Leitsätze Kommunikative Theologie: Teil 3 (1500x500px)

Wir tun, was Gott schon immer tut: kommunizieren.

Leitsatz 3 zur Kommunikativen Theologie

3. Wir sind in Verbindung mit Vater, Sohn und Heiligem Geist und tun, was Gott schon immer tut: kommunizieren.

Autoren: Stephanie Korinek und Dr. Andreas Loos

Der Leitsatz kurz erklärt

Wir sind in Verbindung mit Vater, Sohn und Heiligem Geist und tun, was Gott schon immer tut: kommunizieren. Menschliche Kommunikation ist möglich, weil Gott uns seine Liebe mitteilt. Er redet uns liebevoll an und sehnt sich nach unserer Antwort. Christen geben die Liebe Gottes weiter. Kommunikative Theologie fördert eine ganzheitliche und kreative Kommunikation, indem sie erstens selbst aus dem Gespräch mit Gott lebt. Zweitens den Gläubigen verstehen hilft, was sie glauben. Und drittens der Kirche Lust macht, den Glauben zu kommunizieren.

Video zum Leitsatz

Stephanie Korinek und Dr. Andreas Loos erklären im Gespräch mit Desirée Kratzat, warum Kommunikation und Liebe untrennbar zusammengehören. Und wie Kommunikation auf Augenhöhe mit den Menschen unserer Zeit gelingen kann. Es entspannt sich ein spannendes Gespräch, das in die Tiefe geht.

Begründung und Definition von Kommunikation

Menschliche Kommunikation ist möglich, weil Gott kommuniziert. Kommunizieren ist dabei viel mehr als informieren. Kommunizieren heisst: sich verständigen, miteinander sprechen, in Verbindung stehen, zusammenhängen, sich mitteilen, das Leben miteinander teilen, sich gegenseitig beschenken.
Als Vater, Sohn und Heiliger Geist ist Gott eine ewige Gemeinschaft der Liebe (Trinität). Die drei Personen schenken einander alles, was sie sind und haben: Leben, Ehre, Herrlichkeit, Heiligkeit, Schönheit, Vollkommenheit. Gott hat sich entschieden, diese Fülle des Lebens nicht für sich zu behalten.

Wir sind berufen, die Liebe Gottes zu kommunizieren

Christen sind berufen, die Liebe Gottes zu kommunizieren – in Wort und Tat, mit ihrem ganzen Leben. Sie gönnen anderen Menschen das, was Gott ihnen selbst gönnt: Liebe, Leben, Heil, Glück, Freiheit, Würde, Wahrheit.
Daraus lässt sich erklären, was Kommunikative Theologie will: Sie folgt dem Doppelgebot der Liebe – Gott lieben und den Nächsten. Das heisst konkret:

  1. Aus dem Gespräch mit Gott leben. Dazu gehören Dank, Bitte, Fürbitte, Klage und schliesslich der anbetende Lobpreis. Wer über Gott reden will, muss zugleich mit ihm reden. Von Gott hören wir die entscheidenden Worte, die wir uns selbst nicht sagen können.
  2. Denk- und sprachfähig machen, damit die Gläubigen wieder neu verstehen und erklären können, wem sie, was sie und warum sie glauben.
  3. Der Kirche und den Gemeinden Lust machen, zu kommunizieren. Und zwar mit dem drei-einen Gott und miteinander. Aber dann auch mit den Menschen unserer Zeit: ins Gespräch kommen, hinhören, Interesse zeigen, Leben teilen, sich was sagen lassen. So entdeckt die Gemeinde, was sie zutiefst ist: Co-Kommunikatorin der Liebe Gottes.

Wir sind in Verbindung mit Vater, Sohn und Heiligem Geist

All das hat seinen Ursprung darin, dass Gott uns Menschen in seine Kommunikation einbeziehen will. Darum erschuf er die Welt. Denn Gott ist ein ewiges Gespräch zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist (Joh 1,1-4). Und er will diese Kommunikation auch mit uns erleben. Durch sein Wort – den Sohn – spricht er uns ins Leben, durch seinen ewigen Geist haucht er uns Leben ein. Damit hat Gott uns in sein Gespräch verwickelt. In Liebe redet er uns an und will, dass wir ihm eine Liebesantwort geben.

Jesus Christus lebt für uns die Antwort der Liebe

Aber der Mensch verweigert Gott die Antwort. Stattdessen scheint ihm jedes Mittel recht, auf Gott einzureden und einzuwirken. Auf diesen Kommunikationsbruch antwortet Gott mit Hingabe. Er wird einer von uns, voll und ganz Mensch. Jesus Christus lebt die Antwort der Liebe, die der Mensch Gott nicht geben kann. Bis in den Tod hinein lässt er das Gespräch mit dem Vater nicht abreissen. Er erleidet für uns das Schweigen des Vaters am eigenen Leib: Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ein unfassbarer Unterbruch der trinitarischen Kommunikation. Bis der Vater den Sohn in der Kraft des Heiligen Geistes von den Toten auferweckt und bestätigt: Jesus Christus ist die menschgewordene Kommunikation Gottes.

Was der Heilige Geist tut

Ganz eng verbindet sich Gott mit uns Menschen durch den Heiligen Geist. Er macht die direkte Kommunikation zwischen Gott und Mensch möglich – jederzeit, überall, ohne Umwege. Als Geist spricht Gott in uns und bringt uns bei, wie man mit Gott spricht. Christen beten im Geist und durch den Sohn zum Vater im Himmel.

So sind wir also in Verbindung mit Vater, Sohn und Heiligem Geist und tun, was Gott schon immer tut: kommunizieren.

Die Erklärungen zu den weiteren Leitsätzen der Kommunikativen Theologie wird das Theologische Seminar St. Chrischona in monatlichem Rhythmus in eigenen Blogbeiträgen veröffentlichen.

Die 7 Leitsätze der Kommunikativen Theologie

  1. Wir sind so frei und reden über das Evangelium von Jesus Christus.
  2. Wir nehmen Kirche und Gesellschaft so, wie sie heute sind, und beteiligen uns am Gespräch über Gott und das Leben.
  3. Wir sind in Verbindung mit Vater, Sohn und Heiligem Geist und tun, was Gott schon immer tut: kommunizieren.
  4. Wir lesen und studieren die Bibel als Gottes Kommunikationsbuch, suchen die biblische Wahrheit und gewinnen so Überzeugungen.
  5. Wir hören zu und lehren und lernen miteinander.
  6. Wir setzen auf Gottes Wirken und tun alles, was wir können. Wir tun alles, was wir können und setzen auf Gottes Wirken.
  7. Wir kommen in der Theologie weiter – zusammen mit dir.
Stephanie Korinek
Stephanie Korinek unterrichtet unter anderem Griechisch am tsc.
Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) für Systematische Theologie.
Dr. Andreas Loos ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Systematische Theologie.

Was ist Kommunikative Theologie?

Kommunikative Theologie bildet die Grundlage aller Studiengänge am tsc – nicht nur des gleichnamigen theologischen Bachelor-Studiengangs. Kurz auf den Punkt gebracht funktioniert sie so: Wir hören zu. Wir lernen von- und miteinander. Wir wollen verstehen und verstanden werden. Wir sind so frei und reden von Jesus Christus. Wir leben unsere Beziehung zu Gott.

Broschüre zu 180 Jahre tsc

Broschüre erschienen

180 Jahre tsc - was uns prägt und bewegt

Am 8. März 2020 ist das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) 180 Jahre alt geworden. Welche Themen und Ereignisse haben das tsc bewegt, geprägt und vorangebracht? Was hat sich in die DNA des tsc eingeprägt und wirkt heute noch weiter? Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte und stellvertretender Rektor des tsc, hat sich diesen Fragen gewidmet. Entstanden ist eine Broschüre, die den Bogen vom Gestern zum Heute spannt.

Good News

Ein Student sitzt auf der Mauer bei der Kirche St. Chrischona. Sein T-Shirt trägt die Aufschrift «Good News». Auf dem Titelbild der Broschüre spiegelt sich so der Gründungsgedanke von 1840, der noch heute tief verwurzelt ist am tsc: «Junge Handwerker ausbilden, damit sie das Evangelium in Wort und Schrift verständlich unter den Menschen vorleben und verbreiten können». Studieren kann man am tsc nach wie vor auch ohne Abitur oder Matura. Auch Handwerker sind unter den Studierenden von heute.

Von den Anfängen bis heute

Claudius Buser beschreibt im ersten Teil wichtige Etappen aus der Geschichte des tsc. Wie die Bildungsinstitution auf St. Chrischona im Umfeld eines pietistisch praktischen Christentums entstand. Wie sie sich Ende des 19. Jahrhunderts zum ersten Prediger- und Missionsseminar im deutschsprachigen Europa entwickelte. Wie St. Chrischona zu einem Vorreiter in Sachen «Theologische Bildung für alle» wurde. Wie sich das tsc im Chrischona-Verband unter dem Motto «Bewährtes erhalten, Neues wagen» im 20. Jahrhundert weiterentwickelte. Wie sich die Arbeit auf Chrischona heute im 21. Jahrhundert «zurück zu den Wurzeln» orientiert und fokussiert: Menschen für die Mitarbeit im Reich Gottes auszubilden.

