch unsere ersten Eben-Ezer-Musikvideos vorgestellt, die zwei Eigenproduktionen von zwei Studentinnen zeigen – wieder gehen Lieder aus von Chrischona, wie schon früher.

Juli 2019

1979 kam der erste Walkman auf den Markt. 40 Jahre Musikhören unterwegs.
Wir machen damit Ferien.

August 2019

Wir nehmen den Pinsel wieder in die Hand und im fernen Korsika kam vor 250 (1769) Jahren einer der grössten, umstrittensten, schurkigsten und genialsten Egomanen auf die Welt: Napoleon.
Die Graduierungsfeier findet erstmals gerade zu Beginn des neuen Studienjahres statt. Neu ist auch das Format, stellen doch erstmals drei Absolventinnen ihre Bachelorarbeit vor.
Danach beginnen die geistlichen Einführungstage, an denen uns Heiner Schubert von Don Camillo aus Montmirail mit seinen zeichnenden Predigten in den Bann zog und wir auch interaktiv mit hineingenommen wurden in die Thematik: Christus in dir, Christus in mir. 33 neue Studis sind angetreten, dazu kommen über 20, die an Fernstudenten oder Modulstudenten oder Gaststudenten mitmachen.

September 2019

Wir freuen uns, dass der Studienbetrieb wieder so richtig los geht mit vielen, jungen motivierten Menschen. Insgesamt studieren etwas mehr als 140 Menschen hier.
Diesen Herbst feiern zwei Schweizer Institutionen ihren 100tsten Geburtstag: VFG (Freikirchenverband Schweiz) und EVP (Evangelische Volkspartei).

Bei uns gab es Mitgliederversammlung des Ev. Gnadauer Gemeinschaftsverbandes auf St. Chrischona – irgendwie haben unsere Studenten denen so Eindruck gemacht beim Upgrade, dass sie ihre Delegiertenversammlung im Herbst gerade bei uns abhielten. Und wieder waren sie begeistert – nun hoffen wir auf die ersten 50 Ersties aus Deutschland nächsten Sommer!

Oktober 2019

Ruhm und Gold – 1000 Jahre Basler Münster: das ganze Jahr über Feierlichkeiten und eine Ausstellung, die noch bis am 19. Januar 2020 läuft. Genau am 11. Oktober 1019 wurde von Heinrich II das Basler Münster geweiht. Beachtliche Teile der damals gemachten kostbaren Schenkungen sind heute noch vorhanden und eben im Museum zu sehen.
175 Jahre Nietzsche Geburtstag Eigentlich sollte der Pastorensohn Friedrich Nietzsche Theologe werden. Doch er entschied sich für die Philosophie. Ohne vorherige Habilitation berief ihn die Universität Basel zum Professor Nietzsche, der unter anderem seinen Glauben durch die Lektüre von David Friedrichs Leben Jesu und durch Ludwig Feuerbachs wahres Christentum verloren hatte, war 10 Jahre in Basel Professor und Lehrer.
«Gott ist […] eine Undelicatesse gegen uns Denker –, im Grunde sogar bloß ein faustgrobes Verbot an uns: Ihr sollt nicht denken!»
1889 schreibt Nietzsche aus Turin nach Basel an Jacob Burckhardt: «Lieber Herr Professor, zuletzt wäre ich sehr viel lieber Basler Professor als Gott; aber ich habe es nicht gewagt, meinen Privat-Egoismus so weit zu treiben, um seinetwegen die Schaffung der Welt zu unterlassen. Sie sehen, man muss Opfer bringen, wie und wo man lebt.»
Wir haben im Januar am Theologischen Forum auch einen Atheisten zu Worte kommen lassen. Wir möchten zuhören und verstehen, aber nicht so enden, Gott sei Dank, lebt Gott, auch wenn ihn Nietzsche und vor und nach ihm viele – auch unter Schmerzen und Entsetzen – totgesagt hat.
Wir singen lieber dem, der uns geliebt hat, Liebeslieder und öffnen im Oktober wieder die Bühne in der Eben-Ezer-Halle.

November 2019

Vor 500 Jahren zog Cortés in die sagenumwobene Hauptstadt der Azteken ein – es war der Startschuss zur Globalisierung
Vor 150 Jahren, am 17. November 1869, wird ein 3500 Jahre alter Traum Wirklichkeit. Mit dem Suezkanal wird die bedeutendste von Menschen geschaffene Wasserstrasse eröffnet.

Und wir, wir studieren bis die Hirnhaut platzt, bis der Computer streikt, bis der Morgen graut. Viel wird gelernt, diskutiert, erkannt, neu entdeckt.

Dezember 2019

Reinhard Bonnke stirbt, der Mähdrescher Gottes ist tot. Das heisst: im Himmel und sieht nun die Früchte seiner Arbeit. Er war bei einigen umstritten, aber das Evangelium hat er vielen gebracht.

Uns am tsc stecken nun noch die Prüfungen in den Knochen, aber das Semester ist vorbei und was bleiben soll, das haben viele von euch uns im absolut wunderbaren Adventskonzert 2019 mit dem tsc-Chor zugesungen.

Von kleinen und grossen Schritten

1969 – also vor 50 Jahren – sagte Armstrong: «Ein kleiner Schritt für mich, aber ein grosser Schritt für die Menschheit», und stieg die letzte Stufe von der Mondlandefähre auf den Mond. Fast die ganze Welt schaute dabei zu. Erst 50 Jahre ist das her, dass wir Menschen ein bisschen von der Erde los kamen… sozusagen einen kleinen Sprung ins All taten, Ausserirdische wurden.
Vor über 2000 Jahren hat auch einer einen kleinen Schritt gemacht auf die Erde, hinein in einen Stall, kaum jemand nahm Notiz, doch der ganze Himmel schaute zu. Ganz klein fing es an, aber es war ein grosser Schritt für die Menschheit. Ja, der grosse Schritt auf die Menschheit zu, den wir so nötig hatten und haben und auch ein ganz grosser für den Grössten: Gott wurde klein, kam zu uns, damit wir wieder unsere wahre Grösse entdecken können – Kinder Gottes dürfen wir – durch sein Leben und Sterben – in seiner Gegenwart sein.

Vorstand des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes mit tsc-Vertretern (1500x500px)

Gnadauer auf Chrischona

Foto: Der Gnadauer Vorstand trifft sich vor der Mitgliederversammlung mit Vertreterinnen und Vertretern des tsc.

Mitgliederversammlung 2019 des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes

Gnadauer auf Chrischona

Das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) war vom 12. bis 14. September 2019 Gastgeber der Mitgliederversammlung des Ev. Gnadauer Gemeinschaftsverbandes. Die rund 80 Delegierten erlebten drei intensive Tage und lernten nebenbei das tsc besser kennen.

Gnadau und tsc sind eng verbunden

Lange ist es her, dass der hauptsächlich aus deutschen Werken und Gemeinschaftsverbänden bestehende Gnadauer Gemeinschaftsverband auf St. Chrischona in der Schweiz tagte. Vor der diesjährigen Mitgliederversammlung war dies zuletzt 1995 der Fall.

Das Theologische Seminar St. Chrischona ist mit der Gemeinschaftsbewegung aber eng verbunden. Rund ein Dutzend Delegierter der Gnadauer Mitgliederversammlung haben selbst am tsc studiert. Im langfristigen Trend stammen rund 50 Prozent aller tsc-Studenten aus Deutschland, viele davon aus Gemeinden des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes. Zudem ist das tsc Gründungsmitglied im neuen Gnadauer Bündnis für Lernen und Arbeiten im Gnadauer Verband. Und René Winkler, Leiter Weiterbildung am tsc, ist Mitglied im Gnadauer Vorstand. Im März 2019 hat das tsc mit rund 80 Teilnehmern beim Upgrade-Kongress des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes in Willingen teilgenommen und mitgearbeitet.

Die Generation Lobpreis in der Gemeinschaftsbewegung

Den Upgrade-Kongress auszuwerten war auch ein wichtiger Tagesordnungspunkt der Gnadauer Mitgliederversammlung auf St. Chrischona. Ausserdem war Thema, wie die Generation Lobpreis besser in die Gemeinschaftsbewegung eingebunden werden kann. Dazu waren unter anderem Tobias Faix (Professor für Praktische Theologie und Autor) und Andreas Boppart (Leiter Campus für Christus in Deutschland, Österreich, Schweiz) als Gastreferenten eingeladen.