Über 6600 Männer und Frauen haben seit 1840 auf St. Chrischona studiert. Ein paar Absolventinnen und Absolventen kommen in der Broschüre zu Wort. Sie erzählen, wie das tsc sie geprägt hat und wie sie die DNA des tsc beschreiben.

Das Evangelium verständlich und leidenschaftlich kommunizieren

Die Geschichte des tsc ist durchdrungen vom Wunsch, das Evangelium verständlich und leidenschaftlich zu kommunizieren. Doch was umfasst Kommunikation eigentlich alles, wie ist sie in der Theologie zu denken, wie umfassend kann man darüber reden? Solche Fragen führten dazu, das theologische Arbeiten am tsc unter den Begriff der Kommunikativen Theologie zu stellen. Gott spricht uns Menschen an und befähigt uns zur Antwort. Kommunikative Theologie staunt über diese Möglichkeit, lernt Gottes Reden in der biblischen Botschaft kennen, versucht zu antworten und anderen zeitgemäss von dieser Botschaft zu erzählen.

Das Profil des Theologischen Seminars St. Chrischona – gewachsen in 180 Jahren

Im zweiten Teil der Broschüre benennt Claudius Buser Schwerpunkte, die aus der Geschichte erwachsen heute dem tsc sein Profil geben:

  • Die Liebe Gottes treibt uns – wir glauben an die verändernde Kraft des Evangeliums.
  • Aus der Schrift leben – wir trauen der Bibel und bleiben mit ihr unterwegs.
  • Hoffnungsorientiertes Arbeiten – es kommt besser, als wir es je zu träumen wagen.
  • Freisetzen aller Kräfte und Gaben – in Gottes Reich arbeiten Frau und Mann, Alt und Jung gemeinsam.
  • Impulsgeber für andere – wir dienen allen Christen und geben Impulse des Handelns Gottes gerne weiter.
  • Wir sind nicht allein unterwegs – wir arbeiten zusammen und bilden andere aus.
  • Heil, Heilung und Heiligung gehören zusammen – wir setzen uns für eine ganzheitliche Spiritualität ein.

Autor der Broschüre:
Claudius Buser

Claudius Buser, Stv. Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte
Claudius Buser ist stellvertretender Rektor und Dozent für Kirchengeschichte am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc).
tsc aktuell: News und Talks mit René Winkler (1500x500px)

tsc aktuell

Videoserie auf Youtube

tsc aktuell

News und Talks mit René Winkler

Während der Coronakrise im Frühjahr 2020 startete das Theologische Seminar St. Chrischona die Videoserie «tsc aktuell». In den Videos präsentiert René Winkler (Leiter Weiterbildung tsc) News und Talks zu aktuellen Fragen. Sie sind auf dem Youtube-Kanal des tsc zu sehen.

08.09.2020
Wie startet das tsc ins Studienjahr 2020/21?

Statements von den tsc-Studierenden Senja Möschli, Lukas Knierim, Andrea Maag und Marc Burger sowie von Rektor Dr. Benedikt Walker

23.06.2020
Was lernt das tsc aus dem Corona-Semester?

Gespräch mit Dr. Benedikt Walker (Rektor tsc) und Dr. Dr. Beat Schweitzer (Studiengangsleiter des Bachelor-Studiengangs Kommunikative Theologie)

17.06.2020
Danke!

Von Herzen Danke sagen Studierende und Dozierende des Theologischen Seminars St. Chrischona für die Unterstützung der Beter, Spender und Freunde des tsc.

12.06.2020
Wie laufen Prüfungen in Coronazeiten?

Gespräch mit Rahel Bidlingmaier (Studiengangsleiterin des Bachelor-Studiengangs Theologie & Pädagogik)

28.05.2020
«Wir haben einen massiven Einbruch der Gästezahlen…»

Gespräch mit Zsolt Kubecska (Geschäftsführer Chrischona Campus AG)

19.05.2020
«Ich habe eine solche Krise noch nie erlebt!»

Gespräch mit Thomas Rudin (Präsident des Vereins Theologisches Seminar St. Chrischona)

13.05.2020
Wie laufen Studienbewerbungen in der Coronakrise?

Gespräche mit Dr. Benedikt Walker (Rektor tsc), Dorothee Kanzinger (Sekretärin tsc) und Melina Frey (Studentin tsc)

05.05.2020
Heute wäre Seniorentag!

Gespräche mit Pfr. Peter Schulthess (Referent des Seniorentags) und Emilio Mühlemann (langjähriger Seniorentagsbesucher)

29.04.2020
Wie funktioniert E-Learning?

Gespräche mit Micha Habel (Student tsc) und Dr. Debora Sommer (Leiterin Fernstudium tsc)

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Leitsätze Kommunikative Theologie: Teil 2 (1500x500px)

Kommunikative Theologie mischt sich ein.

Leitsatz 2 zur Kommunikativen Theologie

2. Wir nehmen Kirche und Gesellschaft so, wie sie heute sind, und beteiligen uns am Gespräch über Gott und das Leben.

Autoren: Susanne Hagen, Dr. Horst Schaffenberger, Dr. Manuel Schmid

Der Leitsatz kurz erklärt

Wir nehmen Kirche und Gesellschaft so, wie sie heute sind, und beteiligen uns am Gespräch über Gott und das Leben. Denn als Christen wollen wir unser Leben mit unseren Mitmenschen teilen, ihnen freundschaftlich und auf Augenhöhe begegnen. Wie es das Evangelium uns lehrt. Eine Kommunikative Theologie will Antworten des Glaubens formulieren, die Menschen in der Bewältigung ihrer Lebensfragen und Zweifel weiterhelfen. Will sich einmischen ins Gespräch über «das gute Leben» – und dabei die christliche Hoffnung zur Sprache bringen, die weit über dieses Leben hinausgeht.

Video zum Leitsatz

Kirche und Gesellschaft objektiv wahrzunehmen, ist gar nicht so einfach. Das erläutert Dr. Horst Schaffenberger, der Co-Autor des 2. Leitsatzes, im Videointerview mit tsc-Absolventin Desirée Kratzat. Ausserdem sprechen sie über die Zukunft der Predigt und Antworten auf die Coronakrise.

Menschen auf Augenhöhe begegnen

Als Christen wollen wir unser Leben mit unseren Mitmenschen teilen und begegnen ihnen freundschaftlich und auf Augenhöhe. Wie es das Evangelium uns lehrt. Diese Grundhaltung will die Kommunikative Theologie vermitteln. Auf Augenhöhe heisst: Wir sind durch Jesus Christus von der Welt befreite und in die Welt gesandte Menschen, die mit dem Gegenüber um die Wahrheit ringen.

Antworten des Glaubens auf Lebensfragen

Als verantwortliche Zeitgenossen leben wir christliche Werte in dieser Gesellschaft und sind bereit, jedem von der Hoffnung zu erzählen, die in uns ist (vgl. 1. Petrus 3,15). Ebenso leiden wir mit an lebensfeindlichen und menschenverachtenden Entwicklungen unserer Zeit, die unsere Kultur und Natur bedrohen und das Miteinander und die Freiheit zerstören.
Kommunikative Theologie möchte Antworten des Glaubens formulieren, die Menschen in der Bewältigung ihrer Lebensfragen und Zweifel weiterhelfen. Dazu gehört, dass wir uns in unserer theologischen Arbeit mit den Gesprächspartnern unserer Zeit auseinandersetzen.

Was ist das gute Leben?

Kommunikative Theologie mischt sich ein ins Gespräch über «das gute Leben». Dabei anerkennen wir einerseits die Errungenschaften der westlichen Gesellschaft und wissenschaftlichen Diskussion über das, was gut ist im Leben und was den Menschen fördert. Andererseits schöpfen wir aus der prägenden Kraft, die das Christentum in diesen Bereichen hatte. Zugleich zeigen wir Engführungen und problematische Entwicklungen in Bezug auf Lebensführung und Selbstverwirklichung auf und bringen die christliche Hoffnung zur Sprache, die weit über dieses Leben hinausgeht.

Kommunikative Theologie hinterfragt – um der Liebe willen

Es gehört zu unserer Sendung in diese Welt, dass wir das Evangelium in den Mittelpunkt unseres Gesprächs mit der Welt stellen. Das Evangelium wendet sich dem Menschen in seiner Welt zu – und hinterfragt ihn gleichzeitig. Von daher ist es von der Bibel her geboten, auch Kirche, Welt und Gesellschaft zu hinterfragen. Es ist ein Dienst der Wahrheit, den die Theologie um der Liebe willen üben muss. Darin zeigt sie sich nicht als Herrschende, sondern als Lernende, nicht als Subkultur, sondern als Gegenkultur, die die Auseinandersetzung sucht und mit dem Gegenüber um die Wahrheit ringt.