Um die Generation Lobpreis theologisch und musikalisch gut auszubilden, bietet das Theologische Seminar St. Chrischona seit 2016 den Bachelorstudiengang Theologie & Musik an. Vier Sänger und Liederschreiber aus diesem Studiengang gaben am Abend des zweiten Sitzungstages ein Konzert für die Delegierten der Gnadauer Mitgliederversammlung. Dabei präsentierte Carolin Feuchtmeyer mit einer Band auch ihr selbst geschriebenes Lied «You know», das im Rahmen der Eben-Ezer-Sessions auf Video aufgenommen worden ist.

«Ganz grosses Gnadauer Kino!»

Eine Mehrheit der Gnadauer Delegierten besuchte den Chrischona-Campus während der Mitgliederversammlung zum ersten Mal. Viele zeigten sich beeindruckt von der Grösse, Ruhe und Spiritualität des Campus. Auch die Bibelarbeiten, welche die tsc-Dozenten Susanne Hagen, Andreas Loos und Debora Sommer am Morgen der Sitzungstage hielten, stiessen auf Resonanz. In einem Dankwort an das tsc erklärte Präses Michael Diener: «Wir erlebten einen schönen, grossen Tagungsraum, tolle Dozenten und eine einmalige musikalische Begleitung – das war ganz grosses Gnadauer Kino. Vielen Dank dafür!»

Gnadauer auf Chrischona: Präses Michael Diener
Gnadauer-Präses Michael Diener bedankt sich beim Theologischen Seminar St. Chrischona herzlich für die Gastfreundschaft: «Wir erlebten einen schönen, grossen Tagungsraum, tolle Dozenten und eine einmalige musikalische Begleitung – das war ganz grosses Gnadauer Kino.»
Dr. Benedikt Walker, der Rektor des tsc, begrüsst die Delegierten der Gnadauer Mitgliederversammlung auf dem Chrischona-Campus.
Dr. Benedikt Walker, der Rektor des tsc, begrüsst die Delegierten der Gnadauer Mitgliederversammlung auf dem Chrischona-Campus.
Die Delegierten der Gnadauer Mitgliederversammlung geniessen die Ruhe und das spätsommerliche Wetter auf dem Chrischona-Campus.
Die Delegierten der Gnadauer Mitgliederversammlung geniessen die Ruhe und das spätsommerliche Wetter auf dem Chrischona-Campus.
Gnadauer auf Chrischona: Song Gabriel Portner
tsc-Student Gabriel Portner spielt vor den Gnadauer Delegierten sein selbst geschriebenes Lied «Königskind und Löwenherz».
Der Seniorentag des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) am 7. Mai 2019 machte den rund 700 Teilnehmern viel Hoffnung.

Hoffnung statt Zukunftsangst

Bericht vom tsc-Seniorentag am 7. Mai 2019

tsc-Seniorentag machte 700 Teilnehmern Hoffnung

Mit Vorsicht und Angst reagieren die meisten Menschen im deutschsprachigen Raum auf Fragen nach der Zukunft. Christen sollten diese «German Angst» überwinden und die Hoffnung zu ihrer inneren Einstellung machen. Das war die Botschaft des Seniorentags des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) am 7. Mai 2019 auf dem Chrischona-Campus.

Der Basler Zukunftsforscher Dr. Andreas Walker präsentierte den rund 700 Seniorinnen und Senioren Ergebnisse aus den Umfragen seines jährlichen Hoffnungsbarometers. Manche Statistik erschreckte die Zuhörer. Etwa die Antworten auf die Frage, von wem sich die Schweizer wünschen, dass er in schwierigen Zeiten Hoffnung vermittelt. Gott und sein kirchliches Bodenpersonal tauchen nur auf den hinteren Plätzen auf.

Werden Veränderungen zum Fluch oder zum Segen?

Andreas Walker stellte fest: «Die Zukunft passiert nicht einfach so. Sie hängt von den Entscheidungen ab, die Menschen heute treffen.» Dass die Angst als emotionale Reaktion auf Megatrends wie Digitalisierung, Migration und Klimawandel dominiere, sei nachvollziehbar. Doch Veränderungen könnten auch zum Segen werden. So ist beispielsweise die Lebenserwartung im Vergleich zur «guten alten Zeit» deutlich gestiegen. Ein «biblisches Alter» von 80 und mehr Jahren zu erreichen, sei ein Zeichen der Liebe Gottes. Klar ist: Der Umgang mit Hoffnung und Angst ist in der Bibel ein wichtiges Thema. Zum Wort Hoffnung gibt es mehr als 300 Bibelstellen, sie ist eine christliche Tugend. Andreas Walker interpretierte das so: «Gott fordert uns heraus, immer wieder an der Hoffnung festzuhalten.»

Vom Kritiker zum Mutmacher

Zwei persönliche Berichte offenbarten, was eine hoffnungsvolle Lebenseinstellung bewirken kann. Der ehemalige Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes Werner Messmer sieht selbst die Gefahr, im Seniorenalter immer kritischer zu werden. Beispielsweise bei Diskussionen in der christlichen Gemeinde. Er riet dazu, sich am gemeinsamen Ziel zu begeistern und in die Rolle des Mutmachers für die Jüngeren in der Gemeinde zu finden. Die Basler Schulleiterin Jacqueline Jourdan berichtete von den Herausforderungen ihres Alltags. Ihr Tipp: «Am Glauben festhalten, dass Gott gut ist – auch wenn es nicht so scheint.»

«Der Seniorentag hat mich beflügelt»

Der Gedanke, Hoffnung zur Lebenseinstellung zu machen, wurde von vielen Teilnehmern des Seniorentags wohlwollend diskutiert. Viele von ihnen wurden durch den Seniorentag neu ermutigt. «Der Tag hat mich beflügelt. Ich möchte jetzt konkrete Dinge ändern in meinem persönlichen Leben», erklärte eine Seniorin aus der Chrischona-Gemeinde Schaffhausen. Andere taten sich schwer damit, jahrzehntelang eingeübte kulturelle Gepflogenheiten zu verändern. In einem Punkt waren sich die meisten aber einig: Dieser Seniorentag hat sehr viel Hoffnung gemacht.

Zukunftsforscher Dr. Andreas Walker riet, Hoffnung zur inneren Einstellung zu machen.
Zukunftsforscher Dr. Andreas Walker riet, Hoffnung zur inneren Einstellung zu machen.
René Winkler im Gespräch mit Jacqueline Jourdan. Die Basler Schulleiterin berichtet, wie sie ihrem herausfordernden Alltag mit Hoffnung begegnet.
René Winkler im Gespräch mit Jacqueline Jourdan. Die Basler Schulleiterin berichtet, wie sie ihrem herausfordernden Alltag mit Hoffnung begegnet.
Gute Freunde am Seniorentag zu treffen, ist für die Teilnehmer eine grosse Freude.
Gute Freunde am Seniorentag zu treffen, ist für die Teilnehmer eine grosse Freude.

tsc-Seniorentag – ein guter Mix

Dazu trug auch das vom Theologischen Seminar St. Chrischona organisierte Rahmenprogramm bei. Die Teilnehmer hörten einige Lieder des tsc-Chors, die frisch für das Chorkonzert einstudiert waren. Es gab das Angebot einer Campusführung mit dem Rektor. Zudem konnten sich die Senioren auf dem frühlingshaften Campus bei Kaffee und Kuchen mit Freunden und Bekannten austauschen. Ein guter Mix, für den einige sogar aus der Ostschweiz anreisten.

Mitschnitte des tsc-Seniorentags 2019

Der nächste tsc-Seniorentag findet am Dienstag, den 5. Mai 2020, auf dem Chrischona-Campus statt. Referent wird Pfarrer Peter Schulthess sein.

Geschichte schreiben mit dem tsc (Video-Screenshot, 1500x500px)

Geschichte schreiben mit dem tsc

Gott schreibt Geschichte.

Mit uns Menschen – und mit dem Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc).

Wir als tsc sind überzeugt: Unsere Welt braucht noch viel mehr theologisch gut ausgebildete Menschen, die gemeinsam mit Gott Geschichte schreiben. In Kirchen und Gemeinden, in Werken und Unternehmen, in der weltweiten Mission.