Kommunikative Theologie dient Kirche und Gesellschaft eben auch in Liebe, wenn sie widerspricht, korrigiert und sich in den Gegensatz stellt. Kommunikative Theologie kann uns bereit und fähig machen, positiv in diesen Konflikt hineinzugehen, lernbereit auf den Anderen zu hören, und auf argumentative und emotionale Widerstände einzugehen.

Chancen für den christlichen Glauben in unserer Zeit

Zugleich bietet unsere Zeit besondere Chancen zur Weitergabe des Evangeliums. Wir glauben, dass unsere Zeit viele neue Möglichkeiten, Inhalte und Formen von Kommunikation für den christlichen Glauben bereithält. Dazu gehören auch die kulturellen Bereiche wie neue Medien, Musik und darstellende Kunst, in denen sich der christliche Glaube ausdrücken und seine Wirkung auf andere entfalten kann.

Die Erklärungen zu den weiteren Leitsätzen der Kommunikativen Theologie wird das Theologische Seminar St. Chrischona in monatlichem Rhythmus in eigenen Blogbeiträgen veröffentlichen.

Die 7 Leitsätze der Kommunikativen Theologie

  1. Wir sind so frei und reden über das Evangelium von Jesus Christus.
  2. Wir nehmen Kirche und Gesellschaft so, wie sie heute sind, und beteiligen uns am Gespräch über Gott und das Leben.
  3. Wir sind in Verbindung mit Vater, Sohn und Heiligem Geist und tun, was Gott schon immer tut: kommunizieren.
  4. Wir lesen und studieren die Bibel als Gottes Kommunikationsbuch, suchen die biblische Wahrheit und gewinnen so Überzeugungen.
  5. Wir hören zu und lehren und lernen miteinander.
  6. Wir setzen auf Gottes Wirken und tun alles, was wir können. Wir tun alles, was wir können und setzen auf Gottes Wirken.
  7. Wir kommen in der Theologie weiter – zusammen mit dir.
Dr. Horst Schaffenberger
Dr. Horst Schaffenberger unterrichtet Fächer der Praktischen Theologie am tsc.
Susanne Hagen, Studiengangsleiterin Theologie & Musik
Susanne Hagen ist Studiengangsleiterin Theologie & Musik am tsc.
Dr. Manuel Schmid
Dr. Manuel Schmid unterrichtete von 2012 bis 2019 Kommunikation des Evangeliums am Theologischen Seminar St. Chrischona.

Was ist Kommunikative Theologie?

Kommunikative Theologie bildet die Grundlage aller Studiengänge am tsc – nicht nur des gleichnamigen theologischen Bachelor-Studiengangs. Kurz auf den Punkt gebracht funktioniert sie so: Wir hören zu. Wir lernen von- und miteinander. Wir wollen verstehen und verstanden werden. Wir sind so frei und reden von Jesus Christus. Wir leben unsere Beziehung zu Gott.

Wirksames wundes Wort – von der Macht der Sprache

Artikel aus dem Communicatio-Magazin 1/2020

Wirksames wundes Wort – von der Macht der Sprache

Autor: Dr. Stefan Felber

Sprache macht was – denn sie hat Macht. Doch von welcher Art ist die Macht der Sprache? Am Beispiel des biografischen Tolkien-Films von 2019 werden wichtige Aspekte von Sprache deutlich. Und was sagt die Bibel dazu? Sie legt Zeugnis ab von einem wirksamen und zugleich wunden Wort. Sie gewährt uns einen Blick via Gottes Wort in Gottes Herz – und hilft uns, die Wunder der Sprache zu verstehen.

1. Alles eine Frage der Definition? Macht und Bemächtigung

Friedrich Nietzsche (1844–1900), der säkulare Prophet der Postmoderne, hat einmal gesagt, der entscheidende Machtfaktor der Zukunft liegt bei denen, die in der Lage sein werden, die Sprache zu regeln bzw. einen bestimmten Sprachgebrauch durchzusetzen. Da es Gott (für ihn) nicht gibt, kann kein menschlicher Satz mehr behaupten, einfach «wahr» zu sein. Das Band zwischen Sprache und Wirklichkeit geht verloren, jetzt gibt es nur noch Interpretationen, die miteinander ringen. Die interpretierte Wirklichkeit werde durch Sprache erst erzeugt und nicht einfach abgebildet. Von hier aus sind es nur noch kleine Schritte zu einem durchgreifenden Konstruktivismus. George Orwell (1903–1950) entwarf in «1984» die Schreckensvision eines «Wahrheitsministeriums», das sogar die richtigen Geschichtsdaten erst herstellte und wenn nötig änderte.

Wenn heute die Freiheit der Sprache eingeschränkt wird, liegen derlei Vorgänge im Prinzip auf derselben Linie. Im Februar 2020 stimmten die Schweizer über eine Sprachregelung zur Antirassismus-Strafnorm ab – gerade weil gewisse, und zwar vor allem nichtchristliche Gruppen die konservative Kritik an ihrer Lebensweise als Überschreitung des sozialverträglichen Sprachrahmens verbindlich neu definieren wollen.

Was wir erleben, ist also nicht einfach ein zufälliger Verfall, sondern eine bewusste Veränderung, Instrumentalisierung der Sprache durch Mächtige oder Regierungen. Andernorts habe ich eine ganze Reihe von Autoren aufgeführt, die diese Trends beklagen (Einleitung zu «Zwischen Babel und Jerusalem»). Es gab und gibt nicht wenige (einzelne und ganze Vereine), die sich dem Trend entgegenstellen (Hinweise bei Besch S. 328). Es gibt eine eigene Wikipedia-Liste von Vereinen, die sich die Pflege und den Schutz der deutschen Sprache auf die Fahne geschrieben haben, ganz unabhängig von parteipolitischen Präferenzen. Mit den politischen Eingriffen in die freie Entwicklung der Sprache bei der Rechtschreibung und bei den Geschlechtsbezeichnungen haben alle diese Bewegungen in den letzten ca. 25 Jahren neuen Schub erhalten. In Frankreich übernimmt die Académie française von Staats wegen die Aufgabe der Sprachwahrung; ein Gesetz verbietet die Verwendung englischer Slogans ohne französische Übersetzung. In Schweden und Spanien, in Italien und Island (dort besonders restriktiv) sind es ebenfalls staatliche Akademien, die sich der Pflege und dem Schutz der Nationalsprache widmen. Für das Deutsche gibt es eine solche Institution bezeichnenderweise nicht.

Das Bemühen um Sprache sollte auch eines der Grundanliegen der Theologie sein, speziell der evangelischen Theologie und der Kirche des Wortes. Hier geht es nicht nur um ein Binnenanliegen, sondern – wie die Vielzahl der Sprachbesorgten unserer Zeit impliziert – um etwas gesellschaftlich höchst Relevantes, bei dem ich zu meiner Freude auch mit christlich nicht gebundenen Literaturwissenschaftlern und einem renommierten Übersetzer in dem Sammelband «Zwischen Babel und Jerusalem» an einem Strang ziehen konnte.

Erstes Ergebnis

«Sprache macht was», denn sie hat Macht. Wörter verführen und attackieren (Schneider S. 12). An den Sprachbemächtigungsversuchen wie am Bemühen, sie zu verteidigen, wird erkennbar, dass anerkanntermassen (jeder) Sprache eine Macht innewohnt, und dass diejenigen, die die Sprache zu kontrollieren suchen, damit auch Denken und Handeln ihrer Sprecher kontrollieren wollen (Besch S. 249ff. über die Eingriffe der braunen und roten Sozialismen). Sprache hat Macht zum Guten und Bösen, zum Nützlichen und Schädlichen. Die Frage ist, wer jeweils am Werk ist.

Pfr. Dr. Stefan Felber, tsc-Dozent für Altes Testament (Portraitfoto, 3zu4)
Pfr. Dr. Stefan Felber ist Dozent des Theologischen Seminars St. Chrischona für Altes Testament.

Interesse am Communicatio-Magazin?

Communicatio heisst das Magazin des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc). Es widmet sich den vielfältigen Themen einer «Kommunikativen Theologie», wie sie am tsc gepflegt und erarbeitet wird. Das Communicatio-Magazin erscheint zweimal pro Jahr. Sie können es kostenlos abonnieren per Post oder per E-Mail.

Communicatio-Magazin 1/2020: Kommunikation verstehen (212x300px)

Von welcher Art ist die Macht der Sprache?

Der biografische Tolkien-Film von 2019 (von Dome Karukoski) stellt ein schönes Panorama an Aspekten zur Sprache dar. In diesem Film arbeitet Sprache nicht nur wie in anderen Filmen als Mittel zum Zweck, sondern wird selbst Gegenstand wichtiger Dialoge. Worauf es mir ankommt, fasse ich dann je kurz zusammen. Die Ziffern geben je die Stunden, Minuten und Sekunden der Filmsequenz an, die mir zur Verfügung stand.

1. 0.6.33–0.7.46:

Während die Mutter erzählt, entsteht das Erzählte bei den Jungs real. Sie stirbt früh, doch die durch ihre Erzählung in den Jungs kreierte Imagination bleibt für ein Leben lang. Ihr Wort überdauert ihr Leben.

Der Ausschnitt zeigt: Sprache hat repräsentierende, darstellende, vergegenwärtigende Kraft.

Szene 1 aus dem Tolkien-Film

2. 0.26.29–0.27.34:

Die jungen Männer gründen einen Club, mit dem sie die Welt verändern wollen – «through art», wobei Kunst auch Poesie und Prosa umfasst, die sie studieren bzw. auch (im Falle von Tolkiens und Smith) produzieren werden. «Helheimr» ist eigentlich Begriff des Totenreichs von Soldaten, die friedlich, krank oder altersschwach sterben, statt in der Schlacht, d. h. die ihre Bestimmung verfehlen.– Niemand sonst weiss, warum die Jungs einfach «Helheimr» in die Gassen rufen.

Der Ausschnitt zeigt: Sprache hat sozial verbindende, nach aussen abgrenzende Kraft. George Steiner nennt dies «umfriedend». Schon Napoleons Polizeiminister Joseph Fouché sagte: «Die Worte sind dazu da, unsere Gedanken zu verbergen.»

Szene 2 aus dem Tolkien-Film

3. 0.29.13–0.34.15:

Tolkien und Edith Bratt (die andere Waise aus dem Haus der Gastmutter) sitzen in einem Nobelrestaurant. Plötzlich beginnt er, in einer erfundenen Sprache zu sprechen: Nur eine lächerliche Geschichte von einem Frosch, der unsanft landet und von einem Hund gefressen wird. Seine nächste Sprache, kündigt er an, werde eine sein, die Musik in sich aufnimmt, und er nennt den Begriff «Cellar door» (eigentlich nur: «Kellertür»). Edith fordert ihn auf, rund um «Cellar door» eine Geschichte zu erfinden. Er weigert sich. Da beginnt sie selbst; sie wünscht sich eine Geschichte von einer Prinzessin auf der Suche nach einem besseren Leben, tatsächlich also eine Geschichte von ihr selbst. Dann entfaltet sich in ihm wie aus dem Begriff heraus eine andere Geschichte …

In diesem Abschnitt sehen wir zwei Sprachverständnisse miteinander ringen. Tolkien lebt bereits so in seiner selbst geschaffenen Sprachwelt, dass ihm allein Klang und Musik des Wortes schon Schönheit und Erzählung erschliesst. Seine Freundin aber beharrt darauf, dass erst die «marriage of sound and meaning», die Verschmelzung von Klang und Bedeutung die Schönheit der Sprache bestimmen: «Things (!) aren’t beautiful because of how they sound. They’re beautiful because of what they mean.»

Sein Schluss lautet: Das Wasser von Cellar door zu trinken gibt Einsicht über die üblichen Erkenntnisse hinaus, nämlich eine Innensicht bis in die dunkelsten Stellen des menschlichen Herzens. Verallgemeinert könnte man sagen: Durch das Wort, durch Sprache haben wir ein Fenster ins Herz eines Menschen. Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über, sagt Jesus (Mt 12,31–37).

Der Filmausschnitt zeigt: Sprache lockt durch Schönheit und Vergegenwärtigung, Gestalt und Gehalt; Sprache stösst ab durch Grobheit und Distanzierung. Wozu sonst bringen wir unseren Kindern bei, dass Fäkalsprache nicht an den Essenstisch gehört, ja überhaupt nicht zu gepflegten Menschen? (Vgl. 1.Kor 15,33 in der King James Version: «Be not deceived: evil communications corrupt good manners.» Luther 1545: «Lasset euch nicht verführen! Böse Geschwätze verderben gute Sitten.»)

Szene 3 aus dem Tolkien-Film

4. 1.11.00–1.13.12:

Prof. Wright erläutert am Beispiel von oak (Eiche), was alles in einem einzigen Wort steckt: «Language is never nonsense. Language is meaning. History. Layer upon layer upon layer. And a word without meaning is what? Merely a sound.» «Someone else once said to me.» «With a good deal more economy, I shouldn’t wonder.»

Der Filmausschnitt zeigt: Sprache hat konservierenden, mithin konservativen Charakter. Schicht um Schicht birgt sie die Geschichte – so spiegelt sie die Geschichte ihrer Sprecher über Generationen hinweg. Wolf Schneider (S. 10+12): «Wörter sind immer Urenkel, und unsere Nachsicht mit ihnen ist grenzenlos», sie enthält, «mit Coleridge, ‚die Trophäen der Vergangenheit und die Waffen für künftige Eroberungen».

Szene 4 aus dem Tolkien-Film

5. 1.16.18–52:

Tolkien bewirbt sich bei Prof. Wright um ein Stipendium in alter Philologie, und zwar damit, dass er zeigt, er habe das Wesen der Sprache verstanden. Wozu ist die Sprache da? Nicht nur die Benennung … Tolkien: «not just the naming …, it’s the lifeblood of a culture, a people».

Der Ausschnitt zeigt: In der Begegnung mit einer eigentlich ausgestorbenen Sprache kommt das Wesen von Sprache überhaupt zum Vorschein: Sie ist lifeblood, das Herzblut oder das Lebenselixier eines Volkes! Sie ist Fenster nicht nur zum Einzelnen, sondern zu Volk und Kultur. Auch wenn dieses Lebenselixier unsere Heimat bedeutet; ein Bedenken der Sprache bedeutet auch, dass wir diesem Elixier – gerade wegen seiner Mächtigkeit – kritisch gegenüber treten.

Sprache angesichts des Todes

6. 1.32.12–50:

Der Erste Weltkrieg ist für Tolkien vorüber. Seine besten Freunde sind tot, Edith kann ihn kaum trösten. Der Priester (Father Francis), der für sein Studium aufgekommen war, erzählt, dass er ständig mit Witwen oder Müttern, deren Söhne gefallen sind, zu sprechen hat, und klagt, dass die Worte nichts nutzen, besonders die modernen Worte nicht. Da ist seine Zuflucht: «Ich sage einfach die Liturgie». «I speak the liturgy. There’s a comfort, I think, in distance. Ancient things.»

Auch der Theologe an sich selbst ist ratlos. Doch er nimmt seine Zuflucht zu den geprägten Worten der Liturgie. Mit ihnen, gerade in ihrer Distanz, ihrer Abständigkeit vermag er Trost zu spenden. Seine Antwort ist knapp, eigentlich zu knapp. Doch sie deutet an, warum es die Christen sind, die angesichts von Leid und Tod nicht verstummen müssen. Nicht so, dass sie eine fromme Sosse über alles giessen müssen. Dass sich das nicht empfiehlt, haben wir angesichts des persönlich bezeugten Leids im Forum Kommunikative Theologie des letzten Jahres gesehen (Communicatio-Ausgaben von 2019). Sondern sie können ein Wort sagen, das alt ist, oder besser: das ewig ist.

Szene 6 aus dem Tolkien-Film

7. 1.37.34–1.42.10:

Sein enger Freund Geoffrey Smith hat den Krieg nicht überlebt, Tolkien aber ist Professor geworden. Wieder stellt sich die Frage, ob Sprache angesichts des Todes nicht verstummen muss. Tolkien überzeugt Geoffreys Mutter: Wir müssen gerade jetzt den Toten Stimme geben. Er will die Gedichte des Freundes herausbringen und ihn durch sein Reden wieder aufleben lassen.

Zweites Ergebnis

Die Aspekte zu «Sprache angesichts des Todes» führen von den innerweltlichen Zusammenhängen in biblisch-theologische Zusammenhänge. Es bestätigt sich: Die Interessen von Christen und Nichtchristen überlappen sich beim Thema Sprache. Beide haben ein Interesse an einer guten Sprache, an einer funktionierenden Kommunikation. Wittgenstein: «Ich bin zwar kein religiöser Mensch, aber ich kann nicht anders: ich sehe jedes Problem von einem religiösen Standpunkt» (bei Clausen S. 175).

Auch wenn bei Tolkien bzw. im Tolkien-Film Jesus Christus nicht vorkommt: Was wir dort an Sprach-Anmut und Sprachgewalt sehen dürfen, überlappt sich mit der biblischen Offenbarung des Wortes, auch wenn der Film nicht an diese heranreichen kann. In der Heiligen Schrift und in Jesus Christus stehen Wort und Sprache in völliger Reinheit und Vollkommenheit da. Das nun ist eigentlich das, was Christen vom biblischen Wort erwarten, d. h. vom Wort in seiner höchsten Potenz und Schönheit: Dass sich durch dieses Wort ein Blick nicht nur ins menschliche Herz, in die Schöpfung, sondern ins Herz Gottes tun lässt. Und dieser Blick – via Gottes Wort in Gottes Herz – wird uns auch helfen, die Wunder der Sprache zu verstehen, die für eine materialistische Reflexion unerklärlich bleiben:

  • kosmologisch: dass, wie und warum die logische Struktur der Welt in Sprache zutreffend wiedergegeben werden kann;
  • anthropologisch: dass, wie und warum Sprache zu den Spezifika und zur speziellen Würde des Menschen gehört;
  • historisch: warum die westliche Kultur eine Kultur der Schrift geworden ist (vgl. V. Mangalwadi, Das Buch der Mitte, 2014): Es gibt einen heiligen Text, damit gibt es Wahrheit, die sagbar ist. An diesem Felsen zerbricht die Skepsis, für die alles gleichgültig ist.
Szene 7 aus dem Tolkien-Film

2. Wirksames Wort, wundes Wort: aus der Bibel

«Es werde Licht! Und es ward Licht.»