Werner Beierer, tsc-Student im Jahreskurs (1500x500px)

«Das Beste aus drei Studiengängen»

Bericht von Simon Baum, Theologiestudent

Werner Beierer über den tsc-Jahreskurs

Die Bibel so auszulegen, dass Christen unterschiedlicher Denominationen neu zu einem lebendigen Glauben an Jesus Christus finden – das war die Motivation von Werner Beierer, sich für den tsc-Jahreskurs anzumelden. Der ehemalige Chemiefacharbeiter hat bereits vor zwei Jahren sein Handwerk niedergelegt, um sich neu zu orientieren. Der tsc-Jahreskurs hat seine Berufung bestätigt und ihm neue Perspektiven eröffnet.

Den Entscheid fürs tsc fällte Werner bei den tsc-Schnuppertagen 2018. «Der Spirit überzeugte mich», sagt er rückblickend. Besonders der familiäre Umgang unter Studenten und Dozenten habe ihn angesteckt, so dass er am Ende des Wochenendes wusste: «Genau mein Ding!»
Mit seinen 49 Jahren ist Werner zwar der Älteste in seiner Klasse, doch als «Klassen-Grufti» bezeichnet er sich nicht. Im Gegenteil: Er wird von seinen Mitstudenten enorm geschätzt und als «einer von ihnen» wahrgenommen. Auch die tsc-Community empfindet er als sehr bereichernd. Sie hat seine Art, von Gott zu denken, enorm erweitert. «Ich habe nicht nur andere Glaubensstile und Überzeugungen kennengelernt, sondern auch, diese nebeneinander stehen zu lassen.»

Alle Erwartungen übertroffen

Rückblickend auf das erste Semester sagt Werner, dass alle seine Erwartungen übertroffen wurden. «Aus allen drei Studiengängen wurde das Beste herausgenommen», lobt er den Jahreskurs – und mit Verweis auf die tsc-Internetseite sagt er: «Die Werbung hält, was sie verspricht!»
Besonders zwei Fächer begeistern ihn: Dogmatik und Seelsorge. «Durch die Dogmatik habe ich gelernt, eigene Glaubenssätze zu hinterfragen und diese auf ihren biblischen Gehalt hin zu überprüfen. Dies hat mich kommunikativer gemacht.» Das Fach Seelsorge hat ihm wertvolle Hilfsmittel für Gespräche an die Hand gegeben. Und: «Durch ein persönliches Gespräch mit dem Dozenten habe ich selbst in einem Lebensbereich Heilung erfahren dürfen», freut sich Werner. Der Seelsorgeunterricht bestätigte schliesslich auch seine Berufung. Er möchte sich nach dem Jahreskurs in diesem Bereich weiterbilden.

Gottes Liebe ändert sich nicht!

Noch etwas hat Werner erkannt: «Gott will mich beschenken, auch wenn ich gerade keinen Dienst für ihn tue.» Vor dem Jahreskurs ging er regelmässig auf die Strasse, um den Menschen vom Evangelium zu erzählen. Jetzt lässt er einfach ein Jahr lang in sich investieren. «Dass es nichts an Gottes Liebe ändert, ob ich gerade aktiv für ihn bin oder nicht, ist eine geniale Erkenntnis!»

Mentoring Persoenlichkeitsreifung am tsc

Mentoring am tsc

Ein Eckpfeiler für Persönlichkeitsreifung

Um nach dem Theologiestudium eine Anstellung zu bekommen, ist die persönliche und geistige Reife von grosser Bedeutung. Das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) will seine Studentinnen und Studenten in ihren Reifeprozessen begleiten und unterstützen. Neben den «Lebensgruppen» (Kleingruppen) und der tsc-Community stellt das Mentoring-Programm einen Eckpfeiler für die persönliche Weiterentwicklung der Studenten dar.