Die ersten Seiten der Bibel lassen bei unserem Thema staunen, wie ungebrochen das Vertrauen in die Mächtigkeit und Wahrhaftigkeit von Sprache ist. Da erschafft Gott alles durch ein wirkmächtiges Wort. Der Segen ergeht worthaft und gültig. Gott spricht seinen Auftrag an den Menschen verstehbar, klar und gültig im Wort (1.Mose 2,15–17). Und dann werden Adams Benennungen der Dinge gültige Benennungen sein; nicht nur die Sprache Gottes ist damit verlässlich, sondern auch die seines Geschöpfes (1.Mose 2,19).

Einer vom Sündenfall noch unberührten Sprache ist Klarheit, Gewissheit, performatives und repräsentatives Potential zu eigen. Von vornherein tritt der Unterschied des göttlichen und menschlichen Sprechens heraus: Wirklich hervorbringend im Sinne einer Schöpfung aus dem Nichts kann nur Gott sprechen. Beim menschlichen Reden gibt es das nicht: Zaubersprüche soll der Mensch gerade nicht sprechen (5.Mose 18); bei ihm überwiegt das repräsentative und reflexive Sprechen. Der performative Aspekt menschlichen Redens taucht unter göttlichem Auftrag wieder auf: bei den Sakramenten, beim Segnen und in der vollmächtigen prophetischen Rede.

«Sollte Gott gesagt haben?» «So spricht der HERR!»

Die Schlange verdreht Gottes Wort, indem sie Verheissung und Drohung Gottes spiegelbildlich vertauscht. Die Lüge tritt in die Welt und macht jedes Miteinander, jedes Kommunizieren unsicher. So geht es weiter. Adam und Eva verstecken sich vor Gott mit Ausflüchten. Fortan ist die Sprache verwundet. Kain belügt Gott direkt und darf ihm nicht mehr unter die Augen treten. In Babel kommt es zur Katastrophe: Bevor die Menschen den Himmel erreichen, verwirrt Gott die Sprache und sorgt dafür, dass es keine Welteinheitsregierung gibt.

Dann beruft er Abraham in mehreren persönlichen Anreden. Gott führt mit seinem Reden allerdings nicht einfach in ein bequemes Leben, sondern in die grösste Krise, nämlich dass Abraham seinen lang ersehnten Sohn opfern soll.

Auch Mose wird durch Gottes Wort berufen – trotz fehlender Redegabe soll er Israel vor dem Pharao vertreten. Am Sinai empfängt er die Tora als geschriebenes Wort, zugleich den Auftrag, es unverfälscht zu bewahren und weiterzugeben (5.Mose 4 und 13). Eine Kultur der Schriftlichkeit beginnt (5.Mose 6). Die späteren Propheten ziehen mit ihrer Sprachkunst alle Register, um Israel die Tora zu vergegenwärtigen. Doch vergeblich. Sie werden mundtot gemacht. So scheitert Israel am Wort Gottes und verliert sein Land, seinen Tempel, seinen König, seine Eigenstaatlichkeit, seine Freiheit.

Drittes Ergebnis

Unsicherheit und Lügen im Reden des Sünders bringen seine Welt durcheinander. Das Ende der Lüge ist der Tod. Die Sprache der Lügner muss verstummen. Die Bibel beschönigt ihre Hauptdarsteller nie.

Neue Klarheit und Gewissheit entsteht, wenn Gott spricht. Mehr noch: Leben entsteht, blüht auf: «Das Wort ist euer Leben …» (5.Mose 32,47). Auch zwischenmenschlich: «Eine gute Botschaft aus fernen Landen ist wie kühles Wasser für eine durstige Kehle.» (Sprüche 25,25)

«Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns»

Das menschgewordene Wort ist Gott selbst. Seine Worte, die er geredet hat, «sind Geist und sind Leben» (Joh 6,63). Sie sind Nadelöhr: «So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr in Wahrheit meine Jünger» (8,31f.). Und sie sind schwach: Das fleischgewordene Wort wird gekreuzigt, denn es setzt sich nicht zwangsweise durch, sondern wird im Modus des Imperativ Passiv und der Bitte weitergegeben: «werdet getauft/werdet gerettet!» (Apg 2,38/40), «werdet versöhnt mit Gott!»(2.Kor 5,20), «werdet verwandelt!» (Röm 12,2).

«Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze … dass der Mensch Gottes vollkommen sei»

Wenn die Bibel vom Wort Gottes spricht, spricht sie wie von Gott selbst. Sein Wort hat göttliche Kraft, Lebendigkeit, ja Schärfe (Hebr 4,12f.). Es begegnet sogar in menschlicher Predigt (1.Thess 2; 1.Petr 1; Jak 1,18).

Hierin liegt eine riesige Ermutigung: Wo wir in göttlichem Auftrag und in Übereinstimmung mit dem Schriftwort predigen, gilt: durch zweier oder dreier Zeugen wird eine Sache bestehen.

Die ersten Seiten der Bibel lassen bei unserem Thema staunen, wie ungebrochen das Vertrauen in die Mächtigkeit und Wahrhaftigkeit von Sprache ist.

Das menschgewordene Wort ist Gott selbst. Seine Worte, die er geredet hat, «sind Geist und sind Leben». Und sie sind schwach: Das fleischgewordene Wort wird gekreuzigt, denn es setzt sich nicht zwangsweise durch.

3. Fazit: Unsere Aufgaben

1. Theologie und Kirche haben die höchste und umfassendste Motivation, sich um gute Kommunikation und Sprache zu bemühen, danach alle anderen Wissenschaften. Wenn Theologie «Wortreinigungswissenschaft» ist (Manfred Seitz), darf sie das andrängende Nachfragen nach dem Original nicht zurückstellen. Der Rückgang der Kompetenz in den alten Sprachen bei den Theologen ist ein Alarmsignal. Schon Luther meinte, das Evangelium könne ohne die Ursprachen nicht rein behalten werden.

2. Am Bibelwort können wir Sprache in ihrer höchsten Potenz, Würde und Kreativität lernen, ebenso, was Lüge und Verstellung bedeuten und nach sich ziehen.

3. Gewinnen und bewerben wir neu eine Wertschätzung von Sprache, von gutem, exaktem Ausdruck, von hörender und antwortender Kommunikation!
Das Bemühen um Sprache und um das gute Wort ist wie das Mühen des Bauern um einen guten Boden: Dieser braucht den rechten Dünger!
Ein Hoch auf allen Sprachunterricht!

4. Die Freiheit der Verkündigung sowie die Freiheit von Forschung und Lehre sollten wir auch dadurch sichern, dass wir die Sprache vor Überfremdung und Bemächtigung schützen. Das gilt in unserem kritischen Gegenüber sowohl zu den Regierungen als auch gegenüber dem Sprachgebrauch der Werbung.

Literaturangaben

  • Werner Besch u.a.: Geschichte der deutschen Sprache, 2009.
  • Matthias Clausen: Evangelisation, Erkenntnis und Sprache, 2010.
  • Stefan Felber (Hg.): Zwischen Babel und Jerusalem. Aspekte von Sprache und Übersetzung, 2. Auflage 2019.
  • Wolf Schneider: Wörter machen Leute. Magie und Macht der Sprache, 4. Auflage 1986.
  • George Steiner: Nach Babel. Aspekte der Sprache und des Übersetzens, 1981 (engl. 1975).
tsc-Chorvideo: Nearer, my God, to Thee! (1500x500px)

Nearer, my God, to Thee!

tsc-Chor singt kreativ auf Youtube

Die Konzerte 2020 des Chors des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) konnten wegen der Coronakrise nicht stattfinden. Deshalb singt der tsc-Chor den alten christlichen Choral «Nearer, my God, to Thee» in einem Video auf Youtube – als Hoffnungszeichen in einer herausfordernden Zeit.

Choral so alt wie das tsc

Chorleiterin Susanne Hagen erklärt am Anfang des Videos, dass der Choral ungefähr so alt ist wie die theologische Ausbildung am tsc. Diese begann anno 1840, also vor 180 Jahren. Ein Jahr später verfasste die englische Dichterin Sarah Flower Adams ihr bekanntestes Gedicht: «Nearer, my God, to Thee». Der Text bezieht sich auf die biblische Erzählung vom Traum Jakobs von der Himmelsleiter. Der US-Komponist Lowell Mason hat ihn vertont. Bekannt ist der Choral aber auch im deutschsprachigen Raum unter dem Titel: «Näher, mein Gott, zu Dir».

Stehende Ovationen bei der Videopremiere

Premiere feierte das Video an der tsc-Aussendungsfeier am 28. Juni 2020. Die rund 100 Premierenzuschauer berührte es sehr und bewegte sie zu stehenden Ovationen. Ein Grund: die emotionale und authentische Art, mit der der tsc-Chor das Lied präsentiert. Ein weiterer Grund: Das handwerklich gut gemachte Video unterhält nicht nur musikalisch, sondern auch visuell mit kleinen, versteckten Gags.