Mentoring: Keine Rezepte

«Veränderungen und persönliches Wachstum bringen wir nur teilweise aus uns selbst hervor. Wir sind auf Menschen angewiesen, die uns beraten, herausfordern, begleiten und auf dem Weg weiterhelfen. Das gilt insbesondere für Männer und Frauen, die sich für einen vollzeitlichen Dienst im Reich Gottes ausbilden lassen. Mentoring bietet dafür einen geeigneten Rahmen.» So beschreibt es  Reiner Bamberger, der als «Mr. Mentoring» für die Qualitätssicherung des Mentorings am tsc verantwortlich ist. Im Gegensatz zum Coaching oder der Seelsorge wird beim Mentoring auf verschiedenen Ebenen gearbeitet. Das Kennenlernen der eigenen Überzeugungen, Fähigkeiten und Grenzen (Persönlichkeitsbildung) ist genauso wichtig wie die Aneignung von fachlichen Kompetenzen (z. B. Rollenverständnis). Der Mentor vermittelt den Studenten aber keine Rezepte, sondern ermöglicht ihnen, Probleme selber zu erkennen und zu lösen. Für den vollzeitlichen Dienst sei es besonders wichtig, sein Verhalten immer wieder zu reflektieren und daraus notwendige Schritte abzuleiten, ist «Mr. Mentoring» überzeugt.

Das Mentoring-Programm am tsc

Wie sieht das Mentoring-Programm konkret aus? Während des ersten Studienjahres nehmen die tsc-Studenten insgesamt sechs Mentoring-Sitzungen à 1.5 Stunden in Anspruch. Es ist ihnen danach freigestellt, ob sie das Mentoring weiterführen wollen oder nicht. Den Mentor dürfen sie nach bestimmten Kriterien selbst auswählen. Am Ende des Studienjahres legen die Studenten einen zweiseitigen Lernbericht zu den gemachten Erfahrungen und neu gewonnen Kompetenzen vor. «Mr. Mentoring» bewertet schliesslich die Intensität und Tiefe der Reflexion des durchlaufenen Mentoring-Prozesses.

Mentoring «live» oder per Videokonferenz

Noemi Meili, Studentin im  Bachelor-Studiengang Kommunikative Theologie, hat die persönliche Begleitung im vergangenen Jahr sehr geschätzt. «Mein Mentor hat selbst am tsc studiert und kennt die verschiedenen Herausforderungen während des Studiums. So konnte er mich optimal unterstützen», berichtet sie. Da Mentor und Mentee nicht immer um die Hausecke wohnen, können drei von sechs Sitzungen per Videokonferenz (Skype) durchgeführt werden. Davon machte auch Noemi Gebrauch. «Die erste Sitzung per Skype war schon etwas speziell. Der Komfort überwog aber, da keine weite Reise unternommen werden musste.» Noemi hat sich sowohl geistige als auch soziale Kompetenzen während des letzten Jahres angeeignet. «Ich lernte konkret Fürbitte zu tun sowie meine Stärken und Schwächen besser kennen und anzunehmen.» Damit ein Mentoring gelingen kann, ist eine gute Beziehung zum Mentor unabdingbar. Doch dies brauche Zeit, weiss Noemi aus Erfahrung. Schliesslich sei Flexibilität ein gewinnbringender Faktor. «Nicht nur nach Schema X vorgehen. Manchmal braucht ein Thema einfach länger als geplant.»

«Hilfe zur Selbsthilfe erhalten»

Emanuel Strebel, Student im  Bachelor-Studiengang Theologie & Musik, weiss das Mentoring-Programm ebenfalls sehr zu schätzen. Ihm hat die Aussenperspektive des Mentors auf das tsc und dessen Community sehr geholfen. Die 20 Jahre Erfahrung seines Mentors als Pastor waren für Emanuel ein grosser Gewinn. «Mein Mentor hat mir einen hautnahen Einblick in mein zukünftiges Arbeitsfeld gewährt», erzählt er begeistert. Emanuel hat gelernt, schwierige Situationen besser zu reflektieren und ein anderes Bild darauf zu bekommen. Zudem war sein Mentor für ihn eine grosse Hilfe bei der Bewältigung von Krisen und Glaubensfragen. Es sei aber nicht einfach eine Behandlung von Problemen gewesen, sondern ein Ort, an dem verschiedene Prozesse ins Rollen gebracht wurden. Zusammengefasst meint Emanuel: «Ich habe Hilfe zur Selbsthilfe erhalten.»


Mentoring ist Teil der theologischen Ausbildung am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc). Es trägt dazu bei, dass tsc-Studenten während ihres Studiums auf dem Chrischona-Campus persönlich wachsen und reifen können.