Die Sängerinnen und Sänger sind Studierende, Mitarbeitende und Dozierende des Theologischen Seminars St. Chrischona. Die Soli singen Tim Hottinger und Mirjam Dück. Beide haben 2020 den dreijährigen Bachelor-Studiengang Theologie & Musik am tsc abgeschlossen. Gefilmt wurde das Video von tsc-Student Micha-David Hirt und tsc-Absolvent Ruben Speitelsbach.

Historische Halle als Drehort

Für das stimmungsvolle Setting sorgte die Eben-Ezer-Halle auf dem Chrischona Campus. Diese alte Holzhalle wurde 1890 zum 50-jährigen Jubiläum des tsc erbaut. Seitdem dient sie immer wieder als Ort für geistliche Versammlungen sowie für Gesang. Es ist auch dieser Geist der 180-jährigen tsc-Geschichte, den das Video atmet.

Der tsc-Chor besteht aus Studierenden, Mitarbeitenden und Dozierenden des Theologischen Seminars St. Chrischona. Er tritt regelmässig auf bei Konzerten in der Region Basel. Geleitet wird er von Susanne Hagen.

Wer singt im Chorvideo?

  • Angela Bacher
  • Tanja Bürgelin-Arslan
  • Mirjam Dück (Solo)
  • Melina Frey
  • Maryam Fuchs
  • Amelie Görnert
  • Debora Gutmann
  • Dorothee Kanzinger
  • Kerstin Kaufmann
  • Stephanie Korinek
  • Franziska Kort
  • Britta Labud
  • Lisa Langendorf
  • Ileana Mangas
  • Deborah Müller
  • Daniela Müller
  • Johanna Peter
  • Julianna Suter
  • Carolin Westhoff
  • Ruth Ammann
  • Romana Binninger
  • Marion Dirr
  • Vanessa Habermann
  • Esther Heeß
  • Eva Helle
  • Stefanie Hunger
  • Nadine Keller
  • Lea Knüsel
  • Judith Koch
  • Desirée Kratzat
  • Dorothea Kröker
  • Viola Lies
  • Judith Schroth
  • Christy Strebel
  • Monika Veil
  • Sarah Wasef
  • Marc Burger
  • Matthias Görnert
  • Tim Hottinger (Solo)
  • Adrian Inniger
  • Sören Kemmer
  • Gabriel Portner
  • Benjamin Ruprecht
  • Michael Schweitzer
  • Ruben Speitelsbach
  • Samuel Weber
  • Samuel Zumbrunn
  • Micha Bacher
  • Curdin Badertscher
  • Jonas Friesen
  • Micha Habel
  • Raphael Kaltenbach
  • Jonathan Keller
  • Matthias Klein
  • Lukas Knierim
  • Kevin Kröker
  • Robin Mauch
  • Manuel Pankop
  • Martin Schröder
  • Lukas Sprich
  • Emanuel Strebel
  • Hendrik Westhoff
Leitsätze Kommunikative Theologie: Teil 1 (1500x500px)

Wir reden über das Evangelium.

Leitsatz 1 zur Kommunikativen Theologie

1. Wir sind so frei und reden über das Evangelium von Jesus Christus.

Autoren: Dr. Jean-Georges Gantenbein, Dr. Horst Schaffenberger

Der Leitsatz kurz erklärt

Wir sind so frei und reden über das Evangelium von Jesus Christus. Über die rettende und befreiende Botschaft von der Vergebung und Erlösung durch Jesus Christus. Aber: Verstehen die Menschen von heute diese Botschaft noch? Kommunikative Theologie will das Evangelium für die Menschen von heute und morgen übersetzen. Damit die Stimme der Christen auf dem Marktplatz der Meinungen und Lebensstile gehört wird. Die christliche Gemeinde spielt dabei eine wichtige Rolle: Wenn sie die befreiende Kraft des Evangeliums glaubhaft verkörpert und vorlebt.

Video zum Leitsatz

Im Video zum 1. Leitsatz zur Kommunikativen Theologie erklärt Co-Autor Dr. Jean-Georges Gantenbein, warum dieser Leitsatz zuerst kommt und welche enorme Bedeutung die Gemeinde heute für die Kommunikation des Evangeliums hat.

Das Evangelium verständlich machen

Wir Christen haben aus unserer Sicht die gute Nachricht für die Menschen: die rettende und befreiende Botschaft von der Vergebung und Erlösung durch Jesus Christus. Diese ist für viele Menschen heute aber nur schwer verständlich. Dabei ist die befreiende Wirkung des Evangeliums – Freiheit, Versöhnung, Annahme und Identität – auch in der heute säkularen Gesellschaft sehr wohl gefragt und vermittelbar. Allein die biblischen Grundlagen dieses Evangeliums sind dem heutigen Menschen fremd und unverständlich: nämlich Gottes Liebe zum Menschen, die sich im Opfertod von Jesus am Kreuz zeigt. Dieser Spannung stellen wir uns in unserer theologischen Arbeit am tsc.

Kommunikative Theologie, wie wir sie am tsc verstehen, setzt sich deshalb zur Aufgabe:

  • die Grundlagen des Evangeliums theologisch zu erarbeiten und aufzubereiten,
  • das Evangelium in die rechten Worte zu fassen (Kommunikation)
  • und es für die Menschen von heute und morgen zu übersetzen (Kontextualisierung).

Chancen der digitalen Welt

Die digitale Welt schafft einen neuen Lebensraum. Darin verdrängt das Bild das Wort, der Umgang mit Information und Sprache verändert sich. Wie wir und wie in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft kommuniziert wird, orientiert sich stark an den (neuen) Medien. Wobei christliches Vokabular und religiöse Sprache von vielen Menschen kaum noch verstanden wird – oder religiöse Begriffe heutzutage benutzt werden, ohne dass man ihren Ursprung kennt.

Gleichzeitig profitieren Christen – wie die meisten Menschen – von der Meinungsfreiheit und der Demokratisierung von Kommunikationsprozessen. Die digitale Welt ermöglicht es praktisch jedem, frei und direkt und in vielfältiger Art zu kommunizieren. Dies ermöglicht auch uns Christen, die gute Botschaft frei und vielfältig zu vermitteln. Es gilt, diese neuen kommunikativen Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen. Klassische Kommunikationsformen gilt es zu ergänzen mit (gar nicht mehr so) neuen digitalen, ästhetischen und künstlerischen Formen.

Christliche Gemeinde verkörpert das Evangelium

Als Christen haben wir den Menschen von Gott etwas zu sagen – das können wir mutig und selbstbewusst tun. Dabei spielt die christliche Gemeinde eine wichtige Rolle. In einer lebendigen und authentischen christlichen Gemeinschaft wird die befreiende Kraft des Evangeliums sichtbar (vgl. Römer 1,16-17). Die Gemeinde kommuniziert das Evangelium. Sie verkörpert die Botschaft, die sie weitergibt (vgl. 2.Korinther 3,3). Gelebte christliche Gemeinschaft macht es für die Menschen von heute plausibler, an Jesus Christus zu glauben.

Glauben «verteidigen» durch Bezeugen und Feiern

Die Stimme der Christen ist jedoch nur eine von vielen auf dem Markplatz der Ideologien, Philosophien und Religionen. Wir leben in einer Vielfalt der Meinungen und Lebensstile. Die christliche Meinung muss sich in der Diskussion und im Streit angstfrei wie auch selbstbewusst behaupten und bewähren. Unsere theologische Arbeit hilft, in diesem Wettstreit der Meinungen gute theologische und kommunikative Ansätze zu liefern. Die Verteidigung des Glaubens (Apologetik) gilt es neu zu gestalten: weniger als Abwehr und Verneinung anderer Meinungen und Lebensstile, sondern ganz im Sinne der Urchristenheit als ein Bezeugen und Feiern des Evangeliums.

Das tsc möchte mit seiner Kommunikativen Theologie die Kirche Christi motivieren und befähigen, die Inhalte und Formen des Glaubens zu kommunizieren und wo nötig, den Zeitgeist in Frage zu stellen.

Die Erklärungen zu den weiteren Leitsätzen der Kommunikativen Theologie wird das Theologische Seminar St. Chrischona in eigenen Blogbeiträgen im monatlichen Rhythmus veröffentlichen.

Die 7 Leitsätze der Kommunikativen Theologie

  1. Wir sind so frei und reden über das Evangelium von Jesus Christus.
  2. Wir nehmen Kirche und Gesellschaft so, wie sie heute sind, und beteiligen uns am Gespräch über Gott und das Leben.
  3. Wir sind in Verbindung mit Vater, Sohn und Heiligem Geist und tun, was Gott schon immer tut: kommunizieren.
  4. Wir lesen und studieren die Bibel als Gottes Kommunikationsbuch, suchen die biblische Wahrheit und gewinnen so Überzeugungen.
  5. Wir hören zu und lehren und lernen miteinander.
  6. Wir setzen auf Gottes Wirken und tun alles, was wir können. Wir tun alles, was wir können und setzen auf Gottes Wirken.
  7. Wir kommen in der Theologie weiter – zusammen mit dir.
Dr. Jean-Georges Gantenbein, tsc-Dozent für Interkulturelle Theologie
Dr. Jean-Georges Gantenbein ist tsc-Dozent für Interkulturelle Theologie.
Dr. Horst Schaffenberger
Dr. Horst Schaffenberger unterrichtet Fächer der Praktischen Theologie am tsc.

Was ist Kommunikative Theologie?

Kommunikative Theologie bildet die Grundlage aller Studiengänge am tsc – nicht nur des gleichnamigen theologischen Bachelor-Studiengangs. Kurz auf den Punkt gebracht funktioniert sie so: Wir hören zu. Wir lernen von- und miteinander. Wir wollen verstehen und verstanden werden. Wir sind so frei und reden von Jesus Christus. Wir leben unsere Beziehung zu Gott.

tsc-Netzwerk-Konferenz vom 5. bis 7. November 2020 (1500x500px)

tsc-Netzwerk-Konferenz 2020: Entfesselte Gemeinde

Pressemitteilung

Entfesselte Gemeinde: Zukunft gestalten in der Kirche von heute

Vom 5. bis 7. November 2020 geht eine neue Konferenz an den Start, die innovative Themen aus drei Perspektiven erschliesst: Gemeinde, Mission und Bildung. Bei der ersten tsc-Netzwerk-Konferenz auf dem Chrischona Campus wird es darum gehen, wie Kirchen und christliche Gemeinden von heute die Zukunft gestalten.

Sprecher der tsc-Netzwerk-Konferenz

Die Veranstalter sind davon überzeugt, dass die Dreiheit von «Gemeinde, Mission, Bildung» eine wichtige Rolle spielt, um Kirche zukunftstauglich zu halten. Sprecher der dreitägigen Konferenz sind:

  • Steffen Beck, ICF Karlsruhe
  • Kirstine Fratz, Zeitgeistforscherin
  • Dr. Andreas Loos, Dozent Systematische Theologie am tsc
  • Frère Richard, Communauté de Taizé
  • Dr. Walter Dürr und Oliver Dürr, Studienzentrum für Glaube & Gesellschaft Fribourg
  • Johannes Müller, African Link
  • Michael Strub, Missionsleiter Neukirchener Mission

Die tsc-Netzwerk-Konferenz wird gemeinschaftlich veranstaltet vom Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc), von Chrischona Schweiz, vom Chrischona-Gemeinschaftswerk Deutschland (CGW), von der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Missionen in der Schweiz (AEM) sowie dem ECJA (Kinder- und Jugendverband des CGW). Das Team der tsc-Netzwerk-Konferenz leitet Beat Ungricht, Regionalleiter von Chrischona Schweiz.

Warum die Perspektive «Gemeinde, Mission, Bildung»?

Schon immer war es die Aufgabe der Nachfolger Jesu Christi, den Missionsbefehl an die jeweiligen sich wandelnden gesellschaftliche Verhältnisse effektiv und perspektivisch anzupassen. Das ist in der heutigen Zeit viel umfassender und rasanter notwendig. Mit der tsc-Netzwerk-Konferenz wollen wir dazu beitragen und Antworten finden auf folgende Fragen:

  • Wie muss theologische Aus- und Weiterbildung gestaltet sein, damit sich die Gemeinde von Jesus Christus ausbreiten kann?
  • Wie können christliche Gemeinden relevant werden für ihre Ortschaft und Gesellschaft, in der sie Verantwortung tragen, Christus sichtbar zu machen?
  • Wie kann eine missionarische Sicht und Haltung die lokale interkulturelle Szene prägen und gleichzeitig den weltweiten Missionsauftrag im Auge behalten?

In diesen Fragen wird die tsc-Netzwerk-Konferenz ermutigen, neue Erkenntnisse geben und helfen, neue und mutige Schritte in die Zukunft zu gehen.

Beat Ungricht (Regionalleiter Chrischona Schweiz) leitet das Team der tsc-Netzwerk-Konferenz.
Beat Ungricht (Regionalleiter Chrischona Schweiz) leitet das Team der tsc-Netzwerk-Konferenz.

Was ist das tsc-Netzwerk?

Das tsc-Netzwerk ist der Rahmen, in welchem das Theologische Seminar St. Chrischona mit christlichen Gemeinden, Verbänden, Werken, Bildungsinstitutionen und Missionsgesellschaften zusammenarbeitet. Das tsc-Netzwerk versteht sich als evangelische Lern- und Ausbildungsgemeinschaft. Es besteht aktuell aus 59 Netzwerkpartnern.

180 Jahre tsc: Gruss der Studiengemeinschaft (1500x500px)

180 Jahre tsc

Foto: Die Studiengemeinschaft 2020 des Theologischen Seminars St. Chrischona bildet eine 180.

180 Jahre tsc

Studiengemeinschaft feierte Dankgottesdienst

Seit mehr als 180 Jahren werden Menschen auf St. Chrischona theologisch ausgebildet. Den 180. Geburtstag feierte die Studiengemeinschaft des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) am 11. März 2020 an dem Ort, an dem alles begann.

Gründung durch Spittler

Es war in der Sakristei der Kirche St. Chrischona, wo Christian Friedrich Spittler am 8. März 1840 mit seiner Pflegetochter Susette, dem ersten «Chrischona-Bruder» Joseph Mohr und dem Schreinermeister Epple niederkniete. Er weihte die alte, verfallene Kirche St. Chrischona neu für die Aufgabe der «Pilgermission St. Chrischona»: Handwerker im christlichen Glauben schulen und sie wieder aussenden in die Welt.

tsc ist zurückgekehrt zu seinen Wurzeln

180 Jahre später ist die Pilgermission, die eine reiche und vielfältige Segensgeschichte erlebt hat, wieder zurückgekehrt zu ihren Wurzeln. Seit 2019 heisst sie Theologisches Seminar St. Chrischona und fokussiert sich auf die theologische Ausbildung, die bereits über 6500 Absolventinnen und Absolventen hat. Deshalb war es auch passend, dass es die Studierenden und Dozierenden des tsc waren, die Chrischona mit einem gemeinsam gesungenen «Happy birthday» gratulierten.

Vorbild Spittler

Claudius Buser, stellvertretender Rektor tsc und Dozent für Kirchengeschichte, erinnerte im Gottesdienst an die Anfänge unter Spittler. Dieser hatte mehrere Anläufe genommen, um die Pilgermission St. Chrischona gründen zu können. Erst beim vierten Versuch gelang es. Spittler mietete die Kirche St. Chrischona vom Kanton Basel-Stadt und begann dort, junge Handwerker im Glauben auszubilden. «Spittler war so dankbar, dass Gott ihm vergeben und ihn geheilt hat. Chrischona hat er gegründet, dass das Evangelium in die Welt getragen wird, die so viel Heilloses hat», berichtete Claudius Buser. Neben der Verkündigung des Glaubens lag Spittler die tätige Nächstenliebe am Herzen. So gründete er auch Hilfswerke für Waisen, Witwen oder Gehörlose. Für Claudius Buser ist Spittler deshalb ein Vorbild: «Die Gnade und die Barmherzigkeit sind die zwei Flügel, die uns auch heute bewegen sollten, etwas in der Welt zu verändern.»

Gottesdienst 180 Jahre tsc am 11.3.2020: Claudius Buser, Dozent für Kirchengeschichte
Claudius Buser betrachtet Christian Friedrich Spittler als Vorbild für die heutige Zeit.
Logo 180 Jahre tsc
2020 feiert das Theologische Seminar St. Chrischona sein 180-jähriges Jubiläum.

Spuren Gottes im Alltag entdecken

Die Predigt des Dankgottesdienstes hielt Rektor Benedikt Walker. Er gab drei Tipps und erklärte eine praktische Übung, wie sich Spuren Gottes im Alltag entdecken lassen. Erstens gelte es anzuerkennen, dass Gott souverän ist und sich überall offenbaren kann. Zweitens sollten sich Menschen eingestehen, dass sie vergesslich sind und immer wieder schuldig werden. Drittens brauche es eine Versöhnung mit der eigenen Geschichte. Die praktische Übung, die der Rektor erklärte, funktioniert mit Bohnen als Erinnerungshilfen. Bei jeder Kleinigkeit, die man täglich erlebt, könnte man sich eine Bohne von der rechten in die linke Hosen- oder Jackentasche stecken. Abends erinnert man sich mit ihrer Hilfe an die Erlebnisse und dankt Gott dafür.

tsc-Chorkonzert «180 Jahre tsc» am 28. Juni

Dass das Theologische Seminar St. Chrischona auch nach 180 Jahren weiterhin Menschen ausbilden kann, ist ein grosser Grund zum Danken. Dies tat die Studiengemeinschaft mit dem Psalm 103 sowie Lobpreisliedern und Gebeten. Der Dank soll sich fortsetzen im weiteren Verlauf des Jubiläumsjahres. So wird beim tsc-Jahresfest am 28. Juni 2020 ab 15 Uhr ein Chorkonzert mit Liedern und Geschichten aus 180 Jahren tsc stattfinden. Alle tsc-Freunde sind dazu herzlich eingeladen.

Gottesdienst 180 Jahre tsc am 11.3.2020: Rektor Benedikt Walker
Rektor Benedikt Walker erklärt, wie man Spuren Gottes im Alltag entdecken kann.

Was geschah am 8. März 1840?

Drei Wanderer zogen an jenem 8. März in der Morgenfrühe von Basel hinaus, dem waldigen Chrischona-Hügel zu. Es waren dies der ehrwürdige Vater Spittler, damals in seinem 58. Lebensjahre stehend, dessen Pflegetochter und langjährige Gehilfin, Fräulein Susette Spittler, und der Schreinermeister Epple, ein treuer Freund und Bruder in dem Herrn. Ihr Weg führte sie eine Weile dem prächtigen Rheinstrom entlang bis in die Nähe der badischen Grenze. Dort, am Schweizerischen Zollhäuschen, bogen sie links ab und gingen quer über Feld, dann durch liebliches Rebengelände, unmerklich steigend, dem Wenkenhofe und dem von Hügeln und Wäldern malerisch umgebenen Dörflein Bettingen zu. Von da galt es immer mehr zu steigen, bis nach etwa halbstündigem Marsch die alte, halbzerfallene St. Chrischona-Kirche auf der Hochfläche des Berges erreicht war. Unsre Pilger hatten die herrliche Aussicht, die sich dem Wanderer von jener Höhe darbietet, schon oft genossen, und manches Gebet war dann aus ihrem Herzen aufgestiegen, dass der Herr, dem diese Stätte von altersher geweiht und dessen Nähe in der feierlichen Stille ihnen oft so spürbar gewesen war, sich hier wieder einen Ort des Segens bereiten wolle zum Lobe seiner Gnade.

Und nun hatte der Herr angefangen, diese Bitten zu erhören […] und heute waren sie heraufgekommen, um mit dem jüngst eingetretenen ersten Pilgermissionar, ‹Bruder› Mohr, das neu zu beginnende Werk dem Herrn zu übergeben und in seinem Namen die Hand an den Pflug zu legen.
Durch das öde Schiff der Kirche schritten sie hindurch in das ebenso verwüstete hohe, gotische Chor. Dort zeigte sich ihnen zur linken Hand eine Tür, welche in einen Raum führte, der ehemals als Sakristei gedient haben musste. Hier hatte Bruder Mohr schon den Schutt hinweggeräumt, hatte etwas Ordnung gemacht und war tags zuvor in diese niedere Klause eingezogen, nachdem er die ersten Wochen im Nachbarhäuschen Unterkunft gefunden hatte. Aber wie überwältigend drängte sich allen die Wahrnehmung auf von der grossen und vielen Arbeit, die es kosten musste, um aus dem völlig verwahrlosten Kirchlein wieder ein würdiges Gotteshaus und eine Pflanzstätte christlichen Lebens zu machen!
Noch ungleich schwerer aber mochte ihnen die geistliche Aufgabe erscheinen. Konnte der Versuch, junge Männer aus dem Handwerkerstande zu brauchbaren Evangelisten für das Volk herauszubilden, gelingen? Woher sollten die Leute kommen? Woher die Geldmittel? Sie hatten ja nichts, keinen Fonds, keinen Vorrat, keine Versprechungen, wenig Ermutigung von aussen. Ja, aber sie hatten ihren Gott. Sie hatten den von ihm geweckten Trieb, etwas zu tun zur Verbreitung seiner Erkenntnis in den Herzen des Volkes. Sie hatten sein Wort und seine Verheissungen. Und tief durchdrungen von ihrer grossen Bedürftigkeit und dem grossen Reichtum ihres Gottes knieten sie in jener Sakristei nieder und weihten aufs Neue das alte, so lange dem Verfall preisgegebene Gotteshaus samt dem Werke, das sie darin zu beginnen gedachten, dem Herrn, der sie zu seinen Knechten und Werkzeugen erwählt und erkauft hatte.

Schreiber dieses hat die Schilderung jener unvergesslichen Stunde von den Lippen derjenigen, die damals stillschweigend zugehört und mitgebetet hat und die, wie sie scherzhaft zu sagen pflegte, der Anstalt Kindsmagddienste hat tun dürfen. Der Herr hat seinen Dienern und Handlangern sein Wort bestätigt, und das Samenkorn, das in jenen Frühlingstagen des Jahres 1840 im Glauben und mit viel Gebet in die Erde gelegt wurde, das Samenkorn, das oft zu ersterben drohte und von dem manches tatsächlich sterben musste, hat dennoch Lebensfähigkeit gehabt und zu einem Baum werden dürfen, unter dessen Zweigen nun nach Jahrzehnten manche Vögelein sitzen und mit einstimmen in das nie veraltende Lied des königlichen Sängers: Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! Amen.

Dieser Text stammt aus der Chronik «Die Pilgermission St. Chrischona 1840 – 1940» von Friedrich Veiel, Seite 32–34.

tsc-Community-Abend: Im Gespräch mit Dr. Debora Sommer

Wie Debora Sommer ihre Berufung als Theologin entdeckte

tsc-Communityabend am 5. März 2020

Wie Debora Sommer ihre Berufung als Theologin entdeckte

Einblicke in ihre Lebensgeschichte gab Dr. Debora Sommer der Studiengemeinschaft am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc). Bei einem Community-Abend am 5. März 2020 nahm die Leiterin Fernstudium Theologie am tsc die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine spannende Reise. Sie berichtete, wie sie ihre Berufung als Theologin entdeckte und begann, mutig zu leben.

Frau und Theologin

Von einer Kultur geformt, in der das Bild der Frau klar geprägt war, war es herausfordernd und auch mutig, einen Ruf von Gott zu folgen, der dieser Prägung zu widersprechen schien. Von klein auf hatte Debora den Wunsch, ihr Leben ganz Gott zu widmen. Sie begann ihr Theologiestudium an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule (STH) Basel mit dem Wissen, dass sie vermutlich selbst nie predigen würde. Nach einer Begegnung mit einer Mitstudentin, die eine Berufung als Pfarrerin in der Landeskirche hatte, begann sie sich mehr und mehr mit der Rolle der Frau aus theologischer Sicht auseinanderzusetzen. Diesem Thema widmete sie besondere Aufmerksamkeit in ihrer Doktorarbeit über Juliane von Krüdener: «Eine baltisch-adlige Missionarin bewegt Europa». Debora Sommer wurde bewusst, dass es manchmal erforderlich ist, mit der Bibel zu ringen statt mit Menschen. Es ist eine Kunst, theologische Spannungen respektvoll aushalten zu können und den Menschen in Liebe zu begegnen.

Ergänzung statt Konkurrenz

Deboras Sommers Bericht wurde durch Beiträge ihres Ehemanns Rolf ergänzt. Der Coach und Pastor ist Absolvent des Theologischen Seminars St. Chrischona. Es war eindrücklich zu erleben, wie sich die Ehepartner als Team ergänzen und unterstützen. So wurden Deboras Worte praktisch erlebbar: «Oft kämpft man nur ums Recht haben, statt um die Bereitschaft Rücksicht zu nehmen und Liebe reifen zu lassen». Dies birgt die Kraft, Unterschiedlichkeit zuzulassen, ihr zuzuhören und Spannungen auszuhalten. Es ist die Dialogfähigkeit, die es ermöglicht, die Sicht anderer zu hören, zu sehen und auch erstmal stehen lassen zu können. «Es geht darum, die innere Stärke bei Gott zu suchen, um kritikfähig zu bleiben und eigene Motive immer wieder zu überprüfen», erklärte Debora Sommer.
Rolf Sommer ermutigte die Studiengemeinschaft mit den Worten: «Habt Mut, Schritte zu wagen – auch, wenn es eventuell enttäuschend endet. Habt keine Angst Fehler zu machen, die gehören dazu und aus denen kann man lernen – habt Mut, mutig zu sein!» Schlussendlich geht es doch vielmehr um die Ergänzung und nicht etwa um Konkurrenz. Denn in der Vielfalt liegt die Einheit und dies bringt immer wieder Spannungen mit sich.

«Grosses Privileg, solche Dozentinnen am tsc zu haben»

Bei den Studierenden kam der Vortragsabend gut an. Zum Beispiel bei Ladina Wettstein, Studentin im Bachelor-Studiengang Theologie & Pädagogik. Sie sagte: «Ich erachte es als grosses Privileg, Dozentinnen und Dozenten wie Debora Sommer am tsc zu haben. Aus ihren Lebensgeschichten und Erfahrungen ergibt sich ein grosser Mehrwert für uns als Gemeinschaft auf St. Chrischona, von dem wir enorm viel profitieren können. Dies motiviert mich, solche Anlässe und Abende zu organisieren, koordinieren und durchzuführen.»

Dr. Debora Sommer
Dr. Debora Sommer leitet das tsc-Fernstudium.